Aufenthalt in San Rafael. -- Viehzucht. -- Versuch mit dem Lasso.
-- Weiterreise. -- Nächtliches Concert. -- Totogalpa. -- Der
gastfreundliche Cura. -- Eine Hochzeit. -- Ocotal. -- General
Guardiola. -- Hahnenkämpfe. -- Spielwuth der Bewohner.
Ich ward genöthigt, einige Tage hier zu bleiben, theils weil Don Eusebio
Geschmack an mir gefunden hatte und mich durchaus in seinem Hause
beherbergen wollte, was mir sehr angenehm war, um etwas auszuruhen,
und dann, weil zwei der Maulthiere am vorigen Tage ganz erschöpft
zurückgelassen werden mußten, und ich so meine Bagage zu erwarten hatte,
bis Apolinario sie auf anderen Thieren nachgeholt haben würde. Die kurze
Rast bekam mir aber vortrefflich und mein Gesundheitszustand besserte
sich schnell und merklich.
Don Eusebio zeigte mir seine Besitzung, meist Weideland und an Umfang
beinahe so groß, als manches kleine Fürstenthum, mit ungefähr 4000
Stück Rindvieh, nannte sich selbst aber dabei einen armen Mann; er hatte
insofern nicht ganz Unrecht, als er von all' seinem Eigenthume kaum 600
bis 700 Piaster jährlich realisiren kann. (Das Stück Rindvieh im Preise
von 3, 4, höchstens 5 Piaster.)
Da Don Eusebio eine kleine Ladung Rohzucker nach Ocotal zu senden hatte,
so contrahirte ich mit ihm für Thiere nach dem nicht weit von Ocotal
gelegenen Dipilto, einem der bedeutendsten Minenplätze des Landes. Es
mußten dazu noch einige von den in den Savannahs grasenden Maulthieren
eingefangen werden, und auf Don Eusebio's Einladung beschloß ich, auch
einen Versuch mit dem Lasso zu machen.
Eines Morgens ritten wir in Begleitung von zwei Mozos, jeder mit seinem
Lasso am Sattelknopfe, zur Jagd aus, nachdem ich von Don Eusebio noch
einige Lectionen, wie zu verfahren sei, erhalten hatte, denn es ist ein
verwünschter Unterschied, einen Lasso zu Pferd oder zu Fuß zu werfen.
Nachdem die Mozos in Zeit einer halben Stunde den geschäftlichen Theil
erledigt, d. h. die nöthigen Maulthiere eingefangen, kam an mich die
Reihe, meine Künste zu produciren. Ein starker Bulle ward ausersehen und
ich ritt langsam auf denselben los. Der Stier, Schlimmes ahnend, fing an
zu laufen, ich galoppirte hinterdrein, das Pferd scharf in der Faust. In
angemessener Entfernung erhob ich mich ein wenig in den Bügeln, wirbelte
den Lasso um den Kopf, lehnte mich vorwärts, um ihn zu werfen, als --
schnapp! der Steigbügel mir entschlüpfte, und ich kopfüber zu Boden
schoß. -- Ungeheuere Heiterkeit von allen Seiten! -- Das gut abgerichtete
Pferd stand im Augenblicke still, und nachdem ich mich überall befühlt
und entdeckt hatte, daß alle meine Knochen noch ganz waren, stieg ich
wieder auf, mein Glück auf's Neue zu versuchen; diesmal ging's besser,
der Lasso fiel, den halben Cirkel beschreibend, dem Thiere kunstgerecht
über die Hörner; das Pferd, als ob es die Länge des am Sattel
befestigten Lasso genau berechnet hätte, wendete augenblicklich um und
brachte durch einen heftigen Ruck den Bullen zu Boden. Nur ist noch eine
gewisse Geschicklichkeit erforderlich, sich des Thieres auch ganz zu
bemeistern, was meiner Unerfahrenheit doch wahrscheinlich etwas schwer
geworden sein dürfte, hätte Don Eusebio nicht, seinen Lasso von der
andern Seite werfend, alle weiteren Schwierigkeiten beseitigt, und so
endete denn dieser erste Versuch mehr zu meinem Ruhme, als ich in der
That verdient hatte. -- Ungeheuere Zufriedenheit!
