V.

Esther, in verdunkeltem Zimmer, riß ohne Worte seine Hand in eine eiserne

Klammer zwischen ihre Schulter und den seitwärts gesenkten Kopf.

»Vorbei?«

»Nein, laß es mir, laß es!«

»Habe ich dich je zu etwas gezwungen?«

»Willst du es?«

»--«

»Ein Tier, eine wilde Bestie läßt man austragen, wer läßt die Mutter leben,

das Muttertier, und vertilgt das Kind?«

»Habe ich dich hergebracht? Wer kann dich zwingen?«

»Nein, nicht so. Du willst mich nicht, das verstehe ich so gut. Du, was war

ich als Geliebte? Als Mutter werde ich leben!«

»Leben, wovon? Du und dein Kind, und ich, der letzte, aber doch auch ein

Mensch.«

»Ich werde arbeiten.«

»Du hast doch bis jetzt gearbeitet und doch muß ich es bezahlen, wenn du

hier zu Bett liegst. Ist das gemein? Es ist so.«

»Im Bett? Ich erwarte ihn.«

»Wen?«

»Der es schlachten soll!«

»Schlachten! Worte! Kleide dich an, komm fort. Wie du willst.«

»Nicht so. Nicht so! Ist es nicht von dir? Ich habe dich doch geliebt,

kannst du es nicht fassen, ich bin nicht mehr, was du bis jetzt bei dir

gehabt hast, in mir ist jetzt etwas anderes, ja, da, da,« sie nahm seine

Hand und führte sie an ihre eisenschwere Brust, die von Feuchtigkeit

triefte, wie ein Baum im Mittagsgewitter August, »das fließt aus mir, seit

der Hetzjagd im Wald, seit diesem Abend.«

»Meine Brust ist Mutter, ich soll es nicht sein?«

»Wer besteht darauf, ich bin der letzte . . .«

»Der letzte! Der letzte!« Sie drückte auf einen Klingelknopf, ein

stämmiges, dickes, kleines Weib, wie ein Insekt lackartig glänzend in

spiegelnder Wachstischschürze bis zu den Fersen, erschien: »Gnädige Frau?«

»Kann der Arzt kommen? Kann er augenblicklich kommen?«

»Wir werden telephonieren«, sie verschwand, entglitzerte.

»Ich gehe«, sagte Edgar.

»Nein! Soll >es< vertilgt werden, dann unter deinen Augen!«

»Esther!«

»Nun?«

»Wie soll ich dir danken?«

Die Verdorrten · 第 8 / 16 题