Die fertigen Stücke wird man am besten mit +Holzbeize+ färben.

Am feinsten wirkt Eiche, Palisander, hell- oder dunkelbraun, die

Ränder streicht man mit schwarzer Ölfarbe an. Die Beize wird

mehrmals aufgetragen, nachdem der erste Anstrich eingezogen ist;

der Anstrich darf nicht streifig wirken. Erst wenn die Beize völlig

eingezogen ist und bestimmt nicht nochmals aufgetragen zu werden

braucht, werden die Streifen mit Ölfarbe gestrichen. Der Ölanstrich

muß einige Tage auftrocknen. Wir zeigen auf unserer Abb. 106 die

vollständig eingerichtete +Puppenstube+ und bringen den +Schrank+

in einer Einzelansicht (Abb. 107), weil er aus technischen Gründen

bei der Aufnahme aus der Puppenstube entfernt werden mußte. In

dieser hübschen Originalpuppenstube steht der Schrank an Stelle des

Waschtisches, und der Waschtisch an Stelle des Sessels, der neben dem

Tisch stehen müßte. Der Schrank hätte die Aussicht verdeckt, man kann

ihn beliebig in der Puppenstube aufstellen. Auf unserm Bilde sieht

man das große +Einzelfenster+. Man kann eine vom Glaser entsprechend

groß geschnittene Glasscheibe mit Glaserkitt vorkleben, man kann

auch, wenn die Puppenstube sehr groß ist, zwei Fenster anbringen.

Aus buntem +Waschstoff+, am besten +Druckstoff+, +Kretonne+ -- ein

Restchen genügt -- wird der gekrauste kurze +Vorhang+ hergestellt,

und an kleinen +Ringen+ über eine +Stange+ gezogen. Wer Lust hat,

kann aus +Gardinenstoff+, aus +Tüll+ oder +Schleierstoff+ Gardinen

nähen, das ist Geschmacksache; geraffte Gardinen, Vorhänge, mehr oder

weniger lang, passen ebenfalls in dies Zimmer. Der +Teppich+ unter

dem Tisch ist handgestickt. Er zeigt ein geometrisches Muster, über

Kanevas in Kreuzstich gearbeitet, mit einer schwarzen Schnur am Rande

abgepaßt. Wer Zeit sparen will, verwendet am besten ein Stückchen

+Möbelstoff+ als Teppich, auch handgewebte streifige oder gekästelte,

kleinmusterige Stoffe passen dafür. Wie man +Betten+ herstellt, weiß

jedes größere Mädchen; statt der Federn verwendet man Kissenfüllung,

die in den einschlägigen Geschäften erhältlich ist, am besten eignen

sich +Pflanzendaunen+ dafür. Man näht rote oder blaue +Inletts+ und

weiße +Bezüge+ und +Bettlaken+; je ähnlicher sie den „richtigen“ Betten

der Großen sind, desto mehr Anklang werden sie finden.

Auf den +Waschtisch+ stellt man ein Puppenwaschservice, vielleicht

treibt man für den Nachttisch einen +Leuchter+ auf.

Es gibt in Spielwarenhandlungen kleine +Schalen+, die, auf den Tisch

gestellt, den Raum sehr hübsch beleben, dort findet man auch +Kännchen+

für das Wandbrett.

Zum Schmuck der Wände stellt man +Bilder+ her, indem man passende

Bildchen auf Pappe klebt, mit Kaliko rahmt und an schwarzen Schnüren

oder Perlgarn aufhängt.

Über dem Waschtisch hängt ein +Spiegel+, es ist ein Taschenspiegelchen,

das für diesen Zweck sehr geeignet ist. Man kann indessen selber solch

Wandspiegel aus einem Spiegelrest herstellen; der Glaser schneidet die

Form, dann rahmt man den Spiegel mit Kaliko, wie die Bilder, ein.

Was wir auf unsern Abbildungen zeigen und hier beschreiben, sind Möbel,

die sich durch einfache Linien und praktische Formen auszeichnen.

Da sind keine gedrehten Füße, keine überflüssigen Schnörkel, jedes

Stück ist auf Brauchbarkeit eingestellt und im besten Sinne „modern“.

