DAS KOMISCHE "LEIHEN".

Unser bisheriges Ergebnis ist dies. Das Gefühl der Komik entsteht, indem

ein--gleichgültig ob an sich oder nur für uns--Bedeutungsvolles oder

Eindrucksvolles für uns oder in uns seiner Bedeutung oder

Eindrucksfähigkeit verlustig geht.

Das zur Feststellung dieses Satzes Vorgebrachte bedarf aber noch der

Ergänzung oder der näheren Bestimmung. Diese wollen wir in der Weise

gewinnen, dass wir zugleich solche andere Theorien, die gleichfalls auf

jener Grundanschauung beruhen, oder wenigstens Elemente derselben in sich

schliessen, mit in die Diskussion hereinziehen.

Schon _Lessing_ war mit dem Kontrast--zwischen Vollkommenheiten und

Unvollkommenheiten--wie ihn die _Wolff_'sche Schule der Komik zu Grunde

gelegt hatte,--nicht zufrieden, sondern forderte, dass die

Kontrastglieder sich verschmelzen lassen müssen.

Dies wiederum genügt _Vischer_ nicht. Der Kontrast, so erklärt er, muss

zum Widerspruch werden; der komische Widerspruch aber ist erst vorhanden,

wenn dasselbe Subjekt "in demselben Punkte zugleich als weise oder stark

und als thöricht oder schwach" erscheint. Dieser Widerspruch ist "in

seiner ganzen Tiefe gesetzt" "Widerspruch des Selbstbewusstseins mit

sich". Das Subjekt muss "erscheinen als um seine Verirrung wissend und

sich in demselben Momente dennoch verirrend, oder als bewusst und

unbewusst zugleich".

Thatsächlich freilich weiss das komische Subjekt nicht um seine Verirrung

oder braucht nicht darum zu wissen. Dann "leihen" wir ihm nach _Vischer_

dies Wissen oder schieben es ihm unter. Diesen Begriff des Leihens

entnimmt _Vischer_ von _Jean Paul_ und er findet darin eine bedeutende

Entdeckung desselben. Der Sinn des fraglichen Begriffes wird am

einfachsten deutlich aus dem _Jean Paul_'schen Beispiel, dass auch

_Vischer_ citiert: "Wenn Sancho eine Nacht hindurch sich über einem

seichten Graben in der Schwebe erhielt, weil er voraussetzte, ein Abgrund

klaffe unter ihm, so ist bei dieser Voraussetzung seine Anstrengung recht

verständig und er wäre gerade erst toll, wenn er die Zerschmetterung

wagte. Warum lachen wir gleichwohl? Hier kommt der Hauptpunkt: wir leihen

seinem Bestreben unsere Einsicht und Ansicht und erzeugen durch einen

solchen Widerspruch die unendliche Ungereimtheit."

Dieses Leihen bestreitet _Lotze_, und mit gutem Rechte. Schieben wir dem

zweckwidrig Handelnden unsere ihm verborgene Kenntnis der Umstände unter,

so wird seine Handlungsweise für uns "in ihrer Dummheit unbegreiflich".

Da andrerseits _Jean Paul_ recht hat, wenn er die Handlungsweise

_Sancho_'s unter der Voraussetzung, der Abgrund klaffe wirklich unter

ihm, recht verständig nennt, so folgt, dass wir das Verhältnis zwischen

Wissen und Handeln überhaupt nicht für die Komik dieses Falles

verantwortlich machen dürfen. In der That geht dies auch nach _Vischers_

Theorie nicht an. _Vischer_ fordert den Widerspruch, aber dass ich meiner

Einsicht entgegen handle, ist kein Widerspruch. Ein solcher besteht nur

zwischen Wissen und Nichtwissen, Handeln und Nichthandeln, überhaupt

zwischen Sein und Nichtsein _Desselben_.

