Rosa. Du!--

Valentin (drängt sie auf den Stuhl). Nieder setz dich! Kinder,

gehts hinaus.

(Die Kinder geben ab.)

Hansel (im Abgehen). Nein, wies in unserm Haus zugeht, das ist

schrecklich. (Ab.)

Rosa (springt auf). Jetzt was solls sein?

Valentin. Nur Geduld! Ich hab dich nicht vor den Kindern

beschämen wollen, wie du mich! Was ist dir jetzt lieber?

Willst du meinen gnädigen Herrn im Haus behalten, oder ich

geh auch fort.

Rosa. Was? Was willst du für Geschichten anfangen, wegen

einem fremden Menschen?

Valentin. Ist er dir fremd? Mir nicht! Einen Menschen, den

ich Dank schuldig bin, der kann mir gar nicht fremd werden.

Rosa. Du bist Vater. Du mußt auf deine Kinder schauen.

Valentin. Er ist auch mein Kind, ich hab ihn angenommen.

Rosa. Nu das ist ein junges Kind.

Valentin. Ja, so jung als du ist er freilich nicht, denn du

betragst dich, als ob du vier Jahr alt wärst.

Rosa. Kurz und gut: Ich leid ihn einmal nicht im Haus.

Valentin. Du leidest ihn nicht? Kinder! kommts herein.

(Alle Kinder.)

Alle Kinder. Was befiehlt der Vater?

Valentin. Ziehts euch an, ihr geht mit mir!

Hiesel. Wohin denn, Vater?

Valentin. Das werds schon sehen. Auf die Schleifen gehn wir

nicht. Nehmt alles mit. Eure Studien. Das Namenbüchel. Die

ganze Bibliothek. Den Hobel. Das ganze Arbeitszeug. Alles!

Rosa. Ah, das ist mir ja noch gar nicht vorgekommen!

Valentin. Gelt? Oh, es gibt Sachen, wovon sich unsere

Philosophie nichts träumen läßt.

Hansel. Aber heut nimmt sich der Vater zusammen, das ist

gscheidt.

Rosa (stemmt die Hände in die Seite). Du willst die Kinder aus

dem Haus nehmen?

Valentin. Ich bin die Ursach, daß sie ins Haus gekommen sind,

folglich kann ich s' auch aus dem Haus nehmen.

Liese. Aber Vater, was soll denn das werden? Das wär ja ganz

entsetzlich.

Valentin (zu Liese). Willst du bei deiner Mutter bleiben?

Liese. Ja, das ist meine Schuldigkeit.

Valentin. So geh zu ihr! (Liese geht hin.) Buben, gehts her

zu mir! (Die Buben treten auf seine Seite.) Das sind die

Stützen meines Reiches. Die gehören mir zu. Machts euch fertig!

(Die Buben nehmen alles.)

Hiesel. Was soll denn ich noch nehmen?

Valentin. Den Zirkel, runder Kerl.

Rosa. Er macht wirklich Ernst. Das hätt ich meinen Leben nicht

geglaubt.

Liese. Liebe Mutter, gib die Mutter nach.

Valentin. So, jetzt ist der Auszug fertig. Jetzt gebts acht.

Jetzt werd ich kommandieren: Rechtsum, kehrt euch, marsch!

(Will fort.)

Rosa (ruft ihm reumütig nach). Du Mann! Halt!

Valentin. Was gibts?

Rosa. Ich muß dir noch was sagen!

Valentin (für sich). Aha! jetzt fangen die Unterhandlungen an.

(Laut.) Nur kurz! das sag ich gleich.

Rosa (leise). Laß die Kinder hinausgehn.

Valentin. Kinder, gehts hinaus!

Liese (für sich). Nu Gott sei Dank!

Hansel. Mir scheint, die Mutter gibt doch nach. Ja, wann wir

Männer einmal anfangen, da muß es brechen oder gehn.

(Die Kinder ab.)

Valentin. Also was willst du jetzt?

Rosa (gutmütig). Schau, überleg dirs doch, du wirst dich

überzeugen, ich hab recht.

Valentin. Still sei, sag ich. Oder ich ruf die Kinder herein.

Rosa. So laß doch drauß. Sie zerreißen ja zu viel Schuh, wenn

sie immer hin und wieder laufen.

Der Verschwender · 第 95 / 102 题