1868. Nº 3. März.
Chronik des germanischen Museums.
+Nürnberg+, 15. März 1868.
Wir haben in unsern Mittheilungen diesmal der schmerzlichen Pflicht zu
genügen, dem am 29. Febr. zu Nizza verstorbenen König +Ludwig+ I.
von Bayern einige Worte des Nachrufs zu widmen. Der Tod, welcher unsere
Anstalt ihres mächtigen Gönners und größten Wohlthäters beraubte, hat
in ihm einen Mann abgerufen, der mächtig eingegriffen in das Kunstleben
unseres Jahrhunderts, ja, der als der Erste bemüht war, es zu erheben
und ihm eine neue Richtung zu geben. Sein Kunstsinn kam seiner echt
deutschen Gesinnung gleich. Das germanische Museum hatte sich schon,
noch ehe es entstand, seines Interesses zu erfreuen. Er war es, der
den Gründer, Freiherrn von Aufseß, ermuthigte, auszuharren in seinen
Jahrzehnte lang geführten Bestrebungen; er hatte ihn ermuntert, die
Anstalt zu gründen; er war es vorzugsweise, der thätig dafür wirkte,
daß das Nationalinstitut in Bayern, in dem alten Nürnberg seinen Sitz
erhalte, und als deshalb nöthig wurde, die Karthause käuflich zu
erwerben, während anderswo freie Räume zur Verfügung gestellt werden
sollten, war er es, der die erste Rate des Kaufschillings erlegte. Er
war es, der dem Museum den Ankauf der v. Aufseß’schen Sammlung möglich
machte, und wie er schon als Kronprinz die Karthause, deren schöne
Kreuzgänge zum Theil schon abgetragen waren, vor weiterer Zerstörung
gerettet, so hat er jetzt unserer Anstalt die Mittel gegeben, das
damals Zerstörte wieder aufzubauen.
Er verfolgte zu jeder Zeit mit höchstem Interesse die Bestrebungen des
Nationalmuseums und erfreute sich an der Entwicklung und Befestigung
desselben. Sein Andenken wird bei uns, wie bei so Vielen, ein
gesegnetes sein.
Der Gedanke an ihn und das Bewußtsein, daß die Anstalt von einem so
erhabenen, einsichtsvollen Regenten gewürdigt und ihre Ziele wie ihre
Thätigkeit gebilligt worden sind, wird uns stets ein Schild im Kampfe
sein, und wir glauben nicht besser ihm ein ehrendes Andenken bereiten,
nicht wärmer unsere Dankbarkeit beweisen zu können, als wenn wir auch
künftig in seinem großen Sinne weiter streben.
Wenn wir auch betrübt an dem Sarkophage unseres hingeschiedenen
Wohlthäters stehen, so werden wir doch nicht den Muth sinken lassen;
wir werden im Gefühle der Kraft, welche das Institut vorzugsweise ihm
dankt, und im Bewußtsein, daß es durch ihn und durch so viele andere
Gönner über das Kindesalter hinausgeführt ist, in der Hoffnung, daß
andere Schützer und Gönner uns die Aufgabe erleichtern werden, ruhig
fortarbeiten.
Einen schönen Beweis besonderen Interesses unseres hohen Protektors,
König +Ludwig’s+ II., haben wir zur Kenntniß der Freunde der
Anstalt zu bringen. Se. Majestät hat den Wunsch ausgesprochen, daß
die Bewohner Nürnbergs, bei denen ja noch so viele Kostbarkeiten
und Kunstschätze sich zerstreut finden, diese vereinigen, im Museum
aufstellen und so der Wissenschaft wie dem Publikum zugänglich machen
möchten. Der Vorstand des Museums wurde angewiesen, Alles aufzubieten,
was diesem Wunsche entsprechen könne. Daß er dies mit Freude thut,
bedarf nicht erst der Versicherung; wir glauben aber auch, von dem
freundlichen Entgegenkommen der Nürnberger hoffen zu dürfen, daß dem
Wunsche Sr. Majestät in umfassender Weise werde entsprochen werden.
