4) Forschungen zur deutschen Geschichte. Bd. VIII.

Außerdem waren im Druck vollendet, so daß die Ausgabe in den nächsten

Tagen erfolgen kann:

5) Deutsche Reichstagsakten, Bd. I, enthaltend: Deutsche

Reichstagsakten unter König Wenzel. Erste Abtheilung 1376-1387.

Herausgegeben von J. +Weizsäcker+.

6) Bayerisches Wörterbuch von J. +Andreas Schmeller+. Zweite, mit

des Verfassers Nachträgen vermehrte Ausgabe, bearbeitet von G. K.

+Frommann+. Lieferung I.

Mit besonderer Freude nahm die Commission die ersten Exemplare dieser

neuesten Publicationen entgegen, da mit ihnen Unternehmungen in das

Leben traten, welche sie von ihren Anfängen an vorzugsweise in das Auge

gefaßt hat und die einem tiefempfundenen wissenschaftlichen Bedürfniß

Abhülfe gewähren.

Die Berichte, welche dann im Laufe der Verhandlungen von den Leitern

der einzelnen Unternehmungen erstattet wurden, zeigten den rüstigen

Fortgang der Arbeiten nach allen Seiten und gaben die Sicherheit, daß

einzelne Hemmnisse derselben in kurzer Zeit zu überwinden sein werden.

Die hiesigen und auswärtigen Behörden, wie die Verwaltungen der Archive

und Bibliotheken fahren fort, mit nicht genug zu rühmender Liberalität

alle Bestrebungen der Commission zu unterstützen, und tragen dadurch

wesentlich zur Förderung der Arbeiten bei.

Von der Geschichte der Wissenschaften ist eine neue Abtheilung,

die Geschichte der Sprachwissenschaft von Professor +Benfey+ in

Göttingen, unter der Presse. Der Wunsch, gleichzeitig noch andere

Abtheilungen dieses großen Werks dem Drucke zu übergeben, war leider

nicht zur Ausführung zu bringen, da mehrere Mitarbeiter nicht zu der

festgestellten Zeit ihre Handschriften einreichten. Die Bearbeitung

der Geschichte der Rechtswissenschaft hat Professor v. +Stintzing+ in

Erlangen, die der Geschichte der Astronomie Prof. Rud. +Wolf+, Direktor

der Sternwarte in Zürich, übernommen.

Die Arbeiten für die Herausgabe der deutschen Städtechroniken sind nach

verschiedenen Seiten fortgesetzt worden. Der Druck der Magdeburger

Schöppenchronik in der Bearbeitung des Archivsekretärs Dr. +Janicke+

ist so weit vorgeschritten, daß die Publication in wenigen Wochen

erfolgen kann. Die Straßburger Chroniken von Closener und Königshofen,

deren Bearbeitung Professor +Hegel+ selbst übernommen hat, werden

voraussichtlich zwei Bände füllen, von denen der erste im Herbst

1869, wie man hofft, erscheinen wird. Professor v. +Kern+ ist mit der

Bearbeitung der nürnbergischen Chronik von Deichsler ununterbrochen

beschäftigt, so daß auch der vierte Band der Nürnberger Chroniken

bald in die Presse gelangen kann. Ein zweiter Band der Braunschweiger

Chroniken wird später folgen, wie die Lübeck’schen Chroniken, für

welche Professor +Mantels+ die Arbeiten fortführt.

Der erste, nun vollständig gedruckte Band der Reichstagsakten zeigt,

mit wie außerordentlichen Hülfsmitteln und großer Sorgfalt dieses

monumentale Werk, welches der deutschen Geschichtswissenschaft

unberechenbaren Gewinn verheißt, unternommen wurde. Nachdem die

Schwierigkeiten, welche von den Anfängen eines so bedeutenden

Werkes untrennbar sind, glücklich besiegt wurden, läßt sich eine

ununterbrochene Fortführung desselben erwarten. Für den zweiten

Band sind nur noch wenige Nachträge zu machen, um dann auch ihn der

Presse zu übergeben. Professor +Weizsäcker+ ist in seinen mühevollen

archivalischen Arbeiten für dieses Unternehmen durch den Bibliothekar

Dr. +Kerler+ in Erlangen und den hiesigen Reichsarchivpraktikanten Dr.

+Schäffler+ mit dem größten Eifer unterstützt worden.

