BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

1868. Nº 10. October.

Chronik des germanischen Museums.

+Nürnberg+, den 15. October 1868.

Das Interesse der Freunde des germanischen Museums knüpft sich stets

zunächst an die Jahresconferenz. Sie bildet den Abschnitt, der für ein

Jahr, mitunter für lange Zeit, entscheidend ist. Wie bereits gemeldet,

wurde die heurige Jahresconferenz durch eine Siebener-Commission

abgehalten, und zwar von den durch Wahl der Mitglieder dazu bestimmten

Herren: Dr. +Förster+, Dr. +Hauck+, Prof. +Lindenschmit+, Prof.

+Maßmann+, Prof. v. +Raumer+, Prof. v. +Ritgen+ und Direktor +Rehm+.

Die Geschäfte betrafen zunächst die Erledigung der Rechnung pro

1866/67, welche, nachdem sie zuvor alle Stadien der Revision und

Superrevision durchlaufen hatte, unbeanstandet genehmigt wurde, und

die wir mit nächstem Jahresberichte veröffentlichen werden. Der Etat

für 1869 wurde nach den Vorschlägen der Vorstandschaft mit geringen

Abänderungen angenommen und auf 29,000 fl. in Einnahme und Ausgabe

festgestellt. Ebenso ward die Rechnung der Actiengesellschaft, unter

Danksagung gegen den Rechnungsführer, unbeanstandet genehmigt. Die

Prüfung der Sammlungen gab das für die Vorstandschaft so erfreuliche

Resultat, daß die getroffenen Abänderungen und die zur Vermehrung

in großer Zahl gemachten Ankäufe sich der vollen und allgemeinen

Zustimmung zu erfreuen hatten, und daß überhaupt die Commission ihre

Billigung darüber aussprach, daß den Sammlungen eine erweiterte

Aufmerksamkeit geschenkt werde, eine Billigung, die auch in der

Genehmigung der pro 1869 gestellten Anforderungen Ausdruck fand.

Um jedoch auch das Interesse derjenigen, welche nicht durch eigene

Einsicht aus den Sammlungen Nutzen ziehen können, zu befriedigen,

wurde beschlossen, neben der Publication der größeren Arbeit über die

Sammlungen, von der der erste, allgemeine Theil in den Aushängebogen

fertig vorlag, und die im folgenden Jahre ihren Abschluß finden

wird, Einleitungen zu treffen, um die interessante und wichtige, aus

Trier stammende und in dem kgl. Staatsarchiv zu Coblenz aufbewahrte

Handschrift, das „Balduineum“, mindestens in ihrem bildlichen Theile

zu veröffentlichen. Wenn die erhoffte Genehmigung der kgl. preuß.

Regierung eingetroffen, und die zur Bearbeitung in Aussicht genommenen

Gelehrten ihre Zustimmung gegeben haben, kann wol im Jahre 1870

diese Veröffentlichung dem Publikum übergeben werden. Zur angenehmen

Mittheilung diente der Conferenz, daß das von Sr. Majestät dem Könige

von Preußen gestiftete gemalte Fenster, das auf der Pariser Ausstellung

mit dem ersten Preise ausgezeichnet wurde, angekommen sei, sowie daß

Se. Majestät gestattet haben, dasselbe nicht an dem ursprünglich

bezeichneten Orte, in der ehemaligen Kirche, sondern in einem eigens

dafür bestimmten Raume, der neu gebaut werden und den Namen seiner

Majestät tragen soll, aufgestellt werde.

Da der Verwaltungsausschuß leider im Laufe des Jahres zwei

Mitglieder, Prof. +Pfeiffer+ und geh. Rath +Waagen+, durch den

Tod verloren, und unmittelbar vor dem Zusammentritt der Comission

Se. Excellenz Graf +Pocci+ in München und k. k. Hofrath Ritter v.

+Bergmann+ in Wien ihre Stellen niedergelegt hatten, so besprach

die Commission als Wahlcommission die für Ergänzung des Ausschusses

gemachten Vorschläge der Vorstandschaft und beschloß einstimmig, den

Wahlberechtigten vier Männer namhaft zu machen, durch deren Wahl

das Interesse der Nationalanstalt vorzugsweise gefördert erscheint.

Eine Anzahl der geschäftlichen Erledigungen, wie die Festsetzung

einer definitiven Instruktion für den Kassecontroleur, Abänderungen

der Pflegschaftsordnung, Bestimmung über die Form des nächsten

Jahresberichtes interessieren wol nicht Jedermann; doch hoffen wir, daß

sie von guten Folgen für die Finanzen der Anstalt sein werden.

Indem wir somit die diesjährige Conferenz als ein erfreuliches

Ereigniß in die Annalen unserer Nationalanstalt aufzeichnen, können

wir zugleich mit nicht geringerer Freude und Genugthuung melden, daß

eine lange vorbereitete und viel verschobene Sache -- der Bau des

östlichen Kreuzganges -- nunmehr beendet ist. Schon bieten die zierlich

gegliederten Gewölbe und die reichen und mannigfaltigen Formen des

Maßwerkes der Fenster dem Auge einen befriedigenden Anblick dar, und

der Kreuzgang hat nunmehr seine alte Größe und Gestalt wiedergewonnen.

