II.

De +diemutigehait+ sitzt auf einem +phantyr+ (pantel),

furt auf dem +helm+ ein chrancz von +pluennden beinstochen+,

an dem +schilt zwo laitter+,

an dem +boffenroch+ ein +greiffen+.

De +chauschait+ sitzt auf einem +aingehurin+,

furt auf dem +helm+ ein +chrancz von weißen, gelben vnd

grunen liligen+,

an dem +schilt+ furt sy einen +engel+,

an dem +roch+ einen +wolf+.

Dew +miltichait+ sitzt auf einem tyr haist +eale+,

furt einen +helm+ gezirt mit edelm gestain haißent +iaspides+,

an dem +schilt+ ein +galander vogel+,

an dem +roch+ ein +storchen+.

De +geduld+ sitzt auf einem +helfant+,

auf dem +helm+ furt sie ein +agnum+,

an dem +schilt leocafaniam+ (leocofonam?)

an dem +roch+ ein +schoff+.

De +lieb+ sitzt auf einem tyr haist +orasius+ (erasius?),

furt auf dem +helm+ ein +coredulum+ (vogel),

an dem +schilt+ ein +pellican+,

an dem +roch+ ein +arpium+ (arpia -- vogel).

De +andacht+ sitzt auf einem tyr haist +campulus+ (compolus?)

auf dem +helm+ furt sy ein chranz von +ruten+, darin sitzt

ein nachtigal,

an dem +schilt+ ein vogel haist +augophilon+,

an dem +roch+ ein +fenix+.

De +messichait+ sitzt auf einem +hirßen+,

furt auf dem +helm+ ein +nest+ mit +jungen raben+,

an dem +schilt+ ein +otter+ (vischotter),

an dem +roch+ ein +slangen+.“

Obwohl die Anwendung manchmal nicht treffend genug, öfter noch zu

weit hergeholt erscheint, so ist dennoch manche interessante Notiz in

der Ausführung zu finden. Wir können auf Weiteres verzichten, nachdem

derselbe Gegenstand, für den wir hier eine neue Quelle erschlossen,

in der Literatur nicht neu ist, und verweisen nur auf die im Archiv

für Kunde österreichischer Geschichtsquellen V. Band, Seite 583

ff., gegebenen „Archäologischen Notizen“ von Dr. G. Heider und J.

V. Häufler, wo ein etwas ausführlicher gehaltener Text desselben

Gegenstandes aus einem Manuscript zu Göttweih -- dort als „+Note wider

den Teufel+“ bezeichnet -- mit vielen Anmerkungen abgedruckt ist. Von

den vielen Darstellungen erwähnen wir nur die Regensburger Teppiche

des 15. Jahrhunderts. Als Verfasser erscheint in dem Manuscripte ein

Prediger von Amberg:

„Das puchlein +dewsch+ hat gemacht herr +prediger+ von +amwerg+ durch

großer diemüttiger gepett willen der woll geporen grozzen vnd herrn

+hannsen+ von +scharffeneck+ vnd des durchleichtigisten herrn +ludweig

chunig von vngern+, +dalmacie+ hochster rat. +dy red lert her martin+.“

Das ganze Büchlein scheint aus Sermones oder Tractatus verschiedener

Verfasser zusammengesetzt zu sein. -- Der genannte König Ludwig ist

wol der Erste dieses Namens, der von 1342-1382 regierte. Da er 1355

Dalmatien sich unterworfen hatte, so ist nicht zu zweifeln, daß obige

Uebersetzung zwischen 1355-1382 stattgefunden habe. Genauere Angabe

über +Johann von Scharfeneck+ sowohl, als über den +Prediger von

Amberg+ ist wünschenswerth.

+Lambach+ (Oberösterreich).

+Pius Schmieder.+

(Mit einer Beilage.)

Verantwortliche Redaction: A. +Essenwein+. Dr. G. K. +Frommann+. Dr. A.

v. +Eye+.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in

Nürnberg.

Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band. · 第 121 / 150 题