»Recht, Humanität? Das sind sonderbare Worte von Ihrer Seite

Album.

Bibliothek deutscher Original-Romane.

Unter Betheiligung

der ersten deutschen Schriftsteller

herausgegeben

von

Alfred Meißner.

XXVI. Jahrgang. 6. Band.

Leipzig, | New-York,

Ernst Julius Günther. | L. W. Schmidt.

1871.

Verflossene Stunden.

Novelle

von

S. Junghans.

Leipzig, | New-York,

Ernst Julius Günther. | L. W. Schmidt.

1871.

Erstes Kapitel.

»Ja, mein Kind«, sagte die Mutter eines Tages zu mir, »es wird doch am

besten sein, daß Du dem Rathe des Herrn Pfarrers folgst und die Stelle

annimmst, von der er mit uns sprach; ich sehe wohl, für eine junge Dame

Deines Standes, wenn sie mittellos ist, sind hier nur Demüthigungen zu

erwarten.« Und nachdem sie diese Worte rasch und in einem Tone gesprochen,

welcher trotz seiner Kälte ihre Gereiztheit merken ließ, schloß meine

Mutter ihre Lippen fest und fuhr eifrig zu stricken fort. Ich hatte daher

Zeit, über eine geeignete Antwort nachzudenken, denn erstens mußte ich

der Mutter klar machen, daß etwas mehr als das bloße Annehmen jener Stelle

meinerseits nöthig sei, und dann wünschte ich auch zu erfahren, welche

Unhöflichkeit oder Unzartheit der Leute des Städtchens sie um den ihr

natürlichen vornehmen Gleichmuth gebracht hatte. In beiden Angelegenheiten

mußte ich schonend zu Werke gehen. »Ich denke, liebe Mutter«, sagte

ich vorsichtig, »daß ich dann wohl am besten sogleich an jene Mrs. Gray

schreibe, um ihr zu sagen --« »Daß Du gesonnen bist, die Stelle einer

Erzieherin ihrer Kinder, einer Untergebenen in ihrem Hause anzunehmen, Du,

ein Fräulein von Günthershofen!« unterbrach mich meine Mutter mit scharfer

Stimme und fuhr bitter fort: »Ach, wenn das Dein Vater wüßte!« -- »Um ihr

vorerst auseinanderzusetzen, in welchen Fächern ich unterrichten kann«,

sagte ich und lenkte ein, da ich meiner Mutter Stirnrunzeln bemerkte:

»damit sie weiß, was ich zu unternehmen gedenke und was nicht.« -- »Thue

das, Kind«, entgegnete Frau von Günthershofen streng, »doch vorerst laß uns

Thee trinken.« Ich legte das Tischtuch auf den Tisch, wobei ich Sorge trug,

daß die gestopften Stellen desselben unter das Theebret kamen, brachte

Tassen, Brod und Butter herbei, und zwar mit einem gewissen wehmüthigen

Genießen dieser kleinen Dienste; sah ich doch voraus, daß ich sie nun, da

meine Mutter endlich ihre Zustimmung zu meinem Fortgehen gegeben hatte,

nicht mehr lange würde zu verrichten haben. Und wem fielen dieselben dann

zu? Dem kleinen Dienstmädchen aus einem benachbarten Dorfe, welches wir

nach seiner Confirmation ins Haus genommen und welches meine Mutter seiner

hastigen, ungeschickten Bewegungen halber kaum um sich dulden konnte. Wenn

ich daran dachte, daß die stattliche alte Dame, welche in frühern Jahren

über die correcte Bedienung von Lakaien verfügt hatte, nun bald den

unbeholfenen Versuchen unseres Lieschen allein anheim gegeben sein sollte,

so erfaßte mich ein wahres Entsetzen und der Gedanke an ein Fortgehen von

hier erschien mir schrecklich. Aber aufgegeben konnte er nicht werden, das

verhinderte die bittere Noth; es ging eben so nicht länger. »Margarethe, Du

ißt nicht«, sagte meine Mutter scharf nach einiger Zeit des Schweigens. Es

war gar so wenig Butter in der Glasschale auf dem Tische -- ich versicherte

der Mutter, daß ich durchaus keinen Hunger habe und es höchstens über mich

gewinnen könne, ein Stückchen Brodrinde zu essen, und darauf verfielen wir

beide von neuem in Schweigen, bis ich infolge meines Gedankengangs mich

hinüberbeugte und meiner Mutter die Hand küßte, indem ich ihr dankte für

ihre Erlaubniß zur Ausführung eines lange gehegten Plans. »Es kommt mir

schwer an, Dich gehen zu lassen, mein Kind«, sagte sie weich, indem sie

mit ihrer schmalen Hand leise über mein Haar strich, »sehr schwer, aber --«

Hier unterbrach sie sich und fuhr erst nach einer Weile in ganz verändertem

Tone fort, in dem hochfahrenden, bittern Tone, den ihr das Unglück erst

angewöhnt hatte: »Die Frau eines Krämers hier, eines Victualienhändlers,

der sich vom Geschäft zurückgezogen, wie ich höre, hat anfragen lassen, ob

Du, meine Tochter, eine gewisse Stickerei anfertigen wolltest, ich glaube,

zur Aussteuer ihrer Tochter bestimmt. Es ist mir ganz unerklärlich, wie die

Person dazu kommt, uns diesen Affront zuzufügen. Kannst Du es begreifen,

Margarethe?« Ich begriff den Zusammenhang wohl und hätte ihn meiner

gekränkten Mutter leicht erklären können, ich wäre aber lieber gestorben,

als daß ich es gethan hätte. So gut ich konnte, lenkte ich daher das

Gespräch auf andere Gegenstände und bat zuletzt in unbefangenem Tone, daß

meine Mutter ihren Spaziergang heute allein machen möchte, da ich jenen

Brief sogleich zu schreiben wünschte. Sie sah mich einen Augenblick scharf

an und sagte dann lächelnd: »Du willst mich aus dem Wege haben; nun gut,

ich will Dich allein lassen. Ich hoffe, Du wirst so schreiben, wie es einer

Günthershofen zukommt.« Ich richtete mich hoch in die Höhe und warf den

Kopf zurück, eine Bewegung, durch die ich meine Mutter eher beruhigen

konnte als durch viele Worte. »Du wirst Deinem Großvater immer ähnlicher,

Margarethe«, sagte sie noch nachdenklich, als ich meine effectvolle

Stellung längst verlassen hatte, um ihr den alten, noch immer eleganten

Spitzenshawl um die Schultern zu hängen, in welchem sie, wenn sie langsam

und aufrecht durch die Straße ins Freie hinausschritt, so prächtig aussah,

daß es die Frauen des Städtchens der »alten Adligen« gar nicht verzeihen

konnten.

Ich war allein und richtete nun in bescheidenen Ausdrücken einen Brief an

jene Mrs. Gray, deren Wunsch, eine Erzieherin für ihre Kinder direct aus

Deutschland zu engagiren, ich durch unsern freundlichen Pfarrherrn erfahren

hatte. Der Pfarrer war vor Jahren Hauslehrer in England gewesen und

hatte seine Verbindungen mit einigen Familien dort mit Vorliebe aufrecht

erhalten.

