Das ästhetisch Wertvolle ist in unseren Tagen gelegentlich vom Schönen
unterschieden worden. Der Streit hierüber wäre jedoch ein blosser
Wortstreit. Ich entziehe mich demselben, indem ich erkläre, dass ich
unter dem Schönen, wie freilich im Grunde jeder, nichts anderes verstehe,
als eben das ästhetisch Wertvolle. Das Verhältnis des Komischen zum
ästhetisch Wertvollen ist also das Verhältnis des Komischen zum Schönen,
und umgekehrt.
Wertvoll ist dasjenige, das Wert hat, d. h. das so beschaffen ist, dass
es für uns erfreulich sein kann. Ästhetisch wertvoll ist dasjenige, das
um seiner Beschaffenheit willen Gegenstand der ästhetischen Freude oder
des ästhetischen Genusses sein kann.
Dies müssen wir nach einer bestimmten Richtung hin genauer bestimmen.
Etwas kann Wert haben, weil es ein an sich Wertvolles, d. h. vermöge
seines blossen Daseins Erfreuliches schafft, hervorbringt, ermöglicht,
etwa eine wertvolle Erkenntnis, oder eine wertvolle Erinnerung, oder das
Dasein eines von ihm unterschiedenen wertvollen Objektes. Solcher Wert
ist Nützlichkeitswert. Dabei nehme ich dies Wort, wie man sieht, nicht im
engsten, sondern in einem weiteren, über die blosse _praktische_
Nützlichkeit hinausgehenden Sinne.
Davon nun unterscheidet sich der ästhetische Wert, sofern er Wert des
wertvollen Objektes selbst ist, also ein Wert, dessen wir inne werden,
indem wir nur dies Objekt, so wie es ist oder sich uns darstellt, uns
vergegenwärtigen und auf uns wirken lassen. Mit einem Worte, der
ästhetische Wert ist Eigenwert; der ästhetische Genuss Genuss dieses
Eigenwertes.
Hiermit ist nicht etwa eine Definition des "ästhetischen Wertes" gegeben,
sondern nur gesagt, welcher umfassenderen Gattung von Werten der
ästhetische Wert angehöre. Auch das sinnlich Angenehme und das sittlich
Gute sind ja an sich wertvoll. Ich habe also hier lediglich das
ästhetisch Wertvolle mit diesen anderen Arten des Wertvollen
zusammengeordnet.
Aber vielleicht gesteht man mir das Recht dieser Zusammenordnung nicht
zu. Oder man findet, damit sei ein Standpunkt bezeichnet, dem gegenüber
andere Standpunkte möglich seien.
Dann bemerke ich, dass ich hier allerdings nicht einen Standpunkt
vertreten, sondern eine Thatsache feststellen will. Die Thatsache aber,
um die es hier sich handelt, ist im wesentlichen eine Thatsache des
Sprachgebrauches.
Es handelt sich um den "ästhetischen Wert". Nicht jeder ästhetische Wert
ist Wert eines _Kunstwerkes_. Auch Naturobjekte haben ästhetischen Wert.
Wohl aber gilt das Umgekehrte: Jedes Kunstwerk hat, sofern es diesen
Namen verdient, ästhetischen Wert. Daraus folgt, dass das Spezifische des
ästhetischen Wertes nur in Etwas liegen kann, dem wir auch beim
Kunstwerke, und zwar bei jedem Kunstwerke begegnen.
Andererseits könnte ein Kunstwerk, nicht überhaupt, sondern als solches,
auch noch einen anderen als den ästhetischen Wert haben. Und es könnte
speciell sein "_Kunstwert_" in einem solchen von "ästhetischen" Werten
prinzipiell verschiedenen Werte bestehen.
Dann ist unsere Frage eine doppelte. Sie lautet einmal: Was macht den
Wert des Kunstwerkes? und zum anderen: Was macht seinen ästhetischen
Wert?
Zunächst fragen wir: Worin besteht der Sinn des Wortes "Kunst"? Darauf
sind verschiedene Antworten möglich. Etwa: "Kunst" kommt von "Können".
Kunst ist also jedes Können u. s. w.
Indessen der Sprachgebrauch unterscheidet auch deutlich zwischen "Kunst"
und "Kunst". Es giebt eine "Kunst", von der die Kunstgeschichte
berichtet, die denjenigen, der sie treibt, zum Künstler, nicht zum
blossen Handwerker oder "Artisten" stempelt. Diese Kunst ist es, deren
Erzeugnisse ästhetischen Wert und "Kunstwert" besitzen.
Um nun den Sinn dieser "Kunst" festzustellen, giebt es soviel ich sehe,
nur einen Weg. Wir müssen fragen, welche Arten derselben vorliegen; was
für Erzeugnisse der menschlichen Thätigkeit nach jedermanns Meinung, in
jenem eben angedeuteten engeren oder höheren Sinne des Wortes,
_Kunstwerke_ sind.
Diese Frage aber beantworten wir, indem wir uns erinnern, dass
beispielsweise die Poesie, die Malerei, die Plastik, die Architektur, die
Musik allgemein als solche Künste bezeichnet werden. Die Frage lautet
also: Was haben diese Künste Gemeinsames? Dies Gemeinsame muss den
allgemeinen Sinn des Wortes "Kunst" ausmachen.