IX. Die Haut.

Die äußere Haut (Integumentum commune, Cutis) besteht in ihrer

Hauptmasse aus Bindegewebe, welches jedoch nirgends frei zutage liegt,

sondern mit einem zusammenhängenden epithelialen Überzuge versehen

ist. Neben ihrer Aufgabe, einen mechanischen Schutz zu gewährleisten,

der durch den derben Aufbau des bindegewebigen Anteils (~Lederhaut~,

~Corium~[116], Derma) und durch die Verhornung im Epithel (~Oberhaut~

Epidermis) zustande kommt, besitzt die Haut besondere Einrichtungen,

die sie zu einem vielseitig beanspruchten Organ des Körpers gestalten.

Alle Spezialeinrichtungen sind durch besondere Entwicklungsformen

der Epidermis gekennzeichnet; die ~Nägel~, extrem verhornte Platten,

die ~Haare~, bei Tieren fast über den ganzen Körper als Wärmeschutz

verbreitet sind solche oberflächlich liegende Epidermisprodukte. In die

Lederhaut versenkt, dienen mannigfache ~Drüsen~ teils der Regulation

der Wasserverdunstung (Schweißdrüsen), teils besonderen Aufgaben

(Talgdrüsen, Milchdrüsen).

Die äußere Haut.

~Lederhaut.~ Die Oberfläche der Lederhaut ist von vielen feinen

Furchen durchzogen, welche entweder, sich kreuzend, rautenförmige

Felder abgrenzen oder, auf längere Strecken parallel laufend, schmale

Leistchen zwischen sich fassen. Die rautenförmigen Felder sind am

größten Teile der Körperoberfläche zu sehen, während die Leistchen

auf die Beugeseite der Hand und des Fußes beschränkt sind. Auf den

Feldern und Leistchen stehen zahlreiche, meist kegelförmige Wärzchen,

die ~Papillen~, deren Zahl und Größe an den verschiedenen Stellen

des Körpers bedeutenden Schwankungen unterworfen ist. Die meisten

und größten (bis zu 0,2 mm hohen), oft mehrfach geteilten Papillen

finden sich an der Hohlhand und an der Fußsohle, auf deren Leistchen

sie ziemlich regelmäßig in zwei Reihen stehen (Fig. 328); sehr gering

entwickelt sind sie in der Haut des Gesichts; in höherem Alter können

Papillen gänzlich verschwinden.

[Illustration: Fig. 328.

Senkrechter Schnitt durch die Fußsohlenhaut des erwachsenen Menschen,

genau quer durch die Leistchen. Vier Leistchen sind zu sehen; ihr

Coriumteil ist nicht so deutlich von Nachbarleistchen abzugrenzen, wie

der epidermoidale. Zu jedem Leistchen gehören zwei Papillen. Zwischen

jenen des Leistchens B sieht man den Ausführungsgang einer Knäueldrüse.

25mal vergrößert. Technik Nr. 166, S. 450.]

Die Lederhaut besteht vorzugsweise aus netzartig sich durchflechtenden

Bindegewebsbündeln, welchen elastische Fasern, Zellen und glatte

Muskelfasern beigemengt sind. Die ~Bindegewebsbündel~ sind in den

oberflächlicheren Schichten der Lederhaut fein und zu einem dichten

Flechtwerke vereinigt, in den tieferen Schichten dagegen gröber; hier

bilden sie, indem sie sich unter spitzen Winkeln überkreuzen, ein

grobmaschiges Netzwerk. Man unterscheidet deshalb an der Lederhaut

zwei Schichten: eine oberflächliche papillentragende, von einer

feinen Basalmembran überzogene Schicht, ~Stratum papillare~, und

eine tiefe Schicht, ~Stratum reticulare~. Beide Schichten sind nicht

scharf voneinander getrennt, sondern gehen ganz allmählich ineinander

über (Fig. 329). Das Stratum reticulare hängt in der Tiefe mit einem

Netze lockerer Bindegewebsbündel zusammen, in dessen weiten Maschen

Fetträubchen gelegen sind. Diese Schicht heißt ~Stratum subcutaneum~;

massenhafte Fettablagerung in den Maschen dieser Schicht führt zur

Bildung des ~Panniculus adiposus~. Die Bündel des Stratum subcutaneum

endlich hängen fester oder lockerer mit den bindegewebigen Umhüllungen

der Muskeln (den Faszien) oder der Knochen (dem Periost) zusammen.

[Illustration: Fig. 329.

