Ich nehme alle Gründe zusammen, mir jene gräßlichen Schauer zu erklären,
aber mein Herz bleibt in der Tiefe gebunden. Denn dort finde ich die
Vorstellung seiner Gefahr. Ach sie ist wirklich! und mehrt die Angst, statt
sie zu zerstreuen.
Flüchtig und freudig hatte ich von allen Erinnerungsstätten meines
Landgutes Abschied genommen; sicher, sie beglückter wieder zu sehen. Es war
Abend geworden, ich eilte zur Quelle, wo ich den Geliebten zum ersten Male
erblickt hatte. Wie oft, wenn die Wässer mit immer neuem Leben aus
dem kiesigten Grunde empormurmelten, habe ich sie lange betrachtet, in
schwärmerischer Hoffnung, sein Bild könne von dieser Lebendigkeit wieder
vor meine Blicke gezaubert werden. Die Schatten der Dämmerung lagen
grau durch den Wald, keine Stimme unterbrach mehr sein Schweigen; leises
Rauschen, Flüstern entstand, und verlohr sich im Entstehen weiterhin, und
der Quell, wie ich nahte, seufzte laut und lauter mit unartikulirten Tönen.
Ein sonderbares Grauen stahl sich durch meine Brust, ich hatte ihn fast
erreicht, ich vermogte nicht weiter zu gehen; alle Hoffnungen der Liebe
waren ausgelöscht, das Bild meines verschiedenen Gemahls, das Bild von
Julien traten starr, mit nie empfundener Lebendigkeit vor meine Seele,
es war als wären die Pforten des Todes gelöset. _Sein_ Bild erhielt sich
nicht, ich flüchtete nach dem Schlosse zurück! und nun bin ich hier, und
kann mich nicht von diesen Todten trennen, und es beklemmt mein Herz, daß
ich es nicht kann.