III. Für die Kunst- und Alterthumssammlung.

(Nr. 5600-5621.)

=Augsburg.= +Frhr. von Holzschuher+, kgl. Regierungsrath: Nürnberger

Rathskalender von 1800. -- =Danzig.= +R. Bergau+, Architekt:

13 profilierte Backsteine, 15. Jhdt. 2 blau und weiß glasierte

Herdfliesen, 18. Jhdt. 3 Porträte, Steindr. -- =Füssen.= +C.

Seckler+: Geburt Christi, Kupferstich von A. Dürer, B. 2, Copie. --

=Karolinenhütte= bei Burglengenfeld. +Karl Wagner+, Eisenwerkbesitzer:

Bronzene Kleiderhaft, Ausgrabung. Silberne Busennadel mit einem

Widderkopf als Knopf, 16. Jhdt. Sporn von Eisen, 15. Jhdt. Regensburger

Kupfermünze von 1767 und bayerische von 1700. 2 Schwerter vom 17.

u. 18. Jhdt. -- =Köln.= +Ungenannter+: 5 Blätter mit architekton.

Aufnahmen in autograph. Zeichnung. -- =Mägdesprung.= +Direktion der

Eisengießerei+: Zinnteller mit großen Blumen auf dem Rande, 17. Jhdt.

-- =Nürnberg.= +E. Frhr. von Bibra+: Das Wappen der Paumgärtner,

Kupferstich von B. Beham. B. 57. =Kaupert=, Kaufweber: Brandenburger

Groschen von 1562 und Nürnberger Fünfzehnkreuzerstück. Zeittafel des

18. Jahrhunderts von J. Witschel, Kupferstich. +Kracker+, Gastwirth:

9 kleinere Silbermünzen verschiedenen Gepräges, 17.-18. Jhdt. --

=Pfaffenhofen.= +Georg Mayer+: Gürtelhaken von Bronze in Gestalt eines

jungen Mannes, 15. Jhdt. Dolchartiges Messer u. Eisen aus einem Bohrer,

nebst Bruchstück einer verzierten Thonurne, ausgegraben bei Ilmmünster

und Ehrenberg. 3 Zeichnungen nach Grabsteinen zu Reichertshausen.

-- =Wien.= +E. H. Kunst+, Privatier: 2 Schreibkunststücke von L.

Leißner, 1756 u. 1762. -- =Zweibrücken.= +Cotta+, Appellrath: Antikes

Gewandstück von vergoldeter Bronze. Ein Quodlibet, Handzeichnung vom

18. Jhdt.

Chronik der historischen Vereine.

+Mittheilungen der Kaiserlich-Königlichen, Mährisch-Schlesischen

Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde

in Brünn.+ 1867. Brünn. 4.

+Notizenblatt der historisch-statistischen Section+ ders. Gesellsch.

(Vom 1. Jänner bis 31. December 1867.) Brünn, 1867. 4.

Zur Geschichte der Landwirthschaft in Mähren und Oesterr.-Schles.

IV. Ueber die Agricultur im Brünner Kreise. -- Zur mähr.-schles.

Biographie. (Forts.) -- Die Kaiserrichter in Olmütz. -- Der Stadtrath

in M.-Neustadt 1727. -- Zur Geschichte Blarer’s, Direktor des Brünner

Priesterhauses. -- Zur Geschichte des 30jährigen Krieges. (Forts.) --

Verzeichniß der in den Grundbüchern und Landtafeln des Markgrafthums

Mähren und des Herzogthums Schlesien eingetragenen Kirchen u. s. w.

-- Drei inedierte mährische Münzen Břetislaw II. (in Böhmen von 1092,

in Mähren von 1099-1100). -- Zur Aufklärung über den Weyrowitzer

(Münz-)Fund. -- Ueber den Gebrauch des rothen und grünen Siegelwachses

in früherer Zeit. -- Der Vertrag zwischen dem Adel und Bürgerstande

wegen des Besitzes städtischer Häuser und landtäflicher Güter vom J.

1486, dann jener von 1532. -- Des Erzherzogs Mathias Sendschreiben an

die deutschen Fürsten vom 26. April 1608. Taxa auf Ir. Gn. Herrn Obr.

Sedlniczky Reutter, v. J. 1618. -- Gesuch der Gesellschaft des Johann

Friedrich Marcus (Waldmann), öffentliche Comödien in Olmütz spielen

zu dürfen, de praes. 6. Juny 1717. -- Beiträge zur Chronik der Stadt

Hotzenplotz vom J. 1545-1805. -- Beitrag zur Geschichte des Olmützer

fürstbischöflichen Kammergutes u. Dorfes Jaktar. -- Die Possessores,

oder Domina ob der Allodial Herrschaft Rosenau und Krassna, Von Anno,

1212. Biess Anno, 1779. -- Berichtigung wegen des Dorfes Popitz. --

Zur Geschichte des Nürnberger Handels in Mähren, der Herzogenrath,

Häring und Greisinger. -- Schwammhandel in der mähr. Walachei in

früherer Zeit. -- Die Münzen der Kelten in Mähren, von Dr. F. S.

Kupido. (330-250 v. Chr.) -- Archäologische Beiträge, von Moriz Trapp.

I. Die Pfarrkirche St. Peter und Paul im Markte Lissitz. II. Die

Bildsäule am Lissitzer Marktplatze. III. Die Lissitzer Schloßkapelle.