Solche Puppenmöbel kann man kaum kaufen; was man im Laden erhält, ist

mehr oder weniger teure Dutzendware, was wir als Muster geben, ist

vorbildliche Handarbeit.

Der geöffnete +Schrank+ zeigt die kleinen Messingscharniere, an denen

die Tür befestigt ist, wir sehen das +Brett+ für die Hüte, sehr

praktisch ausgedacht; ein Draht ist in die Wände gezogen als Stange für

die Kleider; so sehen die Kleinen es bei den Erwachsenen, so wünschen

sie es sich für ihre Puppenkinder.

Auf der Eckbank liegt ein +Kissen+ mit einem farbigen Stoffrestchen

bezogen; wer Zeit und Lust hat, kann mehrere solcher Kissen anfertigen

und auf die Bank legen.

Die fertigen Möbel werden am besten gewachst, um die Haltbarkeit

der Beize zu erhöhen und sie vor Unsauberkeit zu schützen. Es wird

sich nicht vermeiden lassen, daß sie sehr häufig und nicht immer mit

tadellos sauberen Händen angefaßt werden, es werden wohl auch fremde

Kinder, kleine Gäste damit spielen, wenn auch die jungen Besitzer

solcher Puppenstube selber ihr Spielzeug in acht nehmen werden.

Als besondere +Handwerksregel+ wollen wir noch betonen, daß man für die

Möbel +Pappel-+, +Birnen-+, +Linden-+ oder +Ahornholz+ verwenden soll,

es ist weich und fest und läßt sich mit der Laubsäge gut behandeln.

Die Maserung des Holzes soll stets in der Längsrichtung liegen, das

Sägeblatt soll beim Sägen straff eingespannt werden. Man achte stets

darauf, daß die Zacken nach unten zeigen. Die fertig ausgesägten Stücke

werden sauber ausgefeilt, man reibt sie zum Schluß mit Sandpapier nach,

um alle Rauheiten zu ebnen. Je glatter die Flächen, desto handlicher

und ansehnlicher die Arbeit.

Da alle Möbelstücke aus festem Holz gut gearbeitet sind, kann man

wirklich nach Belieben damit spielen ohne befürchten zu müssen, daß

sie nach längerem Gebrauch „aus dem Leim gehen“. Das können sie nicht,

denn sie sind genagelt und nicht geleimt und, wenn es darauf ankommt,

schon einen Puff vertragen. Sie werden auch nicht so leicht unsauber,

denn die gewachsten Flächen wirken immer sauber. Indessen besteht wenig

Gefahr für diese reizende Puppenstube und ihre hübschen Möbel, denn die

Kinder, die solch gute Sachen zum Spiel erhalten, werden aus eigenem

Antrieb darauf bedacht sein, sie nicht unnötig zu strapazieren, und

wahrscheinlich sehr stolz auf ihre eigenartige Puppenstube sein.

32. Fensterbild

+Fensterbilder+ sind sehr beliebt, indessen sollen sie unbedingt

geschmackvoll wirken, sonst ist es besser, auf diesen lustigen

Zimmerschmuck zu verzichten. In früheren Jahren gab es bunte

Fensterbilder, die alte Kirchen- und Palastfenster vortäuschen

sollten; sie stellten rührselige Szenen dar, zum Beispiel den Abschied

aus dem „Trompeter von Säckingen“ oder „Gretchen am Spinnrad“, es war

eine -- trostlose Geschmacklosigkeit, aber damals schwärmte man für

solchen Raumschmuck. Er gehörte zu den gekreuzten Lanzen +neben+ dem

Sofa, rechts und links, er paßte zu den unförmigen Pokalen auf dem

Paneelbrett +über+ dem Sofa, zu dem türmchenbekrönten Büfett und zu

den troddelgeschmückten Plüschvorhängen. Heute ist die Mode ruhiger,

sachlicher, man verzichtet auf ritterburgartige Schränke im Zimmer

und sucht möglichst viel Licht und Luft hineinzulassen. Darum wird

man recht sparsam mit den Fensterbildern umgehen und sie in der Art

herstellen, daß sie den Raum nicht verdunkeln.