Mit klopfendem Herzen bot ich meiner Mutter bei ihrer Zurückkunft den Brief

zum Lesen und fühlte eine große Erleichterung, als sie abwehrend mit dem

Kopfe schüttelte, da ich wußte, daß sie, wenn sie das unglückliche Document

gelesen hätte, dasselbe unfehlbar zerrissen haben würde.

Die gute Mutter -- sie begab sich bald zur Ruhe und ich trug nun mit leisen

Schritten aus einem dunkeln Kämmerchen neben der Küche, wo er ängstlich

verborgen gehalten wurde, einen Korb mit verschiedenen Wollsorten und

Perlenschnüren herbei und begann zu sticken. Hatte ich doch auf diese Weise

schon Monate lang, im Complot mit der freundlichen Gattin des Kaufmanns,

welcher diese Arbeiten verwerthete, der Mutter manche Erleichterung

verschaffen können, mit einer Genugthuung, die freilich getrübt wurde durch

das leidige, so nothwendige Geheimhalten des kleinen Erwerbszweigs.

Jetzt regte sich's in der Schlafkammer der Mutter; ich horchte ängstlich

und wagte nicht einmal den Faden vollends auszuziehen. »Margarethe!«

rief die Mutter plötzlich; ich sprang auf, so hastig, daß ich dabei die

Schachtel mit den Glasperlen umwarf, die zu Thautropfen auf meinen wollenen

Rosen bestimmt waren. Mit einem Geräusch, welches mir alles Blut nach dem

Herzen trieb, rollten die garstigen kleinen Dinger auf den Fußboden, ein

nicht endenwollender Regen. »Margarethe, mein Kind«, sagte die Mutter, »Du

hast Dir in der letzten Zeit angewöhnt, gar zu lange zu lesen; ich hoffe,

Deine Lectüre ist wenigstens eine gediegene; es wird Dir von Nutzen sein,

wenn Du Racine und Corneille wieder einmal vornimmst; Du kannst --«

»Liebe Mutter«, wagte ich zu unterbrechen, obwohl mit unsicherer Stimme,

»ich las eben nicht, ich war mit Nähen beschäftigt.« Diese Lüge schien

mir in dem Augenblick ein geringeres Unrecht als die Unredlichkeit, meine

Mutter in ihrem Irrthum zu belassen. »Ich -- ich bessere Einiges aus --

unsere Tafelleinwand«, fuhr ich in Verzweiflung heraus, da die Mutter in

unwilligem Schweigen verharrte. »So«, sagte sie, etwas versöhnt durch meine

letzte Wendung. »Strenge Deine Augen nicht zu sehr an, liebes Kind; geh

bald schlafen. Gott segne Dich!«

Diese liebreichen Worte brachten mich vollends außer Fassung. Die Scham

über meine Lüge und Zorn über die bittere Nothwendigkeit, welche mich zu

derselben gebracht, Alles zusammen war zu viel; ich eilte in das Zimmer

zurück und brach in heftiges Weinen aus, welches durch die Anstrengung,

mein Schluchzen zu unterdrücken und von meiner Mutter ungehört zu bleiben,

beinahe krampfhaft wurde. Aber dieser erleichternde Ausbruch durfte nicht

lange währen; ich trocknete mir schließlich die Augen und machte mich

entschlossen daran, die unseligen Glasperlen aufzulesen, eine jede

einzelne, auf daß keine verrätherischen Spuren meines nächtlichen Treibens

zurückblieben.

Zweites Kapitel.

Nach einigem Hin- und Herschreiben und auf eine warme Empfehlung unseres

Pfarrherrn hin hatte sich Mrs. Gray dahin entschieden, mir das Amt einer

Erzieherin ihrer Kinder anzuvertrauen. Meine nicht sehr umfangreiche

Garderobe war gepackt und ich hatte mich entschlossen, nun Abschied zu

nehmen von den wenigen Familien, mit welchen wir verkehrten. Dazu hatte ich

mir den letzten Tag ausersehen, an dessen Nachmittag ich abreisen sollte.

Bis dahin hatte ich mich selten und auf Augenblicke nur von meiner Mutter

getrennt, von unbeschreiblicher Traurigkeit erfüllt bei dem Gedanken, sie

bald verlassen zu müssen. Auch ihr gehaltenes und ernstes Wesen war zu

rührender Zärtlichkeit gegen mich erwarmt. Am Abend vor dem letzten Tage

rief sie mich, die ich nur wenige Schritte von ihr entfernt die Blumen

besorgte.

»Margarethe«, sagte sie, »ehe Du mich verläßt, will ich Dir einige

Aufschlüsse über unsere Familienverhältnisse geben, welche Dir, als einem

erwachsenen Mädchen, zu wissen gebührt.«

Mein Herz klopfte; auf ähnliche Worte meiner Mutter hatte ich schon lange

gewartet. Ich zog einen niedrigen Schemel neben sie; sie saß in

ihrem Lehnstuhl, aufrecht, die noch immer schönen, schlanken Hände

übereinandergelegt, und schaute gerade vor sich hin.

»Du wirst Dich Deines Vaters kaum erinnern«, begann sie nach einer Weile,

»ach, und ich habe Dir wenig von ihm erzählt. Es reut mich jetzt; sein

edles Bild hätte in Dir belebt werden sollen, er wäre mit Dir gegangen ins

Leben als eine Stütze, ein steter Hort, in allen Zweifeln hättest Du Dich

an ihn wenden können, er würde Dich immer das Gute, das einzig Rechte haben

wählen lassen. So ist er mit mir gegangen, im Geiste, diese siebzehn Jahre;

täglich hat er mir gerathen, aber ich behielt diesen trostreichen Verkehr

für mich wie ein Heiligthum, von dem man kaum reden mag, aus Furcht, es zu

entweihen.«

Hier schwieg die Mutter wieder einige Minuten lang und fuhr dann in

verändertem Tone fort: »Der Vater war Oberjägermeister beim Fürsten

von ..., der damals seinen kleinen, aber prächtigen Hof in B. hielt. Ich

lebte dort als Hofdame der Fürstin, einer schönen, vortrefflichen Frau,

die mich sehr liebte. Mein Vater, der Freiherr von Ardenberg, hatte bis zu

seinem Tode auf unserm Gute, Schloß Ardenberg, mit großem Aufwand gehaust.

