BEILAGE ZUM ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

1868. Nº. 2. Februar.

Chronik des germanischen Museums.

+Nürnberg+, 15. Februar 1868.

Wir sind heute in der Lage, den Freunden und Förderern der Anstalt

die erfreuliche Mittheilung zu machen, daß wir Hand an ein lange

vorbereitetes Werk legen konnten, indem der Ausbau des Kreuzganges

und die damit zusammenhängenden Arbeiten bereits in den letzten Tagen

in Angriff genommen worden sind, und daß wir einem raschen Fortgange

des Baues entgegensehen, so daß der Schmutz und die Lasten des Baues

beseitigt sein werden, noch ehe der stärkere Fremdenbesuch die

eigentliche Bauthätigkeit hemmen würde. In Verbindung mit diesen Bauten

wird sich die begonnene Umstellung der Sammlungen fortsetzen.

Unsere Sammlungen haben in letzter Zeit wieder einige namhafte

Bereicherungen erfahren. Hinsichtlich eines Theiles derselben verweisen

wir auf das Verzeichniß am Schlusse dieser Zeilen, worin die überaus

werthvollen Geschenke aufgeführt sind, die unsern drei Abtheilungen

durch Herrn Landesgerichtsassessor Ludw. von +Cuny+ in Köln,

dessen wir schon so oft in der letzten Zeit dankbar zu gedenken hatten,

zugegangen sind.

Eine weitere Bereicherung erhielten unsere Sammlungen durch eine

fast ganz neue Abtheilung, nämlich durch eine beträchtliche Sammlung

von Stoffmustern und Stickereien vom 6. bis zum 18. Jhdt., die durch

Ankäufe von verschiedenen Seiten zusammengebracht wurde. Wir können

auf diese rasch entstandene, hoffentlich sich stets mehrende Sammlung

stolz sein. In einer großen Zahl vortrefflicher Exemplare ist die

Entwicklung der Musterung der Seiden-, Leinen- und Wollenstoffe, sowie

der Bortenwirkerei durch 12 Jahrhunderte dargelegt. Höchst wichtige und

werthvolle Stickereien von Seide und Gold, wie in Leinen und Wolle,

schließen sich denselben an. In Verbindung mit dem, was das Museum an

Erzeugnissen der textilen Kunst früher schon besessen, dürfte diese

Sammlung wol unbestritten als die erste in Deutschland gelten.

Wir hoffen, darüber bald einen Specialcatalog veröffentlichen zu

können, und legen auf solche Abtheilungen wol mit Recht großen

Werth, weil die wissenschaftliche Bedeutung vorzugsweise in größeren

Serien sich kund gibt. Darum ist es stets unser Bestreben, durch

dergleichen darzulegen, wie sich der Entwicklungsgang der einzelnen

Gebiete gestaltet hat. Wer unsere Sammlungen nach dieser Richtung hin

betrachtet, wird gestehen müssen, daß dieselben, wie sie nach und nach

an Bedeutung gewinnen, auch einen immer höheren wissenschaftlichen

Werth erhalten. Insbesondere wird jeder, der sich die geringe Mühe

gibt, die Fortschritte zu verfolgen, wie sie von Jahr zu Jahr mehr

und mehr heraustreten, jeder, der aus dem Geleisteten auf die

Leistungsfähigkeit der Anstalt einen Schluß zu ziehen im Stande ist,

ihr seine Anerkennung nicht versagen.

Um so betrübender war es daher für uns, zu vernehmen, daß die kgl.

preußische Regierung in der Sitzung des Abgeordnetenhauses am 25.

Januar d. J. sich in Folge eines Gutachtens der kgl. Akademie der

Wissenschaften zu Berlin veranlaßt gesehen hat, zu erklären, daß sie

ihre Bereitwilligkeit, weitere Mittel für das germanische Museum

zu bewilligen, zurückziehen müsse, weil nach diesem Gutachten „die

wissenschaftliche Bedeutung nicht von der Art ist, daß eine höhere

Subvention aus preußischen Staatsfonds sich rechtfertigen läßt.“

Leider hat Se. Excellenz der Herr Minister für geistliche, Unterrichts-

und Medicinal-Angelegenheiten sich nicht bewogen gefunden, auf eine

sofort nach Bekanntwerden dieses Ausspruchs an ihn gerichtete Eingabe

die unserer Anstalt in jenem Gutachten gemachten Vorwürfe bekannt zu

geben.

Wir glauben jedoch von dem freundlichen Entgegenkommen der kgl.

preußischen Regierung hoffen zu dürfen, daß diese Angelegenheit einer

nochmaligen Besprechung und Prüfung der Sachlage unterzogen und zu

einem die angegriffene Ehre der Anstalt vollständig reinigenden

Resultate führen werde.