Wir zeigen auf unsrer Abb. 108 ein Silhouettenbild, das für diese

Zwecke gedacht ist, und geben es anbei als Beispiel; geschickte Hände

dürften weitere Motive finden, die in dieser Art verarbeitet werden

können. Unser Modell ist in +Laubsägearbeit+ ausgeführt. Man zeichnet

das passende Muster auf das Holz auf, am besten auf Ahornholz, weil

dieses sich für die +Laubsägetechnik+ sehr gut eignet. Die Übertragung

des Musters geschieht in derselben Art wie beim Sticken; Blaupaus-,

Ölpaus-, Graphitpapiere lassen sich dafür verwenden; man macht zuerst

die Zeichnung und überträgt sie mit scharf gespitztem, recht hartem

Bleistift auf das Holz. Das Ahornholz soll etwa 3 Millimeter dick

sein; die Silhouette wird ausgesägt und schließlich mit tiefschwarzer

Beize angestrichen. Man muß die Laubsäge so halten, daß das Sägeblatt

senkrecht zum Holz steht. Die Zacken sollen nach abwärts zeigen, das

Sägeblatt muß sehr straff eingespannt sein. Beim Aufzeichnen achte man

darauf, daß die Maserung des Holzes stets die Längsrichtung zeigt.

Die +Holzbeize+ ist zwar in den einschlägigen Geschäften und Drogerien

fertig käuflich, doch kann man sie selber herstellen, wenn man das

Beizepulver, ebenfalls dort erhältlich, in Wasser oder in Spiritus

auflöst. Das Holz muß vor dem Beizen mit Sandpapier tüchtig abgerieben

werden, damit es nicht rauh aussieht; rauhe Holzoberflächen sehen auch

nach dem Beizen unschön aus; all dies muß bei der Auswahl des Holzes

besonders berücksichtigt werden. Hat das Holz eine ungleichmäßige

Oberfläche, so nimmt es die Farbe ungleichmäßig an; die hauptsächliche

Wirkung der Gegenstände hängt indessen zum großen Teil von der mehr

oder weniger gut bearbeiteten Oberfläche ab. Zum Beizen eignen sich

die fertig käuflichen Anilinfarben sehr gut, die unter dem Namen

„+Holzbeizen+“ bekannt sind. Handelt es sich um eilige Arbeiten, so

löst man sie in Spiritus auf, sie trocknen sehr schnell, doch wirkt der

Anstrich leicht fleckig. Beizen, die in Wasser aufgelöst worden sind,

sind billiger. Die Beize trocknet in vierundzwanzig Stunden auf, am

besten in einem staubfreien Raum, dann ist die Arbeit so weit, daß sie

+gewachst+ werden kann.

Am einfachsten ist es, wenn man dazu fertige +Bohnermasse+ benutzt;

man behandelt den Gegenstand wie einen Fußboden, reibt die Bohnermasse

tüchtig und gleichmäßig ein und bürstet sie nach 24 Stunden mit einer

harten, sauberen Bürste, die trocken sein muß, so lange, bis ein

weicher Glanz gleichmäßig die Oberfläche bedeckt. Dieser weiche Glanz

ist durchaus notwendig, sonst könnte man die Fläche auch lackieren.

Aber gerade das Lackieren soll vermieden werden, weil das Fensterbild

dadurch einen harten Glanz bekäme, der sehr wenig vornehm wirken würde.

[Illustration: Abb. 108. Fensterbild in Laubsägearbeit.]

Man kann die +Wachsmasse+ sehr leicht selber herstellen, indem man

reines Bienenwachs in Terpentin auflöst. Man schneidet das Bienenwachs

in kleine Stückchen, legt diese in einen verschließbaren Behälter

und übergießt es mit Terpentin; das Wachs muß vollständig überdeckt

sein. Als Behälter eignen sich Blech-, Glas- oder Porzellandosen, zum

Beispiel kleine Weckgläser. Nach ungefähr drei Tagen hat das Terpentin

das Wachs aufgelöst, es entsteht eine weiche Masse, die mit einem

trockenen, sauberen Pinsel oder mit einem reinen, weichen Lappen

gleichmäßig auf den Gegenstand aufgetragen wird. Man nimmt nur wenig

Wachsmasse, es soll eine dünne Schicht aufgestrichen werden, damit das

Holz sie gleichmäßig aufnimmt, andernfalls gerinnt sie ungleichmäßig.

