XLII.

Ich nehme alle Gründe zusammen, mir jene gräßlichen Schauer zu erklären,

aber mein Herz bleibt in der Tiefe gebunden. Denn dort finde ich die

Vorstellung seiner Gefahr. Ach sie ist wirklich! und mehrt die Angst, statt

sie zu zerstreuen.

Flüchtig und freudig hatte ich von allen Erinnerungsstätten meines

Landgutes Abschied genommen; sicher, sie beglückter wieder zu sehen. Es war

Abend geworden, ich eilte zur Quelle, wo ich den Geliebten zum ersten Male

erblickt hatte. Wie oft, wenn die Wässer mit immer neuem Leben aus

dem kiesigten Grunde empormurmelten, habe ich sie lange betrachtet, in

schwärmerischer Hoffnung, sein Bild könne von dieser Lebendigkeit wieder

vor meine Blicke gezaubert werden. Die Schatten der Dämmerung lagen

grau durch den Wald, keine Stimme unterbrach mehr sein Schweigen; leises

Rauschen, Flüstern entstand, und verlohr sich im Entstehen weiterhin, und

der Quell, wie ich nahte, seufzte laut und lauter mit unartikulirten Tönen.

Ein sonderbares Grauen stahl sich durch meine Brust, ich hatte ihn fast

erreicht, ich vermogte nicht weiter zu gehen; alle Hoffnungen der Liebe

waren ausgelöscht, das Bild meines verschiedenen Gemahls, das Bild von

Julien traten starr, mit nie empfundener Lebendigkeit vor meine Seele,

es war als wären die Pforten des Todes gelöset. _Sein_ Bild erhielt sich

nicht, ich flüchtete nach dem Schlosse zurück! und nun bin ich hier, und

kann mich nicht von diesen Todten trennen, und es beklemmt mein Herz, daß

ich es nicht kann.

Heloise : ein kleiner Roman · 第 43 / 48 题