Wie nun dieser wirkliche Widerspruch zu stande kommen könne, darauf führt

uns _Lotze_'s Erklärung: "Nicht die Kenntnis dieser bestimmten Lage der

Umstände schreiben wir ihm"--nämlich dem komischen Subjekte--"zu, sondern

das gravitätische Bewusstsein, ein Wesen zu sein, welches _überhaupt_

Absichten zu fassen und diese unter beliebigen Umständen passend und

angemessen zu verwirklichen die allgemeine, bleibende, immer gegenwärtige

Befähigung habe". Ich betone hier mit _Lotze_ das "überhaupt". _Sancho_

ist ein Mensch; wir beurteilen ihn darum, zunächst wenigstens, wie wir

Menschen überhaupt zu beurteilen pflegen. Menschliche Handlungen nun

erheben als solche, _ganz allgemein_ und _abgesehen_ von besonderen

störenden Bedingungen, den Anspruch auf eine gewisse Zweckmässigkeit; sie

erheben ihn in unserer Vorstellung, wir, unser Vorstellen "leiht" ihnen

den Anspruch. Wir leihen ihn insbesondere auch der Handlung _Sancho_'s.

Diesem Leihen aber widerspricht der Augenschein; die Handlung ist,

objektiv betrachtet, also wiederum _abgesehen_ von der Besonderheit der

Person, unzweckmässig. Daraus entsteht in diesem Falle die Komik.

Fassen wir das Leihen mit _Lotze_ in diesem allgemeinen Sinne, bestimmen

wir zugleich den komischen Widerspruch in jenem Beispiel in

Übereinstimmung mit unserer obigen Anschauung als Widerspruch zwischen

dem geliehenen Anspruch auf Zweckmässigkeit und der thatsächlichen

Unzweckmässigkeit, dann erscheint auch uns _Jean Paul_'s "Entdeckung" in

hohem Masse wertvoll. Es bleibt an _Vischer_ und _Lotze_ dann nur noch

auszusetzen, dass sie das "Leihen" und damit die Komik auf die

Persönlichkeit beschränken. Wie wir sahen, ist für _Vischer_ der komische

Widerspruch ein Widerspruch des Selbstbewusstseins mit sich; _Lotze_

weist diesen lediglich intellektuellen Widerspruch zurück, stimmt aber

der Definition St. _Schütze_'s bei, das Lächerliche sei die Wahrnehmung

eines Spieles, das die Natur mit dem Menschen treibe; durch dies Spiel

komme seine vermeintliche Erhabenheit zu Fall. Der Kontrast zwischen dem

Erhabenen und Kleinen der _Ausdehnung_ wird von _Vischer_ sogar

ausdrücklich aus der Reihe der komischen Kontraste gestrichen.

Aber auch bei der Erhabenheit der Person kommt es nicht darauf an, dass

sie Erhabenheit der _Person_, sondern nur darauf, dass sie erwartete,

vorausgesetzte, beanspruchte, kurz geliehene _Erhabenheit_ ist, die

angesichts der Wahrnehmung oder in unserem Denken sofort wiederum in

Nichts zergeht. Die Komik muss darum entstehen, _wo immer_ wir ein

Erhabenes, das heisst zur Erzeugung eines Eindruckes Befähigtes erwarten

oder voraussetzen, und ein relativ Nichtiges an die Stelle tritt und

seine Rolle spielt, die Erhabenheit oder Eindrucksfähigkeit mag bestehen,

worin, oder sich gründen, worauf sie will. Sie muss überall entstehen

genau aus demselben Grunde, aus dem sie bei der Persönlichkeit entsteht.

Dieselben psychologischen Ursachen müssen überall denselben

psychologischen Erfolg haben.

Freilich ist ja zuzugeben, dass es keine wirkliche oder geliehene

Erhabenheit giebt, die höher steht als die der Person. Andrerseits ist

sicher, dass wir überall der Neigung unterliegen, Ausserpersönliches und

Aussermenschliches zu vermenschlichen; und es ist ein grosses Verdienst

_Vischer_'s und _Lotze_'s, auf diese Vermenschlichung so eindringlich

hingewiesen haben. Auch das kleine Häuschen in der Reihe der Paläste oder

das unbedeutende Geräusch, das an die Stelle des erwarteten lauten

Getöses tritt, wird unserer Phantasie nach Analogie eines menschlichen

Wesens erscheinen, das zu sein glaubt, oder gerne sein möchte, was es

nicht ist. Damit _erhöht_ sich der Eindruck der erwarteten Erhabenheit,

und der gegensätzliche Eindruck der Nichtigkeit; es verstärkt sich

zugleich das Gefühl der Komik. Darum _entsteht_ doch die Komik nicht erst

aus der Vermenschlichung.