-- Geschütz-Abgabe in Mähren (1531). -- Bekenntnißbrief der Herrschaft

Bystrzitz über die Kaminen-Anzahl (1671). -- Verhältniß der österr.

Länder in der Steuerzahlung seit 1648. -- Erledigung der mähr.

Landtagsschlüsse 1667. -- Die Bevölkerung Mähren’s zu Ende des 18.

Jahrhunderts.

+Blätter des Vereins für Landeskunde von Niederösterreich.+ Neue Folge.

I. Jahrgang. 1867. Wien, 1867. 8.

Vereinsangelegenheiten. -- Kulturbilder aus Niederösterreich vom

Beginne der Regierung Ferdinand I. Von Wendelin Böheim. -- Ueber die

Bau-Denkmale in Wiener-Neustadt. Von Friedr. Schmidt. -- Ueber die

älteste Abbildung einer niederösterr. Burg. Von Josef Zahn. -- Zur

Geschichte von Wiener-Neustadt. Ein Kulturbild. Von Dr. Joh. Adam.

[Plan von] +Wien sammt Umgebung+. Im Verlage des Vereines für

Landeskunde. (1 Bl. im Imp.-Fol., Stahlstich.)

+Jahrbuch für Landeskunde von Nieder-Oesterreich.+ Hrsg. von dems.

Vereine. I. Jahrgang. (1867.) Wien, 1868. 8.

Geschichte der Stadt Waidhofen an der Ybbs von der Zeit ihres

Entstehens bis zum Jahre 1820. Von Gottfr. Frieß. -- Verzeichniß jener

Oertlichkeiten im Lande Oesterreich unter der Enns, welche in Urkunden

des IX., X. und XI. Jahrhunderts erwähnt werden. (Mit einer Karte.)

Von Dr. A. v. Meiller. -- Das Erzherzogthum Oesterreich u. d. Enns in

seinen wichtigsten statistischen Momenten. Von Dr. H. F. Brachelli. --

Wiener Virtuosenconcerte im vorigen Jahrhunderte. Von Prof. Dr. Ed.

Hanslick. -- Shakespeare-Anfänge im Burgtheater. Von Bruno Bucher. --

Zur Biographie Mozart’s. Von L. Ritt. v. Köchel. -- Ein urkundlicher

Beitrag zur Geschichte der ersten Belagerung Wien’s durch die Türken.

Von V. Reutterer.

+Der Kirchenfreund.+ Zeitschrift für christliche Kunstgeschichte.

Herausgegeben von Mehreren (früher von der Vorstehung des +christlichen

Kunstvereins in Bozen+). Nr. 10-12. II. Jahrgang. 8.

Portal der Kapelle in der Burg Tirol in technischer und symbolischer

Beziehung. Von Theodor Hutter. -- Beschreibung eines alten, mit

Miniaturen reich ausgestatteten Gebetbuches in der Gymnasial-Bibliothek

zu Bozen. Von Karl Atz.

+Verhandlungen des historischen Vereines von Oberpfalz und

Regensburg+. Fünfundzwanzigster Band der gesammten Verhandlungen und

siebzehnter Band der neuen Folge. Mit fünf Abbildungen und einem Plane.

Regensburg, 1868. 8.

Culturhistorische Beiträge zur Geschichte der Oberpfalz. Von Dr.

Chr. Häutle. -- Geschichte des Klosters Speinshardt. Von A. Eder.

-- Die Wappen in der Kirche zu Fronau. Von Jos. Plaß. -- Ueber den

Burgfrieden der Kreishauptstadt Regensburg. Von W. Scherer. --

Thon-Reliefe (Fliese) von der Stiftskirche St. Emmeran in Regensburg.

Von C. Ziegler. -- Das Jahr- und Todtenbuch des Minoritenklosters in

Regensburg. Von K. Primbs.

Nachrichten.

Literatur.

_Neu erschienene Werke._

14) +Novum Glossarium Latino-Germanicum mediae et infimae aetatis.+

Beiträge zur wissenschaftlichen Kunde der neulateinischen und der

germanischen Sprachen von Dr. +Lorenz Diefenbach+. Frankfurt am

Main. J. D. Sauerländer’s Verlag. 1867. 8. XXIII u. 388 Stn.

