Unter den übrigen von Salomon de Caus angegebenen Vorrichtungen zum
Heben von Wasser sind für uns noch einige solche von Interesse, bei
denen die Sonnenwärme als Wärmequelle zur Erzielung der Verdampfung
benutzt wird. Als Aufgabe 13 beschreibt er eine Maschine, mit deren
Hilfe man stehendes Wasser in Gestalt einer kontinuierlichen Fontäne
zum Ausströmen bringen kann. Auf dem Wasserbehälter ~I~ (Abb. 14)
stehen vier kleine kastenförmige Gefäße; sie sind unten durch ein Rohr
~P~ miteinander verbunden. Dieses Rohr mündet in seinem mittleren Teile
mittels eines Ventils ~H~ in das im Behälter ~I~ enthaltene Wasser.
Oberhalb der vier kleinen Gefäße liegt ein Rohr ~E~, von welchem je
ein senkrechtes Rohr in diese Gefäße mündet. Ein Rohr ~N~ mit Ventil
~G~ führt von dem Rohr ~E~ zu der kontinuierlich zu betreibenden
Fontäne. Die oberen vier Gefäße werden durch die Öffnung ~M~ zur Hälfte
mit Wasser gefüllt. Hierbei wird dieses Wasser durch das Ventil ~H~
zurückgehalten. Läßt man nun die Sonne direkt oder unter Einschaltung
von Brenngläsern auf die vier oberen Gefäße scheinen, so dehnt sich
die in diesen befindliche Luft aus und drückt das Wasser in das Rohr
~E~ und durch das Ventil ~G~ und Rohr ~N~ zu dem Springbrunnen. Dieser
läßt das Wasser wieder in das Gefäß ~I~ zurückfallen. Wird die Zufuhr
der Sonne unterbrochen, was bei Eintritt der Dunkelheit von selbst
erfolgt, so kühlt sich die in den vier oberen Gefäßen enthaltene Luft
ab und vermindert ihr Volumen. Infolgedessen schließt sich das Ventil
~G~, wogegen sich das Ventil ~H~ öffnet und Wasser aus dem Gefäß ~I~ in
die oberen Gefäße nach oben hin übertreten läßt. Bescheint die Sonne
wiederum den Apparat, so beginnt das Spiel von neuem.
[Illustration: Abbildung 14.
Vorrichtung Salomons de Caus zum Heben von Wasser mit Hilfe der
Sonnenwärme.]
Als Aufgabe 15 beschreibt Salomon de Caus die in Abb. 15 dargestellte
Sonnenkraftmaschine. Hier sind in dem Gestell ~A~ Brenngläser
angebracht, die die Sonnenstrahlen auf zwei Metallkästen werfen,
die in ihrem Innern die nach Aufgabe 13 ausgeführte Vorrichtung
enthalten. Durch Ventil ~C~ und Rohr ~D~ tritt die unter Druck stehende
Flüssigkeit zu der im Nebenraum aufgestellten Fontäne über.
[Illustration: Abbildung 15.
Vorrichtung Salomons de Caus zum Heben von Wasser mit Hilfe der
Sonnenwärme.]