Damit ist die oben vorgetragene Anschauung gegen _Lotze_ und _Vischer_

gerechtfertigt. Wir haben sie aber noch weiterhin zu rechtfertigen.

Ich denke hierbei speziell an die Bemerkungen, die _Heymans_ in der

Zeitschrift für Psychologie etc. Bd. XII meiner Theorie der Komik

hinzufügt. Diese Bemerkungen schliessen durchweg Berechtigtes in sich.

Sie sind mir darum ein besonders erwünschter Anlass gewisse Momente der

fraglichen Theorie genauer zu bestimmen.

"SELBSTGEFÜHL IN STATU NASCENDI". KOMIK UND LACHEN.

Zunächst begegnen wir hier noch einmal der Identifizierung des Gefühls

der Komik mit dem gesteigerten Selbstgefühl. Doch ist dies "gesteigerte

Selbstgefühl" _Heymans_' besonderer Art. Es ist genauer befreites

Selbstgefühl. Von diesem Begriffe meinte ich schon oben, er könne in

gewissem Sinne auf die Komik angewendet werden. Es fragt sich, ob

_Heymans_ ihn in zulässiger Weise verwendet.

Zunächst habe ich Folgendes gegen _Heymans_ zu bemerken. Idioten, sagt

_Heymans_, lachen aus befriedigter Eitelkeit. Nun ist die Erkenntnis

dessen, was in Idioten innerlich vorgeht, nicht immer eine sehr einfache

Sache. Aber _Heymans_ mag mit seiner Behauptung recht haben. Dann ist

doch zu bedenken, dass es uns hier nicht auf das Lachen, sondern auf die

Komik ankommt. Die Komik ist ein eigenartiges Gefühl, oder eine

eigenartige Beschaffenheit von psychischen Erlebnissen, die ein solches

eigenartiges Gefühl zu stande kommen lassen. Dies Gefühl kann im Lachen

sich kundgeben. Ich kann aber auch das Lachen unterdrücken. Andererseits

kann das Lachen andere Gründe haben; bei "Idioten" vielleicht die

befriedigte Eitelkeit. Solange aber damit kein Gefühl der Komik sich

verbindet, gehört dies Lachen nicht hierher.

Nur im Vorbeigehen möchte ich hier die Zweckmässigkeit der Umfrage

bezweifeln, die _Stanley Hall_ und _Allin_ zufolge einer Mitteilung des

American Journal of Psychology vol. XI, 1 angestellt haben. In dieser

Umfrage werden Beobachtungen über Bedingungen und Arten des Lachens

gefordert. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber die Urheber der Umfrage

scheinen davon unmittelbar einen Aufschluss über die Bedingungen der

Komik zu erwarten. Vom Lachen, diesem äusseren Vorgang her, scheint die

Komik verbindlich werden zu sollen.

Diese psychologische Methode nun kann zu einer vollkommenen Verkennung

des Wesens der Komik führen. Das Wissen davon, bei welchen Gelegenheiten

Menschen lachen, kann einen Aufschluss über die Bedingungen der Komik

geben, erst wenn feststeht, wieweit dies Lachen einem Gefühl der Komik

entspringt.

Die beiden Umfrager scheinen besonders von der Thatsache des kindlichen

Lachens über die Komik Aufschluss zu erwarten. Dies verstehe ich nicht.

Niemand kennt bis jetzt das Geheimnis, wie man, gleichzeitig mit dem

Lachen, den begleitenden psychischen Vorgang im Kinde unmittelbar

beobachtet. Was überhaupt an anderen unmittelbar beobachtet werden kann,

sind Lebensäusserungen. Bei Erwachsenen bestehen die psychologisch

wichtigsten Lebensäusserungen in der glaubhaften Mitteilung dessen, was

sie in sich vorfinden. Dies gilt, wie überhaupt, so auch hier. Der

Erwachsene, der das Gefühl der Komik kennt, und von anderen Gefühlen zu

unterscheiden weiss, kann mir sagen, ob sein Lachen aus dem Gefühl der

Komik entspringt. Beim Kinde dagegen hin ich auf Vermutungen angewiesen.

