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Anmerkungen zur Transkription
Der vorliegende Text wurde anhand der 1856 erschienenen Buchausgabe
so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Ungewöhnliche,
altertümliche und inkonsistente Schreibweisen wurden, auch bei
Eigennamen, beibehalten, insbesondere wenn es sich um Übertragungen
fremdsprachlicher Begriffe handelt oder diese im Text mehrfach
auftreten. Zeichensetzung und offensichtliche typographische Fehler
wurden stillschweigend korrigiert.
Die Buchversion wurde in Frakturschrift gedruckt. Die von
der Normalschrift abweichenden Schriftschnitte wurden in der
vorliegenden Fassung mit den folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet:
gesperrt: +Pluszeichen+
Antiqua: ~Tilden~
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Californische Skizzen
von
Friedrich Gerstäcker.
[Illustration]
Leipzig,
Arnoldische Buchhandlung.
1856.
Inhalts-Verzeichniß.
Seite
1. Eine Nacht am Mosquitogulch 1
2. Die Mission Dolores bei San Francisco 40
3. Ein Stiergefecht auf der Mission Dolores 56
4. Gerichtsscene in Stockton 81
5. Die Entdeckung des Jakaßgulch 97
6. Die französische Revolution 159
7. Eine Nacht in einer Californischen Spielhölle 196
8. Vier Tage auf der Bai von San Francisco 249
9. Der Mexikaner in den Californischen Minen 277
10. Der Ostindier 304
Eine Nacht am Mosquitogulch.
„Sorgen? -- pah, wer kennt hier Sorgen,
Goldgräber ho!“ --
+Goldgräber-Lied.+
Weit im fernsten Osten der Californischen Goldminen, d. h. soweit,
als damals die kühnen Miner nach Osten vorgedrungen waren und Gold
gefunden hatten, und gerade dort, wo sich die Wasser der südlichen
Flüsse Macalome und Calaveres scheiden, läuft mitten durch die mit
dem herrlichsten Baumwuchs bedeckten höchst romantischen Berge, dicht
im schattigen Grün versteckt, ein kleiner Bergbach, der sich nur eine
kurze Strecke weiter unterhalb, aber fast immer steil und schäumend,
in den tief unten dahinbrausenden Süd-Arm des Macalome ergießt, oder
eigentlich hineinstürzt.
Diesen kleinen Creek oder Gulch, (wie sich der Californische Name nach
und nach durch allgemeinen Gebrauch gebildet, da Gulch eigentlich nur
die Schlucht bedeutet durch welche der Bach läuft) hatten die ersten
Entdecker desselben, Deutsche, den Mosquitogulch genannt. In dem
wildverwachsenen Dickicht, der den unteren Theil des Gulch’s füllte und
meist aus einer Art wilder Kirschen und Haselbüsche bestand, hielten
sich auch in der Sommerzeit eine ganz ansehnliche Masse dieser lieben
Thierchen auf, und spornten die Arbeiter zu neuer Thätigkeit, wenn sie
einmal kurze Zeit in dem kühlen Schatten der dort wirklich riesenhaften
Cedern und Fichten ausruhen und Spitzhacke und Schaufel, wie sie es
nannten, wollten „kalt werden lassen“. Es sind vortreffliche Aufseher
die Mosquitos.
Gar arg waren sie übrigens, beiläufig gesagt, bei alle dem nicht. Die
Leute die den klaren freundlichen Bach so nannten und ihm dadurch
gewissermaßen einen schlechten Namen gaben, hatten nur noch keine
Plage gesehen wo wirklich Mosquitos sind -- sie waren noch nicht am
Mississippi gewesen.
Etwa halbwegs also an dem Waldstrom, soweit vielleicht von seiner
Quelle als seiner Mündung entfernt, und an dem Hang des Hügels der an
drei Seiten von tiefen Schluchten begrenzt wurde (im Norden von dem Mac
Gualome selber, über den hin diese Abdachung eine wundervolle Fernsicht
nach seinen nördlichen fichtenbewaldeten Ufern gestattete, während
tief von unten herauf sein hohles Brausen, wie er über Felsblöcke und
Baumstämme wegsprang, in das Ohr des Lauschenden tönte, -- im Osten von
einer kleinen nicht so tiefen trockenen Schlucht, und im Westen von dem
tief und scharf eingeschnittenen Mosquitogulch, nach dem ein schmaler
Pfad etwa zweihundert Schritt lang steil hinab führte) -- stand ein
kleines Zeltlager oder Camp, wie es in der Minensprache genannt wurde.
Die vier kleinen Zelte, drei weiße und ein blaues, waren dicht und
heimlich unter wahrhaft großartige Fichten und niedere Eichenbäume
hineingeschmiegt, und zur Nachtzeit loderten mächtige Feuer in ihrer
Mitte.
Diese vier Zelte wurden von eben so vielen „Compagnien“ (wie die
zwei, drei, vier oder mehr, die zusammen arbeiten, genannt werden)
bewohnt. Es waren dieß, mit Ausnahme eines einzigen Amerikaners, lauter
Deutsche, die meisten sogar mit den Bremer Schiffen +Talisman+ und
+Reform+ von Deutschland, einzelne aber auch aus Australien und anderen
Theilen der Erde hierhergekommen. Nach echt Californischer Wanderart
hatten sie sich hier, meist zufällig, auf dem einsamen aber reizend
gelegenen Hügelrücken zusammengefunden.
Etwa hundert Schritt davon stand noch ein anderes Zelt, in welchem
eine Compagnie englischer und irischer Miner hauste, und noch weiter
hin lagerten ein Pole und ein Deutscher, beide von Texas hier herüber
gekommen, unter freiem Himmel. Die Regenzeit war noch nicht eingetreten
und die Nächte blieben fast immer sternenhell.
Hast du, lieber Leser, Lust, und nichts Besseres zu thun, so wollen wir
einmal den heutigen Abend -- es ist ein Sonntag -- dort zubringen. Wir
finden ein lustiges Völkchen, gute Gesellschaft und jedenfalls einen
freundlichen Willkommen.
Es ist etwa vier Uhr Nachmittags und das Lager außergewöhnlich still;
was mag aus all den Menschen geworden sein, die es sonst so lebendig
machen?
Ja, Freund, wir leben hier fünf englische Meilen von dem nächsten
Store oder Provisionsladen entfernt, und da geht von jeder
Compagnie wenigstens Einer (gewöhnlich aber auch Mehrere) Sonntags
zu Esel, Maulthier oder Pferd -- denn diese drei verschiedenen
Beförderungsmittel existiren hier sämmtlich -- nach „Charles Store“.
Dies ist ein in der ganzen Gegend wohlbekannter Platz, wo sich die
Miner die nöthigen Provisionen an Mehl, Kartoffeln, Fleisch, u. s. w.
für die nächste Woche, und manchmal auch einen kapitalen Rausch für
den besonderen Abend holten. Vor Dunkelwerden kommen dann diese meist
sehr lustigen Leute selten wieder zurück, ja oft wird es zehn und elf
Uhr, und wenn die Esel dann nicht klüger wären als -- doch das ist
vorgegriffen.