Wenn dieses Werk zwar zunächst als Nachtrag und Ergänzung zu dem

im Jahre 1857 erschienenen Glossar desselben Verfassers, welches

seinerseits als Supplement zum Ducange’schen Lexikon auftrat, anzusehen

ist, so macht es doch zugleich auf eine gewisse Selbständigkeit

Anspruch, obwohl nicht genau erhellt, bis zu welchem Grade ihm diese

zuzuerkennen ist. Der Autor selbst meint, das neue Glossar sei zum

vollen Gebrauche des alten unentbehrlich, zu seinem eigenen aber die

Nähe des alten sehr wünschenswerth. Den Kern des neuen Werkes bildet

der glossographische Inhalt von 28 Handschriften, welche für das alte

Glossar noch nicht benutzt werden konnten und nunmehr den frühern

26 unter den Ziffern 27-54 sich anreihen. Die Druckschriften haben

keinen Zuwachs bekommen. Außerdem wird das alte Glossar an vielen

Stellen berichtigt und Bruchstücke desselben (Glossen, Erklärungen und

Vergleichungen) wiederholt gebracht in den Fällen, wo die Beleuchtung

nach beiden Seiten es gebot und der Raum es gestattete. Was übrigens

den letztern betrifft, so hat man diesmal nicht so übermäßig damit

gekargt, wie bei dem frühern Glossar. Nicht allein sind für den Druck

größere Typen gewählt (namentlich treten die Stichwörter kräftig

hervor), sondern es haben auch die zum Zweck der Verbindung der

gleichlautenden mit den ungleichen Worttheilen eines Artikels gewählten

Bindestriche eine einfachere Verwendung gefunden, so zwar, daß die

Zusammengehörigkeit der verschiedenen Formen jetzt nur von je einer

Stichsilbe abhängt. Besondere Aufmerksamkeit hat der Herausg. den

mundartlichen, zeitlichen und mitunter selbst nur graphischen Varianten

der deutschen Wörter zugewendet. Ueber die Einrichtung und Bedeutung

des neuen Glossars gibt eine Einleitung nähere Auskunft. Eine Angabe,

bezw. Beschreibung der benutzten Quellen folgt. -- Ueber den Werth

und die wissenschaftliche Bedeutung, welche das neue Werk mit dem

alten theilt, wird es einer näheren Auslassung hier nicht bedürfen.

Schade nur, daß die Masse interessanten Materials, die uns geboten

wird, nicht nach allen Seiten hin zur vollen Geltung zu gelangen

vermag. Bei dem in der alphabetischen Anordnung der lateinischen

Sprache eingeräumten Vorzuge (der übrigens nicht wohl zu umgehen war)

entzieht sich gar manches beachtenswerthe deutsche Wort den Augen

des Suchenden. Noch weniger läßt sich das Glossar im Interesse der

Kulturgeschichte zum Vollen ausbeuten. Eine systematische und zugleich

die Zeitfolge berücksichtigende Anordnung des ganzen, von Diefenbach

gesammelten Wortvorraths müßte für die Beleuchtung gewisser Zeiträume

überraschende Resultate liefern. Doch dies wäre eine besondere, äußerst

mühsame und zum Theil unmögliche Arbeit, da sich von manchem Worte

die Zeit, zu welcher es auftauchte oder vorzüglich gang und gäbe war,

schlechterdings nicht mehr genau ermitteln läßt.

15) +Roswitha und Conrad Celtes von Joseph Aschbach.+ Wien,

aus der k. k. Hof- und Staatsdruckerei. In Commission bei Karl

Gerold’s Sohn. 1867. 8. 62 Stn. (Aus dem Maihefte des Jahrg. 1867

der Sitzungsberichte der phil.-hist. Classe der kais. Akad. der

Wissenschaften besonders abgedruckt.)

Auf Sp. 221 des vorjährigen Anzeigers brachten wir eine kurze Nachricht

über die in der oben bezeichneten Schrift verhandelte Angelegenheit,

welche Interesse genug bietet, um, nachdem wir in den Besitz der

Abhandlung gelangt sind, etwas näher in Betracht gezogen zu werden.

Wenn sich dabei herausstellt, daß wir uns mit der Ansicht des

Verfassers, eines schätzbaren Mitgliedes unseres Gelehrtenausschusses,

nicht befreunden können, so darf man nicht etwa daraus schließen, wir

seien dem Grundsatze, im Anzeiger keine Polemik aufkommen zu lassen,

untreu geworden. Nicht Polemik gegen den Verf., sondern eine Apologie

der Roswitha ist der Zweck dieses Aufsatzes. Betrachtet das german.

Museum doch als eine seiner Hauptaufgaben, Denkmäler des deutschen

Alterthums vor dem Untergange zu retten; -- warum denn nicht auch vor

der Vernichtung durch die Kritik, wenn es mit Grund geschehen kann?

Die bei Gelegenheit der oben erwähnten Anzeigernotiz geäußerte

Vermuthung, der Münchener Codex möchte dem Anfechter der Roswitha

nicht vorgelegen haben, findet sich in seiner Abhandlung bestätigt.

Der Hinweis auf die alte Handschrift war ihm jedoch nichts Neues,

indem er selbst ausspricht, daß jeder Zweifel an der Authenticität

der fraglichen Schöpfungen sogleich durch einen solchen Hinweis

bisher beseitigt und niedergeschlagen worden sei. Man sollte nun

erwarten, daß der Verf. seine Angriffe vor Allem gegen die Echtheit

des Codex richten werde, um jedem ferneren Einwande nach dieser Seite

hin den Boden zu entziehen. Dies geschieht aber nicht, und konnte

nicht geschehen, weil er eben die Handschrift nicht gesehen hat. Nun

lassen sich allerdings für die Unechtheit der Dichtungen Gründe von

solcher Stärke als vorhanden denken, daß sie zu einem sichern Schluß

auf die Unechtheit der Handschrift berechtigten und eine Untersuchung

der letztern überflüssig erscheinen ließen. Allein daß die von Hrn.