Mit +Terpentin+ kann man den Wachsanstrich wieder entfernen, wenn er

mißlungen ist.

Man gießt ein paar Tropfen Terpentin auf einen reinen Lappen und

wischt die Wachsschicht sorgfältig wieder ab. Ist die Wachsschicht

gut gelungen, so wird sie mit einer reinen, trockenen +Bürste+, zum

Beispiel mit einer Handbürste verrieben, bis der typische matte Glanz

entsteht. In einem staubfreien Raum bleibt die Arbeit ungefähr zwei

bis drei Tage liegen, dann wiederholt man das Verfahren. Man wird

beobachten, daß das Terpentin in das Holz eingezogen ist, der Glanz ist

kräftiger geworden, ohne indessen wie Hochglanz zu wirken.

Nun befestigt man +schwarze Seidenschnur+ in entsprechender Stärke

an der oberen Seite des Fensterbildes, damit es aufgehangen werden

kann, und achte darauf, daß die Schnüre gleichmäßig an beiden Seiten

angebracht sind, sonst hängt das Fensterbild stets schief. Außer

Ahornholz kann auch Erlen- oder Zigarrenkistenholz für ein Fensterbild

verwendet werden.

33. Handgearbeiteter Lampenschirm

Außer den üblichen +Lampenschirmen+ aus Seide oder Batist, die über

ein Drahtgestell gearbeitet werden, gibt es noch andre Arten, die

durch ihre originelle Form und Herstellungsweise auffallen. Da ist zum

Beispiel der Lampenschirm aus einem lichtdurchlässigen Stoff, der über

einen +ausgesägten Holzrand+ gespannt ist (Abb. 109 bis 111). Solch

ein Lampenschirm kann sowohl in den einzelnen Zimmern als auch auf

der Diele verwendet werden; für bessere Zwecke verarbeitet man Seide,

andernfalls genügt feiner Batist, der beliebig eingefärbt wird. Am

feinsten wirkt Grün in den verschiedenen Tönen, auch Türkis, Orange und

Altgold sieht sehr gut aus. Lila verdunkelt leicht den Raum, Feuerrot

ist nicht fein, Rosa wirkt süßlich, ebenso Hellblau, dagegen ist

ein kräftiges Tütenblau eher zu empfehlen. Wenn Lila gewählt werden

soll, so kommt das rötliche Bischofslila eher als andre Lilafarben in

Betracht, und ein tiefes Lachsrosa kann, wenn der Raum dafür geeignet

ist, sehr gut wirken. Karmoisinrot, das ja kein ausgesprochenes Rot

ist, sieht manchmal recht originell aus, besonders in Seide; die

Farbenwahl ist indessen sehr wichtig, denn schließlich liegt in der

richtigen Tönung einer der hauptsächlichen Reize. Der Schirm wird weiß

gefüttert.

Das Originellste an diesem +Lampenschirm+ ist der +Holzrand+, der aus

leichter +Laubsägearbeit+ besteht. Geschickte Mädchenhände dürften ohne

Schwierigkeit die Laubsäge führen, umso eher, als es dabei mehr auf die

Übung als auf besondere Lehrmethoden ankommt.

[Illustration: Abb. 109. Arbeitsprobe zum handgearbeiteten

Lampenschirm.]

Man zeichnet über Pauspapier das Muster auf und achtet beim Sägen

darauf, daß das Sägeblatt stets senkrecht zum Holz gehalten wird.

Die Sägeblätter werden so straff wie möglich eingespannt, die Zacken

sollen nach abwärts zeigen. Nach dem Sägen werden die Konturen sauber

ausgefeilt und mit Sandpapier glatt gerieben. Die Blitzsäge ist sehr

empfehlenswert. Für dickes Holz verwendet man Bandsägen, die man

beliebig vom Stück kauft; das Stück, das eingespannt werden soll, wird

mit der Zange abgezwickt. Für Laubsägearbeiten eignen sich besonders

gut die verschiedenen weichen Hölzer, zum Beispiel Erlen-, Linden-,

Pappel- und Birnenholz. Beim Verarbeiten soll die Maserung des Holzes

stets die Längsrichtung zeigen. Man verwendet Sperrholz, da anderes

Holz sich ziehen würde.

