Das zuletzt mitgetheilte strophische Gedicht ist sehr ernsthaften
Inhalts und paßt somit nicht recht zu der Ueberschrift; nur durch seine
Form ist es in diese Gesellschaft gekommen. Ich lasse ein zweites
folgen, welches in der Handschrift unmittelbar vorhergeht und durch
eine besonders heftige Feindschaft gegen die Mönche ausgezeichnet ist.
Da noch nicht von Bettelmönchen die Rede ist, wird es wol noch dem
zwölften Jahrhundert angehören.
+De corrupto mundi statu Rhytmus.+
Prohdolor confusio nascitur ant}
Impia fit pietas, equitas in }
Dolet amicitia quod sit inim } iqua
Rationis linea facta est in }
Vitia suppullulant, virtus suffoc}
A patrono quolibet virtus vidu }
Deperit iustitia, virtus releg } atur
Regnat avaritia, scelus domin }
Regnat avaritia, regnatque us }
De divina gratia non est ulla c }
Creatorem proprium spernit creat } ura
Hec est vita moriens, vita non vict}
Hoc exemplum laicis prebent litter }
Qui ponunt sub modio lucem excec }
Student avaritie, student vanit } ati
Et sic limes sceleris fiunt et pecc }
Laicorum error est pene veni }
Defluit a clericis error sibi t }
Quorum vita pessima est induta m } alis
Quos fex rerum inquinat, fex simoni}
Pretermitto laicos qui sunt quasi br }
Quos docere clerici cum sint instit }
Hos potius dedocent facti ceci m } uti
Nescii scientie, vitiis imb }
Detinet religio quosdam cleric }
Qui mutare destinat cursus anim }
Sed falluntur habitu quia monach} orum
Sunt errores pessimi ultimi pol }
Quisquis hic precipuis moribus dulc }
Qui reformans federa iurgia comp }
Postquam vestit monachum protinus ac} escit
Nigra vestis consanat menti que nigr}
Hii nec iuxta regulam vivunt nec hon }
Hiis inest hypocrisis quia Christo t }
Est hec pestis pessima peior omni p } este
Lupus rapax latitat sub ovina v }
Ut quidam de talibus facti sunt pri}
Statim mutant animum, regulam et m }
Et qui mali facti sunt pessimi pri } ores
Dicuntur a fratribus esse poti }
Hic qui de radicibus vixerat et h }
Prior urit subditos moribus ac }
Priorissam alligat bonis, prece, v} erbis
Et fortasse puerum donec est imb }
Hic qui prius vixerat herbis et rad }
Cuius erat facies similis mir }
Postquam prior factus est, it cum meretr} ice
Sic tumorem inguinis sanat et ves }
Sic domus que fuerat dives et orn }
A suis redditibus dolet vidu }
Nec miror quod ita sit, nam determin} ata
Istis mercatoribus marca est merc }
Si prior a cellula propter hoc priv }
Si paulo presumpserit domus pignor }
Bursa que pepererat rursus impregn } atur
Post hec Bardos colligit, domus spoli}
Jam non pudet monachos foro indic }
Et a iure pauperes exheredit }
Viduas et orphanos cogunt mendic } are
Cum in claustris debeant iugiter or}
Inficit sceleribus hec gens tunic }
Munum quorum facies est extermin }
Ve vobis hypocrite, ve gens sceler } ata
Merces quam habebitis iam est vobis d}
+Heidelberg.+
+W. Wattenbach.+
Eine Notiz über die alten Fastnachtspiele.
Theatralische Vorstellungen, Sing- und andere Spiele, wozu der Stoff
größtentheils dem alten Testamente und anderen Historien entnommen
wurde, fanden schon in den Stifts- und Klosterschulen des Mittelalters
eine fleißige Pflege; und als nach ihrem Vorgange später auch Pfarr-
und andere Schulen errichtet wurden, sind diese dem Beispiele der alten
gefolgt, die heiligen und nicht heiligen Zeiten als Gelegenheit zu
ihren Spielen und Vorstellungen benützend. Nicht immer wurden dieselben
blos in geschlossenen Räumlichkeiten aufgeführt; seit der Mitte des 15.
und zu Anfang des 16. Jahrhunderts treten die Schüler als Acteurs auch
in die Oeffentlichkeit -- auf die Gasse. Besonders waren die lustigen
Fastnachtspiele sehr beliebt. Solche wollten um das Jahr 1520 auch von
den Schülern am hl. Geistspitale zu Nürnberg aufgeführt werden. Sie
baten den Rath um Erlaubniß dazu. Weil aber mancher Unfug und manches
Aergerniß bei diesen Spielen zum Vorschein gekommen, war der Rath
der Aufführung derselben nicht sehr gewogen. Deshalb versprachen die
Schüler, sie wollten ihr Spiel blos treiben an den Orten, dahin sie
gefordert würden, und sie wollten es in züchtiger Weise treiben. Hier
ihre Eingabe:
„Fürsichtigen erbern vnd weysen, gonnstigen lieben herrn! Vnns
langt ane, wie e. f. w. tzu dieser freidenreichen tzeit nach
alter loblichen gewonnhayt vnd herkomen dieser stat Nürmberg
tzu ainer besundern frewde vnd ergetzlichkayt gemeyner stat den
fleischhackern tzu danntzen vnd im schenpart zulauffen[132], auch
andern freidenreiche spill zutreyben erlawbt vnd vergont haben. Nun
haben wir auff ansinnen etlicher herrn vnd erbern burger dieser
stat ain kurtzweylichs spill in reymen fürgenommen vnd nyndert
dann an den orten, do wir sunderlich gefodert vnd gepetten werden,
tzutreyben. Es ist auch solchs durch vnns an den fürsichtigen,
erbern vnd weisen hern Anthoni Tucher, pfleger e. w. newen spitals,
gelangt, der vnns dann tzu antwurt geben, er hab solchs ane
e. f. w. wissen nit zuerlawben noch tzuuergonnen; ist an e. f. w.
vnnser gantz vnnderthenig bit, vnns solche kurtzweyl vnd spill
gonstiglich tzuerlawben, wann wir solchs tzüchtiger weis treyben;
wollen wir vmb e. f. w. mit vnsern gehorsamen willigen dienst
altzeit tzuuerdienen willig vnd geflissen sein.
E. f. W.
willige gehorsame
die chorales des newen spitalls.“
+Nürnberg.+
+Baader.+
(Mit einer Beilage.)
Verantwortliche Redaction: A. +Essenwein+. Dr. G. K. +Frommann+. Dr. A.
v. +Eye+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.