Ich habe im Vorstehenden das Gefühl der Komik bezeichnet, und den
Prozess, durch welchen dasselbe entsteht, dargelegt. Damit ist doch noch
kein vollständiges Bild gegeben vom psychologischen Thatbestande der
Komik.
Zunächst ist die komische Vorstellungsbewegung umfassender, als bisher
ausdrücklich gesagt wurde. Wir nannten komisch die geringfügige Leistung
nach grossen Versprechungen. Aber nicht nur die geringfügige Leistung
schrumpft in nichts zusammen, wenn sie als das, was sie ist, betrachtet
wird. Auch die Versprechungen, nicht minder die Person dessen, der sie
gab, wird in diese Vernichtung hineingezogen. Die Leistung erhob den
Anspruch grosse Versprechungen zu erfüllen. Jetzt ist sie dieses
Anspruches verlustig. Gleicherweise erhoben die Versprechungen den
Anspruch Ankündigung oder Bürgschaft grosser Leistungen zu sein, die
Person erhob den Anspruch der Zuverlässigkeit und der Fähigkeit zur
Verwirklichung der versprochenen Leistungen. Jetzt sind die
Versprechungen leer, der Versprechende ist ein eitler Grosssprecher.
Schliesslich werden auch solche komisch, die auf die Versprechungen etwas
gaben, darunter wir selbst.
Indessen wichtiger ist mir hier ein zweiter Punkt. Zunächst dieser: Je
höher die Erwartung gespannt ist, oder je mehr das Nichtige zuerst als
ein Bedeutungsvolles erschien, um so mehr war im Anfang der komischen
Vorstellungsbewegung unsere Aufmerksamkeit von der Erwartung oder der
scheinbaren Grösse des Nichtigen in Anspruch genommen, um so stärker
ist dann die Entladung. Ich achtete nur auf das zu Erwartende oder auf
das scheinbar Grosse; jetzt hat in mir neben dem Nichtigen wiederum
allerlei Platz, das vorher verdrängt war. Die komische Enttäuschung
bringt mich "zu mir"; meine Aufmerksamkeit geht wiederum über den
Vorstellungszusammenhang, dem das komische Erlebnis angehört, hinaus zu
solchem, das zu ihm keine Beziehung hat.
Doch das eigentlich Wichtige, das ich hier meine, besteht nicht sowohl
darin, dass dies geschieht, als vielmehr darin, dass solches Hinausgehen
über den komischen Vorstellungszusammenhang nicht in dem Masse und nicht
so unmittelbar stattfindet, wie man erwarten könnte.
Dem komischen Objekt ist mehr psychische Kraft zu teil geworden, als es
beansprucht, also auch mehr als es festzuhalten vermag. Die Energie der
Festhaltung ist ja dieselbe wie die Energie der Beanspruchung. Es scheint
also die psychische Kraft leicht von dem komischen Objekt sich wieder
lösen zu müssen. Beliebiges Andere scheint dieselbe leicht aneignen zu
müssen. Die Komik scheint nur ein momentanes Dasein haben zu können.
Dies ist in der That nicht der Fall. Wir bleiben eine Zeitlang in der
komischen Vorstellungsbewegung. Wir bleiben darin, um sie zu wiederholen.
Dies verstehen wir, wenn wir uns wiederum der psychischen Stauung
erinnern, die bedingt ist durch den Charakter des Unerwarteten, Neuen,
Seltsamen, Rätselhaften, das dem Komischen anhaftet. Dadurch ist die
Brücke zwischen dem Komischen, und dem, was jenseits desselben liegt,
abgebrochen. Der "Abfluss" der Vorstellungsbewegung ist gehemmt, der
komische Vorstellungszusammenhang ist psychisch relativ isoliert.
Darum hat doch der Umstand, dass das komisch gewordene Nichtige
geringe eigene Energie der Aneignung psychischer Kraft, also
auch geringe Fähigkeit der Festhaltung derselben besitzt, seine
Wirkung. Nur bleibt diese Wirkung zunächst innerhalb des komischen
Vorstellungszusammenhanges. Die psychische Kraft "fliesst" in der That
von dem Nichtigen "ab"--wenn es erlaubt ist auch hier diesen bildlichen
Ausdruck zu gebrauchen, dessen erfahrungsgemässer Sinn zur Genüge
deutlich gemacht worden ist--, aber sie fliesst ab auf das Grosse und zur
Aneignung psychischer Kraft Fähige, das unmittelbar mit dem Nichtigen
zusammenhängt, das heisst, sie fliesst zurück zu dem Erwarteten, an
dessen Stelle das Nichtige getreten ist, beziehungsweise zu dem, was das
Nichtige zuerst als ein Grosses erscheinen liess.