Vierter Auftritt

Voriger. Baumeister Gründling.

Gründling. Guten Morgen, Herr Kammerdiener, kann ich die Ehre

haben, Herrn von Flottwell meine Aufwartung zu machen?

Wolf. Herr Baumeister, ich muß um Verzeihung bitten, aber Seiner

Gnaden haben mir soeben befohlen, Sie bei jedermann zu

entschuldigen, denn Sie machen heute eine Jagdpartie.

Gründling. Wissen Sie nicht, Herr Kammerdiener, ob Herr von

Flottwell meinen Plan zu dem Bau des neuen Schlosses für gut

befunden hat?

Wolf. Er hat ihm sehr gefallen. Nur hat sich der Umstand ereignet,

daß ihm auch ein anderer Baumeister einen ähnlichen Plan vorgelegt

hat und sich erbietet, das Schloß in derselben Größe um zehntausend

Gulden wohlfeiler zu bauen.

Gründling. Das tut mir leid, aber als ehrlicher Mann kann ich

es nach seinen Anforderungen nicht wohlfeiler bauen. Ich

übernehme diesen Bau überhaupt mehr aus Ehrgeiz als aus

Gewinnsucht, hat aber Herr von Flottwell einen Künstler

gefunden, von dem er sich Schöneres oder Besseres verspricht,

so werde ich mich zu bescheiden wissen.

Wolf. Das heißt, es ist Ihnen nichts daran gelegen.

Gründling. Im Gegenteil, es ist meiner Ehre sehr viel daran gelegen.

Wolf. Ja dann müssen Sie Ihrer Ehre auch ein kleines Opfer bringen.

Gründling. Es wäre sehr traurig für die Kunst, wenn es mit ihr

so weit gekommen wäre, daß die Künstler Opfer bringen müßten,

um Gelegenheit zu finden, ein Kunstwerk hervorzubringen. Die

Kunst zu unterstützen, ist ja der Stolz der Großen, und eine

ökonomische Äußerung wäre an dem geldberühmten Herrn von Flottwell

etwas Unerhörtes.

Wolf. Sie verstehen mich nicht, Herr Baumeister.

Gründling. Genug! Morgen will ich mit Herrn von Flottwell

selbst darüber sprechen. Glauben Sie aber nicht, Herr Kammerdiener,

daß ich ein Mann bin, der nicht zu leben versteht. Sollten Sie

sich für die Sache bei dem gnädgen Herrn glücklich verwenden, so

werde ich mich sehr geehrt fühlen, wenn Sie ein Geschenk von

hundert Dukaten nicht verschmähen wollen.

Wolf. Sie verkennen mich. Eigennutz ist nicht meine Sache, ich

spreche nur zum Vorteil meines gnädgen Herrn!

Gründling. Den werden Sie durch mich besser bezwecken, als wenn

das Schloß von einem andern wohlfeiler und schlechter gebaut wird.

Wolf. Nun gut. Ich will versuchen, was mein geringer Einfluß

zugunsten eines so großen Künstlers vermag, und gelingt es mir,

so werde ich Ihr Geschenk nur unter der Bedingung annehmen, daß

Sie mir erlauben, es auf eine wohltätige Weise für andere zu

verwenden.

Gründling. Ganz nach Ihrem Belieben. (Beiseite.) Die Kunst mag

mir diese Herabwürdigung verzeihen. (Laut.) Morgen erwarte ich

einen günstigen Bescheid. (Will ab.)

Wolf (blickt zum Fenster hinaus). Teufel! der andere. (Schnell.)

Wollen Sie nicht so gefällig sein, sich über die Nebentreppe zu

bemühen, weil die Bedienten auf der großen Möbel transportieren.

Ich empfehle mich ergebenste (Läßt ihn durch eine Seitentür

hinausgehen. Wolf allein.) Diese Zitrone gibt wenig Saft, jetzt

wollen wir die andere pressen.

Der Verschwender · 第 10 / 102 题