Aschbach beigebrachten Beweise diese Stärke haben, will uns nicht

einleuchten, und wir halten daher die Hinweisung auf den Codex

fortwährend so lange für wohl angebracht, als nicht dessen Unechtheit

an ihm selber dargethan ist. -- Der Verfasser denkt sich den Hergang

der Entstehung der Roswitha’schen Dichtungen wie folgt. Celtes fand

in Regensburg das (echte) Legendenbuch einer Nonne Roswitha. Aus

verschiedenen, zum Theil etwas sonderbaren Beweggründen, z. B. um

Charitas Pirkheimer wegen ihres Lateinschreibens zu rechtfertigen,

vornehmlich aber aus Ehrgeiz und um Italien Concurrenz zu machen,

entschloß er sich, den Fund auf ganz besondere Art auszubeuten. Damals

hatte er seine humanistischen Freunde am Rhein zu einer gelehrten

Sodalität vereinigt, und deren Productionen nun sollten als Werke

einer sächsischen Nonne aus dem 10. Jahrhundert veröffentlicht werden.

Das alte Legendenbuch wurde benutzt, um darnach von einem in der

Paläographie bewanderten Schreiber jenen Codex fertigen zu lassen,

der noch gegenwärtig in München aufbewahrt wird; wogegen die echte

Handschrift, an deren Stelle das Machwerk nach Regensburg wanderte,

aus Vorsicht vernichtet wurde. -- Also eine alte Handschrift wird

vernichtet um der Ehre willen, eine umfangreichere, aber gefälschte

herauszugeben und vielleicht morgen als Betrüger entlarvt zu werden.

Noch mehr: eine ganze Sodalität ist mit im Geheimniß, ohne daß etwas

verrathen wird, und jedes der gelehrten Mitglieder bethätigt größeren

Eifer, im Geheimen an einem Betruge sich zu betheiligen, als zu der

beigesteuerten Dichtung öffentlich als Verfasser genannt zu werden.

Prof. Aschbach meint, ein literarischer Betrug, wie ihn Celtes mit den

Dichtungen der Roswitha begieng, entspräche ganz seinem Charakter. Aber

auch dem Charakter der übrigen Mitglieder der rheinischen Sodalität,

die durch ihr bereitwilliges Eingehen auf die Sache nicht geringere

Schuld auf sich luden? Und was den Ligurinus betrifft, so ist die

Fälschung noch keineswegs völlig klar und außer Zweifel gestellt.

Jac. Grimm vermuthet, Celtes oder einer seiner Freunde und Genossen

+könnte+ den Ligurinus gedichtet haben, und Wattenbach +hält+

ihn für unecht und +vermuthlich+ von Celtes selbst verfaßt. Auch

liegt die Sache hier und bei den übrigen Fälschungen, welche Celtes

noch beabsichtigt haben soll, anders, als bei der Roswitha, sofern

er nämlich Handschriften dabei nicht produciert hat. Wenn es ihm so

leicht wurde, die gelehrte Welt durch Handschriftenfälschungen hinter’s

Licht zu führen: warum von dem Manoeuvre nur einmal und nicht öfter

Gebrauch machen? Aber auch angenommen, Celtes habe sich wirklich

eine oder mehre Fälschungen zu Schulden kommen lassen, so folgt doch

daraus noch nicht die Unechtheit der Roswitha; sonst müßte man daraus

auch ja auf die Falschheit der gleichfalls von Celtes gefundenen sog.

Peutinger’schen Tafel schließen. Jedenfalls nicht weniger bündig wäre

der Schluß: die Peutinger’sche Tafel ist echt, folglich ist auch

Roswitha echt. -- Man erwäge ferner die Schwierigkeit, einen Codex

von solchem Umfange so geschickt herzustellen, daß selbst gewiegte

Kenner getäuscht werden. Sollte dies überhaupt möglich sein, so war

doch zu der Zeit des Celtes sicher Niemand dazu im Stande. Wunderbar,

ja, unbegreiflich ist auch die Stellung, welche der Fälscher seinem

eigenen Machwerk gegenüber einnimmt. Barack weist nach, daß Celtes

den Text der Handschrift an sehr vielen Stellen falsch oder gar nicht

verstanden, daher auch allerlei unpassende Correcturen hineingepfuscht

hat. Roswitha sündigt um des Reimes willen (also absichtlich) öfters

gegen die Grammatik. Celtes corrigiert nun in der Handschrift die

sprachwidrigen Endungen (in so fern ist er Fälscher), unbekümmert

um den Reim und aus offenbarem Nichtverständnisse der Roswithaschen

Reimprosa -- jener Reimprosa, welche er selbst zum großen Theil

componiert haben soll! Dagegen hat er sich auf etwas verstanden, wofür

der Gelehrsamkeit seiner Zeit sonst alles Verständniß abgieng, nämlich

auf das Althochdeutsche. In der Vorrede zu den Comödien übersetzt

Roswitha ihren Namen (Hrotsvitha, Hruodsuind) richtig mit clamor

validus, was zu ihrer Zeit noch möglich war; aber im Zeitalter des

Celtes vermochte Niemand den Namen so zu deuten[76]. Aschbach findet

in den Werken Roswitha’s alle Eigenthümlichkeiten der humanistischen

Poesie des 15. Jahrh., und weder Sprache noch Darstellung, weder Form

noch Inhalt dem Wissen und Wesen einer Nonne des 10. Jahrh. gemäß.