Eigentlich bewegte sich bis jetzt nur eine einzige Gestalt um die
Zelte herum -- ein Mann in einem rein gewaschenen aber schon alten und
oft ausgebesserten roth wollenen Hemd und grauleinenen Beinkleidern,
mit dunkelbraunem, lockigem Haar, kleinen aber lebendigen Augen,
und breiten, Arbeit gewohnten Händen, man könnte sagen Fäusten. --
Er arbeitete mit einem Andern, Namens Panning zusammen. Panning
war in Deutschland Kutscher bei einem Grafen „so und so“ gewesen
und nach Californien gekommen sein Glück zu machen. Albert hatte
einen Ochsenkarren über die Sierra Nevada für Onkel Sam getrieben
-- er erzählte gern von dieser Fahrt -- später war er, glaub’ ich,
„freiwillig fortgegangen“, wie es die Ausreißer dort gewöhnlich
nannten, oder auch entlassen worden, kurz er befand sich hier oben am
Mosquitogulch und „machte gut aus“. -- Lieber Leser, Du wirst Dich noch
an viele solche Minenausdrücke gewöhnen müssen und darfst nicht jetzt
schon den Kopf darüber schütteln.
Albert war eifrig beschäftigt seine Matratzen und Decken, die den Tag
über in der Sonne gelegen, wieder ins Zelt zu schaffen, die heute
Morgen gewaschenen Kleidungsstücke von der zu diesem Zweck zwischen
zwei jungen Eichen ausgespannten Leine zu nehmen, und nachher Holz für
den Abend herbei zu schaffen. Er hatte den ganzen Tag schon genäht
und ausgebessert und war überhaupt ein ungemein fleißiger Mann und
tüchtiger Arbeiter.
Panning und Albert besaßen gemeinschaftlich ein weißes Maulthier.
In dem blauen Zelte regte sichs auch. Der einsame Bewohner desselben,
dessen Kleidern ein paar gute Faden grauer Zwirn eben auch keinen
Schaden gethan haben würden, lag aber ziemlich faul auf seiner Decke
vor dem Zelt, und schaute in den grünen Baumwipfel hinauf. Das Zelt
wurde von drei Deutschen, Renich, Haye und Müller -- so wollen wir
den dritten nennen, denn mein eigener Name ist so verwünscht lang,
-- bewohnt. Renich und Haye waren nach dem Store -- der eine auf,
der andere neben Mosquito (wie wir den uns Dreien gehörigen Esel zu
Ehren des Gulches tauften,) gegangen, und Müller hätte allerdings
immer aufstehn und ein Feuer anmachen können, denn wenn seine beiden
Compagnons nach Hause kamen, waren sie hungrig und wollten etwas
zu Essen haben. Erstlich aber war nichts zu essen mehr da, denn die
letzten vier Kartoffeln und zwei Zwiebeln -- der ganze Rest der vorigen
Wochen-Provision, etwas fertig gebackenes Brod ausgenommen, hatte eben
seine letzte Mittagsmahlzeit gemacht, und dann kannte er auch schon
seine Pappenheimer. Die kamen so früh gar nicht, und hatten dann auch
immer weit mehr Durst als Hunger. -- Wo ein Brauhaus steht, kann kein
Backhaus stehen, ist ein altes gutes Sprüchwort.
Vor dem großen Zelte fing eben der einzig Zurückgebliebene
„Försterling“ an, Spähne und Laub zusammenzusuchen, das fast ganz
niedergebrannte Feuer wieder aufzufrischen. Aber selbst hierbei schien
Eigennutz die vorherrschende Leidenschaft (wenn die ungeheure Ruhe, mit
der er es that, Leidenschaft genannt werden konnte). Er hatte selber
Hunger bekommen und auch einige kalte Kartoffeln von seinem ebenfalls
sehr frugalen Mittagsessen übrig behalten, die er sich aufbraten wollte.
Dort hinter den riesigen Fichten und Cedernwipfeln ging jetzt die Sonne
unter. Das war ein herrlicher Anblick, wie sie die breitmächtigen
Hügelrücken da drüben über dem Fluß mit so zauberisch glühendem
Licht übergoß, in dem dunkeln Nadelholz spielte, und die Wipfel der
stattlichsten Bäume, die je mein Auge gesehn, mit ihrem letzten Kuß
berührte.
Eine heilige Stille lag auf dem Wald -- nur leise, leise rauschte der
leichte Abendwind in dem blitzend-funkelnden Laub. Wie ein feiner Duft
zogen dünne luftige Nebel-Schatten über das aetherreine Firmament,
und das dumpfe ferne Brausen des unten dahin schießenden Stromes, zu
weit entfernt die süße Ruhe des Ganzen zu stören oder zu unterbrechen,
tönte wie ferner Orgelklang in gewaltigen tief in die Seele greifenden
Akkorden herauf.
„Na, Gott straf mich, Müller, Sie möchten da wohl heute den ganzen
Abend liegen bleiben?“ platzte Försterling endlich heraus. -- „Wollen
Sie denn nicht dafür sorgen, daß Haye und Renich ein Feuer vorfinden?“
„Bah, die kommen noch lange nicht,“ sagte Müller ziemlich bestimmt,
aber doch mit einiger moralischen Zerknirschung, denn sie konnten
allerdings jeden Augenblick kommen. Er sprang auch in die Höhe, warf
seine Decke an die linke Zeltseite und ging jetzt ernstlich daran,
ebenfalls Holz herbei zu tragen ehe es dunkel würde, und die sonst
nöthigen Vorbereitungen zu treffen.
Albert hatte indessen sein Abendessen fertig -- Albert und Panning
theilten sich die Provision immer so ein, daß sie Sonntags auch
noch etwas übrig behielten -- und erwartete jetzt mit Ungeduld den
gewöhnlich um diese Zeit zurückkehrenden Compagnon.
„Auch nicht ein Tropfen Brandy in der Flasche,“ sagte Försterling
endlich, als er mit der leeren Flasche aus dem Zelt kam und sie, wenn
gleich vergeblich, zuerst gegen das letzte Abendroth am Himmel, und
dann, als ob er dem nicht glauben wollte, gegen das jetzt hell und
licht aufflackernde Feuer hielt -- „haben +Sie+ keinen mehr, Müller?“ --
„Nicht die Spur,“ lautete die wenig Trost bringende Antwort, „der
Brandy hält sich hier nicht, Försterling, die Flaschen werden zu oft
geschüttelt.“
„O das Schütteln schadet ihm Nichts,“ sagte Försterling, nahm die
leere Flasche beim Hals und warf sie so weit er konnte in die trockene
Schlucht hinab. Diese war schon ganz mit zerbrochenem Glase bestreut
und wurde von den dort manchmal umherstreifenden Indianern auf das
sorgfältigste gemieden. „Das verwünschte Umdrehen, das auf den Kopf
halten kann der Brandy aber nicht vertragen. Ich wollte wirklich Meier
und Hammerschmidt kämen. Wo zum Henker die auch wieder so spät in der
Nacht stecken.“
Eine halbe Stunde verging noch, ohne daß sich das mindeste hören ließ.
Es war indessen stockdunkel geworden und nicht einmal Mondschein,
während der Platz, wo die Zurückkommenden mit den beladenen Thieren,
etwa eine halbe Meile weiter aufwärts, durch den Gulch selber mußten,
durch die dichten Büsche und mehr noch durch die überall dort
gegrabenen Löcher im Dunklen sehr bös zu passiren war.