Senkrechter Schnitt durch die Haut der Fußsohle eines erwachsenen

Menschen. 25mal vergrößert. Technik Nr. 166, S. 450.]

Die ~elastischen~ Fasern, welche im Stratum papillare feiner,

im Stratum reticulare dicker sind, bilden gleichmäßig im Korium

verteilte Netze. Das subkutane Gewebe leicht verschiebbarer

Haut ist verhältnismäßig arm an elastischen Fasern; besonders

reich an solchen ist die Haut im Gesicht und in der Umgebung der

Gelenke. Die ~Zellen~ sind teils platte, teils spindelförmige

Bindegewebszellen, teils weiße Blutzellen, teils Fettzellen.

Die Anzahl der zelligen Elemente ist eine sehr wechselnde. Die

~Muskelfasern~ gehören fast durchweg der glatten Muskulatur

an, sie sind meist an die Haarbälge gebunden (S. 433), nur an

wenigen Körperstellen finden sie sich als häutige Ausbreitung

(Tunica dartos, wo diese stark von elastischen Fasern durchsetzt

ist, Brustwarze). Quergestreifte Muskelfasern finden sich als

Ausstrahlung der mimischen Muskeln in der Haut des Gesichts.

[Illustration: Fig. 330.

Abgelöste Epidermis des menschlichen Fußrückens von der Unterfläche

her gesehen. Das Präparat ist gewissermaßen der Abguß, während die mit

Papillen besetzte Koriumoberfläche die Matrize darstellt; was am Korium

erhaben ist, scheint hier vertieft und umgekehrt. 120mal vergrößert.

Technik Nr. 167, S. 451.]

~Oberhaut~ (Epidermis). Die Oberhaut besteht aus geschichtetem

Plattenepithel, welches mindestens zwei scharf voneinander getrennte

Lagen unterscheiden läßt; eine tiefe, die Keimschicht, Stratum

germinativum (Malpighi), welche die zwischen den Koriumpapillen

befindlichen Vertiefungen ausfüllt, und eine oberflächliche, festere,

die Hornschicht, Stratum corneum. Beide Schichten bestehen durchaus aus

Epithelzellen, welche in den einzelnen Lagen ein verschiedenes Aussehen

zeigen. Die Zellen der tiefsten Lage der ~Keimschicht~ sind membranlos,

zylindrisch mit länglichem Kerne; darauf folgen mehrere Lagen

rundlicher Zellen, zwischen denen die Interzellularspalten besonders

weit sind, die Interzellularbrücken deshalb wie Stacheln zwischen den

Zellen angeordnet sind (Stachelzellen). Durch die Interzellularbrücken

setzen sich an dickeren Epidermisstücken faserige Zellstrukturen in

benachbarte Zellen fort. In der Tiefe, meist in der untersten Lage der

Keimschicht, findet eine fortwährende Neubildung zelliger Elemente

durch indirekte Kernteilung statt. Die ~Hornschicht~ ist nicht überall

gleich gebaut, man kann vielmehr zweierlei Typen unterscheiden:

1. An Stellen mit ~dicker Epidermis~ (Beugefläche der Hand und des

Fußes) ist die der Keimschicht zunächst gelegene Zellenschicht durch

stark glänzende Körnchen (Keratohyalinkörnchen) ausgezeichnet. Diese

Schicht heißt ~Stratum granulosum~ (Fig. 331). In der nächsten

Schicht findet sich eine die Zellen diffus durchtränkende Masse, das

~Eleidin~ (~Stratum lucidum~). Ganz oberflächlich liegt das breite,

eigentliche ~Stratum corneum~. Hier ist das Eleidin fester geworden

(Pareleidin)[117], die peripheren Teile der Zellen bilden sich zu

verhornten Membranen um, das im Innern der Zellen gelegene Zytoplasma

vertrocknet zu einem feinen Maschenwerk; die Interzellularbrücken sind

nicht mehr Verbindungsfäden, sondern nur kurze Zähnchen. Der Kern

vertrocknet; die Höhle, in welcher er gelegen war, erhält sich aber

noch lange. Die so teilweise verhornten, teilweise ausgetrockneten

Zellen sind wenig abgeplattet. 2. An Stellen mit ~dünner Epidermis~

(übrige Hautoberfläche) ist das Stratum granulosum dünn und von Lücken

unterbrochen. Ein Stratum lucidum fehlt vollkommen. Die mit einer

Hornmembran umgebenen Zellen des Stratum corneum sind stark abgeplattet

und verbinden sich zu Lamellen. Vom Kern geht auch die letzte Spur

verloren.

[Illustration: Fig. 331.