Ich werde sein Lachen auf ein Gefühl der Komik deuten dürfen, wenn die

Umstände, unter denen es geschieht, der Art sind, dass daraus, dem

allgemeinen Gesetze der Komik zufolge, dies Gefühl sich ergeben kann,

bezw. muss. Das heisst: Das Lachen des Kindes giebt mir genau insoweit

Aufschluss über das Wesen der Komik, als ich dieses Aufschlusses nicht

mehr bedarf. Dass auch das Lachen des Erwachsenen, wenn mir derselbe

gleichzeitig _mitteilt_, dass er sich bei seinem Lachen komisch angemutet

fühle, mein Wissen nicht bereichert, braucht nicht gesagt zu werden.

Das Lachen als solches ist also für das Verständnis der Komik völlig

bedeutungslos. Wir haben hier einen typischen Fall von Überschätzung des

Nutzens der objektiven Methode in der Psychologie. Diese tappt hier wie

überall _nicht_ im Finstern, genau so weit ihr Weg durch die Ergebnisse

der subjektiven Methode erleuchtet ist. Sie ist im übrigen die

subjektivste Methode von der Welt, d. h. sie ist eine Weise in die

Objekte, etwa die Kinder oder Tiere, Beliebiges hineinzudichten, ein

Mittel lieb gewordene Meinungen durch angebliche Thatsachen sich

bestätigen zu lassen. _Stanley Hall_ und _Allin_ finden die bisher

aufgestellten Theorien des Komischen lamentably metaphysical in their

tendency. Von solchem metaphysischen Charakter sehe ich wenig. Oder soll

damit gesagt sein, jene Theorien verführen konstruktiv? Dann ist jene

"objektive" Methode, soweit sie nicht sichere Ergebnisse der subjektiven

Methode, oder der psychologischen Analyse zur Basis hat, die eigentlich

metaphysische. Sie ist eine Weise der Konstruktion, die mit dem Dache

beginnt. Leider ist in dem citierten Aufsatze eine irgend eindringende

psychologische Analyse nicht angestellt. Es gehen darum die wirklich oder

angeblich aus jener Methode gewonnenen Resultate, soweit sie nicht vom

Gebiete der feststellbaren psychologischen Thatsachen abschweifen und in

physiologische Vermutungen sich verlieren, nicht hinaus über die

unzureichenden und an der Oberfläche bleibenden Bestimmungen, die wir

bereits kennen gelernt und abgewiesen haben. Dabei rede ich wiederum

ausschliesslich von der Komik, nicht vom Lachen, auch nicht von

beliebigen ausserkomischen Lustgefühlen.

Das hier Gesagte gilt nun nicht mit Bezug auf _Heymans_. _Heymans_'

psychologische Methode ist die psychologische, also diejenige, die zum

Ziele führt. _Heymans_ redet, wie wir sahen, gleichfalls vom Lachen. Aber

er redet doch der Hauptsache nach von Fällen des Lachens, in denen, im

Lachen, zweifellos ein Gefühl der Komik sich kundgiebt. In gewissen

dieser Fälle nun mag das Gefühl der Komik den Charakter eines

gesteigerten oder befreiten Selbstgefühles haben. Dann ist doch auch hier

das Selbstgefühl ein Gefühl der Komik, nicht sofern es Selbstgefühl ist,

sondern sofern es das Eigenartige des Gefühls der Komik besitzt und bei

ihm die Bedingungen verwirklicht sind, die überall das Gefühl der Komik

begründen.

Kinder etwa lachen, wenn man sich von ihnen besiegen lässt. Der Wilde

stimmt ein Hohngelächter an über seinen gefallenen Feind. _Heymans_

meint, mehrere dieser Fälle lassen sich in keiner Weise aus "getäuschter

Erwartung" erklären. Mir scheint, diese Erklärung liege jedesmal auf der

Hand, wenn man beachtet, was in unserer Theorie den eigentlichen Sinn der

getäuschten, nämlich komisch getäuschten "Erwartung" ausmacht.