* * * * *
Nachdem Don Eusebio mich während meines Aufenthalts bei ihm so gastfrei
behandelt, als seine Mittel es nur irgend erlaubten, begleitete er mich
noch einige Meilen auf meiner Weiterreise.
* * * * *
Ich änderte nun meine Richtung, die bisher eine nordöstliche gewesen
war, in eine nordwestliche und, obschon weit im Binnenlande, eine
mit der rechtwinkligen Form der Meeresküste parallel laufende Linie
beschreibend, setzte ich meine Reise in alleiniger Begleitung eines
Mozo fort. Der Weg glich so ziemlich dem vorigen, nur daß in so
beträchtlicher Höhe, wie ich mich befand (3000 bis 4000 Fuß auf den
tiefsten Punkten), die Nachtluft, zumal auf den Gipfeln der Hügel, recht
empfindlich kühl ward, mein Poncho und ein tüchtiges Feuer mir äußerst
angenehm waren, desto mehr aber die Thiere zu leiden hatten, denen die
Kühle häufig eine Art von Darmgicht oder Kolik zuzieht, die zwar nur
einige Stunden anhält, sie aber doch für diese Zeit ganz unfähig macht,
zu gehen.
Wasser ist hier häufiger und von vorzüglicher Qualität. Die
Zuckerrohrfelder, obwohl nur klein, sind ergiebig, der übrige Boden, wie
bisher, Wald und Weideland. Die Landschaft war hier unter dem Einflusse
der Morgennebel und des reichlichen Thaues schön grün geblieben.
Bergauf- und bergabsteigend bot die Pflanzenwelt eine höchst
überraschende Abwechselung dar, denn in der bedeutenden Wärme der Thäler
sproßte die tropische Vegetation in vollster Ueppigkeit, während auf
den höchsten Höhepunkten, die ich berührte, oft selbst die Kiefer
als verkrüppeltes Knieholz hinter mir blieb, und ich so manchmal
im Zeitraume eines Tages die Vegetation von 30 bis 40 Breitegraden
beobachten konnte.
Ich passirte eine Menge von Dörfern, von bald christlichen, bald
heidnischen Namen, unter denen ich mich besonders eines lieblichen
Blickes in das Thal Santa Rosa, von der Borda di Santa Rosa herab, mit
Vergnügen erinnere. Die Nächte freilich wurden des täglich heftigern
Thaues wegen auch im nämlichen Grade unangenehmer und mein
Schlummer ward oft gestört vom nächtlichen Geheul der Cayotas oder
südamerikanischen Wölfe, welches ganz so klingt, als ob eine Bande
ungezogener Gassenbuben im höchsten Discant schrie, und in das sich
manchmal das tiefe, langgezogene Geheul eines Jaguars mischt. Obschon
man allgemein und, wie ich glaube, mit Recht behauptet, daß diese
Bestien, außer vielleicht im furchtbarsten Hunger, den Menschen nie
angreifen, so kann man sich doch, wenn das schändliche Concert zu arg
wird und gar nicht aufhören will, eines gewissen Büchsenfertigmachungs-
und Messerzurechtlegungsgefühles nicht erwehren, und manch' liebes Mal
trieb mich die Sorge um die Thiere aus dem Hammock, um mit der Büchse im
Arme die Wachtrunde zu machen.