Ferner können wir die erfreuliche Mittheilung machen, daß jenes
Vorkommniß in Berlin, dessen wir in letzter Nummer zu erwähnen hatten,
nicht das allgemeine Urtheil und nicht das der königlichen Familie
über unsere Anstalt bildet. So hat Ihre Maj. die +Königin von
Preußen+ uns abermals eine Gabe von 20 Ducaten übersendet und dabei
Veranlassung genommen, die Anstalt der Fortdauer Ihres allerhöchsten
Interesses und besondern Wohlwollens zu versichern. Se. kgl. Hoheit
der Fürst +Carl Anton+ von +Hohenzollern+ hat ein Geschenk
von 175 fl. als Beitrag zur Tilgung der Schuld an Freiherrn v. Aufseß
gespendet und demselben ermunternde und erfreuliche Aeußerungen
beigefügt, insbesondere die feste Erwartung ausgesprochen, „+daß auch
diejenigen nun bald die Anstalt anerkennen werden, welche bis jetzt
in unbegründeter Ableugnung der künstlerischen, culturhistorischen
und wissenschaftlichen Erfolge dieses zukunftsreichen Instituts sich
gefallen+.“ Um auch im Museum vertreten zu sein, hat der Fürst
seinem Geschenke zugleich Gipsabgüsse der Originale seiner Kunstkammer
anzufügen versprochen und bereits die nöthigen Anweisungen dazu
gegeben, sofort aber die bis jetzt erschienenen fünf Lieferungen des
von Prof. v. Hefner-Alteneck herausgegebenen Prachtwerkes über seine
Kunstkammer eingesendet. Se. Maj. der +König+ von +Preußen+
hatte die Gnade, uns auf die bevorstehenden Verhandlungen des
Reichstages des norddeutschen Bundes zu verweisen, welchem Allerhöchst
derselbe ein vor längerer Zeit vom Vorstand übergebenes Promemoria
zugewiesen hat. Von Sr. Hoheit dem Herzog von +Anhalt+ sind
für die Baukasse 70 fl. übergeben worden. Die Herren Fabrikanten
+Beckh+ in Nürnberg, Nachbarn der Anstalt, haben 100 fl. zu einem
Kreuzgang-Fenster gespendet.
In dem am 4. d. M. verstorbenen Obertribunalrath und Professor Dr.
A. v. +Daniels+ in Berlin haben wir den Verlust eines langjährigen
Mitgliedes unseres Gelehrtenausschusses zu beklagen. Dagegen hat Herr
Dr. R. +Reicke+ in Königsberg die auf ihn gefallene Wahl angenommen
und ist somit den im Januar dieses Jahres genannten neuen Mitgliedern
anzureihen.
Von Herrn Major +Köhler+ in Danzig ist uns eine schätzbare Bereicherung
unsrer Waffensammlung geworden, indem er eine Lothbüchse aus dem 14.
Jahrhundert als Depositum übergeben hat, sowie Gipsabgüsse der ältesten
erhaltenen deutschen gegossenen Bombarde, die sich jetzt in Paris in
der Sammlung des Kaisers befindet.
Neue +Jahresbeiträge+ wurden seit Veröffentlichung des letzten
Verzeichnisses folgende angemeldet:[35]
Von =öffentlichen Kassen=: =Nidda=, Stadtgemeinde 2 fl.
Von =Privaten=: =Lorch.= Forstmeister von Paulus 1 fl. =Naila.= kgl.
Landger.-Assessor Bernhard Cavallo 1 fl. 10 kr. =Nidda.= Gutsbesitzer
Adolf von Harnier in Echzel 3 fl. =Nürnberg.= Kaufmann Salomon Guldmann
1 fl. 12 kr., Kaufmann Friedrich Herrling 1 fl. 45 kr. =Oehringen.=
Forstmeister Gantz 1 fl., Kaufmann Paul Reinhard 1 fl., Zeichnenlehrer
Schenk 30 kr. =Reichelsheim.= Evang.-luth. Pfarrer Karl Leydhecker 1
fl. =Worms.= Notar Keßler 1. fl., Direktor der Wollengarnspinnerei L.
Kuhlmann 1 fl., prakt. Arzt Dr. med. Löb 1 fl., Dr. Ph. Merz 1 fl. 30
kr. Fabrikbesitzer N. Reinhart jun. 2 fl., Weinhändler Wilh. Fried.
Valckenberg 1 fl. 30 kr.
Unsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu: