Auf diese Unterschiede werden wir später zurückzukommen haben.
Einstweilen sahen wir, dass Erhabenheit in der Komik das Wesen des Humors
bezeichnet.
Wir sagten aber auch schon, der Humor sei Erhabenheit in der Komik und
_durch_ dieselbe. Die Erhabenheit ist nicht nur bei der Komik, oder
irgendwie mit ihr verbunden, sondern die Komik lässt die Erhabenheit erst
eigentlich für uns zu stande kommen.
Wie dies möglich ist, dies sagt uns wiederum das Gesetz der "psychischen
Stauung". Wiefern eine solche Stauung bei aller Komik stattfinde, haben
wir gesehen. Wir sahen, wie diese Stauung die "Verblüffung" bewirkt, wie
sie dann den Anspruch des Nichtigen ein Erhabenes zu sein, heraustreten
lässt und dadurch das Nichtige, auch nachdem es als solches, das heisst
als Nichtiges sich dargestellt hat, zum Gegenstande der Aufmerksamkeit,
und damit zum Objekte des freien und heiteren Spieles der Auffassung
werden lässt.
Zugleich aber bewirkt die Stauung ein Weiteres; nämlich die nachfolgende
Rückwärtswendung des Blickes auf dasjenige, das den Anspruch der
Erhabenheit machte. Dabei bestehen die beiden Möglichkeiten: Dieser
Anspruch erscheint auch jetzt als blosser Anspruch; oder er erscheint als
berechtigter Anspruch.
Wie sonst, so lässt auch hier die "Rückwärtswendung des Blickes", das
heisst die Rückkehr der seelischen Bewegung nach ihrem Ausgangspunkte zu,
an diesem Ausgangspunkte neue Seiten entdecken, falls nämlich an ihm
solche zu entdecken sind.
Ich erinnere noch einmal an eines der oben angeführten Beispiele: Auf ein
A sahen wir in der Erfahrung sonst ein B folgen. Jetzt folgt ihm ein dem
B widersprechendes B1. Dann ist das Erste die Verblüffung, das
[Griechisch: thaumazein], die Frage: Was ist oder was will das. Ihr folgt
das sich Besinnen, die Konzentration auf das A und die Erwartung, dass
wieder B folge. Das Dritte ist in diesem Falle--nicht die Auflösung der
Erwartung in nichts, aber das Bewusstsein des Widerspruches.
Daran aber schliesst sich die Rückkehr zu dem A. Und diese Rückkehr ist
gleichbedeutend mit einer genaueren Betrachtung des A, mit der Frage, ob
A wirklich das A sei, auf das sonst das B folgte. Dabei kann an dem A
etwas gefunden werden, das es von jenem A unterscheidet, es zu einem
davon verschiedenen A1 macht.
Der gleiche Prozess vollzieht sich auch bei der Komik. Auch hier führt
die Rückkehr zu A, ich meine zu dem, was als erhaben sich gebärdete, zur
volleren Erkenntnis desselben. Hat dasselbe begründeten Anspruch auf
Erhabenheit, so wird, was diesen Anspruch begründet, entdeckt, oder es
tritt deutlicher ins Bewusstsein. Das Komische erscheint schliesslich
vielleicht als das eigentlich Erhabene.
Indem das nicht nur scheinbar, sondern in Wahrheit Erhabene
solchergestalt aus dem komischen Prozess erst recht als ein Erhabendes
emportaucht, besitzt es zugleich für uns einen besonderen Charakter. Es
giebt eben doch an ihm eine Seite, oder es giebt für dasselbe eine
mögliche Beleuchtung, die es jederzeit wiederum zum Gegenstand der Komik
oder unserer spielenden Anfassung werden lassen kann. Dadurch mildert
sich seine Erhabenheit. Hat die Erhabenheit Strenge, so weicht diese
Strenge. Der Gegenstand der Ehrfurcht wird uns vertrauter, wird Gegentand
der Liebe. Es ist die Aufgabe des Humors, Erhabenes liebenswert
erscheinen zu lassen, wie es andererseits seine Aufgabe ist, Erhabenes im
Verborgenen, in der Enge und Gedrücktheit, im Geringgeachteten und
Verachteten, in jeder Art der Kleinheit und Niedrigkeit aufzusuchen.