BESONDERHEIT DER NAIVEN KOMIK.

So sehen wir die Komik in doppelter Weise in ihr Gegenteil umschlagen,

das eine Mal in ernste Unlust, das andere Mal in ernste Befriedigung.

Dieser Umschlag kann bei der objektiven und nicht minder bei der

subjektiven Komik geschehen. Doch immer nur unter bestimmten Umständen.

An sich liegt dazu in diesen beiden Gattungen des Komischen kein Anlass.

Dagegen besteht ein solcher Anlass jederzeit in gewissem Grade in der

naiven Komik. Hier werden, wie oben gesagt, jederzeit Forderungen von

unbedingtem Wert verneint und erfüllt. Daraus kann sich von vornherein

eine wesentliche Herabstimmung der Komik ergeben. Das Gefühl kann von

vornherein an der Grenze stehen, wo die Komik in ernste Lust oder Unlust

übergeht. Oder es kann erst ausgesprochenes Gefühl der Komik sein, dann

ein Gefühl des Ernstes an die Stelle treten.

Wer von dem Wert der Ehre, wie wir sie gemeinhin zu fassen pflegen, auch

derjenigen, von der wir meinten, dass sie _Falstaff_ mit Recht

herunterziehe, in hohem Masse durchdrungen ist, wird für die Komik der

_Falstaff_'schen Rede über die Ehre wenig Verständnis haben. Andererseits

könnte uns die Bewunderung, die wir der Sicherheit des sittlichen

Bewusstseins beim Korporal Trim entgegenbringen, derart gefangen nehmen,

dass wir seine Antwort auf die Frage des Doktors der Theologie nicht

komisch, sondern von vornherein nur erhaben fänden. Angenommen aber, wir

haben Sinn für die Komik der _Trim_'schen Rede; dann wird doch das Ende

der Komik hier nicht die Komik, sondern der Ernst sein, nämlich eine Art

ernster Befriedigung.

Hier zeigt sich deutlich die besondere Eigenart der naiven Komik. Sie

liegt im Unterscheidenden dieser Gattung, wie wir es kennen gelernt

haben, notwendig begründet. Die angemasste Erhabenheit des Nichtigen

zergeht in der objektiven Komik thatsächlich. Ebenso die scheinbare

Wahrheit des nichtigen Spieles mit Worten in der subjektiven Komik.

Dagegen zergeht die Erhabenheit der naiv komischen Äusserung oder

Handlung, die ihren Grund hat in der Klugheit, Gesundheit, dem

natürlichen sittlichen Gefühl, kurz dem Wertvollen der Persönlichkeit,

das darin sich zu erkennen giebt, immer nur für die allgemeine und

ebendarum einseitige Betrachtungsweise, sie bleibt bestehen für die

persönliche Beurteilung, also für die tiefere, weil dem Individuum

gerecht werdende Einsicht. Indem der Blick zurückkehrt, findet er das

wertvolle Erhabene in seinem Wert und seiner Erhabenheit wieder; nicht

als Inhalt einer unerfüllten und darum peinlichen Forderung, sondern als

erkannte Thatsache. Oder vielmehr, dies Wertvolle kommt jetzt erst recht

in seinem Werte zum Bewusstsein und wirkt als das Erhabene, das es ist.

Es thut dies immer ausschliesslicher, indem die Komik in sich und im

Kampfe mit ihm erlahmt. Der Gedanke an das Wertvolle wird zum

herrschenden, und die erhebende Freude an seinem Inhalte zum herrschenden

Gefühl.

Andererseits wird die unerfüllte Forderung, welche die allgemeine und

einseitige Betrachtungsweise stellt, in ihrer Einseitigkeit erkannt. Die

Strenge dieser Forderung schwindet oder mildert sich gegenüber dem naiven

Individuum, auf das sie nicht oder nicht in ihrer Strenge anwendbar

erscheint. So kann sich auch ihr gegenüber das Bewusstsein des Wertvollen

im Individuum behaupten. Ja es kann dies Letztere schliesslich so erhaben

erscheinen, dass nun im Vergleich mit ihm das Erhabene der gemeinen

Betrachtungsweise in nichts zergeht und so seinerseits komisch wird.

Damit ist die naive Komik in ihr vollkommenes Gegenteil umgeschlagen.

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Blicken wir jetzt zurück, so erscheint die Komik arm und reich, leer und

inhaltsvoll zugleich. An sich ist sie nichts als inhaltlich

gleichgültiges, leichtes und leicht verklingendes Spiel der

Vorstellungen, das als solches begleitet erscheint von einem Gefühl

heiterer, durch die notwendig stattfindende Enttäuschung der Erwartung

oder Durchbrechung des gewohnten Vorstellungszusammenhanges kaum

getrübter, aber vergänglicher Lust. Die Komik erhält höhere Bedeutung

erst, wenn Werte, die auch ausserhalb der Komik bestehen, in sie

eingehen. Solche Werte können in den komischen Vorstellungszusammenhang

eintreten und von dem Strudel der komischen Vorstellungsbewegung

hinabgezogen werden, dann aber auftauchen und sieghaft sich behaupten.

Indem sie dies thun, erscheinen sie erst recht in ihrem Werte, und wirken

auf das Gemüt, wie sie es nicht vermocht hätten in dem gewöhnlichen

Vorstellungszusammenhang, wo sie in Gefahr waren, zu Momenten in dem

gleichmässig fortgehenden Strome des seelischen Geschehens herabgesetzt

und keiner besonderen Beachtung gewürdigt zu werden.

Damit hebt dann freilich die Komik sich selbst in ihr Gegenteil auf. Will

man von einer höheren Aufgabe der Komik reden,--und sie hat eine solche

im Leben und in der Kunst,--so besteht sie eben in diesem Dienste, den

sie dem Wertvollen in der Welt leistet, indem sie selbst, als reine

Komik, zu bestehen aufhört.

Die Komik, so dürfen wir dies steigern, ist dazu da, Wertvolles und

zuletzt sittlich Wertvolles in seiner Erhabenheit darzustellen. Mit einem

Worte: Sie ist dazu da, zum Humor sich aufzuheben. Darin besteht ihre

sittliche und zugleich ästhetische Bedeutung. Der Humor tritt neben die

Tragik, der eine gleichartige Aufgabe zufällt. Nur dass dort das

Nichtige, hier das Leiden den Durchgangspunkt bildet und die Vermittlung

vollzieht. Humor und Tragik, das sind die beiden Weisen, im Leben und in

der Kunst durch Dissonanzen der Konsonanz, d. h. dem Guten erst die

rechte Kraft zu geben.

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Komik und Humor: Eine Psychologische-Ästhetische Untersuchung · 第 76 / 117 题