Als er gestorben, fanden wir Frauen uns beinahe arm; das Majorat fiel

natürlich meinem Bruder zu. Meine Mutter blieb bei ihm, ich kam an den

Hof und sah von da an meine Angehörigen nur noch selten. Einmal wurde ich

plötzlich nach Schloß Ardenberg gerufen -- die Mutter lag im Sterben, ich

drückte ihr wenige Stunden nach meiner Ankunft die Augen zu. Bei dem Bruder

fühlte ich mich nicht wohl, seine Gemahlin war nicht ebenbürtig, ich konnte

mich nie an ihre Art und Weise gewöhnen, bald kehrte ich nach B. zurück. Du

wunderst Dich wohl, mein Kind«, unterbrach sich hier die Mutter, »daß

ich so kalt von meiner Familie spreche; es ist wahr, viel Liebe ist nie

zwischen uns verschwendet worden. Wir waren, mein Bruder und ich, im

französischen Stil, von einer Hofmeisterin, erzogen, die Aeltern sahen wir

als Kinder nur zu bestimmten Stunden des Tages. Meine Mutter war eine

kalte Frau von höchst aristokratischem Wesen; der Vater liebte rauschende,

kostbare Zerstreuungen und widmete sich seiner Familie selten; nie habe

ich, dem äußern Anstande nach, einen vollendetern, liebenswürdigern

Cavalier gesehen. Du siehst ihm ähnlich, liebe Margarethe, Du hast seine

Augen und seine Stirn und bist schlank wie er, auch erinnert mich Dein

Wesen an ihn, bei Deinen kleinen Dienstleistungen, die Du mir mit wahrhaft

ritterlicher Galanterie zu Theil werden läßt.«

Ich fühlte mich roth werden vor Vergnügen; die Mutter in ihrer ernsten,

beinahe strengen Art lobte mich so selten.

»Aber ich werde geschwätzig, recht wie eine alte Frau«, fuhr sie

jetzt fort, »ich muß mich zusammennehmen. Deinen Vater, den Herrn von

Günthershofen, kannte ich am Hofe von B. mehrere Jahre lang; er war um

Vieles älter als ich, ein herrlicher, ernster, edler Mann, der dastand wie

ein Fels der Ehre in den Strudeln des leichtfertigen Hoflebens. Ich hatte

ihn stets verehrt; die ausgezeichnete Achtung, mit der er mich vor andern

Frauen behandelte, that mir unendlich wohl. Aber als er eines Tages zu mir

kam und mich um meine Hand bat, mich selber, in schlichten Worten -- als

ich den hohen, schönen Mann vor innerer Bewegung zittern und erblassen sah,

da verlor ich fast das Bewußtsein, vor Schrecken anfangs, der langsam

einem überwältigenden Entzücken wich. Er legte mein Schweigen und meine

Gemüthsbewegung falsch aus, aber obwohl er meinte, seine Hoffnung aufgeben

zu müssen, schien er an sich selber kaum zu denken in der Sorge um mich.«

Die Mutter schwieg hier; ich merkte es kaum, so sehr war mein Geist

erfüllt von den Gestalten, welche sie mit ihrer einfachen Erzählung

heraufbeschworen hatte. Ich spann den Faden weiter, ich malte mir die

Scene zwischen dem schönen Hoffräulein und dem werbenden Cavalier bis ins

Kleinste aus. Wie glücklich hatten sich die zwei gefunden, die so innerlich

wahr, so geradeaus und edel waren in einer Welt der steifen Form, der

hohlen, anspruchsvollen Etikette. Aber ich fand bald, daß ich mich geirrt

hatte mit dem leidenschaftlichen Schlußact, den ich mir ausgedacht. Der

Freiherr von Günthershofen hatte, nachdem ihm doch endlich klar geworden,

was das Erbleichen und die Verwirrung des Fräuleins von Ardenberg zu

bedeuten gehabt, derselben beim Gehen ehrfurchtsvoll die Hand geküßt, als

seiner »liebwerthen Braut«, weiter nichts -- so fest hatten sich die Formen

der Gesellschaft jener Tage auch um die Beiden gelegt.

»Die Fürstin entließ mich ungern, aber mit vielen Beweisen ihrer Huld«,

fuhr meine Mutter fort. »Wir blieben am Hofe, wo Deinen Vater seine

Stellung festhielt, und waren sehr glücklich in unserm Kinde, einem

herrlichen Knaben. Du hast mich von Deinem Bruder sprechen hören -- er war

ein unvergleichliches Kind. Auffallend schön war er, wie sein Großvater,

mein Vater gewesen. Von seinem Vater hatte er die im Knabenalter schon

stattliche Höhe, die Kraft, den Muth und die Wahrheitsliebe, welche

oft Eigenthum der Starken sind. Nie ist über seine Lippen die geringste

Unwahrheit gekommen, er hätte es verachtet, auch nur den Schein einer Lüge

auf sich zu laden durch Wort oder Handlungsweise. Wir lebten ganz in ihm

-- Dein Vater und ich. -- Es war während einer kurzen Abwesenheit meines

Gemahls, daß das Schicksal uns traf. Unser Sohn, unser Hugo, war am Morgen

fröhlich fortgeritten mit einigen jungen Edelleuten, die zum Haushalte des

Fürsten gehörten; obgleich er weit jünger war als sie, machten seine Größe,

seine Stärke und Gewandtheit und sein durchdringender Verstand ihn zum

passendern Gefährten für diese jungen Leute als für seine Altersgenossen.

Wie oft habe ich seitdem bereut, daß ich ihn fortgelassen!« Meine Mutter

preßte die Hände gegen die Stirn in einer Art hülflosen Sichgehenlassens,

wie ich es nie an ihr gesehen. »Ich war stolz darauf, daß sie ihn zum

Genossen begehrten, ich sah ihm nach und freute mich an seinem gewandten

und sichern Reiten. Am Abend wurde er mir sterbend ins Haus gebracht;

er konnte nicht mehr sprechen, aber ich verstand seine Augen wohl, seine

schönen, beredten Augen, aus denen er mich ansah mit unendlicher Liebe und

Sorge, er bat mich mit ihnen um Verzeihung für das Herzeleid, welches er

mir bereitete durch sein Sterben. Todesmatt suchte er noch nach meiner

Hand, ohne die Augen von mir abzuwenden, seine großen, flehenden Augen, er

versuchte zu lächeln, mich anzulächeln -- so starb er.«

Die Mutter schwieg, aber sie hatte keine Thränen; nach einer Pause fuhr

sie in hartem Tone fort: »Sein Pferd war gestürzt und er über den Hals des

Thieres fortgeschleudert worden. Man hatte ihn für todt aufgehoben, aber

während des Nachhausetragens belebte ihn die scharfe Nachtluft noch

einmal, seine kräftige Natur wehrte sich gegen den Tod. -- Dein Vater war

niedergeschmettert durch den schweren Verlust, aber er richtete sich auf

an der Aufgabe, mich zu trösten, da mich der Schmerz um meinen Sohn fast

wahnsinnig machte. Nach Monaten erst legte sich meine heftige Verzweiflung,

ich wurde ruhig, aber Lebensmuth und Energie wollten nicht wiederkehren.

