Vorige. Wolf. Er ist sehr gealtert, sieht sehr krank aus, ist
in Pelz gekleidet und geht an einem Stock. Drei Bediente mit ihm.
Flottwell (fährt zurück). Himmel! ich hätt ihn nicht erkannt.
Wolf (sein Betragen ist sehr düster und sinnend). Ich habe eine
üble Nacht gehabt. Die Sonne kommt mir heut so trübe vor.
Gärtner. Gnädger Herr! Es will ein armer Mann Sie sprechen.
Flottwell. Du lügst. Ich bins nicht mehr. (Für sich.) In solcher
Nähe macht mich mein Bewußtsein reich.
Wolf. Er kann nicht ärmer sein als ich. Wo ist er?
Flottwell (tritt vor). Flottwell nennt er sich.
Wolf (fährt zusammen). Flottwell? (Fühlt in die Seite.) Das
hat mir einen Stich gegeben. Die böse Gicht ist doch noch
unbarmherziger, als es die Menschen sind. (Für sich.) Er lebt
noch. Und kommt so zurück? So straft der Himmel seine Sünder.
Gärtner. Das ist der reiche Flottwell? Gute Nacht, da will ich
lieber Gärtner sein. (Geht ab.)
Wolf. Herr von Flottwell, ich fühle mich sehr geehrt, daß Sie
sich Ihres alten Dieners noch erinnern, und bedauere nur, daß
meine Krankheit, die mich schon seit vielen Jahren quält, mir
nicht erlaubt, meine Freude über Ihre Ankunft so glanzvoll an
den Tag zu legen, als Sie von mir es fordern könnten.
Flottwell. Ich habe nichts zu fordern, gar nichts mehr. Was ich
mit Recht zu fordern hatte, ist mir durch einen Höhern (blickt
gegen Himmel) schon geworden. Ich wollte nur den Besitzer meines
Schlosses sehen.
Wolf (lächelnd). Ja, es ist ein ganz besondrer Zufall. Ich habe
dadurch eine wahre Anhänglichkeit an Ihr Haus bewiesen. Der
Himmel hat mich mit Gewinn gesegnet, aber ich habe jetzt große
Verluste erlitten. Verzeihen Sie, der Arzt erlaubt mir nicht,
so viel zu sprechen; ich weiß die Ehre Ihres Besuches sehr zu
schätzen. (Zu den Bedienten.) Geleitet mich zu jener Aussicht
hin. Doch nein! Ins Schloß zurück. Auch das nicht. Nach dem
Garten. Der Garten ist so schön. Nur schade, daß die Rosen
schon verwelken. (Wird nachdenkend.) Wie oft werd ich sie
wohl noch blühen sehen? (Schauert.) Heut ist ein kalter Tag.
Flottwell. Mir scheint die Sonne warm.
Wolf. Mich friert. Geht doch hinab ins Dorf und ruft den
frommen Mann, den ich so gern jetzt um mich habe. Daß er mir
ein moralisches Buch vorliest. Ich hör so gern moralische Bücher
lesen. Die Welt ist gar so schlecht, und man kann seinen Trost
nur in der Zukunft suchen. (Schleicht in den Garten.)
(Die Bedienten folgen ihm.)
Flottwell (zu dem letzten der Diener). Der Herr ist schwer
erkrankt! Ist er geliebt? Wünscht man ihm langes Leben?
Diener (schüttelt den Kopf und sagt gleichgiltig). Er ist ein
geiziger Filz, den niemand leiden kann, und in einigen Wochen
wirds wohl mit ihm zu Ende gehn. Adieu! (Folgt den andern in
den Garten nach.)
Flottwell (sieht gegen Himmel und schlägt die Hände zusammen).
O Flottwells Schloß, was beherbergst du für Menschen jetzt! Was
soll ich nun beginnen? Die wenigen Taler, die ich noch besaß,
hab ich auf meiner mondenlangen Wanderung verzehrt. Ich hab
gespart und trocknes Brot gegessen, und doch besitze ich nicht
einen Pfennig mehr. Dort mein altes Schloß! (Sieht nach der
Ruine in der Ferne.) Es ist zum Sinnbild meines jetzgen Glücks
zusammgestürzt. (Er bleibt mit verschränkten Armen nachdenkend
stehen.)