Der Arzt: »Wir wollen also gleich uns umsehen. Aber hier, der Herr?«

»Der Bruder der Dame.«

»So, also der Bruder der Dame. Sie können, verehrte Gnädige, das Tuch ohne

Besorgnis vom Gesicht nehmen. Ich bin Arzt, sollten wir uns in Gesellschaft

treffen, sind Sie mir fremd, ich Ihnen . . . selbstverständlich . . . unser

Eid, übrigens, welche Bagatelle, eine Untersuchung, sonst nichts!

Schmerzlos.«

Esther, ein Tuch um den Kopf, ihr Gesicht zu verbergen, wankte an Edgars

Hand aus dem dunklen Zimmer, von Ihrer Brust rann Mütterlichkeit, Nässe

fast schwarz auf leicht vergilbten Spitzen. Halbblind erturnte sie den

hohen Operationstisch. Sie sagte nichts, seufzte nicht. Ihre Hose,

handbreite Stickerei um die Knie, so mädchenhaft, ihrer Schenkel edel

geschwungenes Fleisch, alles goldgelb, elektrisch umgleißt vom blendenden

Scheinwerfer. Sie stieß Edgars Hand von sich, er schlich in den Winkel,

Metall klirrte, Wasser rauschte.

»Also? Es ist vorbei, meine Dame! Die Untersuchung hat nichts --

bedrohliches ergeben. Sollten aber doch, was nicht vorauszusehen, und nicht

beabsichtigt, gewisse Blutungen einsetzen, so bitte mich zu verständigen,

auch zur Nacht! Sie! Sie,« er stieß Edgar an, »helfen Sie, machen Sie mit,

tragen Sie mit mir Ihre Schwester in ihr Zimmer zurück!«

»Lassen Sie ihn!« Unter einem Schwall von Tränen schleuderte sie das Tuch,

das ihr Gesicht verbarg, zur Erde, gebückt wie ein Tier, schwer schleifte

sie durch das helle Zimmer in ihren Raum, wo im Dunkel Hitze brütete.

Die Verdorrten · 第 12 / 16 题