Von den Jahrbüchern des deutschen Reichs lagen mehrere neue

Abtheilungen vor. Dr. +Breysig+ in Culm hat seine Geschichte Karl

Martell’s zum Abschluß gebracht, welche demnächst zu veröffentlichen

ist. Auch die Geschichte K. Pipin’s von Dr. +Oelsner+ in Frankfurt,

welche nur noch einige Ergänzungen bedarf, wird voraussichtlich im

Laufe des nächsten Jahres publiciert werden können. Von den weit

vorgeschrittenen Arbeiten des Dr. +Steindorff+ in Göttingen über die

Geschichte K. Heinrich’s III. wurde der Commission Mittheilung gemacht.

Die Geschichte Philipp’s von Schwaben und König Otto’s IV. ist zur

Bearbeitung dem Hofrath +Winkelmann+ in Dorpat übertragen worden.

Der Druck des vierten Bandes der historischen Volkslieder der

Deutschen wird demnächst beginnen. Voraussichtlich wird derselbe mit

dem in Bearbeitung stehenden Supplementband bis zum nächsten Herbst

dem Publikum übergeben werden und so ein Unternehmen, welches die

allgemeinste Anerkennung gefunden hat, zum raschen Abschluß gedeihen.

Auch der Schlußband der Weisthümer ist in der Redaktion so weit

vorgeschritten, daß dem baldigen Druck kein Hinderniß im Wege steht.

Durch eine größere Anzahl neu aufgefundener Stücke, welche man

besonders dem hiesigen Reichsarchiv verdankt, dürfte der Band einen

solchen Umfang gewinnen, daß die wichtigen Sachregister wahrscheinlich

für einen besonderen Supplementband werden zurückgelegt werden müssen.

Die Herausgabe der Hanserecesse hat eine sehr bedauerliche Verzögerung

dadurch erlitten, daß Professor +Frensdorff+ sich wegen anderer

Geschäfte die übernommenen Redaktionsarbeiten aufzugeben genöthigt sah.

Die Commission hofft jedoch auch dieses neue Hemmniß, welches dem durch

+Lappenberg’s+ und +Junghans’+ Tod schon so lange gestörten Unternehmen

erwachsen ist, bald heben und für die Arbeiten, welche zur Drucklegung

des Werks noch erforderlich sind, in Dr. +Koppmann+ zu Hamburg einen

geeigneten Gelehrten gewinnen zu können.

Die Zeitschrift: „Forschungen zur deutschen Geschichte“ wird, da sie

sich mehr und mehr als ein Bedürfniß für die Wissenschaft zeigt, in der

bisherigen Weise fortgeführt werden.

Die ausgedehnten Arbeiten für die Herausgabe der Wittelsbach’schen

Correspondenz haben zu neuen erwünschten Ergebnissen geführt. Der

Druck des zweiten Bandes der Correspondenz Churfürst Friedrich’s III.

von der Pfalz hat sich nicht, wie in Aussicht stand, im Laufe des

verflossenen Jahres bewerkstelligen lassen, weil das Material sich

noch in letzter Zeit so mächtig ansammelte, daß eine neue Redaktion

nothwendig wurde, um das gesetzte Maß nicht zu weit zu überschreiten.

Die Arbeit ist indessen so weit gediehen, daß der Druck jetzt

beginnen wird. Für die ältere bayerische Abtheilung, welche unter der

Leitung des Reichsarchivdirektors v. +Löher+ bearbeitet wird, haben

die Nachforschungen des Dr. v. +Druffel+ in den hiesigen und Wiener

Archiven den reichsten Ertrag geboten; die Sammlung des Materials für

den Briefwechsel H. Albrecht’s V. aus den Jahren 1550 bis 1555 kann

jetzt als abgeschlossen betrachtet und die Publication des diesen

Briefwechsel umfassenden Bandes vorbereitet werden. Für die jüngere

pfälzische Abtheilung, welche unter Leitung des Professors +Cornelius+

steht, hat Dr. +Ritter+ die Arbeiten in den hiesigen Archiven und

in Paris fortgeführt, überdies die Einleitung zum ersten Bande,

welche die Geschichte der Unionspolitik in dem Jahrzehend vor dem

Beginn der mitzutheilenden Actenstücke darstellt, in der Handschrift

vollendet. Dem Drucke des ersten Bandes dieser Abtheilung steht von

Seiten der Redaktion nun kein Hinderniß mehr entgegen. Für die jüngere

bayerische Abtheilung welche ebenfalls unter der Leitung des Professors

+Cornelius+ steht, ist besonders neben demselben Dr. +Stieve+ thätig

gewesen. Mit seiner Hülfe hat der Herausgeber das Bernburger Archiv

für die Jahre 1612-1616 ausgebeutet und in Paris die Beziehungen

Frankreichs zu Pfalz, Bayern und dem Reich zu erforschen begonnen.

