Man kann keineswegs behaupten, daß Kaffee irgendwo in Afrika ein so
nationales Getränk geworden ist, wie bei verschiedenen Völkern in
Europa. Und gerade da, wo er am billigsten für das Volk herzustellen
wäre, scheint er am wenigsten im Gebrauch zu sein, nämlich in den
südabessinischen Provinzen. Dort, wo die Staude oder der Kaffeebaum
überall wild wachsen und von wo sie erst im Anfange des 15. Jahrhunderts
nach Arabien importirt wurden, scheinen die umwohnenden Völker kaum die
Anwendung der Bohne zu kennen; die Abessinier aber trinken keinen
Kaffee, weil sie dadurch zu sündigen glauben, sie meinen nämlich,
Kaffeetrinken sei nur den Mohammedanern eigen.
Der Kaffee wird in Afrika überall ohne Milch genommen, und die Art ihn
durchzuseihen, ihn zu filtriren oder blos durch einen Aufguß heißen
Wassers herzustellen, ist ungebräuchlich. "Kaffee machen" ist bei allen
afrikanischen Völkern nur eine "=decoctio="[18]. Und zwar wird nur
nach augenblicklichem Bedarfe Kaffee für eine Person, höchstens für drei
bis vier Personen, in kleinen Gefäßen gekocht. Der auf's Feinste zu Mehl
gestoßene Kaffee wird in ein kleines eisernes, mit kochend heißem Wasser
gefülltes Gefäß gethan, dann läßt man diese Mischung einige Male über
Kohlen aufkochen und das Getränk ist fertig. Diese Kochgefäße sind so
klein, daß wenn z.B. für eine Person Kaffee bereitet wird, dasselbe
auch kein größeres Quantum Wasser aufnehmen kann, als jene bekannten
sogenannten türkischen Tassen fassen.
In ganz Afrika, von Aegypten bis Marokko, von Tripolis bis nach Kuka,
wird auf _diese_ Art der Kaffee bereitet. Aber wie Kaffee in allen
diesen Ländern nur als eine Leckerei betrachtet wird, so findet man
Kaffeehäuser nur in größeren Orten; bei nomadisirenden Stämmen erlaubt
sich höchstens noch der Schech oder Kaid einer Tribe den Luxus einer
täglichen Tasse Kaffee; überhaupt kann man sagen, ist Kaffeeverbreitung
nur nördlich vom Atlas. In den Oasen Tafilet, Draa und Tuat sind die
wenigen Kaffeehäuser zu zählen und die Besitzer müssen meistenteils noch
irgend einen anderen Erwerbszweig nebenbei betreiben, um leben zu
können. In Fesan besteht nur Ein Kaffeehaus in der Hauptstadt Mursuck,
und der Eigentümer ist ein nach diesem Orte verbannter Türke, sonst
würde vielleicht gar keins vorhanden sein. In Kuka, in Bautschi, in
Kano, in Timbuktu sind Kaffeehäuser unbekannt. Man kann also im
Allgemeinen sagen, südlich vom 30° nördlicher Breite hört in Afrika der
Gebrauch des Kaffee's auf; denn wenn auch behauptet wird[19]: "der Sohn
der Wüste trinkt seinen Kaffee ungemischt und den schwarzen, aber
wahrhaften Satz sammt dem Aufguß; zuweilen bringt er es auf 80 Schälchen
am Tage," so ist Ersteres richtig, alle Mohammedaner trinken den Kaffee
mit dem Satze; aber wo wäre der Beduine, und wäre er selbst Chef einer
Tribe, der die Mittel hätte, 80 Tassen Kaffee zu bezahlen? Kaffee ist
nur Luxusgetränk in ganz Afrika, d.h. in dem Sinne, als Kaffee im
Allgemeinen zu theuer ist, um als Volksnahrungs- oder Reizmittel gelten
zu können. Schon der erste Anlaß, wie der Kaffee unter den Arabern in
Yemen Aufnahme gefunden, spricht dafür, wenn auch das Ganze eine Fabel
ist, daß in demselben Etwas enthalten sein muß, was eine
unwiderstehliche Anziehungskraft ausübt. Man erzählt nämlich, ein armer
Derwisch habe bemerkt, daß seine Schafe und Ziegen jedesmal nach dem
Abweiden einer gewissen Staude äußerst heiter und lustig gewesen seien,
und als er sodann selbst von dieser Staude Blätter genossen, habe er
dieselbe Wirkung verspürt.
