Battista della Portas Verdampfungsversuch.]

Man kann auch sehr leicht bemessen, in wieviel Luft sich eine gegebene

Menge Wassers verwandeln kann.

Man nehme ein Destilliergefäß, das unter dem Namen Gruale oder

gewöhnlich als ~materasso~, Kolben, bekannt ist, in welchem man

Branntwein brennt. Man lasse dieses Gefäß von Glas sein, damit man die

Wirkungen der Luft und des Wassers sehen kann.

Dieses Gefäß sei durch ~A~ (Abb. 11) dargestellt, und die Öffnung

desselben befinde sich in einem flachem Gefäß ~B~, das mit Wasser

gefüllt ist. Das Gefäß ~A~ sei mit Luft gefüllt, die mehr oder minder

dicht ist, nach Ort und Jahreszeit. Man rücke einen mit Feuer gefüllten

kleinen Ofen unter das Gefäß ~A~. Die Luft wird sich, sobald sie die

Wirkung der Wärme fühlt, ausdehnen und, nachdem sie dünner geworden

ist, einen größeren Raum einnehmen und auf das Wasser drücken, was zu

kochen scheinen wird. Dies ist ein Zeichen, das sich Luft entwickelt,

und je mehr die Hitze wirken wird, desto mehr wird das Wasser zu kochen

scheinen. Nachdem man den höchsten Grad von Luftverdünnung erhalten

haben wird, wird das Wasser aufhören zu kochen. Wenn man dann das

Feuer von dem Gefäß ~A~ wegnimmt, wird die Luft kälter werden und sich

verdichten und einen kleineren Raum einnehmen, und da sie nicht mehr

den leeren Raum in dem Gefäß ausfüllen kann, weil die Öffnung unter dem

Wasser ist, wird sie das Wasser in das Gefäß ziehen, und man wird das

Wasser mit Gewalt steigen und das Gefäß füllen sehen, so daß nur jener

Teil davon leer bleibt, wo sich die Luft auf ihren natürlichen Zustand

zurückgeführt befindet. Wenn man neuerdings Feuer an dieses geringe

Volumen Luft bringt, wird es sich nochmals verdünnen, das Wasser wird

hinausstürzen und, wenn man das Feuer entfernt, wieder steigen.

Nachdem man das Wasser gestellt hat, nimmt man eine Feder und Tinte

und bezeichnet außen am Glase die äußerste Oberfläche des Wassers im

Gefäße und gießt dann aus einem anderen Gefäß so viel Wasser in das

erstere, als nötig ist, bis zu dem angedeuteten Punkt zu gelangen.

Man mißt hierauf dieses Wasser, und sovielmal dieses Wasser das ganze

Gefäß füllen wird, sovielmal wird ein Teil der Luft, verdünnt durch

die Hitze, sich entwickeln, und dadurch entstehen ganz kuriose Dinge

(~grande secreti~).“

Schon vor dem Jahre 1605 versuchte _Marin Bourgeois_ in der Artillerie

Wasserdampf an Stelle von Pulver zu verwenden. Hiervon hörte _David

Rivault_, _Herr von Flurence_; er setzte sich mit Bourgeois in

Verbindung und ließ sich im Jahre 1606 dessen „Feuergewehr“ vorführen.

In den von Rivault im Jahre 1605 und 1608 herausgegebenen ~Elémens

d'Artillerie~[26] wird beschrieben, wie eine dünnwandige mit Wasser

gefüllte Äolipile, deren Öffnung verschlossen ist, mit heftigem Knall

explodiert, wenn sie der Einwirkung starker Hitze ausgesetzt wird.

Bourgeois hat übrigens, wie Sir Hugh Plat (vgl. S. 30), auch die

Beobachtung gemacht, daß, wenn man eine Äolipile erhitzt und in ein

mit kaltem Wasser gefülltes Gefäß wirft, sie Wasser in ihr Inneres

hineinsaugt[27].

Die in der zweiten Ausgabe der ~Elémens d'Artillerie~ gegebene

Beschreibung des Dampfgeschützes lautet wie folgt[28]: „_Wie ein

Geschütz mit Hilfe reinen Wassers abgefeuert werden kann_. Eine Kanone

von der gebräuchlichen Form wurde am Zündloch fest verschlossen, und

das Innere wurde mit Wasser gefüllt. Eine Kugel wurde hineingeschoben

und mittels eines Halters festgehalten. _Nunmehr wurde ein Feuer unter

den Schildzapfen des Rohres angebracht_. Als das Wasser hoch erhitzt

worden war, wurde der die Ladung sichernde Halter entfernt und der

Dampf trieb die Kugel mit großer Gewalt hinaus.“ Rivault gibt übrigens

auch die Abbildung einer von Bourgeois erfundenen Windkanone.