Allein er urtheilt über die Sprache, ohne sie eingehend untersucht

zu haben, wie schon aus folgender Bemerkung von ihm hervorgeht: „Es

wäre nicht uninteressant, im Einzelnen nachzuweisen [was er nicht

thut], welche Idiotismen bei der Roswitha mit denen bei den deutschen

Humanisten am Ende des 15. Jahrh. übereinstimmen“. So viel können wir

schon jetzt bezeugen, daß Roswitha manche sprachliche Eigenheiten (z. B.

die Vorliebe für griechische Ausdrücke, für Derivativen auf -amen u.

dgl., überhaupt die Neigung zu willkürlicher Wortbildung) nicht sowohl

mit den Humanisten, als mit Dichtern des 10. und 11. Jahrh. gemein

hat. Bezüglich der Versification behauptet Verf., der Gebrauch der

leoninischen Verse durch +ganze+ Dichtungen sei ein späterer,

der erst im 14. und 15. Jahrh. sich verbreitete. Aber im Ruodlieb,

der wenig jünger ist, als die Dichtungen der Roswitha, kommen die

leoninischen Hexameter ebenso „fast regelmäßig durch das ganze Gedicht“

vor, wie bei unserer Nonne. „Die elegische Verbindung des leoninischen

Hexameters mit dem gereimten Pentameter ist eine im 10. Jahrh. [zu

ergänzen: nachweisbar] nicht vorkommende“ -- freilich, sobald Roswitha

für immer beseitigt sein wird; aber so lange dies nicht der Fall ist,

kommt jene elegische Versverbindung im 10. Jahrh. auch immer noch

vor. Was hat es nur zu bedeuten, daß Prof. Aschbach der Reimprosa,

in welcher die Komödien geschrieben sind, gar keine Erwähnung thut?

Sollte sie ihm ebenso entgangen sein, wie dem Celtes, der -- sie

selbst gedichtet hat? -- Was die „schlüpfrigen“ Stellen bei Roswitha

betrifft, so ist zu erwägen, daß an das naivere Bewußtsein ihrer Zeit

ein anderer Maßstab zu legen ist, als an das prüde unsers Jahrhunderts,

und daß die Kirche die Schilderung der Sünde zum Zweck der Besserung

nie gescheut hat. Von Frivolität ist Roswitha aber weit entfernt,

wenn auch in dem absonderlichen Schlusse der Legende von St. Gangolf

ein Anflug von Humor nicht zu verkennen ist. -- Ferner ist die Nonne

dem Verf. zu gelehrt: „kaum“ konnte zu ihrer Zeit Jemand so fertig

Latein schreiben, „nicht leicht“ war Jemand in den alten Classikern

damals so belesen. Wir lassen diese Aussprüche auf sich beruhen, und

gehen über zu den äußern, positiven Beweisen, welche Prof. Aschbach

dafür beibringt, daß die Roswitha’schen Dichtungen von Mitgliedern der

rheinischen Sodalität verfaßt worden sind. -- S. 35 heißt es, Jodocus

Sturnus von Schmalkalden habe an Celtes geschrieben, „daß es ihn ganz

besonders gefreut habe, daß unter den (so!) Roswitha’schen Dichtungen

auch seine Produktion über die Agnes aufgenommen worden.“ Dies ist

aber schlechterdings nicht der Sinn der Worte, wie sie im Originale

lauten, die nichts dergleichen verrathen; und so verhält es sich mit

allen brieflichen Beweisstellen, die der Verf. mühsam zusammengetragen

und auf seine Art gedeutet hat. Die Sache ist nämlich die: „In der

Celtesschen Briefsammlung kommen Schreiben vor, welche dunkle und

höchst sonderbar lautende Stellen enthalten“, wobei man „nicht

vergessen darf, daß damals der Sponheimer Abt Johann Trithemius seine

Geheimschrift (Steganographia) erfunden hatte“. Nun war Prof. Aschbach

so glücklich, unter jenen dunklen Stellen verschiedene ausfindig zu

machen, welche auf eine Conspiration zum größern Ruhme der Roswitha

sich deuten lassen und von dem Entdecker wirklich so gedeutet worden

sind. Allein Jeder, der die Orginalstellen nachliest, überzeugt sich

leicht, daß jene Deutung überall unbegründet ist. Auf wie schwachen

Füßen die Beweisführung mehrentheils einherhinkt, mögen noch ein paar

Beispiele darthun. In einer Celtes’schen Ode an Janus Tolophus heißt es

u. A.: „Interpres vetustas solvis candide fabulas.“ Aus dieser Stelle

soll die Betheiligung des Tolophus an den Roswitha’schen Produktionen

zu folgern sein! In der 1501 geschriebenen Vorrede zu den Werken der

Roswitha sagt Celtes, er habe die Handschrift der letztern „nuper“

gefunden, während er die gefundene doch schon seit 1494 in Händen hatte

und noch früher von deren Existenz wußte. In diesem „nuper“ soll daher

eine geflissentliche Entstellung des Sachverhaltes liegen. Wie wird da

Cicero bestehen mit seinem „Nuper, id est paucis ante saeculis“? Genug!

-- Um schließlich unsere Ansicht von der Aschbach’schen Schrift in

einem kurzen Ausspruch zusammenzufassen, so können wir nur sagen, daß

sie im Allgemeinen auf uns den Eindruck eines zierlich gefügten Romans

von Aschbach’s eigener Erfindung gemacht hat.

