Ich muß mich beschäftigen, um den freudigen Aufruhr in meiner Seele zu
stillen, der mich in süßer banger Unruhe umher treibt. Ich habe viele
kleine Arbeiten vorgenommen: sie sind ihm bestimmt. Es ist mir, als wäre
ich ihm so näher, und bei der leichten Beschäftigung, die meinen Geist
nicht fodert, laße ich mich sanft hintreiben von dem Strome meiner Gedanken
und Gefühle. Und alle wollen zu ihm! Dann springe ich auf, mein Auge
durchforscht auf der Karte die Gegenden, wo er waltet, ich folge dem
Lauf der Ströme, ich lese von der Lage, von den Sitten, den Freuden, den
Eigenthümlichkeiten der Orte, wo er verweilt hat. Ich sehe ihn in jeder
Lage, worin sein Beruf ihn versetzt.
Gestern ging ich, nur von einem Bedienten begleitet, zu Fuß hinaus vor die
Stadt; das enge Zimmer hatte nicht Raum für meine Glückseligkeit. Ich ging
nach einer Mühle, wo ich gern bin, seitdem er fort ist. Die Müllerfamilie
lebt so glücklich, so einträchtig, und heiter; der kleine Hausstand athmet
einen Geist der Behäglichkeit und Reinheit, der meinem Herzen wohlthut;
denn die Liebe stimmt das Herz empfänglicher für den Eindruck jedes
guten Glückes; und bei allem Kontrast dieses stillen Lebens, und seines
thatenvollen, ist doch von seiner Art in diesem Glück. Alle dort süß
vertrauerten Stunden traten vor mein Gemüth, als ich über den hartgefrornen
Anger dahinschritt. Mit reger, langentbehrter Hoffnung eilte ich rasch
vorwärts, und je weiter ich kam, je mehr verschwand meine Freude. Die
Todtenstille umher, die kein Laut des Lebens unterbrach, das Knistern des
Eises, das hie und dort sich von dem Ufer des Flusses löste, der wie ein
emaillenes Band in der matten Beleuchtung der Sonne ruhete; die fernen
Dörfer und Berge, wie farbige Nebelgebilde, auf den hellen Grund gehaucht;
der Mühlbach, der erstarrt sich nicht mehr rauschend mit funkelnden Wellen
über die Räder stürzte, und durch sein Erlenbett dahin riß; die Blätter der
Erlen, die sonst im glänzenden Grün, angehaucht von der Flut über mir in
lieblichem Schauer der Kühlung zitterten, und nun farblos und modernd den
Boden bedeckten: die Bilder des Todes wurden mächtiger, als das lebendige
Gefühl der Freude in meiner Brust. Es muß auf diese Wiedervereinigung doch
eine neue Trennung folgen, vielleicht gefahrvoller, schmerzlicher, länger;
und die Stunden, die mich dem Glücke näher bringen, nähern mich auch
dem Trübsal. Ach, es ist das Gespenst unsrer Unvollkommenheit, und der
Vergänglichkeit alles Menschlichen, das uns zurück in Furcht reißt, wenn
eine Freude uns lichtbeschwingt in den Himmel der Liebe zu seligen Geistern
trägt. O! daß ich bei dir wäre! alle diese Widersprüche würden sich in
ein stilles unendliches Gefühl von Glück lösen. Jetzt kann ich eine bange
Ahnung nicht unterdrücken.