Im Jahrs 1615 erschien zu Heidelberg ein von _Salomon de Caus_[29]

verfaßtes, zum Teil an Heron sich anlehnendes Buch: „~Les Raisons des

forces mouvantes, avec diverses machines aussi utiles que plaisantes~“,

in welchem Beobachtungen über die Natur des Wasserdampfes sowie

Vorschläge für dessen praktische Verwendung gemacht werden. Diese sind

von seiten Aragos so hoch eingeschätzt, daß er Salomon de Caus als den

Erfinder der Dampfmaschine hingestellt hat. Eine aus dem Jahre 1624

stammende Ausgabe jenes Buches Salomons de Caus zerfällt in folgende

Unterabteilungen: Über die bewegenden Kräfte, Grotten- und Fontänenbau,

Orgelbau. Für die Geschichte der Dampfmaschine ist nur die erstere

wichtig, und zwar in erster Linie die dort aufgestellten „Theoreme“ ~I~

und ~V~.

_Salomons de Caus Theorem ~I~_.

„_Die Elemente vereinigen sich eine Zeitlang; sodann kehrt jedes wieder

an seinen Ort zurück_.

Es ist allgemein bekannt, daß alles, was die göttliche Vorsehung

geschaffen hat, zusammengesetzt und zusammengemischt ist aus Elementen,

ebenso alles das, was der Mensch ausführt. So ist z. B. das Holz und

alle anderen Dinge, die die Erde hervorbringt, aus Trockenem und

Feuchtem zusammengesetzt und zwar mit Hilfe des Feuers und der Luft.

Denn wir wissen aus Erfahrung, daß die Erde nichts hervorbringen würde,

wenn sie nicht von der Sonne erwärmt würde und wenn die Luft nicht

Wachstum verliehe. Wie nun aber die Natur etwas mit Hilfe der Elemente

entstehen läßt, so zerstört sie dieses wiederum mit Hilfe der Elemente,

indem sie jedes Element wiederum auf seine Stelle zurückkehren läßt. So

wird z. B. das Holz durch Wärme zerstört, die Feuchtigkeit verdampft

nach oben unter der Einwirkung der Wärme. Erreicht nun der Dampf mit

der Wärme eine gewisse Höhenregion, so verlassen sie einander; jeder

geht an seinen Ort zurück; die Feuchtigkeit fällt wieder auf die Erde.

Dieses nennen wir Regen. Diesen Vorgang werde ich an einem Beispiel

erläutern.

~A~ (Abb. 12) sei ein rundes, dichtes Gefäß, in dessen Inneres ein

Rohr ~C~ hineinragt, und zwar bis ungefähr auf dessen Boden. An dem

Rohre ~C~ ist ein Hahn zum Öffnen und Verschließen angebracht. Oben

ist an dem Gefäß noch die Öffnung ~E~ angeordnet. Man tue nun durch

diese Öffnung Wasser in das Gefäß hinein, und zwar einen Topf voll,

wie er neben dem Gefäß dargestellt ist, sofern das Gefäß drei solche

Töpfe faßt. Hierauf setze man das Gefäß drei oder vier Minuten lang

auf Feuer und lasse die obere Öffnung ~E~ offen. Nunmehr ziehe man das

Gefäß wieder vom Feuer fort und lasse das noch in demselben befindliche

Wasser hinaus. Man wird hierbei finden, daß ein Teil des Wassers durch

die Hitze des Feuers verdampft ist. Nunmehr fülle man in das Gefäß

wiederum die gleiche Menge Wasser wie vorhin, setze das Gefäß wiederum

auf das Feuer, verschließe aber sowohl die obere Öffnung ~E~ wie den

Hahn ~D~. Man lasse das Gefäß während der gleichen Zeit auf dem Feuer

wie vorhin, ziehe es dann vom Feuer zurück und lasse es erkalten, ohne

die Öffnung ~E~ zu öffnen. Gießt man nun das Wasser aus dem Gefäß aus,

so wird man finden, daß dieses in derselben Menge vorhanden ist, die

man in das Gefäß hineinfüllte. Hieraus ersieht man, daß das Wasser, das

zu Dampf geworden war, jetzt wieder zu Wasser sich verwandelt und sich

selbst abgekühlt hat. Man kann auch noch einen anderen Versuch machen.

Man tue wiederum ein Quantum Wasser in das Gefäß und setze dieses auf

das Feuer, nachdem man die Öffnung ~E~ geschlossen und den Hahn ~D~

geöffnet hat. Setzt man nun den Topf neben das Gefäß, so wird sich das

Wasser infolge der Hitze des Feuers aus dem Gefäße emporheben.“

[Illustration: Abbildung 12.

Die Geschichte der Dampfmaschine bis James Watt · 第 29 / 109 题