XXVI.

O es ist nicht sein Ruhm, der mir ihn theuer macht. Er könnte der

Unbekannteste seyn; so wie ihn mein Herz fühlt, wird er darin leben, und

ich stiege in jeden Stand mit ihm hinab. Aber daß ich sein Lob von Aller

Zungen höre, den Abglanz meiner innigsten Verehrung in Aller Augen

strahlen sehe, das freut, das entzückt mich, das zieht mich wieder in die

Gesellschaft zurück. Sorgsam lenke ich die Unterredung, bis sie auf dem

Punkt ist, wohin ich sie haben mögte; dann entziehe ich mich ihr, und

versenke mich schweigend in die Wonne, von ihm sprechen zu hören, dessen

Andenken meine ganze Seele erfüllt; sein theures Bild belebt sich, Schauer

der Lust durchzucken mein Herz. O er kann nicht ahnen, ich kann ihm nicht

sagen, wie namenlos theuer er mir ist. Sagt es ihm kein geistiges Flüstern,

fühlt er es nicht an der Luft, die sich liebend an ihn schmiegt, wie auf

dem leichten Fittig der Gedanken meine Seele ihn immer umschwebt? Schon

oft, wenn ich in stiller Nacht, allein auf meinem Zimmer so sehnend an ihn

dachte, hab' ich auf jedes leisestes Geräusch gelauscht, gewähnt, die Züge

seines Bildes bewegten sich, und diese unendliche Sehnsucht müßte seinen

Geist zu mir ziehen. Ich denke, ich sehe, ich geniesse ja Alles, nur in

Bezug auf ihn. In dem Himmel, wo mein Blick tief und tiefer in Unendliches

dringt, bis die Gestirne sich von der Fläche lösen, und mein Auge ihren

Wandel erkennt, seh ich das Bild unsrer Liebe: in den Wolken, die drohend

aufziehen, das Schicksal, das uns trennt, _seine_ Gefahr. Er! dies

beseligende Gefühl, ist für mich überall in der reichen Schöpfung.

Heloise : ein kleiner Roman · 第 27 / 48 题