* * * * *

Der vorstehende Aufsatz war seinem Hauptinhalte nach bereits

geschrieben, als anderweite Urtheile über die hier besprochene

Angelegenheit noch nicht gedruckt erschienen waren. Inzwischen ist

nicht allein in den Göttingischen gelehrten Anzeigen die Aschbachsche

Ansicht von G. Waitz mit siegreicher Waffe bekämpft worden, sondern

hat auch, nach einer Mittheilung der Allg. Ztg. vom 23. Sept. 1867,

Jaffé nach Einsicht der Handschrift erklärt, daß gegen die Echtheit und

das Alter derselben nicht der mindeste Zweifel erhoben werden könne.

Da nun auch Prof. Aschbach, soviel uns bekannt, zur Begründung seiner

Hypothese nichts weiter gethan hat, so dürfte die Sache als endgültig

entschieden zu betrachten sein.

_Aufsätze in Zeitschriften._

+The Art-Journal+: Nr. 77, New Series, May: The Legend of Madame

Sainte Notburg.

+Das Ausland+: Nr. 17, S. 399. Stein-, Bronze- und Eisenzeit. --

Nr. 18, S. 423. Zur Geschichte des Compasses.

+Europa+: Nr. 16, Sp. 499. Die Metzger- und Studentenposten

des Mittelalters. -- Nr. 17, Sp. 537. Ein archivarischer Fund

(„Schichttheilungen“ etc., in Graudenz).

+Die Gartenlaube+: Nr. 18. Kloster Eberbach. -- Nr. 19. Die Metzger

und ihr Brunnen (in München).

+Die Grenzboten+: Nr. 16, S. 81. Die Restitution verlorner

Kunstwerke für die Kunstgeschichte.

+Der Hausfreund+: 9. Heft, Nr. 26, S. 404. Die deutschen Vornamen

und ihre Bedeutung.

+Wernigerödisches Intelligenz-Blatt+: Nr. 27. Der Harz und seine

Geschichte (Gründung eines historischen Vereins betr.)

+Der Katholik+: 10. Jhg. März. Zur Geschichte des Bajanismus.

+Danziger kathol. Kirchenblatt+: Nr. 20. Die Kirche zu St. Albrecht

bei Danzig. (R. Bergau.)

+Protest. Kirchenzeitung+ (hrsg. von H. Krausse): Nr. 11 f. Union

und Lutherthum im 16. Jahrhundert. Vortrag. (Schiffmann.) -- Nr.

13. Wodan als Jahrgott.

+Korrespondent+ v. u. f. D.: Nr. 228 f. Die Familie Endter.

+Deutsche Kunst-Zeitung+: Nr. 17, S. 145 f. Die Bronze-Statue eines

römischen Knaben, gefunden im Rhein bei Lüttingen unterhalb Xanten,

aufgestellt in der Verbindungs-Gallerie der königlichen Museen zu

Berlin.

+Magazin f. d. Literatur d. Ausl.+: Nr. 16. Die Volkssprache als

Kennzeichen der Nationalität. (Frhr. v. Reinsberg-Düringsfeld.) --

Nr. 18. Zur Geschichte der Čechen in Deutschland.

+Illustr. deutsche Monatshefte+: Nr. 44 (140), Mai, S. 217. Der

Sigfrid-Stein in Worms, seine Sage und deren Verhältniß zum Namen

der Stadt. (Friedr. Fuchs.)

+Die Natur+: Nr. 19 f. Johann Wier, ein Naturforscher des

Mittelalters. (Wilh. v. Waldbrühl.)

+Süddeutsche Presse+: Nr. 118. Die Kunstwerke der bayerischen

Innungen.

+Internationale Revue+: 4. Bd., 4. Heft. Slavische Volkslieder aus

Böhmen und Mähren. (H. Teisler.)

+Preuß. Staatsanzeiger+: Beil. Nr. 82. Denkmäler der preußischen

Geschichte in Schlesien. -- Nr. 92. Die Belehnung des Burggrafen

Friedrich von Nürnberg mit der Mark Brandenburg, vollzogen

zu Constanz am 18. April 1417. -- Nr. 98. Das Fürstenthum

Ostfriesland. -- Das Mosaik zu Nennig und der Limburger Domschatz.

+Volksblatt für Stadt u. Land+: Nr. 30. Die „Zopfgesellschaft“ des

14. Jahrhunderts. Nebst einem Fragezeichen.

+Ueber Land und Meer+: Nr. 33. Der Dom zu Marienwerder. (G. v.

Schorn.) Das Haupt der Hansestädte (Lübeck). (Gust. Rasch.)

+Zeitstimmen aus d. reform. Kirche d. Schweiz+: 10. Jhg., Nr. 5. u.

6. Ulrich Zwingli. Vortrag. (S. Vögelin.)

+Allgem. Zeitung+: Beil. zu Nr. 113. Die Gedenktafel für Kaiser

Lothar zu Breitenwang.

+Illustrirte Zeitung+: Nr. 1296, S. 303. Die Elisabethkirche zu

Marburg. -- S. 306. Die königliche Burg zu Nürnberg.

Vermischte Nachrichten.

46) Dem vom 14. Mai datierten Jahresbericht des Vereins für den

+Ausbau des Domes zu Regensburg+ pro 1867 entnehmen wir Folgendes: Die

Gesammteinnahme hat betragen 69,189 fl. 19⅜ kr., die Ausgabe 68,647

fl. 36⅞ kr., Aktivrest 541 fl. 42½ kr. Die Aktiva des Vereins

belaufen sich auf 7032 fl. 53 kr., dagegen die Passiva auf 24,076 fl.