Aus einem Schnitt durch die Haut der Fußsohle eines erwachsenen

Menschen. 360mal vergrößert. Technik Nr. 166, S. 450.]

Die Oberfläche der Hornschicht unterliegt einer beständigen

Abschilferung; der hierdurch entstehende Verlust wird durch

Nachrücken der Elemente der Keimschicht ausgeglichen.

Die Färbung der Haut hat ihren Grund in der Einlagerung feiner

Pigmentkörnchen zwischen und in den Zellen der tieferen Lagen der

Epidermis; auch in dem benachbarten Korium finden sich ganz geringe

Mengen kleiner Pigmentkörnchen; sie fehlen gänzlich an Vola und Planta,

stärker pigmentierte Bindegewebszellen kommen nur an einzelnen Stellen

in beträchtlicher Zahl, z. B. in der Umgebung des Anus, vor.

Über die Herkunft des Epidermispigments bestehen zweierlei

Meinungen, von denen die eine die Entstehung des Pigments

in das Bindegewebe, die andere in das Epithel verlegt. Nach

der ersteren Meinung -- der sogenannten Übertragungstheorie

-- wird den Epidermiszellen das Pigment durch pigmentierte

Bindegewebszellen zugeführt, die aus dem Korium in die Epidermis

wandern und sich dort auflösen sollen. Man findet nun wirklich,

z. B. in der menschlichen Haarzwiebel, sehr verschieden

gestaltete Pigmentfiguren zwischen den Epithelzellen des Haares;

ein Teil dieser Figuren sind Zellen, ob es Bindegewebszellen

sind, ist nicht mit Sicherheit erwiesen; ein anderer Teil

sind keine Zellen, sondern Füllungen der interzellulären

Spalten mit Pigment. Zugunsten der zweiten Meinung spricht die

Entwicklungsgeschichte, welche lehrt, daß das Pigment zuerst

im Epithel der Haare, ohne Vermittlung von Bindegewebszellen

entsteht; auch das Pigment der Netzhaut ist sicher rein

epithelialer Abkunft.

Das Hautpigment ist ein Schutz gegen die Folgen intensiver

Belichtung und gegen die schädlichen Wirkungen verdunstender

Feuchtigkeit.

Die Nägel.

Die Nägel sind Hornplatten, welche auf einer besonderen Modifikation

der Haut, dem ~Nagelbette~, aufliegen. Das Nagelbett wird seitlich

von ein paar sich nach vorn abflachenden Wülsten, den ~Nagelwällen~,

begrenzt. Nagelbett und Nagelwall umfassen eine Rinne, den ~Nagelfalz~,

in welchen der Seitenrand des Nagels eingefügt ist (Fig. 332). Der

hintere Rand des Nagels, die ~Nagelwurzel~, steckt in einer ähnlichen,

nur noch tieferen Rinne; hier findet das hauptsächlichste Wachstum des

Nagels statt; diese Stelle heißt ~Matrix~. Der vordere, freie Nagelrand

überragt den ~Nagelsaum~, einen schmalen, saumartigen Vorsprung am

Vorderende des Nagelbettes.

Das ~Nagelbett~ besteht aus Korium und aus Epithel. Die viele

elastische Fasern enthaltenden Bindegewebsbündel des Korium verlaufen

teils parallel der Längsachse des Fingers, teils senkrecht vom Periost

der Phalange zur Oberfläche. Die Oberfläche des Korium besitzt keine

Papillen, sondern feine, longitudinal ziehende Leistchen. Dieselben

beginnen niedrig an der Matrix, nehmen nach vorn an Höhe zu und enden

plötzlich an der Stelle, wo der Nagel sich von seiner Unterlage

abhebt. Das Epithel (~Stratum germinativum~ des Nagels) ist ein

mehrschichtiges Pflasterepithel, von gleichem Baue wie die Keimschicht

der Epidermis. Es bedeckt die Leistchen, füllt die zwischen denselben

befindlichen Furchen aus und ist gegen das Stratum corneum des

Nagels scharf abgesetzt. Die ~Matrix~ besteht ebenfalls aus Korium

und Epithel; das Korium ist durch hohe Papillen ausgezeichnet; das

mehrschichtige Pflasterepithel ist sehr dick und ist hier vom Stratum

corneum nicht scharf abgesetzt, sondern geht allmählich in dieses über.

Hier ist die Stelle, wo durch fortwährende Teilung der Epithelzellen

das Material zum Wachstume des Nagels geliefert wird. Deswegen heißt

das Epithel hier auch ~Keimschicht~ des Nagels. