V.

Das zuletzt mitgetheilte strophische Gedicht ist sehr ernsthaften

Inhalts und paßt somit nicht recht zu der Ueberschrift; nur durch seine

Form ist es in diese Gesellschaft gekommen. Ich lasse ein zweites

folgen, welches in der Handschrift unmittelbar vorhergeht und durch

eine besonders heftige Feindschaft gegen die Mönche ausgezeichnet ist.

Da noch nicht von Bettelmönchen die Rede ist, wird es wol noch dem

zwölften Jahrhundert angehören.

+De corrupto mundi statu Rhytmus.+

Prohdolor confusio nascitur ant}

Impia fit pietas, equitas in }

Dolet amicitia quod sit inim } iqua

Rationis linea facta est in }

Vitia suppullulant, virtus suffoc}

A patrono quolibet virtus vidu }

Deperit iustitia, virtus releg } atur

Regnat avaritia, scelus domin }

Regnat avaritia, regnatque us }

De divina gratia non est ulla c }

Creatorem proprium spernit creat } ura

Hec est vita moriens, vita non vict}

Hoc exemplum laicis prebent litter }

Qui ponunt sub modio lucem excec }

Student avaritie, student vanit } ati

Et sic limes sceleris fiunt et pecc }

Laicorum error est pene veni }

Defluit a clericis error sibi t }

Quorum vita pessima est induta m } alis

Quos fex rerum inquinat, fex simoni}

Pretermitto laicos qui sunt quasi br }

Quos docere clerici cum sint instit }

Hos potius dedocent facti ceci m } uti

Nescii scientie, vitiis imb }

Detinet religio quosdam cleric }

Qui mutare destinat cursus anim }

Sed falluntur habitu quia monach} orum

Sunt errores pessimi ultimi pol }

Quisquis hic precipuis moribus dulc }

Qui reformans federa iurgia comp }

Postquam vestit monachum protinus ac} escit

Nigra vestis consanat menti que nigr}

Hii nec iuxta regulam vivunt nec hon }

Hiis inest hypocrisis quia Christo t }

Est hec pestis pessima peior omni p } este

Lupus rapax latitat sub ovina v }

Ut quidam de talibus facti sunt pri}

Statim mutant animum, regulam et m }

Et qui mali facti sunt pessimi pri } ores

Dicuntur a fratribus esse poti }

Hic qui de radicibus vixerat et h }

Prior urit subditos moribus ac }

Priorissam alligat bonis, prece, v} erbis

Et fortasse puerum donec est imb }

Hic qui prius vixerat herbis et rad }

Cuius erat facies similis mir }

Postquam prior factus est, it cum meretr} ice

Sic tumorem inguinis sanat et ves }

Sic domus que fuerat dives et orn }

A suis redditibus dolet vidu }

Nec miror quod ita sit, nam determin} ata

Istis mercatoribus marca est merc }

Si prior a cellula propter hoc priv }

Si paulo presumpserit domus pignor }

Bursa que pepererat rursus impregn } atur

Post hec Bardos colligit, domus spoli}

Jam non pudet monachos foro indic }

Et a iure pauperes exheredit }

Viduas et orphanos cogunt mendic } are

Cum in claustris debeant iugiter or}

Inficit sceleribus hec gens tunic }

Munum quorum facies est extermin }

Ve vobis hypocrite, ve gens sceler } ata

Merces quam habebitis iam est vobis d}

+Heidelberg.+

+W. Wattenbach.+

Eine Notiz über die alten Fastnachtspiele.

Theatralische Vorstellungen, Sing- und andere Spiele, wozu der Stoff

größtentheils dem alten Testamente und anderen Historien entnommen

wurde, fanden schon in den Stifts- und Klosterschulen des Mittelalters

eine fleißige Pflege; und als nach ihrem Vorgange später auch Pfarr-

und andere Schulen errichtet wurden, sind diese dem Beispiele der alten

gefolgt, die heiligen und nicht heiligen Zeiten als Gelegenheit zu

ihren Spielen und Vorstellungen benützend. Nicht immer wurden dieselben

blos in geschlossenen Räumlichkeiten aufgeführt; seit der Mitte des 15.

und zu Anfang des 16. Jahrhunderts treten die Schüler als Acteurs auch

in die Oeffentlichkeit -- auf die Gasse. Besonders waren die lustigen

Fastnachtspiele sehr beliebt. Solche wollten um das Jahr 1520 auch von

den Schülern am hl. Geistspitale zu Nürnberg aufgeführt werden. Sie

baten den Rath um Erlaubniß dazu. Weil aber mancher Unfug und manches

Aergerniß bei diesen Spielen zum Vorschein gekommen, war der Rath

der Aufführung derselben nicht sehr gewogen. Deshalb versprachen die

Schüler, sie wollten ihr Spiel blos treiben an den Orten, dahin sie

gefordert würden, und sie wollten es in züchtiger Weise treiben. Hier

ihre Eingabe:

„Fürsichtigen erbern vnd weysen, gonnstigen lieben herrn! Vnns

langt ane, wie e. f. w. tzu dieser freidenreichen tzeit nach

alter loblichen gewonnhayt vnd herkomen dieser stat Nürmberg

tzu ainer besundern frewde vnd ergetzlichkayt gemeyner stat den

fleischhackern tzu danntzen vnd im schenpart zulauffen[132], auch

andern freidenreiche spill zutreyben erlawbt vnd vergont haben. Nun

haben wir auff ansinnen etlicher herrn vnd erbern burger dieser

stat ain kurtzweylichs spill in reymen fürgenommen vnd nyndert

dann an den orten, do wir sunderlich gefodert vnd gepetten werden,

tzutreyben. Es ist auch solchs durch vnns an den fürsichtigen,

erbern vnd weisen hern Anthoni Tucher, pfleger e. w. newen spitals,

gelangt, der vnns dann tzu antwurt geben, er hab solchs ane

e. f. w. wissen nit zuerlawben noch tzuuergonnen; ist an e. f. w.

vnnser gantz vnnderthenig bit, vnns solche kurtzweyl vnd spill

gonstiglich tzuerlawben, wann wir solchs tzüchtiger weis treyben;

wollen wir vmb e. f. w. mit vnsern gehorsamen willigen dienst

altzeit tzuuerdienen willig vnd geflissen sein.

E. f. W.

willige gehorsame

die chorales des newen spitalls.“

+Nürnberg.+

+Baader.+

(Mit einer Beilage.)

Verantwortliche Redaction: A. +Essenwein+. Dr. G. K. +Frommann+. Dr. A.

v. +Eye+.

Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in

Nürnberg.

Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band. · 第 80 / 150 题