Ich saß still vor mich hin, wenn ich allein war -- und Deinen Vater riefen

Dienstpflichten leider häufig von mir fort -- ich lehnte alle Besuche ab

und bewegte mich stets in ein und demselben Gedankenkreise; ich dachte

das ganze Leben meines Kindes durch, von dem Augenblicke an, wo es geboren

worden, bis zu dem seines Todes; jedes Wortes und seiner Miene dabei

suchte ich mich zu erinnern; manchmal überfiel mich eine Todesangst bei

dem Gedanken, ich könnte irgend etwas von ihm vergessen und es so ganz

verlieren. Als ich mich in diesem Zustande befand, welcher gefährlich

zu werden drohte, schien in unserm Fürst große Theilnahme für mich zu

erwachen. Ich habe von ihm noch nicht zu Dir gesprochen und es kostet mich

einige Ueberwindung, es jetzt zu thun.«

Die Mutter schwieg hier, als müsse sie ihre Gedanken sammeln, meinem

verwunderten Blick aber begegnete sie mit so abweisender und strenger

Miene, daß ich die Frage, welche ich schon auf den Lippen hatte,

zurückdrängte. Nach einigen Augenblicken fuhr sie dann fort und man merkte

ihrer Stimme den Zwang an:

»Er war uns immer ein gnädiger Herr gewesen. Aus der alten französischen

Schule, liebte er die raffinirtesten Genüsse und bereitete seiner edeln

Gemahlin viele Kränkungen, ohne jedoch je das, was er ihr äußerlich

schuldig war, aus den Augen zu verlieren. Du wirst mich kaum verstehen,

mein Kind -- genug, er war im Lande gefürchtet und wenig geliebt; er

ordnete das Wohl des Volkes seinen Vergnügungen unter. Uns aber, wie

gesagt, Deinem Vater und mir, war er stets beinahe ein Freund gewesen; wir

hegten nur Empfindungen der Dankbarkeit und Anhänglichkeit gegen ihn, indem

wir das, was in seiner Lebensweise zurückstoßend erschien, der Zeit und der

Anschauungsweise, in welcher er groß geworden, zuschoben. Als er sich daher

bei mir melden ließ, einige Monate nach Hugo's Tod, empfing ich ihn voll

dankbarer Ueberraschung in tiefster Ehrerbietung. Er hatte sonst etwas sehr

Herbes und Hartes in seinem Wesen; das streifte er so ganz ab, sprach in

so liebenswürdiger Weise, erst vorsichtig, dann herzlich und voll Antheil,

über meinen Verlust, daß ich es ertrug, ihn reden zu hören, und Deinem

Vater, während dessen Abwesenheit der Besuch gemacht worden war, denselben

mit mehr Lebhaftigkeit erzählte, als ich seit langem gezeigt hatte. Er war

erfreut, besonders über den guten Eindruck, welchen die Gnadenbezeigung des

Fürsten auf mich gemacht zu haben schien. Nach einigen Tagen wurde dieselbe

wiederholt, und von da ab kam der Fürst häufiger; er kam, bis ich ihm die

Thür weisen mußte«, sagte die Mutter mit unbeschreiblicher Bitterkeit in

Miene und Ton. Sie wollte fortfahren, als sie durch unsere kleine Magd

unterbrochen wurde, welche, in der Thür stehen bleibend, der Mutter sagte,

es sei ein Herr draußen, der sie zu sprechen wünsche. Ungeduldig winkte die

Mutter mit der Hand, sie war noch so sehr in den Gedanken befangen, welche

ihre Erzählung in ihr wachgerufen hatte, daß sie in dem Besuche nur

eine Störung auf wenige Augenblicke zu erwarten schien, nach welchen

sie fortfahren könne. Sonst hätte sie auch nach dem Namen des Besuchers

gefragt, ehe er angenommen worden wäre. So trat der Herr nun gleich hinter

Lieschen herein, die ihm mit dem Kopfe eine einladende Bewegung zu machen

sich begnügt hatte.

Ich war aufgestanden und zur Seite gegangen. Der Fremde trat einige

Schritte ins Zimmer und blieb dann stehen, von meiner Mutter zu mir und von

mir wieder zu meiner Mutter blickend. Die saß am Fenster, durch welches der

Abendhimmel so hell glänzte, daß der Eintretende geblendet ihr Gesicht gar

nicht sehen konnte. So entstand eine Pause von einigen Augenblicken, welche

peinlich zu werden begann. Ich konnte nicht begreifen, warum meine Mutter,

sonst die höflichste Wirthin, nicht aufstand und dem Herrn entgegentrat.

Jetzt erst sah ich nach ihr hin und erschrak; sie war todtenbleich geworden

und starrte mit einer Art Entsetzen auf das Gesicht des Fremden hin.

»Mutter«, sagte ich endlich, indem ich näher trat und meine Hand leise auf

ihren Arm legte, »Mutter, der Herr wünscht Dich zu sprechen.« -- »Ja,

mein Kind?« erwiderte die Mutter fragend und zerstreut, dann aber, sich

ermannend, stand sie auf, und mit der ihr eigenen stattlichen Höflichkeit

nöthigte sie den Gast, auf dem Sopha Platz zu nehmen, auf dem kleinen,

ärmlichen braunen Sopha -- es war mit Heu gestopft, und mir stieg immer

thörichterweise das Blut ins Gesicht, wenn sich unter einem Niedersitzenden

das verrätherische Knistern der zusammengedrückten Halme hören ließ.

Die Mutter aber lud zum Sitzen darauf mit derselben unnachahmlichen

Handbewegung ein, mit der sie ehemals die Höchsten des Landes auf seidene

Causeusen eingeladen hatte.

Der Fremde hatte noch nichts gesprochen, aber in seinem Wesen nicht etwa

Befangenheit oder gar Verlegenheit, sondern die überlegene Ruhe eines

weltgewohnten Mannes und dazu ein gewisses freundliches Sichgehenlassen

gezeigt, welches ihn als einen Grandseigneur erscheinen ließ.

»Sie kennen mich nicht, Frau von Günthershofen«, sagte er endlich lächelnd,

»und das wundert mich nicht; es ist sehr lange her, daß wir uns nicht

gesehen haben.«

Er schwieg wieder und schien zu erwarten, daß die Mutter etwas sagen würde.

Auf deren Zügen aber malte sich jetzt von neuem das ängstlich Forschende

von vorhin, sie ahnte offenbar, wen sie vor sich habe.

»Ich bin Bardolph von Günthershofen«, sagte er endlich -- die Mutter

bewegte sich auf ihrem Sitze -- »und komme nach langer Abwesenheit von

Deutschland, um unter meinen Verwandten auch Sie zu begrüßen. Ich

fühle, verehrteste Frau, daß der Schritt, welchen ich wage, der Bitte um

Entschuldigung bedarf; vielleicht werden Sie mir verzeihen, daß ich Sie mit

meiner Gegenwart belästige, wenn Sie gehört haben werden, was mich zu Ihnen

trieb. Es war der Wunsch, hier auszusprechen, daß ich jetzt, als Mann, mich

von dem Vorgehen meiner Familie während meiner Knabenzeit in Betreff jenes

beklagenswerthen Processes lossage, daß ich Ihnen, als einzige Sühne, die

zur Zeit in meiner Macht steht, meine Mißbilligung einer Handlungsweise

ausdrücke, welche vom Standpunkte des Rechts vielleicht nicht anzutasten

ist, sich aber schwerlich von dem der Humanität aus vertheidigen läßt.«

Die Mutter, welche bisher mit unbewegter Miene geradeaus geblickt hatte,

wendete jetzt den Kopf und sah den Freiherrn groß an.

»Recht, Humanität? Das sind sonderbare Worte von Ihrer Seite«, sagte sie

dabei in einem Tone, bei dem mir das Blut heiß in die Wangen stieg. »Sie

müssen mir erlauben, den einen wie den andern Ausdruck als unstatthaft zu

bezeichnen in Verbindung mit Allem, was jene Angelegenheit betrifft.

