Valentin. Das nutzt dir alles nichts. Aut Aut! Oder, entweder--

Rosa. Gut, ich will mirs überlegen.

Valentin. Nichts überlegen. Heut muß er noch ins Haus, und eine

Mahlzeit muß hergerichtet werden, daß die ganze Menschheit die

Händ über den Kopf zusammenschlagen soll.

Rosa. Nu mir ists recht! Aber er verdients um uns nicht.

Valentin. Was sagst? Er verdients nicht? Wer ist denn schuld,

daß wir so friedlich miteinander leben? Daß ich hab Meister

werden können und das Häusel da gebaut hab, als die zweihundert

Dukaten, die ich so nach und nach von ihm zu schenken gekriegt

hab. Wem haben wir also unser bissel zu verdanken?

Rosa. Mich hat er aber nie mögen.

Valentin. Ist nicht wahr! Der Kammerdiener hat dich nur

verschwärzt bei ihm. Sonst wären wir noch in seinem Haus.

Rosa. Ja wenn er eines hätte.

Valentin. Ja so. Da hab ich ganz vergessen drauf.

Rosa. Er hat mich bei jeder Gelegenheit heruntergesetzt.

Einmal hat er sogar vor einer ganzen Gesellschaft gesagt--

Valentin. Was hat er denn gesagt?

Rosa. Das sag ich nicht.

Valentin. Geh, sag mirs, liebe Alte. Geh! Wer weiß, ists

wahr?

Rosa. Ja es ist auch nicht wahr. Er hat gesagt: ich bin

ausgewachsen.

Valentin. Das hat er gsagt? Und das hast du dir seit zwanzig

Jahren noch gemerkt.

Rosa. Oh, so etwas vergißt ein Frauenzimmer nie.

Valentin. Nu das mußt ihm halt verzeihen. Mein Himmel! Ein

junger Mensch. Er hat halt damals lauter so schiefe Ansichten

gehabt. Dann ists ja auch nicht wahr. Du bist ja gebaut wie

eine ägyptische Pyramiden. Wer könnt denn dir in deiner

Gestalt etwas nachsagen? Das wär ja wirklich eine Verleumdung

erster Gattung.

Rosa. Nu, der Meinung bin ich auch.

Valentin. Gelt, Alte, ja, wir behalten ihn da im Haus. Du

wirst es sehen, ich werd recht fleißig arbeiten. Es schadt

uns nichts. Im Gegenteil, 's geht mir alles besser von der

Hand.

Rosa (nach einem kurzen Kampf). Nu meinetwegen. So solls denn

sein.

Valentin (springt vor Freude). Bravo Rosel! das hab ich auch

von dir erwartet. Ich hätt dich nicht verlassen, wenn ich

auch heut fortgegangen wär. Oh! morgen auf die Nacht wär ich

schon wieder nach Haus gekommen. Jetzt ist aber alles in der

Ordnung. Kinder! kommts herein zum letzten Mal. (Alle Kinder.)

Kinder, legt alles wieder hin. Wir ziehen nicht aus. Ich hab

mit der Hausfrau da einen neuen Kontrakt abgeschlossen.

Vater und Mutter sind versöhnt. Der gnädige Herr kommt ins

Haus.

Kinder (alle freudig). Das ist gscheid! das ist gscheid!

Valentin. Drum lauft, was ihr könnt. Kein Mensch darf zu Haus

bleiben. Ich nehm den kleinen Buben mit. (Er nimmt Pepi auf

den Arm.) Geht zu alle Nachbarn. Fragt, ob sie ihn nicht

gesehen haben. Sie sollen euch suchen helfen. Und wenn ihr

ihn findet, so bringt ihn her.

Rosa. Der Mann wird närrisch vor lauter Freuden.

Der Verschwender · 第 96 / 102 题