23 kr. Trotz ungünstiger Zeitverhältnisse konnte das für das Baujahr

1867 festgesetzte Programm in all seinen Theilen ausgeführt werden.

Die für das Jahr 1868 bestimmte Aufgabe war nach dem auf die einzelnen

Jahre bis 1870 vertheilten Bauplane, im Laufe des Sommers die beiden

Helme auf die Höhe von 77 Fuß zu bringen. Leider gieng am 29. Februar

der Hauptunterstützer des Baues, König Ludwig I., zur ewigen Ruhe ein.

Wollte man durch eine plötzliche Verzögerung des Baues nicht große

Nachtheile herbeigeführt sehen, so mußte daran gedacht werden, weitere

Passiva zu übernehmen. Indeß wurde die Gefahr einer Verzögerung vor

der Hand glücklich dadurch beseitigt, daß König Ludwig II. für den

Zeitraum vom 1. Mai bis zum 31. December einen Beitrag von monatlich

1000 fl., somit im Ganzen 8000 fl. dem Dombau zuwendete. Die Aufgabe

des Baujahres 1868 kann nunmehr zu Ende geführt werden, und bis zum

Schlusse 1870 soll, trotz der obwaltenden Schwierigkeiten, der ganze

Außenbau in all seiner Schönheit hergestellt sein.

47) In der Angelegenheit des +Kaiserdomes zu Frankfurt+ a. M. haben

die drei Dombaumeister Voigtel aus Köln, Denzinger aus Regensburg

und Schmidt aus Wien ihr Gutachten abgegeben. Daraus erhellt, daß

die Umfassungsmauer des Chors und die Fundamente des Langhauses um

mehrere Zoll aus dem Loth gewichen sind. Zerstört ist der untere Theil

des Südportals, verletzt der untere Theil des Thurmquadrats und die

Ecken des Treppenthurms, zum Theil zerstört sind die Rippengewölbe des

Mittelstockes, geborsten Pfeiler und Rippen; die Kuppel erscheint sehr

beschädigt. Der Kuppelkranz ist 6 bis 7 Zoll tief verbrannt, die Felder

der Kuppel sind gespalten, daher eine Senkung des Kuppelkranzes erfolgt

ist. Die Dachstühle sollen aus Eisen hergestellt und das Gewölbe des

Querschiffes ganz erneuert werden. Fraglich ist die Erhaltung der

Umfassungsmauer des nördlichen Seitenschiffs.

(Ill. Ztg. Nr. 1294.)

48) Der kürzlich verstorbene hiesige Kaufmann C. G. Klose hat zum

+Wiederaufbau+ des +Hochaltars von St. Marien+ zu +Danzig+ die Summe

von 8000 Thlrn. vermacht. (Ueber diese Altarangelegenheit vgl. Organ

für christliche Kunst, 1867, Nr. 21, S. 249.).

R. +Bergau+.

49) Die aus dem Ende des 15. Jahrhunderts stammende, künstlerisch wenig

bedeutsame +Kirche+ zu +Tiefenau+ bei Marienwerder in Westpreußen

(vergleiche meinen Bericht über dieselbe im Danziger Kathol.

Kirchen-Blatt 1865, Nr. 18) ist im Jahre 1867 mit einem neuen, massiven

+Glockenthurm+ nach dem Entwurf des Bauinspektors Gericke versehen

worden.

R. +Bergau+.

50) Die +Herstellung der Wandgemälde im Dom zu Marienwerder+, welche

Fr. v. Quast im J. 1862 unter der Tünche entdeckt hat (vgl. meinen

letzten Bericht darüber im Organ für christliche Kunst 1867, Nr. 3, S.

30), ist jetzt nahezu vollendet. Trotzdem die einzelnen Bilder, mit

geringen Ausnahmen, wenig schön sind, bildet der ganze, rings um das

Langhaus unter den Fenstern sich herumziehende Cyclus doch einen dem

erhabenen Gotteshause entsprechenden, sehr würdigen, in der Provinz

Preußen diesem Dom eigenthümlichen Schmuck. Viele Darstellungen sind

durch die Gegenstände und die Art und Weise der Auffassung interessant.

Doch ist sehr zu bedauern, daß die Herstellung der Bilder, wovon

oft nur noch sehr +geringe+ Spuren erhalten waren, nicht einer Hand

anvertraut worden ist, welche mit der Anschauungs- und Kunstweise des

Mittelalters und dem Bilderkreise der christlichen Kirchen vertraut

ist. Mancherlei scheint willkürlich ergänzt, Anderes nicht verstanden.

Da der Kunstwerth dieser Bilder sehr geringe ist, war ihr Hauptwerth,

+vor der Herstellung+, ein archäologischer. Sie waren als Denkmale der

Anschauungsweise des Mittelalters für wissenschaftliche Untersuchungen

von Wichtigkeit. Da aber die Restauration des Vertrauens entbehrt,

sind sie für die Wissenschaft jetzt fast verloren. Der (unbekannte)

Verfasser des Aufsatzes im Jahrgang 1867, Nr. 108 (Beilage) des in

Graudenz erscheinenden „Geselligen“ dürfte mit seinen Vorwürfen nicht

ganz Unrecht haben.