Der +Holzring+ kann, nachdem die Laubsägearbeit fertig ist, lackiert,

gebeizt oder gefirnißt werden. Bemalt man ihn mit Temperafarbe, so wird

er, wenn die Farbe aufgetrocknet ist, mit Temperafirnis überzogen.

+Beizen+ stellt man selber her, indem man die käuflichen Beizepulver in

Spiritus, nur im Notfall in Wasser auflöst, und das Holz, das vorher

mit Sandpapier abgerieben worden ist, zweimal mit dem Pinsel dünn und

gleichmäßig überstreicht. Für diesen Lampenschirm würde sich ein guter

Holzton empfehlen, Ahorn, Eiche, Schwarz, Hell- oder Dunkelbraun,

Hell- oder Dunkelgrau. Von bunten Tönen wäre in diesem Fall abzuraten.

Nach dem Beizen kann man das Holz +wachsen+: man trägt mit einem

weichen, sauberen Lappen möglichst dünn und gleichmäßig das käufliche

Bohnerwachs auf, läßt es zwölf Stunden einwirken und bürstet es mit

einer scharfen Bürste, bis die Fläche blank ist. Gelbe Bohnermasse

soll man nur für einen bräunlichen Ton verwenden, für Schwarz oder

Grau kommt sie nicht in Betracht. Auch flüssige Bohnermasse ist dafür

verwendbar.

Sehr gut wirkt die Arbeit, wenn sie +gefirnißt+ wird. Firnis macht den

Anstrich dunkler und ausdrucksvoller, glänzt mehr als Bohnerwachs und

schützt die Farbe ebenso wie dieses gegen die Einwirkungen von Wasser

und andern Feuchtigkeiten; der +Firnis+ -- in den Spezialgeschäften und

Drogerien fertig erhältlich -- wird mit einem dafür bereit gehaltenen

Pinsel, der vor Wasser geschützt werden muß, dünn aufgetragen. Dann

läßt man ihn auftrocknen, ohne die Fläche vorher zu berühren, da sich

sonst bestimmt „blinde“ Stellen zeigen dürften.

Will man das Holz +lackieren+, so verwendet man farblosen, fertig

käuflichen Lack, den man sich aus Spiritus und Schellack selber

herstellen kann. Lack muß in staubfreier Luft auftrocknen, sonst sieht

man jedes Stäubchen auf der Arbeit.

Man kann auch +Lackfarben+ selber herstellen, indem man die geeignete

Erdfarbe statt mit Wasser mit farblosem Lack anrührt und auf das Holz

überträgt, in diesem Fall spart man das Lackieren.

Ist die Laubsägearbeit fertig, so wird der Lampenschirm, der an sich

sehr einfach in der Herstellung ist, aufgezogen. An der Spitze sehen

wir einen fertig käuflichen Knauf, der den oberen Abschluß bildet,

eine große Holzperle dürfte diesen Knauf durchaus ersetzen. Aus

unsern Bildern ist die Herstellungsweise des Lampenschirmes deutlich

zu erkennen, sowohl die Muster am Reifen, als auch die Fältelung des

Stoffes.

Der Stoff wird außerhalb des Holzringes befestigt, der Schirm hat an

der Innenseite einen Volant, der nach unten hängend, die Lichtquelle

verhüllt. Der Holzring wird, in Breite von 6 bis 8 Zentimeter, am

besten aus Sperrholz ausgesägt, mit der Feile hilft man nach, damit die

Ornamente sauber herauskommen. Das Muster ist ausgesprochen einfach und

„durchsichtig“ gehalten, damit möglichst viel Licht hindurchscheinen

kann. Um die Zeichnung besonders sauber herauszubringen, teilt man den

ganzen Kreis erst mit dem Zirkel in kleinere Teile und versucht, durch

Zirkelmuster eine gute Aufteilung zu erzielen.

[Illustration: Abb. 110. Handgearbeiteter Lampenschirm mit ausgesägtem

Holzrand. Von Liselotte Volk.]

[Illustration: Abb. 111. Handgearbeiteter Lampenschirm. Der ausgesägte

Rand ist aufgestellt.]