Endlich horchte Försterling hoch auf:
„So leben wir, so leben wir, so leben wir alle Tage.“
„In der allerschönsten Saufcompagnie!“ --
klang es klar und deutlich durch die Büsche.
„Ich bin liederlich, Du bist liederlich, sind wir nicht liederliche
Leute,“ sang eine kreuzfidele feine Stimme dazwischen.
„Das ist der liederliche Hammerstrick!“ sagte Försterling
kopfschüttelnd, „der bringt sich wieder einen famosen Rausch mit zu
Haus.“
„Ja, wenn er nur den Esel auch mit bringt,“ sagte Albert -- „Und
Panning hör’ ich noch gar nicht dabei.“
„Bumsfallera, wir brauchen keinen König mehr -- Bumsfallera, wir
brauchen keinen mehr“ -- fiel eine andere, bis dahin noch nicht gehörte
Stimme ein.
„Das ist Haye,“ sagte Müller, „das wird ein fideler Abend werden.“
„So leben wir, so leben wir, so leben wir alle Tage,“ tönte es wieder
mit dem regelmäßig einfallenden Chor von „Bumsfallera“ näher und näher,
und während die helle Flamme, die durch rasch auf das Feuer geworfenes
Reisig hochaufloderte, mit einem lauten Hurrah von den Zurückkommenden
begrüßt wurde, nahete der lang erwartete höchst fidele Zug.
Voran kamen die Esel, Mosquito im Geschwindschritt, denn er wußte, daß
er jetzt seine Last los wurde, und Brod zu fressen erhielt -- Hans, der
andere Esel, kam etwas gemäßigter dahinter her, und darnach das Pferd,
ein gutmüthiges Thier -- von Klaussen und Barkhorn gehalten.
Die Thiere bedurften auch keiner weiteren Leitung. Rasch auf dem
schmalen Pfad dahinschreitend, der sich bis dahin durch eine Art wilder
Kaffeebüsche gezogen hatte und jetzt auf den offnen freigebrannten Hang
auslief, wußte jedes sein eigenes Zelt und suchte das auf, so schnell
als möglich sich abladen zu lassen, und dann wieder für die ganze Woche
Freiheit zu bekommen.
„So leben wir, so leben wir, so leben wir alle Tage!“ jubelte Meier.
„Ja, das wäre eine schöne Geschichte,“ meinte Försterling, „da könnten
wir uns gratuliren.“
„Aber wo ist denn Panning?“ rief Albert in getäuschter Hoffnung. Das
heißt er frug nach Panning, meinte aber das weiße Maulthier mit den
Provisionen.
„Ist Panning noch nicht hier?“ rief Haye lachend -- „Donnerwetter, der
ist ja mit uns weggeritten d. h. zu Fuß gegangen und war dicht hinter
uns.“
„Hatte er denn was?“ frug Albert mit bezeichnender Handbewegung.
„Was?“ lachte Haye -- „Bumsfallera, wir brauchen keinen König mehr!“
Für den Augenblick schien eine allgemeine Verwirrung in dem kleinen
Lager zu herrschen. Alles lief und schrie durcheinander, und die
einzigen Vernünftigen schienen die Esel zu sein, die indessen
regungslos und geduldig vor ihren resp. Zelten standen und der Abladung
entgegen harrten. Während das ein Theil besorgte, brachte der andere
das Feuer in Ordnung und Pfannen und Töpfe herbei. Nur Meier und
Hammerschmidt fielen sich um den Hals, erklärten beide, daß sie ganz
gute Kerle wären, und die andern verdammten Lumpen alle mitsammen
nichts taugten, und legten sich dann Beide in ihr Zelt auf die Decken,
vor dem Abendessen noch ein halbes Stündchen von den überstandenen
„Strapazen“ auszuruhen.
Albert erkundigte sich indessen vergebens nach Panning, „man wußte
nicht wohin er kam,“ und er setzte sich zuletzt hin, sein zubereitetes,
und fast eingekochtes Abendessen in aller Verzweiflung allein zu
verzehren, als plötzlich mehrere Stimmen zugleich riefen:
„Da kommt Panning!“ und auch wirklich wenigstens das Maulthier (oder
der Maulesel wie die Thiere in Californien stets von den Deutschen
geschimpft werden) in dem hellen Licht der Flammen zum Vorschein
kam, und auf sein ihm wohlbekanntes Zelt mit einem freudigen Wiehern
zuschritt.
Das war der Esel, aber wo blieb Panning? -- -- jedenfalls verschwunden,
und da das einzige Wesen, was etwa darüber hätte Aufklärung geben
können, das Maulthier selber, hartnäckig schwieg, ließ sich weiter
Nichts thun.
Mosquito hatte indessen seine Zeit ebenfalls vollkommen gut benutzt.
Die Provisionen, die er mitgebracht waren ihm abgenommen, und lagen
theils in, theils noch vor dem Zelt, und Mosquito bekam -- seine
gewöhnliche Belohnung nach jedem Sonntags-Spaziergang -- einen ganzen
Schiffszwieback, den er augenblicklich verarbeitete und dann langsam
um’s Zelt ging sich seinen andern Kameraden anzuschließen. So
wenigstens that er, Mosquito wußte aber recht gut was er mitgebracht
hatte, und dachte gar nicht daran all die noch dort umher gestreuten
guten Sachen so, ohne wenigstens einen Versuch zu machen etwas mehr
davon zu bekommen, im Stich zu lassen. Vor dem Zelt lag ein Sack
mit getrockneten Aepfeln und Zwiebeln (man muß da immer, der stets
fehlenden Säcke wegen, einzelne Gegenstände zusammenpacken; und
getrocknete Aepfel und Zwiebeln lassen sich sehr gut wieder auseinander
sortiren). Mosquito wußte das ebenfalls, und als seine Herren den
Rücken drehten, brachte er seinen Kopf leise um die Zeltecke und in den
Sack hinein, fraß die getrockneten Aepfel sauber zwischen den Zwiebeln
heraus -- denn Zwiebeln mochte er nicht -- und verlor sich hierauf
geräuschlos in den dunkeln Wald ohne sich noch einmal im Licht blicken
zu lassen.
Ueberall zischte und brodelte es jetzt auf den Feuern -- die Einen
kochten, die Andern sangen, keiner bekümmerte sich um den Nachbar, bis
hie und da der Ruf: „Schaffen, schaffen“, den die Leute noch mit vom
Bord ihrer Schiffe in die Berge gebracht hatten -- Einzelne um die an
mehreren Stellen etwas roh aufgeschlagenen Tische sammelte. Das Feuer
wurde dann mit trockenem Holze versehen, ein einigermaßen gutes Licht
zu geben, und die Mahlzeit ging vor sich.
Försterling hatte aber Mühe, +seine+ Leute munter zu bringen.
„Hammerschmidt -- Meier -- steht auf, das Essen ist fertig!“
Hammerschmidt stieß einen tiefen Grunz aus -- Meier sagte gar nichts.