Ich will mich deutlicher erklären, mein Herr, es wird das jedem Versuche

Ihrerseits vorbeugen, mir ein weiteres Urtheil über die Sache abzunöthigen:

ich habe noch keinen Augenblick geglaubt, daß bei der Entscheidung

des Processes zwischen Ihnen und meinem Gemahl das Recht irgendwie

mitgesprochen habe.«

Die Mutter hatte den Besucher, während sie diese Worte sprach, unverwandt

angesehen; auf seiner Stirn war die Röthe des Unwillens erschienen, als

er aber nach einigen Augenblicken antwortete, war seine Stimme weich, man

hörte ihm Mitleid und Schonung für die Mutter an.

»Sie sind durch Ihr freilich herbes Geschick wohl etwas unbillig geworden,

hochverehrte Frau; ich fürchtete das, ist es doch kaum anders zu erwarten.

Meiner ernsten Ueberzeugung nach befinden Sie sich im Irrthum über den

Verlauf der Angelegenheit, einem Irrthum, den ich um so mehr beklage, da

er von vornherein Alles, was ich noch sagen könnte, entkräften muß, während

ich die Unmöglichkeit einsehe, ihn zu heben.«

Er schwieg nachdenklich. Die Mutter hatte sich inzwischen gefaßt und

beherrschte von da ab die nicht mehr lange Unterhaltung mit vollkommener

Ruhe, aber in einer Art, die dem Freiherrn peinlich sein mußte, denn

geflissentlich lenkte sie stets von dem Gegenstande ab, über welchen er

noch Manches auf dem Herzen zu haben schien; er mußte fühlen, daß der Zweck

seines Besuchs, insofern derselbe eine Art Verständigung mit der alten Dame

hatte bewirken sollen, verfehlt war. Höflich fragte sie ihn nach seinen

Reisen, seinen Studien, den Ergebnissen derselben; seine Versuche, einige

Worte von Herzen zu ihr zu sprechen, ignorirte sie völlig. So stand er nach

kurzer Zeit auf, da in dem für mich beängstigenden Gespräche eine Pause

eingetreten war. »Ich muß nochmals um Verzeihung bitten«, sagte er, sich

leicht vor der Mutter neigend, »wegen meines Ueberfalls. Daß Ihnen ein

Zusammentreffen mit mir nicht angenehm sein würde, fürchtete ich, verehrte

Frau, aber ich konnte von meinem Standpunkt aus nicht anders handeln, als

indem ich vor Ihnen aussprach, was Sie vorhin von mir gehört haben. Noch

eins bleibt mir hinzuzufügen: wüßte ich, daß ein Unrecht vorläge, so würde

ich stets bereit sein, dasselbe wieder gut zu machen.«

Die Mutter erwiderte diese Worte durch eine steife Verbeugung. Jetzt erst

schien Herr Bardolph mich zu bemerken. »Fräulein von Günthershofen?« fragte

er höflich. Meine antwortende Verneigung mochte linkisch ausfallen; noch

nie war ich mir meines ärmlichen Anzugs so quälend bewußt gewesen als

jetzt, vor dem vornehmen Träger unseres Namens.

»Ja, das ist meine Tochter«, bemerkte die Mutter ihrerseits und fügte mit

einer gewissen bittern Genugthuung im Ausdruck hinzu: »Sie verläßt mich

morgen, um die Stelle einer Gouvernante in England anzunehmen.«

Was dem Freiherrn das niedrige Zimmer, in welchem er sich befand, die

Einrichtung, von der er uns umgeben sah, längst hatten sagen müssen, das

sprach die Mutter mit diesen Worten zum Ueberflusse aus; er mochte Alles

herausfühlen, was sie an herber Anklage hineinlegte, und daß solchen

Verhältnissen gegenüber ein blos höfliches Zueinanderstehen zu den

Unmöglichkeiten gehöre. So sagte er mir denn einige Worte der Anerkennung

über meinen Entschluß, wobei er meine Hand ergriff, und ging dann. In der

Thür aber wendete er sich noch einmal um. »Ich möchte Sie noch bitten, zu

glauben«, sagte er, »daß nichts mir größere Freude machen würde, als Ihnen

in irgend einer Weise dienlich zu sein. Es könnte ja für Sie, hochverehrte

Frau, oder für Sie, mein Fräulein, immerhin ein Fall eintreten, in dem Sie

eines männlichen Beistandes bedürften. Ihre Angelegenheiten würden mir dann

am Herzen liegen wie meine eigenen.«

»Wo er nur diese bürgerliche Bonhommie her hat?« sagte die Mutter, als die

Thür sich hinter dem Besucher geschlossen hatte, mit feindseligem Blick.

»Die liegt doch wahrlich nicht in der Familie.« Und dann die bösen Worte:

»Weißt Du, was das bedeuten kann, wenn einer von den Räubern so zu dem

Beraubten spricht? Hätt' ich noch etwas zu verlieren, so würde ich denken,

sie trachteten auch danach; so möchte ich den Schritt anders auslegen. Nun,

wir werden sehen.«

Dies waren die einzigen Worte, welche die Mutter über einen Vorfall verlor,

der mir viel zu denken gegeben hat. Sie ließ sich, wie ich bemerken konnte,

durch den Besuch des Freiherrn von Günthershofen nicht im geringsten in

ihrer Ueberzeugung in Betreff der vergangenen Ereignisse, von denen ich

noch hören sollte, beirren, ja sie deutete denselben in einer Weise, welche

diese Ueberzeugung unterstützte. Ihre Erzählung nahm sie, sobald wir uns

zurecht gesetzt hatten wie zuvor, wieder auf, als sei kein Zwischenfall

vorgekommen.

»Du wirst Dich erinnern, wo wir stehen geblieben sind. Nun, wir konnten

nach dem, was ich vorhin andeutete, uns nicht mehr am Hofe aufhalten. Und

bald darauf trug sich bei einer nothwendigen geschäftlichen Zusammenkunft

zwischen Deinem Vater und dem Fürsten Einiges zu, was uns sogar den

Aufenthalt im Lande unmöglich machte. Kind«, unterbrach sich hier die

Mutter und sah mich ernst an, »es heißt, man solle Niemand hassen, die

christliche Religion verbietet es. Ich habe ihrer Vorschrift in diesem

Punkte nicht nachzuleben vermocht, fast möchte ich sagen, ich verwerfe

dieselbe. Denn es gibt Menschen, die man hassen muß, mit all der Kraft, die

unser Wille besitzt; wir würden an moralischem Werthe sinken, wenn wir in

uns nicht den Haß gegen solche vorfänden. Gott Lob, ich kann hassen, einen

Menschen freilich nur, und der eine ist der Fürst. Er ist lange todt, aber

wie der höchsten Liebe ihre Gegenstände nicht sterben, wie sie mit gleicher

Stärke Lebendige und Todte umfängt, so kennt auch der Haß den Tod nicht.

