=Geßler.=
Die abzuwägen, ist jetzt keine Zeit!
-- Weitschicht’ge Dinge sind im Werk und Werden;
Das Kaiserhaus will wachsen; was der Vater
Glorreich begonnen, will der Sohn vollenden.
Dies kleine Volk ist uns ein Stein im Weg --
So oder so -- es muß sich unterwerfen.
(Sie wollen vorüber. Die Frau wirft sich vor dem Landvogt nieder.)
=Armgart.=
Barmherzigkeit, Herr Landvogt! Gnade! Gnade!
=Geßler.=
Was dringt ihr euch auf offner Straße mir
In Weg -- Zurück!
=Armgart.=
Mein Mann liegt im Gefängniß;
Die armen Waisen schrein nach Brod -- Habt Mitleid,
Gestrenger Herr, mit unserm großen Elend?
=Rudolph.=
Wer seyd ihr? Wer ist euer Mann?
=Armgart.=
Ein armer
Wildheuer, guter Herr, vom Rigiberge,
Der überm Abgrund weg das freie Gras
Abmähet von den schroffen Felsenwänden,
Wohin das Vieh sich nicht getraut zu steigen --
=Rudolph= (zum Landvogt).
Bei Gott! ein elend und erbärmlich Leben!
Ich bitt’ euch, gebt ihn los, den armen Mann!
Was er auch Schweres mag verschuldet haben,
Strafe genug ist sein entsetzlich Handwerk.
(Zu der Frau.)
Euch soll Recht werden -- Drinnen auf der Burg
Nennt eure Bitte -- Hier ist nicht der Ort.
=Armgart.=
Nein, nein, ich weiche nicht von diesem Platz,
Bis mir der Vogt den Mann zurückgegeben!
Schon in den sechsten Mond liegt er im Thurm
Und harret auf den Richterspruch vergebens.
=Geßler.=
Weib, wollt ihr mir Gewalt anthun? Hinweg!
=Armgart.=
Gerechtigkeit, Landvogt! Du bist der Richter
Im Lande an des Kaisers Statt und Gottes.
Thu deine Pflicht! So du Gerechtigkeit
Vom Himmel hoffest, so erzeig sie uns!
=Geßler.=
Fort! Schafft das freche Volk mir aus den Augen.
=Armgart= (greift in die Zügel des Pferdes).
Nein, nein, ich habe nichts mehr zu verlieren.
-- Du kommst nicht von der Stelle, Vogt, bis du
Mir Recht gesprochen -- Falte deine Stirne,
Rolle die Augen, wie du willst -- Wir sind
So gränzenlos unglücklich, daß wir nichts
Nach deinem Zorn mehr fragen --
=Geßler.=
Weib, mach Platz
Oder mein Roß geht über dich hinweg.
=Armgart.=