Immer lebendiger wird sein Bild, immer mehren sich die Spuren seines
Wirkens; mir ist, als ob er mir entgegen käme, und mit der Entfernung
schwinden die Bilder der Trennung. Hier bin ich in Räumen, die er betreten
hat, ich stehe vor den Zügen meines Namens, die seine Hand in das Glas,
irrend in Gedanken, geschnitten hat. Mit Thränen betrachte ich das Denkmal
seiner Liebe, und immer inniger umdrängen mich die neuen Bilder aus seinem
Leben; so bekannt und so neu. Er hatte flüchtig erwähnt, wie er die Nacht
nach einem Tage voll Arbeit und Gefahren, auf einem Meierhoff, nahe dem
Schlachtfelde zugebracht. Die Sonne neigte sich zur Nacht, als ich vor
einem Hause anlangte, das Lindenbäume friedlich beschatteten, und das sich
an einen waldigen Hügel lehnte. Ein Mann mit einem Kinde auf dem Arm stand
vor der Thür, und sein freundlicher Gruß gab mir Vertrauen, ehe er geredet.
Ich ließ halten, und fragte ihn, ob er mich wol nach dem Schlachtfelde in
der Nähe führen könne, welches ich zu sehen wünschte? Er erwiederte: gern;
doch nöthigte er mich, auszusteigen und mich zuvor bei ihm zu erfrischen.
Mit klopfendem Herzen trat ich über die hohe Schwelle, in das niedrige
geräumige Zimmer; und mit der Freude, womit ein Wirth, wenn etwas
Bedeutendes seinem Hause widerfuhr, die Nachricht davon, dem Fremden,
gleichsam als Gastgeschenk mitzutheilen pflegt, erzählte jener mir
sogleich, daß in diesem Zimmer, nach der gewonnenen Schlacht der Feldherr
übernachtet habe. Sein Kind stand neben ihm und blickte mich neugierig an,
wie es zu dem Helden aufgeblickt haben mogte. Ich sahe seinen hohen Wuchs,
wie er, sich bückend, über die Schwelle steigt, an der Spitze seines
Gefolges; wie er auf und ab schreitet, für alles sorgend; und dann zum
Fenster tritt, in die Abendsonne schaut, und mein Bild ihm flüchtig
erscheint; mein Bild! das seinem lieben Herzen Freude giebt.