Salomon de Caus war 1576 zu Dieppe geboren. Seines Zeichens Architekt,
kam er im Jahre 1612 nach England, um den Park des Prinzen von Wales
zu Richmond auszugestalten. Als sich die Tochter des Prinzen, die
Prinzessin Elisabeth, im Jahre 1615 mit Kurfürst Friedrich ~V.~ von
der Pfalz vermählte, siedelte Salomon de Caus nach dessen Residenz
Heidelberg über. Der dortige Schloßpark und die Schloßterrasse sind
sein Werk. 1619 kehrte er in seine Heimat zurück, wo er im Jahre 1626
verstarb. Bailles[30] und Arago[31] erblickten in Salomon de Caus
den Erfinder der Dampfmaschine. Im Jahre 1834 wurde ein angeblich
von Marion Delorme an den Marquis de Cinq-Mars gerichteter Brief
veröffentlicht[32], in dem mitgeteilt wurde, daß de Caus, da man seine
Anschauungen über die Dampfkraft für die Ausgeburt eines kranken
Gehirns hielt, von Richelieu zu Bicêtre eingekerkert worden sei. In
der Folgezeit erschien denn auch Salomon de Caus in Wort und Bild als
Märtyrer seiner Ideen. Unter anderem widmete ihm Brachvogel 1859 das
Drama „~Mon de Caus~“. Dagegen stellte sich der Brief Delormes als
eine Fälschung heraus. Dieses hindert aber nicht, anzuerkennen, daß
die Arbeiten Salomons de Caus eine wichtige Etappe auf dem Wege zu der
Erkenntnis des Wesens des Dampfes bilden. Für die Vielseitigkeit dieses
zu früh dahingerafften Pioniers der Dampfkraft spricht der Umstand,
daß er auch über Perspektive (London 1612), Sonnenuhren (Paris 1624),
Harmonie (Frankfurt 1615) Abhandlungen hinterlassen hat.
Neben Salomon de Caus ist noch zu nennen der ebenfalls aus Dieppe
stammende Isaak de Caus. Dieser verfaßte im Jahre 1644 ein Buch über
eine neue Erfindung, um Wasser zu heben; dasselbe enthält aber nichts
über die des Hebens mittels Feuer.
* * * * *
Mit dem Jahre 1617 erschließt sich für den die Geschichte der
Dampfmaschine behandelnden Fachmann eine eigenartige Quelle in Gestalt
der _englischen Patentschriften_. Eins der besten Geschichtswerke
über die Entwicklung der Dampfmaschine ist Fareys „~Treatise on
Steam Engine, historical, practical and descriptive~, London 1827“.
Desgleichen Robert Stuarts ~Descriptive History of the Steam Engine~,
London 1824. Beide Werke enthalten aber Angaben, welche gegenüber der
sich auf die englischen Patentschriften stützenden Forschung nicht
bestehen können. So enthält Stuarts ~History~ eine Zusammenstellung
der auf die Verbesserung der Dampfmaschine, der Feuerungen und der
Dampfkessel bezüglichen englischen Patentschriften, die als lückenhaft
und als zum Teil unzutreffend zu bezeichnen ist. Durch einen Zufall
wurde dem Schreiber dieses auch eine Anzahl in anderen gründlichen
Werken enthaltener Unstimmigkeiten kund, die derselbe in einer längeren
Abhandlung: „_Beiträge zur Geschichte der Erfindungen im 17. und
18. Jahrhundert_“ in „_Glasers Annalen für Gewerbe und Bauwesen_“ 1897,
Nr. 488 u. ff., richtig stellte.
Die sämtlichen seit dem 11. März 1617 erteilten englischen Patente
sind im Jahre 1857 gesammelt und bei George Edward Eyre und William
Spottiswoode in London neu gedruckt worden. In ihnen ist für die
Erforschung der Fortschritte der Technik von jener Zeit an ein reicher
Stoff niedergelegt, der den im übrigen durchaus gewissenhaften
Forschern Farey und Stuart nicht zur Verfügung stand. Nun gibt es außer
jenem Neudruck der seit 1617 ausgegebenen englischen Patentschriften
auch die von uns bereits mehrfach zitierten ~Abridgements of
Specifications relating to the Steam Engine~. _Leider lassen aber
auch diese eine absolute Zuverlässigkeit vermissen_. Schreiber dieses
hat daher, um hier eine Lücke auszufüllen, sämtliche englischen
Patentschriften vom Jahre 1617 bis auf James Watts erstes Patent vom
Jahre 1769, insgesamt 913 Stück, daraufhin geprüft, ob sie sich auf die
Verbesserung der Dampfmaschine oder Verwandtes beziehen.
[Illustration: Abbildung 16.