Die Sitte, Gischr, d.h. einen Absud von Kaffeehülsen zu trinken, wie Hr.
v. Maltzan dies in Südarabien beobachtete, kennt man in Afrika nicht. Es
hat dies übrigens gar nichts zu Verwunderndes. Denn nach Untersuchungen
von Stenhouse enthalten die Blätter des Kaffeebaumes mehr Koffein als
die Bohnen[20], also werden die Hülsen der Bohnen auch wohl das
belebende Princip enthalten. Ebenso fand ich nicht den Gebrauch des
Milchzugießens, den Maltzan auch an einigen Orten Südarabiens
beobachtete. Abeken auf seiner Reise nach Oberägypten und Nubien fand
dort Leute, die eine Abkochung aus rohen, ungebrannten Bohnen
bereiteten. Abeken fand diese Kaffeebereitung so angenehm und
schmackhaft, daß er in seinen letzten Lebensjahren immer nur eine
Decoction aus ungebrannten Bohnen trank. Mir ist dieser Gebrauch
nirgends vorgekommen.
Noch weniger hat sich der Thee einbürgern können; aber während der
Kaffeegebrauch im Osten von Nordafrika vorwiegend ist--denn Aegypten
allein consumirt mehr Kaffee, als Tripolitanien, Tunesien, Algerien,
Marokko und die Sudanländer zusammen--ist hingegen der Verbrauch von
Thee im Westen von Nordafrika größer. Marokko bezieht mehr Thee als alle
übrigen Länder Nordafrikas zusammen. Während nach Marokko jährlich
wenigstens 5000 Kisten Thee importirt werden, bedarf Aegypten, welches
doch eine ungefähr gleiche Bevölkerung hat, so wenig, daß unter den
amtlich genannten Einfuhrartikeln vom Jahre 1868 Thee nicht genannt
wird. Bibra[21] in seinem unten citirten Werke hat also vollkommen
Recht, wenn er S. 66 sagt: "Von zweien solcher Aufgußgetränke mit allen
ihren physiologischen Wirkungen auf den Organismus ist eins aber sicher
überflüssig," und hier hat der Instinct der Menge entschieden. Beide
herrschen nirgends neben einander, sondern eines derselben wird stets
als Luxusgetränk consumirt und erscheint nur ausnahmsweise irgend einem
einzelnen Individuum angemessener, als das allgemein eingeführte. Im
Süden findet man auf allen großen Märkten, so in Kuka, wie in Kano,
Saria und Timbuktu, Thee zu kaufen.
Thee wird in Afrika nie allein bereitet; der Eingeborene von Aegypten
schüttet ebenso gut wie der Tunesier und Marokkaner zu den Theeblättern
einige Münzblätter oder auch Absynth, Luisa und andere aromatische
Kräuter. Denn so wie man in Marokko den Thee braut, so wird er in ganz
Afrika bereitet. Marokko ist ja der Religionsstaat schlechtweg, und wie
alle mohammedanischen Afrikaner Malekiten sind wie die Maghrebiner, so
bekommen sie auch vorzugsweise von Marokko in allen Gebräuchen,
namentlich wenn diese irgendwie mit der Religion in Verbindung stehen,
ihre Parole. Thee ist aber ein religiöses Getränk. Es _giebt_ fromme
Schriftgelehrte, die Kaffee nicht trinken, weil Kaffee _gebrannt_ werden
muß, Mohammed aber an irgend einer Stelle im Koran sagt: "Alles, was
verbrannt ist, ist verboten."
