Dieselben drei Möglichkeiten oder Stufen, wie wir sie beim Humor der
Weltbetrachtung und beim Humor der Darstellung unterschieden haben,
bestehen endlich auch beim objektiven Humor. Darauf haben wir noch etwas
näher einzugehen.
Nach dem oben Gesagten unterscheiden wir einen harmlosen, in sich
unmittelbar versöhnten, unentzweiten, im engeren Sinne "humoristischen"
objektiven Humor; andererseits einen in sich entzweiten oder satirischen;
endlich einen wiederversöhnten oder ironischen objektiven Humor.
Der objektive Humor gewinnt ein mannigfaltigeres Ansehen, wenn wir mit
dieser Dreiteilung hier sogleich den Gegensatz der Situations- oder
Schicksalskomik und der Charakterkomik verbinden, den wir oben bei
Betrachtung der objektiven Komik feststellten, dann aber einstweilen
ausser Acht liessen. Indem ich die hieraus sich ergebenden Arten des
Humors bezeichne, setze ich gleich voraus, dass der Humor in Form des
Kunstwerkes uns entgegentrete. Dabei nehme ich mir die Freiheit, den
Namen "Komödie" zu verallgemeinern, und nicht nur das zunächst so
benannte dramatische Kunstwerk damit zu bezeichnen, in dem die Komik die
höchste künstlerische Verwertung findet, sondern jedes Kunstwerk, in dem
und soweit in ihm ein dargestelltes Komisches Träger des Schönen oder
Vermittler des ästhetischen Wertes ist.
Die "Komödie" in diesem Sinne ist erstlich harmlose oder im engeren Sinne
"_humoristische_" _Schicksalskomödie_. Der Mensch erfährt die Tücke des
Schicksals, sei es in Gestalt des blinden Zufalls, sei es in Gestalt des
neckenden oder feindlichen Thuns anderer, und wird objektiv komisch, er
erhebt sich aber darüber, als über etwas, das ihm und seinen wesentlichen
Zwecken nichts anhaben kann.--Ihr steht entgegen die harmlose
_Charakterkomödie_, das heisst dasjenige Kunstwerk, in dem in der
Schwäche, Beschränktheit, Verkehrtheit des Individuums und durch dieselbe
das relativ Gute, Vernünftige, Gesunde, kurz das positiv Menschliche sich
offenbart.
Diese Art der Schicksals- und Charakterkomödie verwirklicht sich in der
epischen Poesie, und soweit jener Gegensatz des Individuums und seiner
Komik in einer einzigen Situation darstellbar ist, schon in der bildenden
Kunst. Dass sie dagegen in Gestalt des dramatischen Kunstwerkes auftrete,
daran hindert der ihr eigentümliche Mangel des dramatischen Konflikts und
der dramatischen Entwicklung. Mag im komischen Drama der Konflikt gelöst
werden, oder zur Unlösbarkeit sich zuspitzen, in jedem Falle besteht ein
Konflikt, und in jedem Falle wird--nicht der Konflikt, aber das Komische
oder Nichtige, irgendwie überwunden, nämlich objektiv thatsächlich im
Falle der Lösung, nur innerlich im Falle der Unlösbarkeit des Konfliktes.
Wo aber die Person über die Tücke des Schicksals sich im oben
vorausgesetzten Sinne unmittelbar "erhebt", ich meine in dem Sinne, dass
sie trotz alles Strauchelns und Fallens doch ihrer selbst und ihrer guten
Zwecke sicher bleibt, da ist der Gegensatz zwischen ihr und dem Schicksal
für sie selbst von vornherein aufgehoben. Und damit ist Beides
ausgeschlossen, sowohl dass sie das Schicksal bekämpfe und äusserlich
darüber triumphiere, als auch dass sie dem übermächtigen und sie
äusserlich vernichtenden Schicksal die Würde ihrer Persönlichkeit
entgegenstelle und es so innerlich überwinde. Ebenso ist bei der
komischen Person, über deren verkehrtes Gebahren wir uns um des
dahinterliegenden Guten willen "erheben", so dass es uns nicht hindert,
den Wert der Person zu erkennen und anzuerkennen, der Gegensatz zwischen
dem Guten und der Verkehrtheit _für uns_ von vornherein überwunden. Wir
können darum nicht fordern, dass eine solche Überwindung noch besonders
sich _vollziehe_. Das heisst: wir können weder fordern, dass das
Verkehrte in der Person thatsächlich negiert, beseitigt, weggeschafft
werde, noch dass die bleibende Verkehrtheit in ihr Nichts
zurückgeschleudert und dadurch ein von ihr _negiertes_ Erhobene in seiner
Würde uns erst zum Bewusstsein gebracht werde.
In mancherlei Graden kann dieser harmlose Humor im Kunstwerk verwirklicht
sein. Vor allem kommt hier jener Unterschied des unbewußten und bewussten
Humors zu seinem Rechte, der bereits von uns betont wurde. In erster
Linie war damals gedacht an den Humor des komischen _Charakters_.
Derselbe Gegensatz besteht aber auch beim Humor des komischen Schicksals.
Wir begegnen der untersten Stufe des objektiven Humors der einen und der
anderen Art im Humor des naiven Kindergemütes, das weder der
Unzulänglichkeit oder Verkehrtheit seines Wollens, noch der Komik des
Schicksals, die es straucheln und fallen lässt, sich bewusst ist. Wir
begegnen beiden Arten des Humors in ihrer höchsten Steigerung bei der
vollbewussten Persönlichkeit, die in ihrem erhabenen Wollen nicht nur die
komische Situation deutlich erkennt, in welche, sie der natürliche Lauf
der Dinge geraten lässt, sondern auch die eigene Unvollkommenheit klar
durchschaut, darum aber doch weder am Weltverlauf noch an sich selbst
irre wird.
Ohne Zweifel würde es zur vollkommenen Persönlichkeit gehören, dass sie
das komische Geschick jederzeit voraussähe und abzuwenden wüsste. Darnach
muss vom erhabensten Standpunkte aus jede Schicksalskomik zugleich als
Charakterkomik erscheinen. Aber auch für den niedrigeren, menschlichen
Standpunkt können die beiden Arten der Komik nicht nur in einer Person
sich vereinigen, sondern sie werden sich jederzeit irgendwie, bald in
höherem bald in geringerem Grade, wechelseitig bedingen. Es ist also auch
die Scheidung zwischen Schicksals- und Charakterkomödie nur eine in
Gedanken rein vollziehbare; während in der Wirklichkeit der Kunst die
beiden in mannigfacher Weise sich verbinden. Je mehr die Charakterkomödie
über die Einfachheit eines Bildes hinausgeht oder aus der Stille eines
bescheidenen Daseins in den Strom des Lebens tritt, um so weniger werden
dem Helden, um seiner eigenen Komik willen, komische Situationen erspart
bleiben können. Umgekehrt wird die Schicksalskomödie, je weniger sie sich
auf der Oberfläche des blinden Zufalls hält, um so mehr im Charakter des
Helden einen schwachen Punkt statuieren müssen, aus dem das komische
Schicksal begreiflich erscheint. Das Leben des anspruchslosen
Schulmeisterleins Wuz von Auenthal kann so "still und meergrün"
verlaufen, wie es verläuft. Schon Onkel Bräsig dagegen greift soweit in
das Geschick Anderer ein, dass er es sich gefallen lassen muss, durch
sein gutmütiges Ungeschick in allerlei Ungemach zu geraten; und dass er
darein gerät, ist uns wiederum nur aus seiner komischen Natur
verständlich.