R. +Bergau+.

51) Das in der Beilage zum Anzeiger Nr. 3, Sp. 110 erwähnte +Bild+

stellt, nach genauerer Untersuchung, nicht, wie überall angegeben

ist, die +Belagerung der Marienburg+ von 1410, sondern diejenige

von 1460 dar, welche Joh. Voigt in seiner Geschichte der Marienburg

(Königsberg 1824) S. 468 ff. ausführlich beschrieben hat. Ich habe das

Bild kürzlich abnehmen und reinigen lassen. Es ist 8 Fuß lang, 5½

Fuß hoch und auf Bretter von Eichenholz gemalt. Das oberste Brett ist

spätere Ergänzung. Der Photograph Ballerstädt in Danzig hat auf Wunsch

des Herrn Mathias Bersohn in Warschau dieses alte Bild genau in 1/12

der natürlichen Größe photographiert. Mannigfache Schwierigkeiten haben

leider verursacht, daß diese photographische Reproduktion nicht in

allen Theilen klar geworden ist.

+R. Bergau.+

52) Aus +Paris+, 20. April, wird dem Korr. v. u. f. D. (Nr. 204)

berichtet: Gestern wurde die berühmte +Galerie von San Donato+,

Eigenthum des älteren Fürsten Demidoff, ein Schatzkästlein von 23

Meisterstücken der niederländischen Schule, unter den Hammer gebracht,

und diese Versteigerung trug nicht weniger als 1,363,650 Fr. ein. Das

Hauptstück der Sammlung, vielleicht nicht sowohl seines artistischen,

als seines historischen Werthes wegen: „Der westfälische Kongreß“ von

Terburg, wurde für 182,000 Fr., eine Promenadenansicht von Dortrecht,

ein Werk Albert Cuyp’s, für 140,000 Fr., ein Genrebild von Ostade für

104,000 Fr. (sämmtlich einem Agenten Rothschild’s) zugeschlagen. Eine

Waldansicht von Hobbema bezahlte der Bankier Seillière mit 110,000 Fr.,

zwei Marinen von Ruysdael und van der Velde ein Agent des Herzogs von

Aumale mit 60,000 und 68,000 Fr. u. s. w.

53) Auf der +Versteigerung der Kupferstichsammlung des Barons

Marochetti in London+ wurden bezahlt für Werke von Dürer: Apollo und

Diana 12 Pfd., Ritter mit Tod und Teufel 26 Pfd., Adam und Eva im

Paradiese 13 Pfd.; für Werke von Martin Schön: Anbetung der Könige 15

Pfd., Christus mit der Magdalena 23 Pfd., die klugen und thörichten

Jungfrauen 52 Pfd. Marc Anton’s Werke wurden noch höher bezahlt, am

theuersten ein Kupferstich nach Raphael’s Adam und Eva im Paradiese,

und zwar mit 136 Pfd. Der Ertrag der ganzen Versteigerung erreichte

fast 3000 Pfd. Nicht ganz diesen Gewinn brachte in München die

Versteigerung der Sammlung eines Marquis aus Padua, nämlich 31,500

rhein. Gulden. Dort erreichte ein Tod Mariae von Martin Schön mit 995

fl. die höchste Verkaufssumme.

(Europa-Chron. Nr. 17.)

54) Die +neue Auflage von Nagler’s Künstlerlexikon+, worüber die

August-Nummer der Beilage zum Anzeiger 1867 eine kurze Mittheilung

brachte, wird, nach einem Circular der Verlagshandlung Tendler & Comp.

in Wien, als ein ganz neues Werk sich darstellen. Wenn das Lexikon

den Anforderungen der neuesten Zeit an die Forschung sowohl, als an

die Darstellung entsprechen sollte, so mußte es auf eine ganz andere

Basis gegründet werden, als diejenige ist, welche das der kritischen

Prüfung der Thatsachen ebenso, als der eigentlich historischen

Darstellung ermangelnde alte Lexikon zu bieten vermag. Zieht man ferner

die gründliche Umgestaltung in Betracht, welche die Kunstgeschichte

durch die umfassenden Forschungen der letzten 30 Jahre erfahren hat,

so begreift man, daß das alte Werk dem neuen nur als Anhaltspunkt

noch dienen kann. Ein Lexikon aber, das seinen Gegenstand möglichst

erschöpfen und den Ansprüchen der modernen Wissenschaft gerecht werden

soll, kann nicht mehr die Arbeit eines Einzelnen sein. Es ist daher

eine ansehnliche Reihe von Kunstforschern bewährten Rufes, wozu auch

das Ausland ein Kontingent liefert, zur Mitarbeiterschaft genommen

werden. Damit aber der einheitliche Charakter gewahrt bleibe, ist

man übereingekommen über gewisse Grundsätze und Bedingungen der

Bearbeitung, welche den Mitarbeitern zur Richtschnur zu dienen haben.

An der Spitze des Unternehmens steht, als Herausgeber fungierend, Dr.

Julius Meyer. -- Das ganze Werk wird 12 Bde. umfassen und jeder Band 10

Lieferungen enthalten, deren jährlich 15-20 erscheinen. Der Preis der

Lieferung von 4-5 Bogen beträgt 12 Sgr. Die erste Lieferung wird Ende

dieses Monats (Mai) ausgegeben.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band. · 第 57 / 150 题