Da derselbe ausschließlich für Aufstellung von Originalen und Abgüssen

der Grabdenkmale bestimmt ist, so kann er freilich erst nach und nach

eingerichtet und dem Publikum zugänglich gemacht werden, und einige

Jahre mögen wohl vergehen, ehe die Bretterwände, die jetzt noch einen

Theil abschließen, für immer fallen. Ein wesentlicher Theil unserer

Aufgabe ist durch die Vollendung des Kreuzganges gelöst; im Plane

für den Wiederausbau der alten Karthause steht nun zunächst die

Wiederaufrichtung der zwei zerstörten Zellen an der Nordseite voran,

die, wie wir hoffen, ebenfalls bald wieder hergestellt sein werden, so

daß dann die eine Seite vollständig die alte Anlage wieder zeigt.

Die Verloosung der am 1. Januar rückzuzahlenden Obligationen des

Bauanlehens hat die vier Nummern 37, 50, 65 und 92 zu Tage gebracht.

Es ist wol den meisten Freunden des Alterthums bekannt, daß der Hammer

des Goldschlägers schon so manche pergamentene Manuscripte und Urkunden

vernichtet hat, die nicht blos ihres Inhaltes wegen von Bedeutung

waren, sondern von denen auch jedes Stück ein Produkt des Fleißes und

ein Monument für die Kulturgeschichte repräsentierte. Ein Mittelpunkt

des Pergamenthandels für Goldschläger befindet sich aber für fast ganz

Europa in Fürth bei Nürnberg. Da das Museum aus seinen Mitteln nur

selten, und blos wenn es sich um Gegenstände von besonders wichtigem

Inhalt handelte, in der Lage war, hier rettend aufzutreten, so hat

der schon so oft als Förderer unserer nationalen Sache mit dankbarer

Anerkennung genannte Herr Assessor v. +Cuny+ in Bonn dem Museum 2100

fl. zur Verfügung gestellt, um ähnliche Dinge zu retten, daran aber die

Bedingung geknüpft, daß das Museum nicht blos das für seine Zwecke

Wichtige, nicht blos Seltenheiten oder inhaltlich Werthvolles in’s Auge

fasse. Zugleich hat Herr v. Cuny gestattet, daß über das, was nicht

für die Zwecke des Museums selbst dient, anderweitig verfügt werde.

Die Gegenstände, welche zunächst in Folge dessen in Fürth aus den

Händen des Goldschlägers gerettet wurden, stehen zum Theile schon als

Geschenke des Herrn v. Cuny in unserm heutigen Verzeichnisse.

Ein weiteres Geschenk haben wir dankbar von Herrn Hofbanquier

v. +Hirsch+ in München zu melden, der 100 fl. zur Tilgung der

Schuld an Herrn v. Aufseß durch Verzicht auf das von ihm bei der

Aktiengesellschaft deponierte Capital gespendet hat.

Den mit dem Museum in Schriftentausch stehenden Vereinen ist

beigetreten der neugegründete

+Geschichts- und Alterthumsverein+ in Leisnig (Sachsen).

Den mitgetheilten erfreulichen Nachrichten haben wir diesmal leider

auch eine Trauerbotschaft wieder anzureihen. Das langjährige

Gelehrtenausschußmitglied des Museums, Dr. phil. +William Bell+ aus

London, starb am 22. Sept. in Bonn, wohin er des internationalen

archäologischen Congresses wegen gereist war.

Seit Veröffentlichung des letzten Verzeichnisses wurden folgende neue

+Jahresbeiträge+ angemeldet:

Von Privaten: =Beilngries=. Prakt. Arzt Dr. Jos. Müller in Dietfurt

24 kr. =Bückeburg.= Amtsassessor J. M. Weissich in Stadthagen 1 fl.

45 kr., Rath Wolff 1 fl. 45 kr. =Büdingen.= Fürstl. Ysenb. Kammerrath

Bradrück 1 fl., Landger.-Assessor Dr. Großmann 30 kr., Reg.-Accessist

Haas 30 kr., fürstl. Ysenb.-Wächtersb. Kammerrath Weber 1 fl. --

=Erlangen.= Dr. C. Schröder 1 fl. 45 kr. -- =Forchheim.= Holzhändler

J. B. Speckner 1 fl. 45 kr. =Fürth.= Fabrikant J. F. Jordan jun. 1

fl., Kaufmann Lehrer 1 fl., Kaufmann Christoph Tauber 1 fl., Frau

Privatierswittwe E. Wolfinger 1 fl. +Gemmingen.+ Pfarrverweser Sievert

1 fl. 45 kr. =Grimma.= Professor Dr. Rößler 1 fl. 10 kr. =Hamburg.=

Kaufmann J. Th. Siemßen 17 fl. 30 kr. =Hechingen.= Dr. Eugen Koller 1

fl. 45 kr. =Hermannstadt.= Professor Michael Bell 35 kr., Professor

Moriz Guist 35 kr., Professor Joseph Horedt 35 kr., Professor Julius

Michaelis 35 kr. =Homburg i. Pf.= Postexpeditor Bender 1 fl., Direktor

der Erbacher Fabrik Fichter 1 fl., Gerichtsschreiber Kaul 1 fl.

=Regensburg.= Gymnas.-Lehrer Max Wiener 1 fl. =Schmalkalden.= Amtmann

Fulda 1 fl. 45 kr., Lieutenant Kühn 1 fl. 45 kr., Landrath Senfft

von Pilsach 1 fl. 45 kr. =Wunsiedel.= Freih. v. Bärenstein 2 fl.

=Würzburg.= Otto Freih. v. Dungern 5 fl.

+Einmalige+ Beiträge wurden folgende gegeben:

Von Privaten: =Liverpool.= Joseph Mayer 11 fl. 51 kr. =London.= Frau

Luise Ken 23 fl. 42 kr. =Staffelstein.= Ein Ungenannter 1 fl. =Wien.=

Reichsrath v. Schindler 1 fl.

Unseren Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu:

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band. · 第 122 / 150 题