Nehmen wir jetzt an, das durch die Erwartung vorbereitete Objekt sei ein
Kleines oder relativ Nichtiges, dann muß dies Kleine, in dem Masse als es
durch die Erwartung eines Grossen vorbereitet ist, nicht nur ein minderes
Gefühl der Grösse, sondern ein stärkeres Gefühl der Kleinheit erzeugen.
Oder: Ist ein grösseres Objekt um so mehr Gegenstand des Gefühls der
Grösse, je weniger wir auf die Erfassung eines Grossen vorbereitet sind,
so muss das Kleine um so mehr Gegenstand des Gefühles des Heiteren sein,
je mehr eine solche Vorbereitung stattgefunden hat. Die Erwartung eines
Grossen schliesst hier ein um so grösseres _Übergewicht_ der verfügbaren
psychischen _Kraft_ über die Energie der _Inanspruchnahme_ derselben in
sich, je grösser das Grosse, zugleich je kleiner oder nichtiger das
Kleine ist. Auf diesem Übergewicht aber beruhte uns das Gefühl des
Heiteren. Das _besondere_ Übergewicht aber, das unter der hier
bezeichneten Voraussetzung stattfindet, lässt das Gefühl des Heiteren,
das wir vorhin auch schon dann eintreten sahen, wenn diese besondere
Voraussetzung nicht gegeben war, zu dem ausgesprochenen Gefühl des
Heiteren werden, das wir als Gefühl der Komik bezeichnen.
Das Gleiche, was durch die Erwartung des Grossen bedingt wird, wird auch
zuwege gebracht, wenn _Dasselbe_ erst bedeutungsvoll, dann nichtig
erscheint. Es besitzt, als Bedeutungsvolles, sein erhebliches Mass
psychischer Kraft; und diese verbleibt ihm, wenn es ein Nichtiges
geworden ist. Wir sahen freilich, dass diese beiden Fälle nicht
grundsätzlich verschieden sind. Auch in jenem Falle kann gesagt werden,
es erscheine Dasselbe erst bedeutungsvoll dann nichtig. Und auch in
diesem Falle kann von einer "Erwartung" eines Bedeutungsvollen gesprochen
werden.
Hiermit ist das Gefühl der Komik verständlich geworden. Nicht jedes
beliebige Gefühl der Komik, sondern das Gefühl der Komik im allgemeinen.
Zugleich leuchtet ein, warum dasselbe zunächst als Gefühl komischer Lust
sich darstellen muss. Wir sahen ja: Das Übergewicht der Verfügbarkeit der
psychischen Kraft über die Inanspruchnahme derselben ist Grund der Lust
und lässt _zugleich_ dies Gefühl den Charakter des Heiteren, Leichten,
Spielenden gewinnen.
Ist es erlaubt, für den Grund der Entstehung dieses Gefühles schliesslich
noch ein verdeutlichendes Bild zu gebrauchen, so denke man sich, jemand
erwarte und sei gerüstet auf den Besuch einer aus mehreren Köpfen
bestehenden Familie, habe also den Raum, und was sonst erforderlich ist,
verfügbar gemacht. Kommt nun statt der erwarteten eine grössere Anzahl
von Gästen, so werden diese die Insassen des Hauses beengen und sich
selbst beengt fühlen. Kommt dagegen nur ein einziger, so wird dieser
freier sich entfalten und bequemer sich ausbreiten können, als wenn auf
ihn allein gerechnet worden wäre. Oder nehmen wir an, es sei überhaupt
niemand angekündigt, die ans mehreren Köpfen bestehende Familie sei aber
gekommen und habe den Hausherrn genötigt, wohl oder übel, den für sie
erforderlichen Platz zu schaffen; dann seien alle bis auf einen wieder
abgereist; so wird wiederum der Zurückbleibende, so lange bis die alte
Ordnung wieder hergestellt ist, sich freier ausbreiten können, als wenn
er von vornherein der einzige Gast gewesen wäre.
Ähnlich nun, wie jenem, an Stelle der angekündigten Familie
eingetroffenen Gaste, ergeht es in uns der Wahrnehmung des kleinen
Häuschens, das an Stelle des Palastes tritt. Der Wahrnehmungsvorgang
breitet sich in der Seele leicht und ungehemmt aus, und ist darum
Gegenstand einer, zugleich lustbetonten Komik. Und ähnlich, wie diesem
allein übrig gebliebenen Gaste, ergeht es der schwarzen Hautfarbe des
Negers, dem Spiel mit Worten, der naiven Äusserung oder Handlung, nachdem
der Gedanke an ihre Bedeutung zurückgetreten ist. Auch diese Inhalte
vermögen leicht und mühelos, "spielend", sich in uns zur Geltung zu
bringen.
Diese spielende Entfaltung des relativen Nichts unterbricht und löst die
Spannung, welche die Erwartung oder der Schein des Bedeutungsvollen
erzeugte. Insofern hat _Kant_ Recht, wenn er die Komik als die "Auflösung
einer Spannung" in Nichts bezeichnet. Das relative Nichts erlangt, indem
es sich entfaltet, in unserem Bewusstsein momentan die Herrschaft. In
diesem Sinne kann das "vive la bagatelle" _Jean Paul_'s zur Devise, nicht
nur des Humors, sondern aller Komik gemacht werden.