Am dritten Tage gegen Abend gelangte ich nach Totogalpa, einem mit
Ausnahme des Cura (Pfarrers), der ein Weißer ist, nur von Indianern
bewohnten Dorfe, die sich immer wieder nur unter einander verheirathen
und so ihren Stamm rein und unvermischt erhalten. -- Der Cura war ein
=compadre= (auf gut deutsch Herr Gevatter) Don Eusebio's, weshalb der
Mozo Ordre hatte, mich nach seinem Hause zu bringen. Der Cura,
ein respectabel aussehender Vierziger, war die Herzensgüte und
Freundlichkeit selbst. Da ich immer noch ein wenig zu schlank im
Verhältniß meiner Körperlänge war und blaß aussah, so litt er nicht, daß
ich im Hammock schlief, sondern ich mußte durchaus ein Bett annehmen,
wie ich erst später zu meinem großen Leidwesen erfuhr, des würdigen
Mannes eigenes Bett, da er in dem Artikel nicht eben reichlich versehen
war.
Mr. Stevens rühmt in seinem Werke über Central-Amerika mit allem Rechte
die Güte der Curas, und ich muß dieses Lob in vollster Ausdehnung
bestätigen; mit vielleicht nur wenigen Ausnahmen in den größern Städten
ist das Haus des Cura stets die Zufluchtsstätte aller Obdach- oder sonst
Hülfebedürftigen, und so auch in Totogalpa. Es blieben in derselben
Nacht wenigstens zehn bis zwölf Personen, darunter auch drei Damen,
welche auf dem Wege nach Leon begriffen waren, in der Pfarrei, und
vielleicht dreißig Maulthiere und Pferde ließen sich die Weide auf des
guten Pfarrers Protero trefflich schmecken.
Die bessern Häuser haben hier alle einen Patio oder Veranda, den jeder
Reisende ebenso als sein Eigenthum betrachten kann wie die Landstraße;
zwischen den Säulen schlingt er seinen Hammock auf, in einer Ecke oder
auf dem freien Platze vor dem Hause zündet er sein Feuer an, kocht seine
mitgebrachten Vorräthe und zahlt nur dann etwas, wenn er irgend etwas
von den Vorräthen des Hauses consumirt, -- =nota bene= wenn Vorräthe da
sind. --
Der Cura theilte mir beim Schlafengehen mit, daß am andern Morgen drei
junge Paare den ledigen mit dem Ehestande vertauschen wollten, und
lange vor Tagesanbruch folgte ich ihm in die Kirche, der Ceremonie
beizuwohnen, denn es ist hier Sitte, jede Trauung noch vor
Sonnenaufgang zu vollziehen, eine Sitte, die wahrscheinlich noch
indianisch-heidnischen Ursprungs ist.
Die jungen Paare erschienen, gefolgt von ihren Verwandten, im Geleite
der Brautführer und Brautjungfern; der Cura vollzog die Trauung nach dem
Ritus der katholischen Kirche und im Zwielichte des anbrechenden Tages
begab sich der ganze Hochzeitszug nach dem Hause des Bräutigams, um dort
den Tag bis zur späten Nacht mit Essen, Trinken und Tanzen zuzubringen.
Der Cura führte mich in eins der Häuser, um die Festlichkeiten mit
anzusehen. Inmitten der dichtgedrängten Menge ward getanzt, doch stets
nur ein Paar auf einmal, beim Klange zweier Guitarren und einer Geige.
Das Mädchen stand auf einer Seite des kleinen Tanzraumes und der junge
Bursche bewegte sich hüpfend und tänzelnd auf sie zu, bald vorwärts,
bald rückwärts, und drehte sich in verschiedenen Bewegungen um sie
herum; dann that das Mädchen desgleichen, dann beide zusammen, worauf
beide abtraten, um einem neuen Paare den Raum zu überlassen, sich selbst
aber mit Tortillas und Bohnen zu erlaben. Aus besonderer Rücksicht auf
mich als Fremden und die würdige Begleitung, in der ich mich befand,
näherte sich mir eine Art von Ceremonienmeister und forderte mich zum
Tanze auf; da aber mittlerweile der Tag angebrochen war und die Thiere
gesattelt vor der Thür standen, entschuldigte ich mich mit meinen
bestiefelten und pfundbespornten Gemüthszuständen, schüttelte dem
wackern Diener Gottes herzlich die Hand und galoppirte lustig dahin in
der frischen Morgenluft.