„Hammerstrick verdammter, steh auf -- zum Donnerwetter, wie lange soll
ich Dich denn hier herum schütteln? das Essen ist fertig -- nachher
kannst Du Dich wieder hinlegen.“
Hammerschmidt hob sich endlich in die Höhe und sah sich erstaunt um --
er glaubte augenscheinlich es wäre Morgen. „Schwere Noth!“ sagte er mit
seiner feinen Stimme -- „es ist ja noch ganz dunkel -- was fällt denn
dem Landrath heute Morgen ein“ -- Försterling hieß nämlich, noch vom
Schiffe her, allgemein der Landrath.
Während die Andern lachten, machte sich Försterling wieder an Meier.
„Meier -- ich sage dirs jetzt zum letzten Male, wenn Du nun nicht
gleich kommst, dann warten wir noch ein Bischen -- Meier!“ und er
schüttelte den Schläfer aus Leibeskräften.
„Du, Landrath,“ murmelte aber Meier, der der Stimme nach einen
unbestimmten Begriff haben mochte, wer der ihn Weckende sei -- „nimm
Dich in Acht -- gefährlich ist’s den Leu zu wecken.“
„Ne,“ meinte der Landrath, einen neuen Versuch machend ihn munter zu
bekommen, „das kann ich eben nicht sagen, aber +beschwerlich+
ist’s.“
Endlich waren alle munter, und die Tischgespräche begannen, die sich
meist auf die heute im „Store“ erlebten Vorfälle bezogen. Besonders
wurde Pannings Ausbleiben besprochen. Meier philosophirte. „Ja,“ sagte
er, „das sind nun die Vergnügungen in Californien. Panning wird’s wohl
heute gerade so gegangen sein, wie mir’s vor acht Tagen passirt ist.
Da geht man morgens nach dem „Store“ und trinkt sein Gläschen, auch
wohl zwei und dann bekommt man Appetit und nun gehts mit Champagner und
Porter los. -- Bis es Abend wird, kostet Einen die Geschichte seine
dreißig Dollar bis zwei Unzen und wenn man Morgens aufwacht, liegt man
im Busch und weiß nicht wo man ist, noch viel weniger wie man dahin
gekommen.“
„Aber Hammerschmidt gings doch vor vier Wochen noch besser,“ lachte
Haye, „es thut mir nur leid, daß ich nicht malen kann; das müßte ein
famoses Bild geben.“
„Seid Ihr nur ruhig,“ sagte Hammerschmidt, mit vollen Backen ein
delikates Beefsteak mit gebratenen Zwiebeln verarbeitend, „Ihr macht’s
Alle miteinander nicht um ein Haarbreit besser.“
„Wie war denn die Sache?“ frug Wohlgemuth, ein junger Mann, der zum
„Prospektiren“ vom Calaveres hier herüber gekommen war, und ein wenig
schwer hörte, indem er die Hand gegen das Ohr hielt.
„Ach, nun kommt nicht wieder mit der alten Geschichte,“ brummte
Hammerschmidt.
„Heraus damit,“ rief aber Meier, „auf daß sie so einem jungen
leichtsinnigen Menschen, wie Wohlgemuth ist, zum warnenden Beispiel
diene.“
„O, die Geschichte war einfach genug,“ erzählte Haye -- „Hammerschmidt
kam, seinen Esel vor sich her treibend, von Charles Store. -- Natürlich
war er wie gewöhnlich der letzte, und halb im Dusel auch, aber doch
immer noch so, daß er wenigstens den Pfad, oder vielmehr den Esel
halten konnte, denn er blieb schon selber im richtigen Weg. Im Wald war
es aber verwünscht dunkel, und etwa eine halbe Meile, oder etwas mehr
von Charles Store, liegt doch ein Baum quer über den Weg, das heißt,
er ist eigentlich vom Weg abgefallen, so daß die Wurzel gerade den Pfad
ausfüllt. Der Esel ging nun natürlich um die Wurzel herum, bog in den
Pfad wieder ein und kam zur richtigen Zeit nach Hause; Hammerschmidt
aber, wie er an die Wurzel kam, glaubte +das+ wäre der Esel, und fing
an drauflos zu keilen.“
„Komm Hans -- komm mein Thier -- fauler Satan will er die Nacht
hier mitten im Wege stehen bleiben? -- und nun setzte es wieder aus
Leibeskräften Hiebe auf die elastischen Wurzeln des Baumes, die sich
im Schlag etwa so anfühlten, wie eines geduldigen Esels Rücktheil.
Trotz Hammerschmidts jedenfalls gut gemeinten Ermunterungen, wollte
der sonst so folgsame Esel heute aber nicht von der Stelle, und der
Treiber, endlich noch mehr durch das Schlagen als alle vorhergegangenen
„Schlucke“ ermüdet, setzte sich neben sein vermeintliches Lastthier
hin, um es erst ein wenig ausruhen zu lassen und dann einen zweiten
Versuch zu machen. Als Hammerschmidt wieder erwachte war es heller Tag,
und er saß vor der Wurzel.“
„Ihr wüßtet doch Alle nichts davon, wenn ich es Euch nicht selber
erzählt hätte,“ rief Hammerschmidt, als die andern lachten.
„Und stand denn der Esel am nächsten Morgen noch da?“ frug Wohlgemuth,
der nur die Hälfte von der Geschichte gehört hatte.
„Nanu bitt’ ich aber zu grüßen,“ rief Meier, und Hammerschmidt lachte
jetzt auch mit.
Försterling hatte heute Abend noch Brod zu backen und der Sauerteig
stand schon eingeknetet; dort wurde also auch das größte Feuer
angemacht, die gehörige Gluth herauszubringen -- da wir das Brod in
offenen Bratpfannen aus Mangel besseren Geschirres, backen mußten --
und dort versammelte sich auch deshalb Abends das ganze kleine „Camp“
in allen seinen Schattirungen.
Wer Brod buk übernahm zugleich die Verpflichtung, die ganze
Gesellschaft mit Licht und Feuerung zu versehen, und da das gewöhnlich
umging, d. h. so eingerichtet wurde, daß höchstens zwei an einem Abend
buken und während jeder Woche wenigstens zweimal gebacken werden mußte,
so loderte auch jeden Abend wenigstens +ein+ tüchtiges Feuer, als
Sammelplatz, in die Höh und knisterte und spielte hoch oben in den
Nadeln der Fichten und den in der Gluth wehenden Eichenzweigen.
Der Abend war übrigens noch nicht weit genug vorgerückt Alle
auf einem Punkt zusammenzuziehen, und so bildeten sich auch die
verschiedenartigsten Gruppen -- größtentheils so placirt, daß sie die
Front immer der hellen Flamme zukehrten.
Haye hatte jetzt, als er die mitgebrachten Sachen forträumen wollte,
den Streich entdeckt, den uns Mosquito gespielt, und wollte den Esel
zur Rechenschaft ziehn; aber wo war Mosquito?
In allem Grimm ließ er sich jetzt nicht abhalten, die Provisionen
erst nachzusehen, um herauszubekommen was der Esel eigentlich Alles
gefressen habe, zündete eins der mitgebrachten Lichter an und las den
Speisezettel ab.
Es war für drei Personen auf die Woche bestimmt.