Die regelmäßige Fortsetzung der neuen Ausgabe von Schmeller’s

Wörterbuch ist gesichert. Dr. +Frommann+, der in rühmlichster Weise

seine Aufgabe erfüllt, hofft in etwa vier Jahren das ganze Werk zu

veröffentlichen; durchschnittlich werden drei Lieferungen im Jahre

erscheinen.

Die Geschichte der Grafen von Spanheim, bearbeitet vom Pfarrer J. G.

+Lehmann+ in Nußdorf, zu deren Herausgabe auf den Antrag der Commission

+Seine Majestät der König+ eine Unterstützung aus der Dotation der

Commission bewilligt hatte, ist der Presse übergeben und wird in zwei

Bänden im Laufe des nächsten Jahres in die Oeffentlichkeit treten.

Bei dem gedeihlichen Stande der Arbeiten, welche die Commission in

den letzten Jahren beschäftigt haben, glaubte sie auch einige neue

Unternehmungen, welche an früher vorgelegte Pläne anknüpfen, jetzt

bestimmter in das Auge fassen zu sollen.

Unter den Vorschlägen, welche +Jakob Grimm+ der ersten

Plenarversammlung machte, stand in erster Linie eine Zusammenstellung

des historischen Inhalts der mittelhochdeutschen Dichtungen. Die

Commission gieng auf diesen Vorschlag ein, stieß aber in der

Ausführung auf so große Hindernisse, daß sie von dem Unternehmen

endlich Abstand nehmen mußte. Professor W. +Wackernagel+ nahm, als

er nach Grimm’s Tode in die Commission trat, sogleich den Gedanken

seines Vorgängers auf, beschränkte aber dabei den Plan auf eine

Sammlung der historischen Gedichte der deutschen Lyriker im 13.

Jahrhundert. Nach den Mittheilungen, welche Professor Wackernagel der

diesjährigen Plenarversammlung machte, würde die Sammlung, welche den

vollständigen Text der Gedichte mit geeigneten Commentaren enthalten

soll, nur zwei Bände umfassen und in wenigen Jahren zu vollenden sein;

Professor Wackernagel stellte überdies seine eigene Mitwirkung bei der

Bearbeitung in Aussicht. Die Commission, erfreut, so einen Gedanken

Jakob Grimm’s aufnehmen zu können und zugleich eine höchst werthvolle

Ergänzung der Liliencron’schen Sammlung zu gewinnen, beschloß, die zur

Einleitung des Unternehmens erforderlichen Anträge an +Seine Majestät

den König+ zu stellen.

Einen weit größeren Umfang beansprucht ein anderes Unternehmen, welches

Geheimer Rath +v. Ranke+ schon seit den Anfängen der Commission

vielfach angeregt hat, dessen Durchführung aber früher kaum thunlich

erschien. Ein Werk, welches die Lebensbeschreibungen aller namhaften

Deutschen in lexikalischer Reihenfolge bietet, fehlt unserer Literatur,

und diese Lücke wird allseitig empfunden. Es steht außer Frage,

daß einer solchen allgemeinen deutschen Biographie die lebhafteste

Theilnahme entgegenkommen würde; die Ausführung, wenn sie auf

kritisch gesicherter Grundlage erfolgen soll, wird aber nur unter der

Mitwirkung eines gelehrten Vereins, wie ihn die historische Commission

darstellt, sich ermöglichen lassen. Der Vorsitzende erneuerte

deshalb seinen früheren Antrag auf die Herausgabe einer allgemeinen

deutschen Biographie durch die Commission, und der Versammlung

schienen jetzt alle Vorbedingungen vorhanden, um mit Aussicht auf

günstigen Erfolg Hand an dieses große nationale Werk zu legen. Sie

beschloß, allerhöchsten Ortes die Erlaubniß zur Einleitung auch dieses

Unternehmens zu beantragen.

Es ist jetzt gerade ein Jahrzehend, seit +König Maximilian+ II. die

ersten Schritte that, um die historische Commission in das Leben zu

rufen, und die ausgeführten und vorbereiteten Arbeiten innerhalb

dieses Zeitraums erweisen, daß der königliche Gedanke für die

Geschichtswissenschaft und das gesammte Geistesleben der deutschen

Nation ein überaus fruchtbarer gewesen ist. Was aber die Commission

bisher durch vereinte Kraft geleistet hat, oder noch leisten wird, hat

Deutschland im letzten Grunde +König Maximilian+ II., dem hochherzigen

Stifter, und +König Ludwig+ II., dem huldreichen Erhalter der

Commission, zu danken.

Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band. · 第 126 / 150 题