Sechzehnter Auftritt

Wolf.

Wolf (allein). Du schiffst nach England. Günstgen Wind! Ich

bleibe hier und will mein Schifflein in den Hafen lenken. Wie

doch die Sonne auf und nieder geht! Wer ist nun zu beneiden?

Er? der stolze, der gepriesene Mäzen, der seines Glückes Reste,

mit zerfallenem Gemüt, dem ungetreuen Meer vertrauen muß? oder

ich, der sanfte, der bescheidene Kammerdiener, der sein still

erworbnes Schäfchen demütig ins trockne bringen kann. Und wem

verdank ich diesen Sieg? (schlägt sich an die Stirn) dir,

Klugheit! vielseitigste der Göttinnen! Die Natur hat mir nur

eine starke Gallenblase gegeben, die nicht zerplatzt ist bei

all dem Unsinn, den ich seit fünf Jahren in diesem Haus hab

sehen müssen. Aber die Klugheit hat mich lächeln gelehrt. Oh,

es ist eine große Sache um das Lächeln! Wie viele Menschen

haben sich ihr Glück erlächelt, und ein Schwachkopf kann eine

Minute lang für einen vernünftigen Mann gelten, wenn er mit

Anstand zu lächeln weiß. Darum will ich lächeln über die

Erbärmlichkeit, solang ich noch zu leben habe, und dann eine

laute Lache aufschlagen--auf welche Grabesstille folgt. (Ab.)

(Als er schon in der Kulisse ist, drängt ihn Valentin zurück.

Er hat seinen Tischlerkaputrock an und einen wachsleinwandenen

Hut auf. Ein Parapluie und einen Spazierstock zusammengebunden

unter dem Arm und ein kleines Felleisen auf dem Rücken, aus

dem Sack steht ihm das kurze Tabakrohr seiner eingesteckten

Pfeife. Er ist benebelt, ohne zu wanken oder zu lallen.)

Valentin. Halt! Barbar, wo willst du hin? Du kommst nicht von

der Stell. Wie kannst du dich unterstehen, meine Geliebte zu

verleumden? Was hat sie dir getan? Sie hat deine Liebesanträge

nicht angenommen, weil du ihr zu häßlich bist. Kann es eine

größere Tugend geben? Sie ist meine Verlobte, und du hast

geglaubt, ich bin der Gfoppte! Sie soll einen Schmuck gestohlen

haben. Diese schmucklose Person? Pfui, schäme dich!

Wolf. Jetzt hast du die höchste Zeit, aus dem Hause zu gehen,

du Trunkenbold!

Valentin. Oh, ich hab Zeit genug! Ich hab eigentlich gar nichts

mehr zu tun auf dieser Welt, als Ihnen meine Meinung zu sagen.

Glauben Sie mir, Herr von Kammerdiener--ich will Ihnen nichts

Unangenehmes sagen, ich versichre Sie, Sie sind ein

niederträchtiger Mensch. Sie haben zwei arme Dienstboten aus

dem Haus gebracht, die von ihrer Herrschaft treu und redlich

bedient worden sind. (Schluchzt.) Aber der Himmel wird Sie

dafür bestrafen.

Der Verschwender · 第 69 / 102 题