Flottwell (fängt es auf). Beleidigend?
Flitterstein. Ich nehm es nicht zurück!
Flottwell (verbissen). Wie kömmt es denn, mein Herr Baron,
daß Sie das Wort so eifrig für des Fräuleins Ehre führen?
Klugheim. Er spricht im Namen seiner künftgen Braut.
Einige Gäste. Da gratulieren wir!
Flottwell (vernichtet). Dann hab ich nichts mehr zu erwidern!
Klugheim. Nehmen Sie die Vase hier zurück, so beschenkt ein
Fürst, kein Edelmann.
Flottwell (stolz). Ich beschenke so! ich bin der König meines
Eigentums. Dieses Kunstwerk hatte seinen höchsten Wert von dem
Gedanken nur geborgt, daß diese schöne Hand es einst als ein
erfreuend Eigentum berühren werde, es soll nicht sein! Ich
acht es nicht. Wolf! (Wolf tritt vor) nimm sie hin! Ich
schenke diese Vase meinem Kammerdiener.
(Wolf macht eine halbe verlegene Verbeugung. Die Vase wird
weggebracht.)
Flitterstein. Welch ein Tollsinn!
Klugheim. Unbegreiflich!
Dumont. Der Mann sein gans verrückt.
Amalie. Wie kann er sich nur so vergessen!
Die Gäste (klatschen). Bravo! so rächt sich ein Millionär!
Flottwell. Dies soll unsere Freude nicht verderben. Da
Frankreichs Kunst so schlechten Sieg errungen, will ich vor
Ihrem Auge nun ein deutsches Bild entrollen, dessen Schönheit
Sie gewiß nicht streitig machen werden. Sie sollen sehen, was
ich für eine vortreffliche Aussicht habe. (Klatscht in die
Hand.)
(Musik.--Der Vorhang schwindet, und über die ganze Breite des
Theaters zeigt sich eine große breite Öffnung, durch deren
Rahmen man eine herrliche Gegend perspektivisch gemalt erblickt.
Ein liebliches Tal, hie und da mit Dörfern besäet, von einem
Fluß durchströmt und in der Ferne von blauen Bergen begrenzt,
erstrahlt im Abendrot. Die Basis des Rahmens bildet eine
niedre Balustrade. Im Vordergrunde links von dem Zuschauer
sitzt wie eine geheimnisvolle Erscheinung unter dunklem
Gesträuch, von der untergehenden Sonne beleuchtet, der Bettler
mit unbedecktem Haupte und gegen Himmel gewandtem Blick in
malerischer Stellung. So daß das Ganze ein ergreifendes Bild
bietet.)
Flottwell (ohne genau hinzusehen). Gibt es eine schönere
Aussicht? (Er erschrickt, als er den Bettler sieht.) Ha!
welch ein Bild. Ein sonderbarer Zufall! (Diese Worte spricht
Flottwell schon unter der leise beginnenden Musik.)
Chor von Gästen (für welche sämtlich der Bettler nicht sichtbar
ist).
Oh, seht doch dieses schöne Tal,
Wo prangt die Erd durch höhern Reiz?
Dem Kenner bleibt hier keine Wahl,
Der Anblick übertrifft die Schweiz.
Bettler.
Nicht Sternenglanz, nicht Sonnenschein
Kann eines Bettlers Aug erfreun.
Der Reichtum ist ein treulos Gut,
Das Glück flieht vor dem Übermut.
Flottwell (welcher immer nach dem Bilde hingestarrt hat, zu
Wolf). Jagt doch den Bettler fort, warum laßt ihr ihn hier so
nah beim Schloß verweilen?
(Der Bettler steht auf und geht an der Seite, wo er sitzt, über
den Hügel durch das niedere Gesträuche in die Szene.)
Wolf. Welch einen Bettler? Wir bemerken keinen.