Voriger. Valentin, in bürgerlicher Tracht als Tischlermeister,
einen Hobel im Sack, kommt trillernd. Er hat schon dunkelgraues
Haar.
Valentin.
Wenn ein Tischler früh aufsteht,
Tralalala--
(Sieht Flottwell.)
Schau, schau, da ist ein armer Mann. Ich muß ihm doch was
schenken. (Er nimmt einen Groschen aus dem Sack und will
ihn Flottwell reichen, doch stutzt er, als er ihn erblickt.)
He Alter! (Flottwell kehrt sich gegen ihn.) Was ist--Ich
weiß nicht, dieses Gsicht--das Gsicht ist mir bekannt--
jetzt trau i ihm fast den Groschen gar nicht zu geben--
Flottwell. Was wollt Ihr denn?
Valentin (noch gereizter). Die Stimm--das wird doch nicht?
(Er zittert.) Sie, hören S'--das wär entsetzlich Bitt um
Verzeihung! Sie, kennen Sie das Schloß?
Flottwell (gerührt). Ob ich es kenne, Freund? Es war ja einst
mein Eigentum!
Valentin (schreit rasch). Mein gnädger Herr! (Eine Mischung
von Freude, Wehmut und Erstaunen macht ihn erzittern, er weiß
sich nicht zu fassen. Ruft noch einmal.) Mein gnädger Herr!
(Die Tränen treten ihm in die Augen, er küßt ihm stumm die
Hand.)
Flottwell. Wer bist du, Freund?
Valentin. Der Valentin. Kennen mich Euer Gnaden denn nimmermehr?
Der Tischlergsell, der einmal bei Ihnen gearbeitet hat und
den Sie als Bedienten aufgenommen haben, weil er Ihnen so gut
gfallen hat.
Flottwell (gutmütig). Valentin? der gute ehrliche Valentin.
Und du erinnerst dich noch meiner?
Valentin. Ob ich mich erinnere? O Gott! Euer Gnaden waren ja
so gut mit mir und haben mir ja so viel geschenkt. Einen
Dukaten hab ich mir noch aufgehoben, (gutmütig) aber die
andern hab ich alle ausgegeben.
Flottwell. Und geht es dir gut?
Valentin. Nu mein! Wies halt einen armen Tischler gehn kann.
Auf dem Land ist ja nicht viel zu machen. Ich bin zufrieden.
Flottwell. Dann bist du glücklich!
Valentin. Nu, man nimmts halt mit, solang als Gott will. Aber
Euer Gnaden scheinen mir gar nicht zufrieden zu sein.
Flottwell. Nicht wahr, ich hab mich sehr geändert?
Valentin (verlegen). Ah nein! nein! Euer Gnaden schauen gut aus--
gut--recht gut. A bissel strapaziert, aber--(Beiseite.) Das
kann man ja einen solchen Herrn nicht sagen.
Flottwell. Mein guter Valentin, nun kann ich dich nicht mehr
beschenken.
Valentin. Beschenken? Euer Gnaden werden mich doch jetzt nicht
mehr beschenken wollen. Da müßt ich Euer Gnaden richtig völlige
Grobheiten antun. (Faßt sich.) Bitt um Verzeihung! Ich red
manchmal, als wenn ich Hobelschatten im Kopf hätt. Seit ich
wieder Tischler bin, hab ich mein ganze Politur verloren.
Flottwell (für sich). Soll ich mich ihm entdecken?
Valentin (für sich). Ich trau mir ihn gar nicht zu fragen.
Mir scheint, er ist voll Hunger.
Flottwell. Gehst du nach Hause?
Valentin. Nein! Ich soll im Wirtshaus drüben die Tür zusammnageln,
weil s' gestern einen hinausgeworfen haben, und da ist er ihnen
a bissel angekommen an die Tür, und da hat s' einen Sprung
kriegt. Und dann hab ich der Schulmeisterin eine neue Linier
machen müssen. Sie hat s' an ihren Mann abgeschlagen, weil sie
ihn manchmal liniert.
Flottwell (kämpft mit sich, seufzt, greift sich an die Stirne
und sagt dann). Nun so leb wohl! (Will gehn.)
Valentin (hält ihn auf). Wo wollen denn Euer Gnaden hin? Euer
Gnaden werden mir doch nicht wieder davonlaufen? Jetzt hab ich
ja erst die Ehr gehabt zu sehen. (Beiseite.) Wann ich nur wüßte,
wie ich das Ding anstellen soll?
Flottwell (seufzt). Was willst du denn noch?
Valentin. Euer Gnaden verzeihen--Aber--Sagen mir Euer Gnaden
aufrichtig: Sein Euer Gnaden heut schon eingeladen?
Flottwell (lächelt). Nein, lieber Mann!
Valentin. Dürft ich wohl so frei sein und dürft mir die Ehr
ausbitten, auf eine alte Hausmannskost?
Flottwell (gerührt). Ich danke dir. Rechtschaffener Mensch!
Ich komme.
Valentin. Nichts kommen. Ah beleib. Ich laß Euer Gnaden nimmer
aus. Die sollen sich ihre Tür selbst zusammennageln. Ich muß
mit meinen gnädigen Herrn nach Haus gehn jetzt.
Flottwell. So komm!
Valentin. Aber das sag ich gleich, so gehts bei mir nicht zu,
wies einmal bei uns da (aufs Schloß deutend) zugegangen ist--
Ah--(Schlagt sich aufs Maul.) Schon wieder so ein
Hobelschattendiskurs.
Flottwell. Ich werde mit allem zufrieden sein.
Valentin. Nichts! Nein! Wird nicht so schlecht ausfallen,
ich koch ja selbst. Ah, wir werden uns schon zusammnehmen,
ich und meine Alte. Wird sich schon wo ein übertragens
Geflügelwerg finden. Solang der Valentin was hat, werden
Euer Gnaden nicht zugrund gehen. Jetzt werden wir unsern
Einzug halten. Ah, so kanns nicht ablaufen. Euer Gnaden
müssen eine Auszeichnung haben. Ich geh voraus, und Euer
Gnaden kommen nach; und alle meine Kinder müssen Spalier
machen, und wie Euer Gnaden eintreten, müssen s' schreien,
daß ihnen die Brust zerspringen möchte: Vivat! unsern Vatern
sein gnädiger Herr soll leben!
Flottwell. Guter Valentin.
Valentin. Das ist ein Leben auf der Welt!
(Flottwell geht Arm in Arm mit ihm ab.)