DIE DASEINSWEISEN DES HUMORS.

Das allgemeine Wesen des Humors, von dem im Vorstehenden die Rede war,

bestimmt sich genauer und gewinnt mannigfache speciellere Züge in den

verschiedenen Arten des Humors.

Solche lassen sieh zunächst unterscheiden nach zwei Gesichtspunkten.

Mehrfach schon war die Rede vom Humor als Stimmung, oder als Weise der

Betrachtung der Dinge. Ich "habe" Humor, wenn ich diese Stimmung habe

oder dieser Weise der Betrachtung mich hingebe. Ich selbst bin hier der

Erhabene, der sich Behauptende, der Träger des Vernünftigen oder

Sittlichen. Als dieser Erhabene oder im Lichte dieses Erhabenen betrachte

ich die Welt. Ich finde in ihr Komisches und gehe betrachtend in die

Komik ein. Ich gewinne aber schliesslich mich selbst, oder das Erhabene

in mir, erhöht, befestigt, gesteigert wieder. Damit ist hier der

humoristische Prozess vollendet.

Man erinnert sich des Gegenstückes dieser humoristischen Weltbetrachtung,

das uns oben bei Betrachtung der Tragik begegnete. Es besteht in der

Weltbetrachtung, die einen sittlichen Massstab anlegt--nicht an das

Kleine und Nichtige, oder an das, was so erscheint, sondern an das

Schlechte, das Böse, das Übel; kurz das ernste Nichtseinsollende. Auch

aus solcher Weltbetrachtung kann ich in meiner Persönlichkeit oder meinem

sittlichen Bewusstsein gesteigert zu mir zurückkehren.

Neben diese ernst sittliche Weltbetrachtung stellten wir die gleichartige

_Darstellung_ der Welt, der Menschen, des Geschehens in der Welt. Dieser

entspricht in der Sphäre des Humors die _humoristische Darstellung_. Ich

finde das Kleine, Nichtige, Belachens- und Verlachenswerte _dargestellt_

und komisch beleuchtet: zugleich offenbart sich in der Weise der

Darstellung der vernünftige oder sittliche Standpunkt. Sein Recht, seine

Wahrheit, seine Überlegenheit wird aus der Darstellung offenbar und

eindringlich.

Die dritte "Daseinsweise" des Humors endlich ist verwirklicht im

"objektiven Humor". Hier ist das Positive des Humors, d. h. das Erhabene

nicht mehr bloss in mir, auch nicht lediglich in der Weise der

Darstellung, sondern es findet sich, ebenso wie das Nichtige, in den

dargestellten Objekten. Diese Daseinsweise des Humors erst hat ihr

Gegenstück in der Tragik, und weiterhin in jeder künstlerischen

Darstellung, in der das Böse und das ernste Übel in der Welt einen Faktor

des ästhetischen Genusses ausmacht.

Bleiben wir noch einen Augenblick bei diesen drei Daseinsweisen des

Humors. Der Humor, so sagen wir, ist Erhabenheit in der Komik und durch

dieselbe. Bei der humoristischen Weltbetrachtung nun ist zunächst das

Erhabene in mir. Dann freilich ist auch das Komisch-Nichtige in mir, aber

nur sekundärer Weise, nur sofern, wie schon früher gesagt, mein Eingehen

in die Komik zugleich eine Art des Zunichtewerdens meiner selbst in sich

schliesst. Lediglich soweit dies der Fall ist, besteht hier Erhabenheit

in der Komik und demnach Humor.

Damit ist zugleich gesagt, dass dieser Humor in sehr verschiedenen Graden

sich verwirklichen kann. Es fragt sich jedesmal, in welchem Masse ich mir

das eigene Zunichtewerden gefallen lassen kann, und in welchem Masse ich

doch zugleich davor geschützt bin, thatsächlich zu nichte zu werden. Ich

muss, um diesen Humor zu erleben, von meiner Höhe herabsteigen; aber

nicht, um da unten zu bleiben, sondern um von da aus jene Höhe zu

ermessen und erst recht zu erkennen, also in meinen Gedanken,--und darum

handelt es sich ja hier--doch auch wiederum auf der Höhe zu bleiben, und

jetzt erst mit vollem Bewusstsein da zu sein.

Darin liegt dann zugleich das Umgekehrte: Ich bin auf der Höhe nicht

abgeschlossen, wie auf einer einsamen weltabgeschiedenen Höhe. Sondern

ich bin da mit der Möglichkeit, immer wiederum herabzusteigen und mich in

die nichtige Welt zu mischen. Und ich bin immer wiederum im Begriff dies

zu thun. Ich bin auf der Höhe mit der eigentümlichen Geistesfreiheit, die

hieraus sich ergiebt.

Derselbe Humor liegt bei der humoristischen _Darstellung_ in der Weise

der _Darstellung_. Er liegt zugleich in mir, sofern ich die Darstellung

innerlich nachmache und ihren Humor in mir nacherlebe. Auch hier ist das

Komische oder das Zunichtewerden nur sekundärer Weise mit dem

Erhabenen--in der Darstellung und in mir--vereinigt. Sofern ich den

hieraus sich ergebenden Humor in der Darstellung finde, ist derselbe

objektiver Humor; das Gefühl dafür ist eine Weise des objektivierten

Selbstgefühls. Andererseits ist der Humor der Darstellung doch wiederum

kein objektiver: Er ist noch nicht in den dargestellten Objekten.

Darum bezeichne ich den oben sogenannten objektiven Humor speciell mit

diesem Namen. Bei ihm ist der Humor dreifach da: in den Objekten, in der

Weise der Darstellung und in mir. Dies doch nicht im Sinne des

Nebeneinander. Der Humor ist in Wahrheit nur in mir. Aber ich erlebe ihn

in den Objekten und der ihrer Natur entsprechenden Darstellung.

Komik und Humor: Eine Psychologische-Ästhetische Untersuchung · 第 109 / 117 题