De +diemutigehait+ sitzt auf einem +phantyr+ (pantel),
furt auf dem +helm+ ein chrancz von +pluennden beinstochen+,
an dem +schilt zwo laitter+,
an dem +boffenroch+ ein +greiffen+.
De +chauschait+ sitzt auf einem +aingehurin+,
furt auf dem +helm+ ein +chrancz von weißen, gelben vnd
grunen liligen+,
an dem +schilt+ furt sy einen +engel+,
an dem +roch+ einen +wolf+.
Dew +miltichait+ sitzt auf einem tyr haist +eale+,
furt einen +helm+ gezirt mit edelm gestain haißent +iaspides+,
an dem +schilt+ ein +galander vogel+,
an dem +roch+ ein +storchen+.
De +geduld+ sitzt auf einem +helfant+,
auf dem +helm+ furt sie ein +agnum+,
an dem +schilt leocafaniam+ (leocofonam?)
an dem +roch+ ein +schoff+.
De +lieb+ sitzt auf einem tyr haist +orasius+ (erasius?),
furt auf dem +helm+ ein +coredulum+ (vogel),
an dem +schilt+ ein +pellican+,
an dem +roch+ ein +arpium+ (arpia -- vogel).
De +andacht+ sitzt auf einem tyr haist +campulus+ (compolus?)
auf dem +helm+ furt sy ein chranz von +ruten+, darin sitzt
ein nachtigal,
an dem +schilt+ ein vogel haist +augophilon+,
an dem +roch+ ein +fenix+.
De +messichait+ sitzt auf einem +hirßen+,
furt auf dem +helm+ ein +nest+ mit +jungen raben+,
an dem +schilt+ ein +otter+ (vischotter),
an dem +roch+ ein +slangen+.“
Obwohl die Anwendung manchmal nicht treffend genug, öfter noch zu
weit hergeholt erscheint, so ist dennoch manche interessante Notiz in
der Ausführung zu finden. Wir können auf Weiteres verzichten, nachdem
derselbe Gegenstand, für den wir hier eine neue Quelle erschlossen,
in der Literatur nicht neu ist, und verweisen nur auf die im Archiv
für Kunde österreichischer Geschichtsquellen V. Band, Seite 583
ff., gegebenen „Archäologischen Notizen“ von Dr. G. Heider und J.
V. Häufler, wo ein etwas ausführlicher gehaltener Text desselben
Gegenstandes aus einem Manuscript zu Göttweih -- dort als „+Note wider
den Teufel+“ bezeichnet -- mit vielen Anmerkungen abgedruckt ist. Von
den vielen Darstellungen erwähnen wir nur die Regensburger Teppiche
des 15. Jahrhunderts. Als Verfasser erscheint in dem Manuscripte ein
Prediger von Amberg:
„Das puchlein +dewsch+ hat gemacht herr +prediger+ von +amwerg+ durch
großer diemüttiger gepett willen der woll geporen grozzen vnd herrn
+hannsen+ von +scharffeneck+ vnd des durchleichtigisten herrn +ludweig
chunig von vngern+, +dalmacie+ hochster rat. +dy red lert her martin+.“
Das ganze Büchlein scheint aus Sermones oder Tractatus verschiedener
Verfasser zusammengesetzt zu sein. -- Der genannte König Ludwig ist
wol der Erste dieses Namens, der von 1342-1382 regierte. Da er 1355
Dalmatien sich unterworfen hatte, so ist nicht zu zweifeln, daß obige
Uebersetzung zwischen 1355-1382 stattgefunden habe. Genauere Angabe
über +Johann von Scharfeneck+ sowohl, als über den +Prediger von
Amberg+ ist wünschenswerth.
+Lambach+ (Oberösterreich).
+Pius Schmieder.+
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction: A. +Essenwein+. Dr. G. K. +Frommann+. Dr. A.
v. +Eye+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.