25 Pfd. Mehl 4 Dollar 25 Cent, ist noch da. -- 3 Pfd. Zucker 1 Dl. 50
Ct. hinten in dem Paket. -- 1 Pfd. Kaffee 75 Ct. -- hier -- da steckt
der Käse mit dabei. -- 2½ Pfd. Käse 2 Dl. 93¾ Ct. Donnerwetter, das ist
genau berechnet. 6½ Pfd. gesalz. Schweinfl. 2 Dl. 43 Ct. das steckt mit
im Sack bei den Kartoffeln -- hier. -- 10 Pfd. Kartoffeln ~à~ 25 Ct.
2 Dl. 50 Ct. 4 Pfd. getrocknete Aepfel 2 Dl. 50 Ct. -- laufen jetzt
da unten irgendwo im Gulch herum -- es ist nur ein Glück, daß der
Satan die Zwiebeln nicht mag. -- 4 Pfd. Bohnen 2 Dl. 25 Ct. hier. -- 2
Päckchen Streichhölzer 25 Ct. Na das ist gescheit, die haben wir lange
brauchen können. -- 2 Pfd. Seife 1 Dl. 25 Ct. -- ½ Pfd. Lichter 1 Dl.
25 Ct. sind nicht da -- ja wohl -- müssen da sein, die stecken mit beim
Mehl drin. Na, da werden sie auch gut aussehen -- ach die brennen doch.
-- 4 Pfd. Schiffszwieback 1 Dl. -- Aepfel frißt der Racker lieber --
hier. -- 2 Pfd. Zwiebeln 2 Dl. -- stecken bei den Aepfeln -- ne, Gott
sei Dank nicht -- hier. -- 18 Pfd. frisch Fleisch 5 Dl. 50 Ct. hängt
hieroben im Sack -- wir hätten lieber die Aepfel aufhängen und das
Fleisch liegen lassen sollen. -- 3 Flaschen Brandy 4 Dl. 50 Ct. Ah --
wieder der alte wackre Stoff No. 1792 was für eine solide Nummer das
ist. -- Das macht zusammen: --
„Na nun hört einmal mit Eurer langweiligen Rechnerei da auf!“ rief
Meier, „kommt hier mit her. Heute ist Sonntag Abend und der Teufel hole
die Calculationen. -- Du, Landrath, was ist das nur für ein lumpiges
Feuer, und da soll ein Mensch bei sehen.“
Meier war an und für sich eine Hauptpersönlichkeit, ja früher schon
hier im deutschen Camp zum Alkalden ernannt worden, alle vorkommenden
Streitigkeiten, die aber nicht selten von ihm selber ausgingen, zu
schlichten. Er trug einen Strohhut mit schmalem Rand, von welchen
Dimensionen aber ließ sich nicht gut erkennen, da er oben im Deckel
auf eine mehr gewaltthätige als künstliche Weise so eingedrückt war,
daß sich der Deckel wie eine Schnecke in ihr Haus, fast bis zu dem
fabelhaft schmalen Rand niedergezogen hatte, und ringsherum eine tiefe
Falte legte.
Seine Sonntagskleider waren nach Minengebrauch einfach aber stark
und reinlich -- die Wochen- oder Arbeitskleider hätten dagegen auf
jeder Maskerade Furore gemacht. Das erste Paar Hosen was er bei der
allerdings sehr schweren Arbeit im Gulch getragen, war, wenn auch nicht
den Weg alles Fleisches, doch jedenfalls den aller Hosen gegangen,
und um nicht der Arbeit einer, überdieß schwerlich vorhaltenden
Reparatur ausgesetzt zu sein, hatte er ein Paar andere, die nicht
eben an denselben Stellen zerrissen waren als die ersten, darüber
gezogen. Nur an einigen Stellen correspondirten sie mit einander,
und da schaute dann das neugierige Fleisch allerdings hie und da
hervor. Morgens und Abends trug er einen weiten Ueberzieher, der
aussah wie ein heruntergekommner gebildeter Mensch in liederlicher
gemeiner Gesellschaft -- der Schnitt war gut daran, weiter ließ sich
aber auch nichts darüber sagen, denn Farbe wie Stoff gehörten einem
so vergangenen Zeitalter an, daß beide gewissermaßen in einander
verschwammen.
Schuhe hatte er allerdings, diese waren auch früher einmal genäht
gewesen, wenigstens ließen sich noch überall in den Nähten die
Faden und die Löcher erkennen, welche die Ahle des Schusters daran
hervorgebracht, jetzt hingen sie aber freilich nur noch durch Bindfaden
zusammen, und um die Sohle vielleicht zu schonen, ging er neben
derselben her.
Es ist das übrigens das sicherste Zeichen eines Miners -- den rechten
Schuh oder Stiefel schief getreten zu haben, was von dem Abstechen mit
dem Spaten oder der Schaufel herrührt. -- Am Hut trug Meier noch, als
Verzierung, eine alte bronzene Broche mit vier oder fünf nachgemachten
und theilweis eingedrückten Perlen besetzt.
Die Miner machen darin überhaupt nicht selten Staat -- des Landraths
Hut glänzte besonders mit einer alten Straußfeder, die er Gott weiß wo
aufgetrieben, und von einer Agraffe aus einem kleinen Zinnspiegel und
einer darumgewundenen Glasperlenschnur auf das künstlichste gebildet.
Wer solchen Putz nicht aufbringen konnte, trug wenigstens eine Broche
an Mütze oder Hut.
In der Art wie ich Meiers Tracht beschrieben habe, sahen die meisten
Uebrigen, Panning, Albert und Haye vielleicht ausgenommen, ebenfalls
aus -- es war eine wilde Bande.
Meier schien indeß der Nerv, der dem Ganzen Leben gab, und wenn er sich
besonders erst ein wenig „hinein gearbeitet hatte“ war an Schlafen
nicht mehr zu denken. Fiel dann aber am Ende, wenn es Nachts zwölf und
ein Uhr wurde, Einer nach dem andern ab und ging, wie es hieß, +zu
Coye+; so lag er nachher wohl noch zwei und drei Stunden allein am
Feuer und sah in die Flammen.
„Nun Landrath,“ sagte Meier zu diesem, als das Abendessen vorüber war
und sich die Umlagernden ziemlich Alle um das Feuer gesammelt hatten
-- „wie hast Du nun heute Deinen Tag hingebracht -- heh? -- geschlafen
natürlich.“
„Ne,“ sagte Försterling -- seinem Geschäft nach ein Klempner, aber
sonst ein fideles Haus und eine gute Seele -- „ich bin heute auf der
Jagd gewesen.“
„Mit der Büchsflinte?“ --
„Versteht sich, das ist ein famoses Gewehr -- die Kugel schlägt sich
ein Bischen schwer hinein, aber sie kommt verdammt schnell wieder
heraus -- ein paar Mal ist sie mir von selber losgegangen.“
„Aber der Schrothlauf taugt nichts,“ sagte Klaußen -- „ich möchte das
alte Ding nicht geschenkt haben.“ -- Meier und Klaußen waren zusammen
von Adelaide gekommen.
„Der Schrothlauf taugt nichts?“ rief Försterling -- „Du hast noch keine
Flinte gesehen, Klaußen, die so schön den Hagel auseinander wirft wie
die -- wenn ich in einen Baum hinein schieße und eine gute Portion
Hagel drin habe, da ist auch kein Blatt drinnen von oben bis unten, das
nicht was abkriegt.“
Der eine Amerikaner und Haye hatten sich indessen zum Feuer gesetzt
und spielten eine Partie sechsundsechzig. Der Pole und der Deutsche
von Texas waren auch mit zum Feuer gekommen, und lagerten Meier gerade
gegenüber.