Der Erwachsene erhebt für das Kind den Anspruch, oder das Kind "erwartet"

von ihm, dass er sich überlegen zeige. Dieser Anspruch zergeht, wenn der

Erwachsene sich besiegen lässt. Der Überlegene zeigt sich nicht

überlegen. Dass der Erwachsene thatsächlich überlegen bleibt und das Kind

davon weiss, thut nichts zur Sache. Worauf es ankommt, das ist einzig der

Schein, die im Kinde momentan entstehende Vorstellung, dass die

Überlegenheit in ihr Gegenteil umgeschlagen sei.

Gleichartiges findet statt in dem anderen der beiden von _Heymans_

angeführten Fälle. Indem der Gegner des Wilden fällt, fällt zugleich sein

Anspruch im Kampfe standzuhalten, sein Anspruch auf Stärke, Gewandtheit,

Geschicklichkeit, vielleicht auf Tapferkeit, in nichts zusammen. Solchen

Anspruch erhob der Gegner in den Augen des Siegers, indem er zum Kampf

sich stellte oder sich wehrte, und in gewisser Weise schon einfach als

Mann.

_Heymans_ fasst schliesslich zusammen: Überall, wo das Selbstgefühl in

das Gefühl der Komik übergeht, haben wir es zu thun mit einem

Selbstgefühl in statu nascendi. _Heymans_ meint: mit einem Selbstgefühl,

dem ein herabgedrücktes Selbstgefühl voranging, also, wie ich oben sagte,

mit einem "befreiten" Selbstgefühl. Dies wird zuzugeben sein, wenn wir

voraussetzen, dass die Herabdrückung des Selbstgefühles bedingt war durch

den Gedanken eines uns gegenüber Übermächtigen, und wenn andererseits das

Selbstgefühl in der Wahrnehmung oder dem Schein des Zergehens dieses

Übermächtigen seinen Grund hat.

Im übrigen aber kann das Selbstgefühl in statu nascendi auch ebensowohl

der Komik völlig entbehren. Wenn ich, innerlich niedergedrückt durch eine

scheinbar gewichtige Thatsache, auf einmal finde, dass diese Thatsache

eigentlich belanglos ist, oder gar nicht existiert, wenn eine Furcht

plötzlich als in sich selbst gegenstandslos sich erweist, so ist dies

komisch. Wenn aber neben eine bedrückende Thatsache in meinem Bewußtsein

mit einem Male eine andere tritt, die mich jene vergessen lässt und mich

tröstet und wieder aufrichtet; oder wenn ich aus bedrückter Lage durch

die energische Hilfeleistung eines Freundes unerwartet befreit werde, so

werde ich gewiss befriedigt aufatmen. Aber dies Aufatmen kann von jedem

Gefühl der Komik beliebig weit entfernt sein. Es wird in allen den Fällen

gar nichts damit zu thun haben, in denen das, was mich bedrückt, in

keiner Weise als _in sich selbst_ bedeutungslos erscheint, sondern seine

Bedeutung behält, aber durch ein Anderes verhindert wird, seine

niederdrückende Wirkung weiter auszuüben.

_Heymans_ meint, es liege in der plötzlichen Aufhebung eines auf dem

Bewusstsein lastenden Druckes der springende Punkt, aus welchem die

komische Wirkung hervorgehe. Dies ist dann, aber auch nur dann richtig,

wenn wir unter der Aufhebung des Druckes die _besondere_ und in ihrer

Wirkung völlig _einzigartige_ Aufhebung verstehen, wie sie, um hier den

kürzesten Ausdruck zu wählen, mit der "Auflösung in nichts" gegeben ist.

Dass diese Aufhebung wirklich eine besondere ist, kann ja keinem Zweifel

unterliegen. Es ist nun einmal psychologisch etwas völlig Anderes, ein

durchaus anderer psychischer Vorgang liegt vor, wenn ein mich

Bedrückendes das eine Mal durch etwas Anderes aus meinem Bewusstsein

verdrängt wird, das andere Mal gar nicht daraus verdrängt zu werden

braucht, weil es in sich selbst zergeht. In beiden Fällen findet die

Aufhebung des Druckes statt, und in beiden Fällen kann dieselbe eine

plötzliche sein. Aber nur im letzteren Falle tritt die komische Wirkung

ein.

Komik und Humor: Eine Psychologische-Ästhetische Untersuchung · 第 40 / 117 题