Ich würde nicht sagen können, ich habe jenen Mann gehaßt, sondern nur: ich

hasse ihn, hasse ihn in diesem Augenblicke und für alle Zeiten. Auch Du,

Margarethe, so hoffe ich, wirst ihn hassen lernen, wenn Du erfahren haben

wirst, was wir ihm Alles verdanken. Mir hat er die entsetzlichste Kränkung

zugefügt, welche man einer Frau anthun kann, und dann, nach Art der ganz

Schlechten, die sich vor den Folgen ihrer Schändlichkeiten nicht anders

zu sichern wissen, als daß sie den alten stets neue beifügen, dann hat er

Deinen edeln Vater ebenfalls bis auf den Tod beleidigt, ihn aus der Heimat

vertrieben, beraubt, um Ehre und guten Namen gebracht, zum Bettler gemacht

-- gebrochenen Geistes und Herzens ist einer der reinsten, besten Menschen

im Elend gestorben.«

Traurige Erinnerungen mochten die Sprechende hier fast übermannen, sie fuhr

erst nach einer Pause in leiserem Tone fort:

»Ich muß Dir das Alles genauer erzählen, meine Tochter, es ist Dir lange

genug unbekannt geblieben. Wir gingen nach der Schweiz; in Frankreich

hätten wir gern gelebt, aber das Land blutete noch an den Wunden der

Revolution; in der Schweiz, am Genfersee, waren wir ferne Zeugen so mancher

Bewegungen dort. Wir hatten bisher von den Einkünften unserer verpachteten

Grundbesitzungen gelebt -- Dein Vater bezog keinerlei Gehalt mehr vom

Fürsten -- nach einiger Zeit aber, kurz vor Deiner Geburt, traten plötzlich

Stockungen in den Zahlungen ein. Durch Briefe wurde nichts geändert und

Dein Vater entschloß sich, obwohl sehr ungern, selber nach B. zu gehen.

Ich fügte mich der Nothwendigkeit der Reise, aber mir war entsetzlich

bange dabei, ich hatte eine unerklärliche Furcht vor den Folgen derselben.

Während der Abwesenheit Deines Vaters wurdest Du geboren, Margarethe. Kein

Wunder, daß Du stets ein ernstblickendes Kind warst, daß Du den Zug der

Traurigkeit im Gesicht noch jetzt kaum los werden kannst« -- ich versuchte

zu lächeln, um meiner Mutter das Gegentheil zu beweisen, aber es mochte

schlecht gelingen, denn sie schüttelte wehmüthig mit dem Kopfe -- »mit

der Muttermilch«, sprach sie weiter, »hast Du vielen Jammer eingesogen,

Du spätgeborenes armes Kind. Von Deinem Vater erhielt ich zwar häufig

Nachricht, er schrieb mir die liebevollsten Briefe, aber sie sagten mir

nicht genug, ich fühlte heraus, daß er aus Vorsorge für mich mir Manches

verbarg, und dies versetzte mich in die quälendste Unruhe. So verging Woche

auf Woche; die Zeit, wo sonst das Kind, das neugeschenkte Leben, der

Mutter größte Freude, ihr ernstestes Studium ist, in welchem sich alle

ihre Interessen concentriren, diese Zeit verfloß mir in Angst und Sorgen

um Deinen Vater. Endlich kündigte er mir in einem kurzen, von Erregung

zeugenden Schreiben seine baldige Rückkehr an. Der Tag kam; wir standen auf

der Terrasse unseres Hauses, ich und die Wärterin mit Dir -- ach, ich weiß

es noch, als wenn es gestern gewesen wäre. Obgleich ich nur zerstreut

auf die Landschaft umher schaute, hat sie sich mir doch unverwischbar

eingeprägt, gerade wie sie an jenem Tage erschien: der stille, kühle See,

nach dessen Tiefe ich oft ein eigenes, wildes Verlangen hatte, die grünen

Ufer mit glänzenden Häusern übersät, der Himmel darüber, an dem die

duftigsten Wolken zogen, die köstliche Frische des ganzen Bildes. Und nun

kam Dein Vater: die Landstraße zog sich am Fuße unseres Gartens hin, die

Kutsche hielt, ich sah ihn heraussteigen und stürzte mich ihm entgegen. Auf

der untersten Terrasse erreichte ich ihn erst, so langsam war er gestiegen.

Er nahm mich in seine Arme und hielt mich lange fest, bis ich fühlte, wie

er wankte; wir gingen nach einem Sitze und er fiel schwer darauf nieder,

mit schlaffen Gliedern. Jetzt sah ich erst, wie sehr er sich in den wenigen

Wochen verändert hatte. Sein Haar war völlig ergraut, seine sonst schönen,

klaren und durchdringenden Augen blickten matt und trübe, aus dem Gesichte

war die Spannkraft gewichen, das Bewußte, Gefaßte; offen stand für Jeden

darauf zu lesen, der Mann war tief unglücklich, gebrochen. Er sprach

nicht, sah mich auch nicht an, sondern blickte vor sich hin ins Weite. Mit

namenloser Angst hing ich mit den Augen an seinem Antlitz; ich wagte auch

nicht zu reden. Endlich legte ich leise meine Hand auf die seine, nannte

ihn beim Namen und erwähnte unser Kind. Da fuhr Dein Vater auf. »Ja so«,

sagte er mit einem Lächeln, das mir in die Seele schnitt, »unser Kind;

komm, Louise, wir wollen zu ihm, es ist ja wohl in der Nähe.« Und wir

stiegen zusammen hinauf, indem er sich auf mich stützte; er sei sehr müde

von der Reise, sagte er, sehr müde.«

Hier hielt die Mutter inne, erschöpft durch die auf sie eindringenden

schmerzlichen Erinnerungen. »Ich werde zu weitläufig«, sagte sie dann,

»aber es ist schwer, sich kurz zu fassen bei einer solchen Erzählung. Ein

jedes Wort weiß ich noch, was an jenem Tage zwischen uns geredet worden.

Dein Vater hatte mir das Unglaublichste zu berichten. Man hatte sein

Recht auf seine Erbgüter angetastet, der andere Zweig der Familie war mit

Ansprüchen auf dieselben hervorgetreten, heimlich vom Fürsten begünstigt,

welcher, wie ich glaube, die Schändlichkeit allein ins Werk gesetzt hatte,

um uns für immer aus dem Wege zu räumen, seinem Haß und seiner Rachsucht

folgend. So war das größte Unrecht begangen worden, eine schamlose

Fälschung vorgenommen. Es war damals freilich noch Alles in der Schwebe,

aber Dein Vater sah sich in einem Netze von Bosheiten, gegen dessen Gewirre

er sich in seinem edlen Geradsinn vergebens zu wehren suchte. Der Kampf

gegen offenes, von oben begünstigtes Unrecht ging über seine Kräfte, er zog

sich zurück mit der Aussicht, ein Bettler zu werden. Du denkst vielleicht,

Margarethe, er hätte nicht aufgeben dürfen, denkst, das Recht hätte am Ende

siegen müssen, Dein Vater hätte standhafter und energischer sein sollen.

Sein Alter aber und so manche Verhältnisse wirkten niederdrückend mit. Die

Welt war damals in einer Gärungsperiode; die Zeit, in welche unsere Jugend

gefallen war, schien durch eine große Kluft von der Gegenwart getrennt.