Die Afrikaner trinken nur grünen Thee, eine ziemlich geringe Sorte, der
ihnen fast ausschließlich von den Engländern zugeführt wird. Die
eigenthümliche Sitte, die Barth in Timbuktu beobachtete, daß man Thee
und Zucker zusammen verkauft, als ob beide Waaren unzertrennlich wären,
beobachtete ich auch an verschiedenen Orten. Denn wenn man in Afrika bei
den Meisten bemerkt, daß sie den Kaffee bitter trinken, pflegen sie den
Thee jedoch so stark zu süßen, daß an vielen Orten Thee ohne Zucker und
Zucker ohne Thee nicht gedacht oder verkauft werden kann. Man kennt
nirgends die Sitte, Thee und Milch zusammen zu mischen. In vielen
Städten Nordafrika's genießen statt des Thee's verschiedene Leute einen
Aufguß von Gewürzen. Ingwer, Nelken, Muscatblüthen werden mit heißem
Wasser übergossen und zu dieser Infusion etwas Zucker gesetzt.
Bedeutend volkstümlicher ist Lakbi, ein aus dem Safte der Dattelpalme
gewonnenes Getränk. Man findet Lakbi in ganz Nordafrika im Gebrauch vom
c.25° ö.L.v.F. an, dann im Westen von Nun, im Draathal, in Tafilet und
Tuat wird nirgends Lakbi getrunken. Aber in Djerid, in den Oasen
südlich von Konstantine, in ganz Tripolitanien, einschließlich der
großen Oase Fesan bis nach Aegypten hin, findet man in allen Palmhainen
immer Bäume, die angezapft sind. Man zieht die männliche Palme zum
Anzapfen vor, einmal weil dieser Baum weniger Werth hat, dann auch, weil
der Saft der männlichen Palme kräftiger sein soll. Das Anzapfen wird
derart gemacht, daß oben der jüngste Sproß ausgehoben wird; dann wird
eine Rinne nach dem äußeren Umfange gearbeitet und darunter ein Krug
oder Topf befestigt. Im Frühjahr kann man in den ersten Tagen des
Anzapfens bis zu 5 Liter erhalten. Die anfangs etwas milchige, fast
widerlich süß schmeckende Flüssigkeit wird nach Verlauf von 24-36
Stunden säuerlich, fängt an zu gähren und entwickelt nun Alcohol. In
diesem Zustande ist Lakbi berauschender als Bier, aber schon nach
abermals 24 Stunden bildet dies Spiritus haltende Getränk sich in Essig
um. Den von Rüppel erwähnten _Dattelwein_, "ein widerlich süßes Getränk,
aus halbgegohrenem Datteldecoct bereitet", habe ich nirgends
angetroffen.
Bedeutend beschränkter ist Meth, Tetsch oder Honigwein. Man kann sagen,
daß dies Getränk eigentlich nur in Abessinien und den nächst
angrenzenden Ländern getrunken wird. Die Bereitung des Tetsch geschieht
in Abessinien ähnlich wie in England und bei uns, nur daß statt Hefen
und Hopfen eine andere bittere Pflanze, Amdat genannt, hinzu gethan
wird. Das Getränk wird in Abessinien gewöhnlich in großen Rindshörnern
aufbewahrt, auch die Becher zum Trinken bestehen aus Horn. Tetsch ist
sehr berauschend. Ausnahmsweise bereiten auch centralafrikanische Völker
Honigwein, aber meistens stellen diese ihr bei uns Europäern unter dem
Namen Busa oder auch Merissa bekanntes, berauschendes Getränk aus
Getreide her. Es gehört schon ein guter Magen und ein wenig wählerischer
Geschmack dazu, um das abscheuliche Getränk genießen zu können. Und da
Busa und Merissa wenig alkoholartig sind, so gehören schon ungeheure
Quantitäten dazu, wie sie eben nur ein Negermagen zu bergen vermag, um
nur einigermaßen Wirkung zu spüren. Dennoch haben verschiedene
Reisende[22] sich an dies schon äußerlich so widerlich
(chocoladenfarbig) aussehende Getränk gewöhnen können. Die Maba in Wadai
vertilgen ungeheure Quantitäten von Merissa, ebenso wird in Bagermi, in
Mandala stark Busa getrunken; in Bornu, namentlich in der Hauptstadt
Kuka, weniger.