Der Pole, dessen Name, glaub’ ich, Keiner von allen wußte, hieß immer
nur der +Pole+ (er sprach übrigens ganz gut deutsch und war aus
einer der deutsch-polnischen Provinzen, und zwar aus den untersten
Klassen). Er hieß aber auch „der arme Mann“ weil er fortwährend
lamentirte und behauptete, was einmal ein „armer Mann“ wäre, sollte es
auch auf der Welt zu Nichts bringen.
„Nun Pole,“ rief ihm Hammerschmidt mit seiner feinen Stimme hinüber --
„Ihr wart ja heute nicht in Charles Store -- ist’s die letzte Woche
wieder schlecht gegangen?“
„Ach, wie immer,“ brummte der Pole mit einem finsteren theilweise
resignirten Gesicht -- „unser Einer gewöhnt sich schon daran. -- Sechs
und acht Fuß tiefe Löcher und nachher zwei oder drei Thaler drinnen
-- aber wer kann’s helfen -- der liebe Gott wills nicht haben -- Gott
+dam+ it.“
„-Haben denn die Amerikaner die Woche was gefunden?“ frug ein Anderer.
„Ich weiß nicht -- sie sind die Creek hinunter gegangen -- da liegt
aber Nichts wie feines Gold. Ich glaube nicht daß es lohnt!“
„Das laß gut sein,“ meinte der Landrath -- „das ist jetzt die dritte
Compagnie die hinunter geht und die anderen beiden haben tüchtig
ausgehalten; wenn die nicht Tagelohn machten, blieben sie nicht unten.“
„Oben ist das Gold jedenfalls gröber,“ meinte Meier. --
„So haben wir’s allerdings bis jetzt gefunden, damit ist aber nicht
gesagt, daß sich nicht auch grobes Gold nach unten verloren haben
sollte -- der Pole hat z. B. jetzt jedenfalls einen guten Platz, denn
er lamentirt in einem fort, und das ist immer ein sicheres Zeichen.“
„Gott verdamm mich wenn ich das Bischen Fressen dabei mache!“ rief der
Pole, der hochaufgehorcht hatte, indem er mit der einen Hand in die
andere schlug.
„Die zwei Engländer die gerade unter dem umgefallenen Baume arbeiten,
haben gestern ein herrliches Quarzstück gefunden,“ sagte der Deutsche
aus Texas -- „Brauner Quarz, mit breiten Goldstreifen quer durch, ein
Goldschmidt hätte es nicht schöner machen können.“
„Wie habt Ihr beiden denn jetzt da unten ausgemacht, Klaußen -- gehts
besser?“ --
„Ach, es ist immer Nichts -- weiß der Henker man kriegts zuletzt
ordentlich satt, immer ein Loch nach dem andern umsonst zu graben. --
Wir sind aber noch nicht ganz hinunter und in der einen Ecke haben wir
Felsen und auch etwas Gold gefunden.“
„Was für Felsen hat Ihr?“ frug Meier.
„Wunderliches Zeug -- es sieht so natürlich wie grobes Salz aus, daß
ich zuerst wahrhaftig d’ran leckte, um zu sehen ob es nicht wirklich
Salz wäre.“
„Das sind gute Felsen,“ rief Hammerschmidt, „dabei haben wir das
schönste Gold gefunden; Ihr müßt nur ein Bischen tief hineingehen, und
nicht blos an der Oberfläche kratzen.“
„Ja aus den „Rocks“ hier am Mosquitogulch soll der Teufel klug werden,“
brummte der Pole -- „einmal liegt das Gold oben drauf, und wenn’s tief
hinunter geht ist gar nichts -- und ein ander Mal muß man die Felsen
auseinander brechen wenn man dazu kommen will.“
„Merkwürdig ist es jedenfalls wie das Gold hierhergekommen sein kann,“
sagte Klaußen, „hier bei diesem Gulch wird man besonders ganz irre
und es ist beinah gar nicht anders möglich, als daß ein vulkanischer
Ausbruch das +geschmolzene+ Metall so wild umher gestreut hat.“
„Sonderbar ist dabei,“ sagte Meier, „wie man einer solchen Eruption
sogar zu folgen vermag, und gerade die Stellen wo in den tiefen Löchern
und Felsspalten +kein+ Gold liegt, sind ein Beweis dafür, denn
diese Stellen findet man jedesmal mit einer grauen festen vulkanischen
Asche ausgefüllt, so daß es ordentlich scheint, als ob zuerst diese
Asche ausgeworfen und durch den Bergstrom hier heruntergeschwemmt,
durch die Gewalt und Schwere des Wassers festgedrückt, und dann später
das Gold nachgefolgt wäre. Wo es aber hergekommen möcht ich wissen,
denn bald glaubt man die Ader sei von rechts, bald von links herunter
gekommen und nirgends liegen doch hier hohe vulkanische Berge.“
„Ja, das möcht’ ich auch wissen,“ brummte der Pole, „nachher brauchte
man nicht mehr so viele Löcher umsonst zu graben. Aber das ist eben
das Elend!“ --
„Wie nennen Sie denn ~diamond~ auf deutsch?“ frug der Amerikaner, der
noch mit Haye im eifrigen sechs und sechzig Spiel begriffen war, diesen.
„~Caro~,“ lautete die Antwort.
„Ahem, und ~spade~?“ --
„~Pique!~“
„Hm!“ murmelte der Amerikaner, dem das nicht so recht einleuchten
wollte, „die Deutschen sind doch curioses Volk -- einen Spaten nennen
sie nun gar eine Picke[1].“
„O laßt Euer langweiliges Spiel da und kommt mit her in den Kreis!“
rief jetzt Meier -- „Du Klaußen, sing uns einmal ein Lied -- nachher
kommt anderes Leben in die Sache.“
„Ja, mir wär’- gerade wie singen,“ brummte Klaußen -- „mir ist den
ganzen Abend schon schlecht zu Muthe gewesen -- wenn mir’s morgen nicht
besser ist, nehme ich was ein.“
„Du wirst wohl den Katzenjammer haben,“ sagte der Landrath.
„Schade daß unser alter Doctor von zu Haus nicht hier ist,“ rief Meier
-- „der würde Dir das Einnehmen ersparen -- der hatte ein famoses
Mittel.“
„Nun er kanns Einem doch nicht aus dem Magen heraus magnetisiren,“
brummte Klaußen.
„Und doch so was,“ lachte Meier -- „es war auch ein Doctor aus der
guten alten Zeit, der weder seinen alten breit abgestutzten Frack noch
seinen Zopf ablegen wollte, und in der That war ihm der Zopf so nöthig
wie seine rechte Hand, denn darin bestand gerade sein Universalmittel.“
„Na nu komm nicht wieder mit Deinen Flunkereien,“ rief Hammerschmidt --
„als ob er den Kranken den Zopf eingegeben hätte.“
„Ruhig Hammerstrick,“ sagte Meier -- „knurre nicht Pudel. Er gab ihnen
allerdings den Zopf ein, denn wenn sich Jemand nicht wohl befand,
anstatt wie unsere, jetzt in der Cultur wieder zurückgegangenen Aerzte,
diesem ein Brechmittel einzugeben, steckte er ihnen nur den Zopf in den
Hals. -- Ja ihr braucht gar nicht darüber zu lachen, das hatte er nicht
einmal bei allen nöthig, denn seine Methode war so bekannt geworden,
und er konnte ja natürlich nur immer den einen Zopf verwenden, daß
er vielen Patienten in vorkommenden Fällen nur bloß den Zopf zu
+zeigen+ brauchte, um ganz genau dieselbe Wirkung wie bei der
strengsten Anwendung zu erzwecken.“
„War das der Doktor mit der platten Nase?“ frug Klaußen während die
Andern lachten.