Neue Ideen brachen sich Bahn; sie waren ihm, der sich stets in einem

gewissen, scharf gezogenen Kreise bewegt hatte und in diesem mit

vollkommener Reinheit und Einheit des Charakters, fremd, unheimlich

beinahe; schon die Jahre, welche er in der Schweiz verbracht, so fern vom

Langgewohnten, unter Menschen, deren Gesichtskreise so verschieden von dem

seinen waren, daß sich fast kein Anknüpfungspunkt fand, schon diese waren

Schmerzensjahre gewesen. Nun sollte zum Exil die bittere Noth treten, er

sollte sein geliebtes Weib und ein kleines, einziges Kind darben sehen,

sollte in seinem Alter noch, anstatt eines heitern Abends zu genießen,

das würdige, greise Haupt sanft gebettet, die kleinliche, elende Noth des

Lebens, täglichen Mangel kennen lernen -- das war zu viel. Seine Gesundheit

litt unter diesen nagenden Gedanken, die Sorge um uns, der Kummer über

die Entbehrungen, welchen wir nach seinem Tode preisgegeben sein würden,

machten ihn beinahe wahnsinnig. Wir mußten uns einschränken, mußten unsern

bisherigen Aufenthaltsort verlassen; es zog uns nach Deutschland zurück und

wir ließen uns in C., einer kleinen Stadt unseres Nachbarländchens, nieder;

dort verlebtest Du Deine ersten Jahre, Margarethe, zwischen traurigen

Gesichtern. Deinem Vater war Dein Anblick stets ein Stich ins Herz, er

war überhaupt menschenscheu geworden. Die Bestätigung seiner Befürchtungen

erreichte uns bald: wir verloren Alles bis auf eine kleine jährliche Rente,

das Legat einer alten Tante Deines Vaters, welches unantastbar war.

Bisher hatte er es immer ganz den Armen überwiesen, jetzt bildete es unser

einziges Subsistenzmittel, denn ich besitze kein Vermögen, wie es unsere

Verwandten, unsere Rechtsfeinde, geglaubt hatten und noch zu glauben

scheinen. Niemand wohl als eine Magd, ein Mädchen von unsern Gütern, welche

treu zu uns hielt, hat gewußt, wie arm wir geworden waren. Du warst etwas

über drei Jahre alt, da Dein Vater starb, der sich seit seiner Reise nach

B. nie mehr erholt hatte.«

Die Mutter schwieg nun, sie hatte ihre Erzählung beendet. Ich hatte während

derselben einen wahren Sturm von Gefühlen durchgemacht. Bald drangen mir

die Thränen in die Augen und zwar nicht nur bei den traurigsten Momenten

der Geschichte, ich mußte weinen, wenn die Mutter die frühern Zeiten

schilderte, die jetzt so ganz, ganz vorbei waren, so abgeschnitten von

uns für immer. Nicht daß der Gedanke an unsere jetzigen Entbehrungen mich

traurig gemacht hätte, nein, dieselbe Wehmuth würde mich überkommen haben,

wenn ich von aller Eleganz des modernen Lebens umgeben gewesen wäre. Es war

nur das Gefühl des Wechsels in allen menschlichen Dingen, dieses Gefühl,

welches einem den Boden unter den Füßen fortnimmt, sodaß man sich

losgerissen von Allem und heimatlos vorkommt. Und dann stieg mir auch

wieder alles Blut ins Antlitz oder drängte sich nach dem Herzen und nahm

mir den Athem, wenn ich von dem brennenden Unrecht hörte, welches uns

angethan worden war, wenn ich hörte, wie mein Vater und mein Bruder ja

eigentlich auch -- so dachte ich wenigstens damals in meiner Bitterkeit

-- gemordet worden waren durch jenen fluchwürdigen Hof, wenn ich an die

zwanzig Jahre der Entbehrung dachte, die hinter meiner armen Mutter lagen.

Aber einige Fragen brannten mir noch auf den Lippen. »Der Hof von B.?«

sagte ich. »Ist eingegangen«, erwiderte die Mutter, bitter lächelnd. »Das

Fürstenthum wurde, wie Du wissen wirst, mediatisirt und der Fürst, dessen

Privatvermögen ziemlich bedeutend war -- er hatte in den letzten Jahren zu

sparen angefangen -- zog sich nach Italien zurück, wo er starb. Die Fürstin

war schon vor längern Jahren heimgegangen; eine Tochter war unglücklich

verheirathet und hatte, wie man sich zuflüsterte, den Verstand verloren

über einige Sonderbarkeiten ihres Gemahls; sie hat Jahre lang auf einem

einsamen Jagdschlosse in tiefster Abgeschiedenheit gelebt, jetzt ist sie

auch todt; die Söhne sind verschollen, wie ich glaube.«

»Und jene Günthershofen, welche sich unsere Güter erschlichen haben?«

fragte ich weiter.

»Ei, die essen und trinken, freien und lassen sich freien«, sagte die

Mutter bitter. »Es waren mehrere Brüder, Vettern Deines Vaters; einer

hat viele Kinder, er wirthschaftet auf Erbrück; die Familie soll etwas

verbauert sein. Der andere, ein geiziger, mißtrauischer Mann, welcher

sich ein lebenslängliches Unglück in einer schönen, leichtfertigen und

verschwenderischen Frau auf den Hals geladen, ist kürzlich gestorben.

Bardolph ist sein Sohn, der ist nun Herr auf Günthershofen, dem

Stammschlosse, Deinem Erbtheil.«

Also der war es! Ich begriff jetzt das abstoßende Benehmen meiner Mutter

gegen den Freiherrn, ich theilte ihren Unwillen. Wie hatte er es wagen

können, in unsere Nähe zu kommen, die Augen nur zu meiner edlen Mutter

aufzuschlagen, er, der, ein Eindringling und ein Dieb, auf fremdem

Erbe saß! War er etwa gekommen, um unsere Armuth sich anzusehen und sie

vielleicht nachher in den Salons seiner Freunde zu Bonmots auszubeuten,

oder, was noch schlimmer, uns achselzuckend zu bemitleiden, »die

eigensinnigen armen Verwandten, die noch nicht einmal mit sich reden lassen

wollen«? Ich sagte meiner Mutter, was ich dachte.