Von den Eingeborenen Afrika's wird Wein nur in Marokko und Tunis
bereitet. Die Weinrebe kommt allerdings wohl in Abessinien vor, aber nur
in einzelnen Stauden. Ebenso findet man in Unterägypten Weinreben, auch
im Norden von Tripolitanien, aber nur Europäer bereiten etwas Wein
davon. Es liegt das eben in den Verhältnissen Nordafrika's, das jetzt
ganz in den Händen der Mohammedaner sich befindet, denen Wein
bekanntlich verboten ist. Aber wie trefflich der Wein in Nordafrika
wird, sieht man aus den Sorten, die jetzt von Algerien aus auf den Markt
kommen; sie stehen an Güte den spanischen nicht nach. Im Weinlande
Marokko aber verlegen sich trotz des Verbotes ihres Propheten genug
Leute auf Weinbereitung und Weintrinken. Aber der Wein, den die
Marokkaner durch Kochen herstellen, ist, obwohl sehr stark von
Geschmack, herzlich schlecht und von Farbe ebenso abstoßend. Blume ist
gar nicht vorhanden. Der Gebrauch des Weines in Marokko ist mehr auf dem
Lande als in der Stadt zu Hause. Man nennt den Wein =Ssammed=,
=Hammed= oder =Schrab=.
Die in Nordafrika seßhaften Juden bereiten auch Schnaps aus Feigen,
Rosinen und Datteln. Jeder Jude fast hat seinen eignen kleinen
Destillationsapparat im Hause und macht sich nach seinen Bedürfnissen
seinen Schnaps selbst. Der Schnaps der Juden ist gut, auch nicht zu
stark, besonders rein im Geschmack. Man würde Unrecht thun, wollte man
sagen, die einzelnen Juden seien Säufer; obschon sie alle Schnaps
trinken, sind sie im Ganzen sehr mäßig darin. Desto mehr haben sie von
der mohammedanischen Geistlichkeit zu leiden; oft dringt ein Thaleb oder
auch ein Scherif in ein jüdisches Haus, bemächtigt sich des ganzen
Schnapsvorrathes, um sich wie eine Bestie damit vollzusaufen; der arme
Jude kann in dem Falle noch froh sein, wenn er ohne Prügel dabei
wegkommt.
Sonst ist beim eigentlichen Volke in Nordafrika das Schnapstrinken nicht
gebräuchlich, erst wenn man den Niger erreicht hat, in den
Yorubaländern, also der Küste zu, stößt man auf ganze Karawanen mit
Kisten, welche Schnapsflaschen enthalten. Hier an der ganzen Westküste
von Afrika huldigen die Schwarzen dem Gotte "Schnaps". Und welch'
entsetzliches Getränk, das vorzugsweise in Frankreich und Deutschland
fabricirt wird, wird ihnen zugeführt. Es unterliegt denn auch wohl
keinem Zweifel daß nicht Kriege, wohl aber dieses entsetzliche Gift jene
Völker in kürzester Zeit ausrotten und vertilgen werden. Denn diese
Völker trinken nicht, sondern saufen, wenn sie Schnaps besitzen, so
lange, bis sie wie todt auf dem Platze liegen bleiben. Und Schnaps
können sie ohne Mühe und ohne große Arbeit haben. Wenn auch der
Sclavenhandel früher die Mittel zum Schnaps für die Großen jener Länder
geben mußte, oder die Könige auch direct ihre Unterthanen gegen Fässer
Schnaps weggaben, so geht dies allerdings jetzt nicht mehr, denn an der
Westküste von Afrika ist dem Sclavenhandel wohl ein Ende gemacht. Aber
dafür tauscht sich gegen Palmöl, gegen Palmnüsse jetzt Jeder seinen
Schnapsbedarf ein und die Wälder sind ja vorläufig an Oelpalmen so
reich, daß an Mangel nicht zu denken ist. Während also früher nur die
Könige und Vornehmen der Schwarzen Schnaps trinken konnten, kann jetzt
Jeder diesen Artikel bekommen, der das Glück hat, den Europäern Nüsse
oder Oel zu bringen. Der Schnaps wird eher mit den Schwarzen fertig
werden, als es das Schwert oder die Flinte des Europäers vermöchte.