Den Stoff zieht man, um besser arbeiten zu können, zunächst auf

ein Drahtgestell, das denselben Umfang hat wie der Außenumfang des

Holzreifens, dann legt man den mit dem Volant bezogenen Drahtring in

den Holzring und befestigt ihn mit kleinen, feinen Nägelchen. Den

ganzen Ring befestigt man am Draht des Lampenschirmes. Eine farbige

Holzkugel bildet den Abschluß des Lampenschirmes nach oben hin.

Will man einen doppelten Volant verwenden, so braucht man den Stoff

nur oberhalb der Mitte abzunähen und den inneren Volant noch einmal

aufzukräuseln.

Eine andere Art, selber einen +seidenen Lampenschirm+ herzustellen, ist

ebenso einfach und originell. Wir wollen sie recht genau beschreiben,

damit sie nachgearbeitet werden kann: Man lege den Stoff gespannt

um den ausgesägten Holzring, der auch bei diesem Lampenschirm die

Hauptrolle spielt, nachdem man einen Faden in der Höhe des Holzringes

aus dem Stoff ausgezogen hat, damit der Stoff gerade wird. Nun

schneidet man einen schmalen Papierstreifen, der so breit sein soll

wie der Holzrand hoch ist und so lang wie der Holzring, wenn man ihn

aufrollen würde. Dann nagelt man den Stoff und den Papierstreifen

zusammen auf; der Papierstreifen soll den Stoff beim Annageln schützen,

damit er nicht so leicht durchreißt. Außerdem würde sich der Stoff

sonst sehr bald verziehen; der Pappstreifen dient auch dazu, den Stoff

in gleicher Höhe zu halten, damit er gerade und nicht wellig am Rand

aufliegt. Das weiße Futter wird etwas kürzer, als der obere Teil der

Seide beträgt, glatt angenagelt, am besten mit dem Oberstoff zusammen,

um Zeit und Arbeit zu sparen. Am oberen Teil näht man einen Saum,

zieht eine Schnur durch und den Stoff zusammen. Das Futter reiht man

nur von oben bis zum Holzrand, wo es mit der Seide zusammen angenagelt

wird. Der Volant besteht nur aus Seide, ohne Futter; statt der Seide

kann man auch für diesen Lampenschirm einen anderen passenden Stoff,

zum Beispiel feinen Batist, verwenden, zum Abfüttern des Schirmes

läßt sich jedes dünne, weiße Gewebe verwenden; wer besonders sparsam

sein möchte, kann dafür die guten Teile aus schadhaft gewordener

feiner Wäsche benutzen. Der Stoff muß sehr genau verteilt werden, man

probiere es sorgfältig aus, während der Holzreifen wagerecht liegt, da

sonst der Lampenschirm stets schief hängen würde; dies gilt für jede

Herstellungsart.

V. Kapitel

Bastelarbeiten

34. Kleines Spielzeug (Dorf und Eisenbahn)

An den langen Winterabenden hat man Gelegenheit, sein Basteltalent

zu zeigen. Da kann man seine Phantasie zu Hilfe nehmen, mancherlei

ausdenken und mit geschickten Fingern in die Wirklichkeit übersetzen;

da kann man aber auch mancherlei Anregung von anderer Seite recht gut

gebrauchen. Was man gesehen und gehört hat, wird nachgearbeitet, eigene

Erfahrungen und Gedanken kommen dazu, und schließlich entsteht etwas

ganz anderes, ganz neues, was vielleicht noch viel hübscher ist als

das, was man ursprünglich herstellen wollte. So kommt man auch auf

einfaches +Spielzeug+, auf allerlei hübschen Zeitvertreib; die Kleinen

wollen und sollen spielen, ohne die großen Geschwister andauernd mit

Fragen zu stören, ohne auf das Mitspielen der Erwachsenen angewiesen zu

sein.

Wir zeigen auf unsern Bildern (Abb. 112 und 113) solch unterhaltsame

+kleine Spielsachen+, mit denen die große Schwester, die junge Tante

oder Schwägerin das Herz der kleinen Lieblinge gewinnen dürfte, ohne

sich in Kosten stürzen zu müssen, und es wird ihr einen ganz besonderen

Spaß machen, mit oder ohne Hilfe des kleinen Volkes die niedlichen

Gegenstände herzustellen.

