Wolf.
Wolf (allein). Du schiffst nach England. Günstgen Wind! Ich
bleibe hier und will mein Schifflein in den Hafen lenken. Wie
doch die Sonne auf und nieder geht! Wer ist nun zu beneiden?
Er? der stolze, der gepriesene Mäzen, der seines Glückes Reste,
mit zerfallenem Gemüt, dem ungetreuen Meer vertrauen muß? oder
ich, der sanfte, der bescheidene Kammerdiener, der sein still
erworbnes Schäfchen demütig ins trockne bringen kann. Und wem
verdank ich diesen Sieg? (schlägt sich an die Stirn) dir,
Klugheit! vielseitigste der Göttinnen! Die Natur hat mir nur
eine starke Gallenblase gegeben, die nicht zerplatzt ist bei
all dem Unsinn, den ich seit fünf Jahren in diesem Haus hab
sehen müssen. Aber die Klugheit hat mich lächeln gelehrt. Oh,
es ist eine große Sache um das Lächeln! Wie viele Menschen
haben sich ihr Glück erlächelt, und ein Schwachkopf kann eine
Minute lang für einen vernünftigen Mann gelten, wenn er mit
Anstand zu lächeln weiß. Darum will ich lächeln über die
Erbärmlichkeit, solang ich noch zu leben habe, und dann eine
laute Lache aufschlagen--auf welche Grabesstille folgt. (Ab.)
(Als er schon in der Kulisse ist, drängt ihn Valentin zurück.
Er hat seinen Tischlerkaputrock an und einen wachsleinwandenen
Hut auf. Ein Parapluie und einen Spazierstock zusammengebunden
unter dem Arm und ein kleines Felleisen auf dem Rücken, aus
dem Sack steht ihm das kurze Tabakrohr seiner eingesteckten
Pfeife. Er ist benebelt, ohne zu wanken oder zu lallen.)
Valentin. Halt! Barbar, wo willst du hin? Du kommst nicht von
der Stell. Wie kannst du dich unterstehen, meine Geliebte zu
verleumden? Was hat sie dir getan? Sie hat deine Liebesanträge
nicht angenommen, weil du ihr zu häßlich bist. Kann es eine
größere Tugend geben? Sie ist meine Verlobte, und du hast
geglaubt, ich bin der Gfoppte! Sie soll einen Schmuck gestohlen
haben. Diese schmucklose Person? Pfui, schäme dich!
Wolf. Jetzt hast du die höchste Zeit, aus dem Hause zu gehen,
du Trunkenbold!
Valentin. Oh, ich hab Zeit genug! Ich hab eigentlich gar nichts
mehr zu tun auf dieser Welt, als Ihnen meine Meinung zu sagen.
Glauben Sie mir, Herr von Kammerdiener--ich will Ihnen nichts
Unangenehmes sagen, ich versichre Sie, Sie sind ein
niederträchtiger Mensch. Sie haben zwei arme Dienstboten aus
dem Haus gebracht, die von ihrer Herrschaft treu und redlich
bedient worden sind. (Schluchzt.) Aber der Himmel wird Sie
dafür bestrafen.