55) Bei dem Bau einer Villa am Rosenberge in Graz wurde das +Bruchstück
eines Römersteins aufgefunden+. Es ist von weißem Marmor, 14 Zoll
groß, ein Theil eines Sarkophags und stellt in Basrelief von guter
Arbeit einen weiblichen, eine Fackel verlöschenden Genius dar. Da die
fackeltragenden Genien bei den Römern fast ohne Ausnahme männliche
waren, so ist der Fund, als eine höchst seltene Darstellung, um so
interessanter.
(Ill. Ztg. Nr. 1297.)
56) Ende Aprils wurde von Arbeitern, die im +Stockstädter Wald+
(Landger. Aschaffenburg) mit Kulturarbeiten beschäftigt waren, ein
irdenes Gefäß aufgefunden, das ungefähr 40-50 Silbermünzen enthielt.
Diese Münzen sind sehr gut erhalten und stammen aus der Römerzeit.
(Frk. Kur. Nr. 125, aus d. Asch. Ztg.)
57) Das +Luther-Denkmal für Worms+ ist vollendet. Dasselbe bildet eine
Gruppe, die aus 12 kolossalen, auf einem quadratischen Syenit-Unterbau,
dessen Seiten je 40 Fuß rhein. lang sind, sich erhebenden Statuen
besteht. Inmitten der Gruppe steht Luther auf einem Postament, an
dessen vier Ecken Peter Waldus, Joh. Wiklef, Johann Huß und Savonarola
sitzen. Die vier Ecken der Umfassung nehmen ein: Friedrich der
Weise, Philipp der Großmüthige, Melanchthon, Joh. Reuchlin, zwischen
welchen die trauernde Magdeburg, die protestierende Speier und die
siegreiche Augsburg Platz finden. Das Hauptpostament besteht aus
drei Theilen: dem Untersatz oder Sockel von poliertem Syenit und dem
unteren und oberen Würfel von ungleicher Höhe und Breite, in Bronzeguß
ausgeführt. Der obere Würfel enthält auf seinen vier Seitenflächen
je ein Kraftwort aus Luther’s Mund und Feder und darunter je zwei
Porträtmedaillon’s von Zeitgenossen, welche vor, mit und nach Luther
für die Reformation thätig waren. Der untere Würfel enthält Basreliefs,
welche die Hauptthaten aus Luther’s Leben veranschaulichen. Der
Untersatz oder Sockel zeigt auf seinen vier Feldern die Wappen der
fünf deutschen Fürsten (Kursachsen, Anhalt, Brandenburg, Hessen und
Braunschweig-Lüneburg) und zwei Städte (Nürnberg und Reutlingen),
welche die augsburgische Confession unterschrieben und am 25. Juni
1530 dem Kaiser überantwortet haben. Auf dem unter den Basreliefs um
die vier Seiten des untern Würfels laufenden, breiten Streifen liest
man die Inschriften: „Begonnen im Jahre 1856, vollendet 1868. --
Entworfen und zum Theil ausgeführt von E. Rietschel. -- Die Architektur
gezeichnet von H. Nikolai. -- Gegossen und ciseliert in Lauchhammer.“
Noch von Rietschel selbst († 21. Febr. 1861) wurden modelliert:
Luther und Wiklef; von A. Donndorf: Savonarola, Friedrich der Weise,
Reuchlin, Peter Waldus, die Magdeburg, vier Porträt-Medaillons und zwei
Basreliefs; von G. Kietz: Huß, Philipp der Großmüthige, Melanchthon,
die Augsburg, vier Porträt-Medaillons und zwei Basreliefs; von J.
Schilling: die Speier. Die Granitarbeit wurden von L. Stahlmann und K.
Wölfel in Bayreuth geliefert.
(Korr. v. u. D. Nr. 234.)
Mittheilungen.
Berichtigung eines Missverständnisses.
In Nr. 4, Sp. 131 ff. dieser Zeitschrift hat mich Herr Dr.
Czerwenka mißverstanden, indem er mein Wort von den oft +geradezu
sinnlosen Stellen und dem unbeschreiblich liederlichen Texte+ der
khevenhiller’schen Annalen auf das dahier aufbewahrte Manuscript
bezieht. Dieses ist durchaus sorgfältig, correct und schön geschrieben.
Die sinnlosen Stellen u. s. w. finden sich in den gedruckten Annalen,
die nach meiner Vermuthung aus dieser Handschrift gemacht worden sind
und zwar +wörtlich+, wovon nur jene Stellen eine Ausnahme machen, die
im gedruckten Texte keinen Sinn geben.
Daß deren eine Unzahl gefunden werden, weiß jeder, der jemals in der
Lage war, die Annalen benützen zu müssen.
Ich bedaure, zu dem Mißverständisse Anlaß gegeben zu haben.
+St. Florian.+
Dr. J. +Stülz+.
Preisfrage der Fürstlich Jablonowski’schen Gesellschaft in Leipzig für
das Jahr 1871.
Die Geschichte der landständischen Steuerbewilligung ist unstreitig
eine der wichtigsten Seiten der Territorialentwickelung, ebenso
bedeutsam für die Ausbildung des Staatsrechtes, wie des Finanzwesens
und der Volkswirthschaft. Gleichwohl fehlt es noch sehr an tiefer
eingehenden Specialuntersuchungen darüber, obschon jedes geschichtlich
weit zurückreichende landständische Archiv Stoff bietet. Man wünscht
daher
+die urkundliche Geschichte der landständischen Steuerbewilligung
in irgend einem deutschen Territorium+,
wobei übrigens die constitutionellen Volksvertretungen des 19.
Jahrhunderts ausgeschlossen bleiben. (Preis 60 Ducaten.)
Die Preisbewerbungsschriften sind in +deutscher+, +lateinischer+ oder
+französischer+ Sprache zu verfassen, müssen +deutlich+ geschrieben und
+paginiert+, ferner mit einem Motto versehen und von einem versiegelten
Zettel begleitet sein, der auswendig dasselbe Motto trägt, inwendig
den Namen und Wohnort des Verfassers angibt. Die Zeit der Einsendung
endet für das +Jahr der Preisfrage+ mit dem Monat November; die Adresse
ist an den Secretär der Gesellschaft (für das Jahr 1868 den Prof.
+Westermann+) zu richten. Die Resultate der Prüfung der eingegangenen
Schriften werden jederzeit durch die Leipziger Zeitung im März oder
April bekannt gemacht.
Verantwortliche Redaction: A. +Essenwein+. Dr. G. K. +Frommann+. Dr. A.
v. +Eye+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Sebald’sche Buchdruckerei in Nürnberg.