Da ist ein +Dorf+ (Abb. 112)! Das Grundmaterial besteht aus

+Streichholzschachteln+, die im Haushalt zu diesem Zweck gesammelt

werden, denn man kann nach Belieben ein kleines, aber auch ein reiches,

großes Dorf mit vielen Häusern anfertigen. Auf dem beschränkten Raum

eines Bildes kann nur das Notwendigste vorgeführt werden.

Die Streichholzschachteln werden zu +Häusern+ umgewandelt, indem man

die Seitenteile der Schachteln, die doppelt übereinander liegen,

aufritzt und als Dach winklig gegeneinanderstellt. Man beklebt die

Häuschen mit +Buntpapier+, die Wände hält man rosa, gelb, blau, grün

in verschiedenen Tönen, die +Dächer+ rot, die +Türen+ werden in Braun

oder Schwarz aufgeklebt, ebenso die +Fenster+. Man benutzt dazu

Fischleim oder Kleister; jedes Klebemittel, das für Papier geeignet

ist, läßt sich verwerten. Wer ganz besonders geschickt ist, kann

weiße Fenster kleben und schwarze +Fensterkreuze+ darauf pinseln.

Auch grüne +Fensterläden+ sehen sehr hübsch aus. Der +Ziehbrunnen+

besteht aus einer offenen, runden Schachtel, die beklebt werden

kann. Mit Kartonpapier werden die Röhren hergestellt. Die Phantasie

wird hier mithelfen müssen, es finden sich im Haushalt sicherlich

geeignete Hülsen, die dafür in Frage kommen. Für die +Kirche+ nimmt

man eine größere Schachtel, man kann auch mehrere Zündholzschachteln

übereinanderkleben, bis die richtige Höhe erreicht ist, und das

Dach aus Pappe aufsetzen. Auch der +Kirchturm+ wird in dieser Weise

aufgebaut, eine +Turmuhr+ aus gelbem Papier darf nicht fehlen. Vor der

Kirche hält ein +Planwagen+ aus einer Streichholzschachtel. Die +Räder+

bestehen aus Kartonpapier oder Pappe und werden in der Art angebracht,

daß man durch ihre Mitte ein Streichholz stößt und es in die Wagenwand

schiebt. Auch Zahnstocher eignen sich dafür. Das +Schutzdach+ besteht

aus Papier; blaue Heftdeckel kann man dafür benutzen. Die +Pferde+

bestehen aus großen länglichen Holzperlen; diese sollen den Rumpf

darstellen, der Kopf -- eine kleinere, ebenfalls längliche Holzperle

oder eine Bohne -- wird angeleimt, ebenso Zündholzbeine und Schwänze

aus Seiden- oder aufgerauhten Wollfäden. Das +Pferdegeschirr+ besteht

aus Wollfäden oder aus Perlgarn. Der +Kutscher+ wird, wie die

übrigen Dorfbewohner, aus halbierten Paketknebeln hergestellt; man

sägt die Paketknebel mit der Laubsäge in zwei Teile, klebt sie auf

Holzknöpfe, damit sie stehen können, zieht den +Frauen+ weite Röcke

aus Seidenpapier an und bemalt Männlein und Fräulein mit Deckfarben.

Man pinselt rosa Gesichter mit schwarzen Punktaugen und rotem Mund,

mit braunen und ockerfarbenen Haaren, man malt rote und blaue, grüne

und gelbe Oberkörper, als wenn sie bunte Jumper trügen, und malt mit

abstechenden Tönen den Unterkörper; mit einem schwarzen Strich in der

Mitte werden farbige Hosen angedeutet, die Arme aus Streichhölzern

werden an beiden Seiten des Rumpfes festgeklebt oder mit Blumendraht

beweglich befestigt. Man bohrt Löcher in die Paketknebel und zieht den

Draht durch, die Zündhölzer werden am oberen Ende damit umwickelt.

[Illustration: Abb. 112. Ein Dorf aus Streichholzschachteln. Von

Liselotte Volk.]

Handfertigkeitsbuch für junge Mädchen · 第 9 / 15 段