Bald bot sich mir von der Höhe der Borda de Ocotal eine wunderliebliche
Aussicht in das Thal, wo sich der Riococo hinab nach der Ostküste
schlängelt, an seinen Ufern das reizend gelegene Dörfchen Ocotal und
drüben auf der andern Seite die grandiosen Berge von Dipilto. Noch ein
steiles Hinabklettern, bei dem die Thiere manchmal eine ganze Strecke
auf dem Hintertheile rutschend zurücklegten, dann die Passage des
Riococo, jetzt ziemlich leicht, doch in der Regenzeit sehr schwierig und
gefahrvoll, und ich ritt nach kurzer Zeit über die Plaza von Ocotal
nach dem Hause der Sennora, Donna Chepa (Josephine) G., einer großen
corpulenten Dame, an die ich eine Empfehlung hatte. Aufnahme wie
überall.
Als ich beim Frühstück saß, kam der Militärcommandant des Departements,
Don Gabriel Y., in Gesellschaft eines kurzen, dickbeleibten Sennors mit
ungeheuerm militärischen Schnurrbart und blauem Oberrock, um der Sennora
einen Besuch abzustatten. An mich wurden nun viele Fragen: Leon, die
Revolution, Munoz etc. betreffend, gerichtet, die ich ungenirt und so
gut ich es vermochte beantwortete. Mir fiel dabei auf, daß der dicke
Herr im blauen Oberrock mit dem gewaltigen Schnurrbarte seine übrigens
recht hübschen und sanften blauen Augen immer schüchtern wie ein
verlegenes Mädchen niederschlug, wenn ich ihn ansah, eine Gewohnheit,
die mir an Männern nie recht gefallen will. -- Später in Dipilto, wo ich
denselben nochmals antraf, erfuhr ich erst, daß es der General Guardiola
sei, auch »der Tiger von Honduras« benannt. -- Dieser Mann hatte sich im
Jahre 1844, wo er die Regierung von Honduras unterstützte, eine traurige
Berühmtheit erworben durch seine blutige, grausame Verfolgung der
Gegenpartei. Im Jahre 1849 conspirirte er dann selbst gegen die
Regierung, hatte aber schlechten Succes und hielt sich seit jener Zeit
als Verbannter in Costa-Rica auf. Dann ward er von der Regierung von
Nicaragua herbeigerufen, um ein Commando gegen Munoz zu übernehmen,
konnte sich jedoch nicht mit dem commandirenden General, Don Fruto
Chammorro, vertragen und nahm deshalb sehr schnell wieder seine
Entlassung.
Ocotal ist die von Manchen als Nuevo Segovia bezeichnete Stadt; die
eigentliche Stadt dieses Namens ist jedoch 4 Miles tiefer hinab, am
Riococo gelegen, ward im Anfange des vorigen Jahrhunderts aber von
Flibustiern, die den Fluß heraufkamen, zerstört und die geflüchteten
Bewohner bauten das heutige Ocotal.
Ich wünschte noch vor Nacht Dipilto zu erreichen und brach also auf,
sobald Menschen und Thiere sich ein wenig erholt hatten. Als ich über
die Plaza kam, bemerkte ich eine Menge Menschen und aus ihrer Aufregung
und der allgemein auf einen Punkt gerichteten Aufmerksamkeit schloß ich,
daß da etwas Absonderliches los sein müsse. Als ich an die Stelle kam,
sah ich, daß ein Paar Kampfhähne die Helden der Scene waren, und der
heutige Tag, wie man mir sagte, der eines weitberühmten Hahnengefechts.