»Du weißt noch nicht Alles«, entgegnete sie mir. »Ich kannte ihn ja nicht,

als er eintrat, und doch überlief es mich bei seinem Anblick -- er ist

das Ebenbild des Fürsten. Seine Aeltern haben auch einmal bei Hofe gelebt;

Seine Hoheit hat damals nur versuchen wollen, wie ich die Gunstbezeigungen

aufnehmen würde, welche bei einer andern Frau von Günthershofen Anklang

gefunden hatten.«

Ich war ein unerfahrenes, einfältiges Mädchen und verstand anfänglich die

Mutter kaum, aber das Verständniß für Alles, was sie gesagt hatte, kam mir

bald, da ich unaufhörlich im Geiste mir ihre Worte wiederholte und über

dieselben brütete, und ich wurde fast plötzlich eine Andere; geistige Reife

trat ein und mit ihr das Denken und der Schmerz. Wir saßen nun noch eine

lange Zeit schweigend bei einander; meine Mutter hatte meine Hände in die

ihrigen genommen und es war, als zöge ein geheimer Strom so von ihr zu

mir, mir schien es, als sähe ich jetzt mit ihren Augen und fühlte mit

ihrem Herzen, sie war mir näher gerückt als je zuvor. Soweit ich zu denken

vermochte, war die Mutter zwar stets liebevoll und auch sorgsam, aber gar

so unnahbar gewesen. So hatte ich schon vor Jahren bemerkt, daß von so

manchen kleinen Künsten, welche Frauen beim Beschaffen des Nothwendigen oft

anwenden müssen, die Mutter weniger verstand als ich. Jene Magd, von der

sie gesprochen, ein tüchtiges Mädchen, hatte in meinen ersten Jahren

das Hauswesen und meine Garderobe aufs sparsamste besorgt; als sie sich

verheirathete und mit Thränen und mancher guten Lehre von mir Abschied

nahm, fiel alles das zum größten Theil in meine kleinen Hände und

verursachte mir vielerlei Sorge. Nicht daß die Mutter das Nähen und

Beschicken unter ihrer Würde gehalten hätte, es fehlte ihr die stete

Aufmerksamkeit auf das Geringfügige; sie hatte etwas unbeschreiblich

Vornehmes in ihrem Wesen, und fast jede Frau, die mit ihr gelebt, hätte

sich wohl stillschweigend in die Rolle einer Kammerjungfer neben ihr finden

müssen. So hatten wir uns trotz aller Liebe nicht ganz nahe gestanden; ich

fühlte, daß die Mutter in einer andern Welt hauste als ich, in einer Welt,

von der meine Vorstellungen nur höchst unklar sein konnten, da die Mutter

nie zuvor von der Vergangenheit, in welcher sie lebte, ein Wort zu mir

gesprochen hatte. Jetzt schien diese Schranke plötzlich gefallen; ich wußte

nun, was die starke Frau Alles ertragen hatte, und liebte sie wenn möglich

noch tausendmal mehr als früher. Ich selber aber kam mir auf einmal ganz

anders vor: herausgerüttelt war ich aus meiner harmlosen, fast demüthigen

Weltanschauung; es war aber nicht etwa der Gedanke an den Rang meiner

Familie, sondern die Gewißheit unverschuldeten Unglücks, welcher mir

eine erhöhte Stimmung gab und für alle Folge auf meine Charakterbildung

eingewirkt hat. Die Menschheit war in der Schuld gegen uns, wir hatten an

sie zu fordern, und dies Bewußtsein erfüllte mich mit einer Art Stolz; ich

sagte mir, daß ich in diesem Falle weit lieber leidend als handelnd mich

verhalten wolle.

Die Mutter hatte lange mit einem finstern Ausdruck auf dem noch immer

schönen Gesichte starr und aufrecht dagesessen; jetzt lösten sich ihre

Züge, und sie sagte weich: »Es war nöthig, daß Du die Schicksale Deiner

Aeltern kanntest, liebe Margarethe, sonst hätte ich Dir gern diesen Blick

in das Treiben der bösen, bösen Welt erspart. Ich hoffe, mein Kind ist edel

genug, um nicht dadurch den Glauben an die Güte der Menschen zu verlieren;

es wäre schlimm«, fügte sie freundlich lächelnd hinzu, »wenn Du Deinen

künftigen Zöglingen als Misanthropin gegenübertreten wolltest. Und nun laß

uns von Deinem demnächstigen Wirken sprechen.«

Die Mutter hatte sich so weit mit meinem Fortgehen ausgesöhnt, daß sie

mir manchen guten Rath, manche liebevolle Warnung mit auf den Weg gab.

So verging der letzte Abend, den ich mit ihr zubrachte, uns in beinahe

feierlicher Stimmung. Der nächste Morgen kam heran, der Morgen meines

Reisetags. Ich ging, um Lebewohl zu sagen, zu den wenigen Familien im

Städtchen, mit denen wir einigen Umgang hatten, und ließ mir die üblichen

guten Wünsche mit auf den Weg geben. Zu dem Pfarrherrn kam ich zuletzt; auf

seinen Segenswunsch freute ich mich, denn mir war weichmüthig zu Sinne. Er

ergriff denn auch meine beiden Hände und sagte herzlich, wie er wünsche,

daß ich dort in dem neuen Kreise Freunde finden möge. »Und einen Freund

haben Sie ja hier«, fuhr er fort, »von dem Sie mir noch nie erzählt

hatten; ein Freiherr von und zu Günthershofen« -- er betonte die Titel mit

komischer Gravität -- »war heute Morgen bei mir. Er ist lange außer Landes

gewesen, wie er mir erzählte, und wollte nun Einiges über Sie und

Ihre Mutter wissen; er sei manchen Familienmitgliedern durch die lange

Abwesenheit ziemlich fremd geworden, sagte er, wie denn das so gehe. Ein

schöner, stattlicher Herr und sehr angenehm. Er sprach davon, daß es ihm

hier in der Gegend gefalle und daß er vielleicht für einige Zeit seinen

Aufenthalt in der Nähe nehmen werde; aber vorerst wollte er noch einige

Monate reisen. Er erwähnte England, und es wäre nicht übel, wenn er Sie

dort aufsuchte, liebes Fräulein; eine Gouvernante nimmt oft gleich eine

ganz andere Stellung ein im Hause durch den Besuch eines Angehörigen und

nun gar eines Barons. Ich sagte das und er bat um Ihre Adresse.«

»Und haben Sie ihm dieselbe gegeben?« brach ich endlich hervor. Ich hatte

den alten Herrn bis hierher reden lassen, weil ich nicht wußte, wie ich

meinem maßlosen Erstaunen und Zorn über das, was ich zu hören bekam, Worte

geben sollte. »Haben Sie ihm die Adresse gegeben, hat er sie?« rief ich

noch einmal.

»Ja, mein Kind, ja, und wäre Ihnen dies etwa unangenehm? Warum --«

Der Pfarrer brach ab und sah mich befremdet an, ich mochte sehr erregt

aussehen. Sogleich bedachte ich aber auch, daß, wenn ich jetzt all meinem

Unwillen und Aerger vor dem unvorbereiteten Freunde Ausdruck geben wollte,

ich dadurch unserer guten Sache nur schaden würde. Sehr ruhig setzte ich

ihm daher, soweit es sich thun ließ, auseinander, wie zwischen uns und

der Familie jenes Herrn alle andern eher als freundschaftliche Beziehungen

existirten, und hütete mich, die Entfremdung als eine romantische

Familienfehde aus alter Zeit erscheinen zu lassen; ich sagte ihm, wie jene

sich eingedrängt hätten in unsern Besitz und uns hinausgeschoben, und ich

mußte erleben, daß der alte Herr den Kopf schüttelte und mir die Heftigkeit

meiner Redeweise verwies.

»Gemach, gemach; man kennt Sie ja gar nicht wieder, Fräulein Margarethe«,

sagte er. »Sehen Sie das Alles auch aus dem richtigen Gesichtspunkte an?

Hatten jene Familien auf die fraglichen Besitzthümer gar kein Recht?«

»Nein, gar keins«, sagte ich rasch.

Verflossene Stunden: Novelle · 第 1 / 11 段