Von neuen +Jahresbeiträgen+ wurden seit Veröffentlichung des letzten

Verzeichnisses folgende angemeldet:

Von =Anstalten für Kultus und Unterricht=. =Nürnberg.= Kgl. Gymnasium 5

fl.

Von =Privaten=: =Danzig.= Admiralitätsrichter Abegg 1 fl. 45 kr.,

Privatbaumeister Halbritter 1 fl. 45 kr., Kaufmann R. Kämmerer 1

fl. 45 kr. =Freiburg i. Br.= Professor Dr. Alzog 2 fl., Professor

Amann 1 fl., Graf v. Andlau 1 fl., prakt. Arzt Dr. Böhringer 1 fl.,

Professor Dammert 1 fl., Hofrath u. Professor Dr. Ecker 1 fl.,

Lyceumsdirektor Dr. Furtwängler 1 fl., Domkapitular Dr. Haitz 1 fl.,

Professor Dr. Hegar 1 fl. 10 kr., Kreisger.-Rath Graf v. Hennin 1

fl., Hofrath u. Prof. Dr. Kußmaul 1 fl., Hofger.-Sekretär C. Jäger 1

fl., Hammerwerksbesitzer Klehe 1 fl., Geh. Rath Freih. v. Marschall

2 fl., Freih. v. Neveu 2 fl., Graf v. Rohde 2 fl., Professor Dr. v.

Rotteck 1 fl., Professor Schreiber 2 fl., Gasdirektor A. Spreng 1

fl., Freih. v. Wengen 2 fl. =Graz.= Ignaz Schrotter, Professor an

der steierm. landsch. Oberrealschule, 1 fl. 10 kr. =Köln.= Dietr.

Leonardt 1 fl. 45 kr., Professor Mohr 1 fl. 45 kr., Dagobert Oppenheim

8 fl. 45 kr., Dombauwerkmeister F. Schmitz 1 fl. 45 kr., Banquier

C. Stein 8 fl. 45 kr. =Lauf.= Kaufmann Barth 1 fl., Pfarrer Seuß 1

fl., Pfarrer Wild 1 fl. =Nürnberg.= Baer, Pfarrer bei St. Sebald, 1

fl., k. Bez.-Amtsassessor, Theod. Bezzel, 1 fl. 30 kr., Dr. Ferdin.

Hiller, Gewerbsreferent, 1 fl. =Rennertshofen.= Wolfg. Fichtl, Pfarrer

u. Distriktsschulinspektor in Stepperg, 1 fl. =Wertheim.= Kaufmann

Bernhard Benario 1 fl.

+Einmalige+ Beiträge gaben:

Von =Privaten=: =Freiburg i. Br.= Rechtsanwalt Barbe 1 fl., Stabsarzt

Dr. Beck 1 fl., Professor E. Bender 1 fl., Professor Dr. A. Claus 1

fl., Kreisger.-Präsident Fezer 1 fl. 45 kr., Oekonom H. Gäß 1 fl.,

Oskar Frhr. v. Gleichenstein 1 fl., Oberamtmann Haas 1 fl., Dekan

Helbing 1 fl., Kaufmann Herzog 1 fl., Partikulier v. Jagemann 1

fl., Professor Dr. König 48 kr., Dr. Ad. Maier, geistlicher Rath u.

Professor, 1 fl., Domkapitular Marmon 1 fl. 45 kr., Redakteur Dr. Mayer

30 kr., Privatier H. Meier 1 fl., Direktor J. Merkel 30 kr., Fabrikant

Karl Metz 4 fl., Banquier Christian Metz 1 fl., Professor A. Metzger 30

kr., Dr. J. Müller, Hofrath u. Professor, 1 fl., Domkapitular Orbin 1

fl., Dr. L. Oettinger, Hofrath u. Professor, 1 fl., Professor Dr. Rauch

1 fl., Frhr. v. Rinck 1 fl., Fabrikant J. Risler 1 fl., Professor A.

Schwab 1 fl., Buchhändler Fr. Wagner 4 fl., Hofrath Weißgerber 1 fl.,

Kreisger.-Rath Wilhelmi 1 fl. 10 kr. =Hameln.= Gymnas.-Direktor Ebeling

1 fl. 10 kr., Gymnasiallehrer Gilbert 1 fl. 10 kr., Gymnasiallehrer

Möhle 52½ kr., Gymnasiallehrer Rose 1 fl. 10 kr., Gymnasiallehrer

Theilkuhl 1 fl. 10 kr., Gymnasiallehrer Wittrock 52½ kr.

Unsern Sammlungen giengen ferner folgende Geschenke zu:

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1868) Neue Folge. Fünfzehnter Band. · 第 22 / 150 题