„Ja wohl,“ sagte Meier -- „das will nun Klaußen auch wieder nicht
glauben -- der kleine Kerl hatte eine so platte Nase, daß mich mein
Onkel oft versichert, er hätte sich nie anders als mit einer Kneipzange
schneuzen können.“
„Ist der Esel da?“ fragte in diesem Augenblick eine laute Stimme mitten
in das Gelächter hinein -- im Nu war Todtenstille, Alles schaute auf,
aber im nächsten Augenblick brach es desto toller los, denn hinter
dem Kreis, und ganz unbemerkt herangekommen, stand, etwas verstört
aussehend und nun durch das furchtbare Hurrah ganz außer Fassung
gebracht, +Panning+, und sah Einen nach dem Andern verwundert an.
Es dauerte wohl eine Viertelstunde ehe irgend Jemand zu Worte kommen
konnte, ihn des Maulthiers wegen zu beruhigen.
„Aber Donnerwetter, Ihr sitzt hier so trocken!“ rief Panning, als sich
der Lärm nur erst einmal ein klein wenig gelegt hatte, und Albert
aufgestanden war dem Neugekommnen noch etwas Abendbrod zusammen zu
suchen und Thee warm zu stellen -- „kein Brandy mehr? -- kein Grog?“
„Ich glaube daß ist der erste gescheute Gedanke, den Panning heute
gehabt hat,“ sagte Meier.
„Und wo kommst Du denn noch heute Abend her?“ sagte Albert -- „wer von
Euch Beiden ist denn nun wieder einmal am gescheutesten gewesen?“
„Jedenfalls der Esel, Albertchen,“ lachte Panning, heute Abend viel zu
guter Laune um irgend eines Wortes wegen zu streiten -- „jedenfalls der
Esel; da der immer zuerst kommt.“
„Und wie siehts unten bei Charles aus?“ frug Meier -- „Alle noch fidel?
wir sind eigentlich heute zwei Stunden zu früh fortgegangen.“
„Ja, ich wäre auch schon lange da,“ sagte Panning, „aber ich mußte auf
das Fleisch warten; sie schlachteten erst noch einen Ochsen.“
„Aber unser Fleisch lag ja schon auf dem Esel?“ -- rief Albert dagegen.
„So?“ lachte Panning mit einem verschmitzten Ausdruck, „siehst
Du Albertchen, da hat der Esel dann wieder recht -- aber auf das
Schlachten hab ich doch gewartet.“
„Ja, Panning ist ein tüchtiger Kerl,“ sagte Hammerschmidt -- „der ist
von klein auf in der Welt gewesen.“
„Bist Du nur ruhig, Du liederlicher Hammerstrick Du,“ sagte Panning, --
„wenn ich was erzählen wollte --“
„Hallo, was giebts da zu erzählen? heraus damit -- heraus damit,“
schrieen fast Alle.
„Wenn Du +das+ erzählst, komme ich auch mit +dem+ heraus,“
sagte Hammerschmidt trotzig.
„Hurrah, da sind zwei Geschichten!“ rief der Landrath -- „heraus
Panning, herunter vom Herzen!“ Die beiden mußten jedoch einen zu festen
Halt aneinander haben und es wollte keiner mit der Sprache heraus.
Meier hatte aber indessen Wasser zum Feuer gesetzt, von verschiedenen
Seiten wurden Brandyflaschen herbeigeschafft, und ein tüchtiger Grog
gebraut. Das Erzählen, Lachen und Jubeln ging nun lauter und immer
lauter durcheinander; Försterling war mit seinem Brodbacken ebenfalls
fertig und „der Pabst lebt herrlich in der Welt,“ -- „Rinaldini
stolzer Räuber,“ und der „Prinz Eugen“ waren schon in den stillen
Californischen Wald hineingeschrieen worden, als Meier zuletzt
dazwischen rief:
„Halt -- nun erst noch einmal trinken -- Hammerschmidt Donnerwetter,
das ist +mein+ Becher -- und dann das Goldwäscher-Lied -- aber
singt auch den Rundreim kräftig mit!“ und mit lauter kecker Stimme
setzte er ein:
Mit der Schaufel Pfann’ und Hacke
Goldgräber ho!
Und dabei noch Huckepacke
Immer nur so --
Eine Decke und zwei Hemden
Ziehn wir so froh,
In die Berge, wir, die fremden
Goldgräber, ho!
Dort wo zwischen Schlucht und Spalten,
Goldgräber ho!
Gnomen ihren Schatz gehalten,
Wüßten wir wo --
Hau’n wir ein und waschen, graben
Lustig und froh,
Tief hinein -- wir müssens haben
Goldgräber ho!
Sorgen? -- pah, wer kennt hier Sorgen
Goldgräber ho!
Sucht vielleicht das Glück uns morgen!
Was uns entfloh,
Soll uns nicht mit Sorgen quälen,
Lustig und froh
Sind wir immer die fidelen
Goldgräber, ho!
Spricht das Herz dann auch zuweilen
„Goldgräber ho!
Willst Du in der Fremde weilen,
Immer nur so?
Kannst Du hier so lustig graben,
Sorglos und froh?
Trauernd Lieb zu Hause haben?
Goldgräber ho?“
Herz, was soll das Klagen nützen,
Goldgräber ho!
Kann nicht stets zu Hause sitzen,
Immer nur so.
Denn der Mann muß schaffen, wagen,
Muthig und froh
Und im Sturm das Glück erjagen,
Goldgräber ho!
Doch wenn wir, das wirst Du loben,
Goldgräber ho!
Erst, Glück auf, den Schatz erhoben,
Hier oder wo;
Geht es heimwärts mit den vollen
Säcken, so froh,
Hurrah dann, die wackern, tollen
Goldgräber ho! --
Mit tüchtigem Nachdruck, der sich besonders bei den letzten
Versen, wo sie die Melodie etwas wegbekamen, zu einem wahren Jubel
steigerte, wurde der Chor abgesungen, und alle nur möglichen und
unmöglichen Lieder kamen jetzt an die Reihe. Haye schrie sogar wieder
„Bumsfallera“, und Hammerschmidt „ich bin liederlich“ und von den
benachbarten Hügelhängen hatten sich indessen auch schon die nächsten
Engländer und Amerikaner herangezogen, die Lieder mit anzuhören.