Jetzt erst ward mir plötzlich klar, warum ich unterwegs so viele Leute
mit Bretern auf dem Rücken gesehen hatte, auf deren jedem fünf bis sechs
Hähne festgebunden waren. Ein Mann zu Pferde kam sogar mehr als 30 Miles
weit her, die vier Ecken seines Sattels nach den vier Himmelsgegenden zu
mit ebenso vielen Hähnen garnirt, zwei an Stelle der Holftern, zwei
an Stelle der Satteltaschen. Die Hähne fechten hier nicht mit den
gewöhnlichen Sporen, sondern mit sichelartigen Messerchen, deren
haarscharfe Klinge manche so geschickt an das rechte Bein des Hahnes zu
befestigen verstehen, daß oft schon beim ersten Anlauf der Gegner ein
Bein einbüßt. Eben als ich anlangte, fiel einer der armen Kämpen,
von seinem Gegner in die Seite gestochen und schändlich hinterlistig
umgebracht, zu Boden und maß den Wahlplatz mit seinem Heldenleibe.
Gleich war jedoch ein neues Paar zur Stelle, und ein barfüßiger,
ziemlich lumpenhaft toilettirter Sennor frug mich, ob ich nicht mit ihm
auf einen der Duellanten wetten wollte. Wie viel? -- Zehn! -- Was zehn,
Piaster? (Etwas hoch, dachte ich.) -- Nein, zehn Mark Silber (ziemlich
80 Dollars). Bagatelle! meinte ich und machte, daß ich weiter kam, denn
ein so niedriges und grausames Vergnügen schien mir nicht werth, Zeit
und noch weniger Geld daran zu setzen. Es ist übrigens eine gewöhnliche
Sache, hier anscheinend arme Leute recht hohe Summen bei Hahnen-
und Stiergefechten verwetten zu sehen. Das Spiel ist hier die
vorherrschendste Leidenschaft und, wie man mich versicherte, sollen am
selben Tage auf zwei Hähne von besonderer Kriegsreputation in mehrern
Wetten die Summen von 2000 Dollars im Ganzen auf dem Spiele gestanden
haben. So fand ich auch, was ich vorher nicht beachtet hatte, in jedem
Hause einen oder mehrere Kampfhähne, jeden mit einem Bindfaden am
Fuße, auf einer Art von Papageienstock sitzend, die lediglich zu jenem
barbarischen Vergnügen aufgefüttert werden.
Bald hinter Ocotal tritt man wieder in eine tiefe Schlucht ein, und
gleich im Anfange hören alle bewohnten Plätze auf. Ein zwar enger, aber
doch nicht zu beschwerlicher Weg führte bald auf dem einen, bald auf dem
andern Ufer des Rio di Dipilto hin, der hell, klar und lustig über die
Steine dahinhüpft, hier und da von einem kleinen Salto (Wasserfall)
unterbrochen, mühsam an manchen Stellen sich durch das Thal zwängend,
dessen vielfache Windungen ihm manchmal das Aussehen geben, als hätte
hier die Welt ein Ende. Mein Mozo, für den das Hahnengefecht mehr
Anziehungskraft hatte, als für mich die Reize dieser malerischen Natur,
war etwas zurückgeblieben, und so verfolgte ich denn meinen Pfad in
einer angenehmen Einsamkeit. Die steilen Höhen rechts und links, bedeckt
mit majestätischen Kiefern, wie ich sie noch kaum so hoch gesehen,
ließen die Sonne nicht so eindringen, und die tiefe Ruhe, durch das
sanfte Gemurmel des dahineilenden Flüßchens noch traulicher gemacht,
ward nur dann und wann vom leisen Gesange eines Vögelchens unterbrochen.
Viele Nordländer sind der Meinung, daß die Vögel der Tropen nicht
singen; dem ist aber nicht so, nur muß sich das Ohr an ihren Gesang
gewöhnt haben, der so zart ist, daß sie fast leichter zu sehen als
zu hören sind. Ich aber fühlte mich so froh gestimmt, daß ich die
schweigsamen Wälder lustig vom Gesange deutscher Lieder wiederhallen
ließ, was ihnen wohl nicht häufig passiren mag.
Endlich und endlich öffnete sich das Thal ein wenig und auf einem
kleinen Plateau, just nur groß genug, um den Gebäuden nothdürftig Raum
zu geben, erschienen die Dächer von Dipilto, vergoldet vom letzten
Strahle der untergehenden Sonne.