„Neue Sammlung alter Sprüchwörter .... lebendig vorgestellet in einer
Schlittenfahrt von den Herrn Studenten in Freysing den 18. Jänner, Da
IM VVInter z’ FreIIsIng aVCh kaLter SChnee VVar .... Freysing...“ 4^o.
4 Bl. -- Beispiele sind:
Angepumpt! wir haben keinen Keller.
Der Bart macht den Mann nicht.
Wer die Wahrheit geigt, dem schlägt man den Bogen um’s Maul.
Nichts Bruder im Spiele.
Viel Geschrey, und wenig Ey.
Umgekehrt ist auch gefahren.
Zu wenig, und zu viel ist aller Narren Ziel.
Unter „drei“ bringt Wander’s Sprichwörterlexikon 69 Sprüche und
Redensarten. Eine größere Menge von Sprüchen, welche indessen großen
Theils weder als sprichwörtliche Redensarten anzusehen, noch einer
andern bestimmten Art der Spruchpoesie zugezählt werden können, enthält
eine in meinem Besitze befindliche Handschrift von 24 Blättern, 4^o,
mit dem Titel: „Aller güetten ding sollen Drey sein. Ein Khuertzes
Tractatl, Von Vrsprung bemeltes Sprichworts mit Inserierung 100 Exempl
Sprüch vnd Lehrn thails aus heiliger schrifft. Item von allen gueten
Tugenten, in Geist- vnd Weltlichen, Hoch- vnd niedern Ständen, mit
fleiß Zusamb getrag.“ Als Verfasser ist in der Widmung Hieronymus
Wysing genannt, der in der Grafschaft Tirol lebte. Einige Proben folgen
hier:
40. Drei Ding vergleicht des Menschen Leben
ist brechlicher als glas eben
Denn als der windt sich schnell verwendt
Vnd als die Sonn schnell vnd behendt.
52. Drei Ding soln am Richter sein
Gotsforcht, weisheit, warheits Lieb fein.
57. Drei Ding halte ein Lehrer frei
Vbersehen was zu sagen sei
Ansehen was Er sagen wol,
merkhen wie uil Er sagen sol.
77. Drei Ding sein zu bezalen khein Zeit
gesund Khunst vnd Tugentsambkheit.
78. Drei Ding hindere man nit vil
Der gern etwas guets lernen }
Der Eelichen vnd Heuraten } wil.
Der Puessen vnd bessern sich }
84. Drei neu sach erlustigen gleich
neu Khlaid, neu Haus vnd Junges weib.
87. Drei Ding verderben ohne grundt
manch weiser Rath ins armen mundt
manch schön Holz auf weiter Haid
vnd manch schön maidl in schlechtes Khlaid.
90. Drei weg sein zu begreiffen schwer
Erstlich des vichs im dieffen mör
Des Vogels in dem hohen Lufft
Des wurmbs in der Erden grufft.
92. Drei Ding den Augen bschwärlich seind
Rauch Sturmwind glückselig feind.
95. Drei sach den Menschen veruolgen thuet
Durch der Aduocaten daz guet
Der Leib von vnglerten Arzten
Die Seel von falschen Theologen.
96. Dises sein drei verlorne werkh
Vil gehört vnd wenig gemerkht,
Vil gelesen wenig verstanden
Vil gejagt wenig gefangen.
97. Drei Ding raizen zum wollust frey
weiber Musicanten Gastrei.
98. Drei Safft vns am nötigisten sein
Dz wasser Oel vnd auch der wein.
99. Drei schändliche Ding sein furwar
feld ohn gras gstreus ohn Laub, Khopf on Har.
Dem Anschein nach, was hier aus Mangel an Hilfsmitteln jetzt nicht
näher geprüft werden kann, ist eine größere Reihe von Kupferstichen
von Gerardus de Lairesse (geb. 1640 zu Lüttich, † 1711 [1712?] in
Amsterdam) vorhanden, welche zum Theil sprichwörtliche Unterschriften
enthalten. Von diesen Blättern besitze ich nur die mit nachstehenden
Unterschriften versehenen Stücke:
70. Geen Plaets ontbeert haer spie. de steenen krygen ooren.
De Lucht krygt tongen, wort s’lands ondergang gezwooren.
71. Dus deerlyk sneuvelde kartagoos koningin.
Men schrikke, en wachte zich voor d’ongebonde min.
72. Dus maalt de schrikt geheim op Annaas eerbre kaken.
Geen veinzen kan in noot opreghte min verzaken.
73. Des eenen druck, des andern geluck.
Corruptio unius generatio alterius
74. Lieven mogen kyven, maer moeten Lieven blyven.
Amantium irae amoris integratio est.
75. Die licht gelooft wort licht bedrogen.
Qui facile credit facile decipitur.
Im Berliner Kupferstichkabinet im neuen Museum fand ich nur die Blätter
Nr. 70 bis 74 und von denselben war nur 71 mit der Zahl versehen,
während bei den übrigen die Zahl fehlte -- Herausgeber der Sammlung
ist Nicolaus Visscher, der auch noch herausgab: Afbeeldingen der
voornaamste Historien, soo van het oude als nieuwe Testament. Amsteldam
s. a. -- Unter den Kupferstichen dieser Sammlung sind auch biblische
Sprüche, welchen häufig entsprechende lateinische Sprüche der Classiker
beigefügt sind, und unter welchen sich auch Sprichwörter finden.
Die Frage in der dreizehnten Lieferung des Wander’schen
Sprichwörterlexikons nach der Uebersetzung der Adagia des Erasmus durch
Sprengius wird in der zu erwartenden Arbeit des Dr. Suringar in Leyden
eine Beantwortung finden. Nach einer gefälligen Mittheilung desselben
ist die freie Uebertragung Erasmischer Sprichwörter wahrscheinlich in
den Loci communes etc. Basel, 1572 -- Nopitsch S. 205 -- von Sprengius
enthalten, der zugleich die alte niederländische Sprichwörtersammlung
stark benützte -- Anzeiger 1854, S. 268. -- Die Vorrede dieser Loci
communes ist S. A. J. unterzeichnet, also ebenso, wie die bei demselben
Verleger 1576 und 1582 erschienenen beiden Ausgaben der: Carminum
proverbialium... loci communes; in gratiam juventutis selecti, addita
plerumque interpretatione germanica, welche Nopitsch S. 208 -- wol auf
Jöcher und also mittelbar auf Thomasius de plagio literario gestützt,
-- dem Germberg zuschreibt.
+Landeshut+ in Schlesien.
+A. M. Ottow.+