Meier sang jetzt das Ständchen -- „ich will vor Deiner Thüre stehn,“
mit den dazu gehörigen Gesten und zwar, statt der Geliebten Fenster,
unter einem Eichbaum -- Klaußen hatte sich ebenfalls „einen Kleinen“
angetrunken und wurde harmonisch; Wohlgemuth nahm Albert in die eine
Ecke und erzählte ihm eine entsetzlich lange Geschichte aus seinen
Schuljahren, wo sie dem Lehrer einmal einen Knochen unter den Stuhl
gelegt und mit welcher Geistesgegenwart er sich damals aus der Affaire
gezogen. Renich hatte sich an den Landrath gemacht, der aber unter
der Zeit immer mit sang, und erzählte ihm aus der alten Römischen
Geschichte irgend einen an sich gewiß sehr wichtigen, für Försterling
aber fürchterlich gleichgültigen Fall, den er nachher wieder mit der
neueren Geschichte, von der sein immer daneben hinausschreiender
Zuhörer nichts wissen wollte, in Verbindung brachte.
Indessen nahm Feuer und Grog ein Ende, Einer nach dem Andern drückte
sich in sein Zelt -- Renich wie Wohlgemuth hatten schon beide ihre
Zuhörer verloren und Renich war ebenfalls zu Bett gegangen; noch aber
blieb ein kleiner Rest beim Becher. Meier und Wohlgemuth hielten
zusammen aus. Meier weil er nie früher zu Bett ging, und Wohlgemuth,
weil er noch das Bedürfniß fühlte sich mitzutheilen.
Natürlich dauerte es keine viertel Stunde und die Beiden staken bis
über die Ohren in Politik. Wohlgemuth war früher in den Vereinigten
Staaten gewesen und vertheidigte den 40 ~acres grant~ -- Meier dagegen
schimpfte auf unsere deutschen Verhältnisse, und ob sie sich nun
einander nicht verstanden, oder in diesen beiden Puncten gegenseitig
genug Anhalt fanden einander zu Leibe zu rücken weiß ich nicht, aber
sie wurden hitzig, und Haye guckte ein paar Mal aus dem Zelte hinaus,
zu sehen ob sie sich nicht beim Kopfe hätten.
Da Wohlgemuth sehr schwer hörte mußte Meier sehr schreien, und da
Meier sehr schrie, konnte Wohlgemuth +seine+ Argumente ebenfalls nicht
mit leiser Stimme geltend machen. So entstand endlich allein zwischen
den beiden Menschen ein solcher Scandal, daß hier und da die Schläfer
wieder munter und murrende Stimmen laut wurden. Endlich konnte es
Försterling nicht länger aushalten.
„Zum Donnerwetter, Meier!“ rief er zum Zelt hinaus -- „Ihr habt ja alle
Beide recht, aber komm nun zu Bett.“
„Halt’s Maul Landrath, das verstehst Du nicht,“ rief Meier in allem
Eifer.
Wenn jedoch der Landrath die Unordnung nicht zu dämpfen verstand, so
wußte er das mit dem Feuer desto geschickter anzufangen. Das war zu
einem kleinen Punct zusammengebrannt, um den sich die Debattirenden,
da die Nacht hier oben sehr kühl war, dicht hinangedrängt hatten, und
dahinein wußte der Landrath den Eimer Wasser, den er selber am Abend
zum morgenden Kaffee aus dem Bach heraufgeholt hatte, so geschickt zu
opfern, daß im Nu auch keine Spur von einer glühenden Kohle mehr zu
sehen war.
Die Beiden wollten sich nun dadurch allerdings nicht vertreiben lassen,
und setzten ihren Wortstreit im Dunkeln fort, aber der ~animus~ fehlte,
und eine halbe Stunde später war Alles, unter manchem leise gemurmelten
„Gott sei Dank“ todtenstill.
Nur die Cayotas -- die kleinen Wölfe oder wilden Hunde fingen an zu
heulen, und hie und da schrie eine Eule ihr monotones Nachtlied darein.
Als Meier am andern Morgen meinte, die Nacht habe es so sonderbar in
den Bäumen gerauscht, sagte der Landrath, „das wäre gar kein Wunder,
denn sein Rausch allein, den +er+ ausgeschlafen hätte, müßte einen
Mordspectakel gemacht haben.“
Mit der Morgendämmerung kam aber auch wieder ein anderes frisches Leben
in die Schläfer -- die Einzelnen welche „die Woche“ hatten, standen
auf und bereiteten das Frühstück, weckten dann die Uebrigen, und eine
Stunde später wanderten die verschiedenen Parthieen mit ihren Pfannen
und Wassereimern, denn das Werkzeug lag meistentheils noch unten an
den Plätzen, wo sie am Sonnabend Abend aufgehört hatten zu arbeiten,
den verschiedenen Stellen zu, an denen sie in dieser Woche ihr Glück
versuchen wollten.
Gleich darauf fingen die Maschinen unten in der Schlucht an zu
klappern, die Axt räumte Bäume und Wurzeln aus dem Wege, die Spitzhacke
trieb mit kräftigen Schlägen in den harten Boden hinein, und das
+Arbeitsleben+ der Miner hatte wieder begonnen.
Die Mission Dolores bei San Francisco.
Wenn man in früherer Zeit die Geschichte irgend eines Ortes schrieb,
den man vor ein oder zwei Jahren besucht hatte, so sagte man gewöhnlich
„dort ist es so, und so, und so; die Gebäude sehen so aus, die Straße
führt dorthin, es ist auch ein gutes Wirthshaus da und heißt so und
so.“ -- Das mochte für die Welt im Allgemeinen passen. Wenn man aber
eine solche Beschreibung +jetzt+ von einem californischen Orte machen
wollte, schriebe man lauter Lügen. Es ist +so+, kann man von irgend
einem Gebäude oder einer Straße in und um San Francisco z. B. nur
sagen, wenn man wirklich davor steht, und mit seinen eignen Augen
sieht, daß es wirklich so ist; biegt man aber um die nächste Ecke und
will ganz gewissenhaft zu Werke gehen, so kann man in der That nicht
mehr thun, als behaupten, +es war so+, denn kein Mensch kann bestimmen,
ob nicht selbst in der Zeit schon ein Nachbar angefangen hatte, daneben
zu bauen, ob die Straße nicht aufgerissen wurde, oder ein Haus
weggefahren, oder sonst irgend eine andere entsetzliche Veränderung mit
dem Platz im Handumdrehen vorgenommen sei.
Sehr natürlich mußte es ebenso mit dem Districte der Fall sein, der
nicht allein im Bereich oder in der Nähe San Franciscos lag, sondern
auf den die Stadt selber gleich von Anfang an, der sie einschließenden
Küstenberge wegen, angewiesen war sich auszudehnen. So, wer die Mission
Dolores selbst noch 1850 im Frühjahr und wer sie im Herbst sah, hätte
sie kaum mehr wieder erkannt -- und wie mag sie jetzt aussehen? --
Von San Francisco etwa eine Stunde Wegs durch hohe und entsetzliche
Sandhügel getrennt, die im heißen Sommer Menschen und Vieh zu Tod
erschöpften, schien nichtsdestoweniger eine wirkliche Vereinigung
der Mission mit der Stadt noch mit unendlich vielen Schwierigkeiten
zu kämpfen zu haben, ehe sie bewerkstelligt werden konnte -- wenn
eben nicht Amerikaner das Ganze in Händen gehabt hätten. Aber das ~go
ahead~ Princip bewährte sich hier einmal wirklich wieder auf eine fast
fabelhafte Art.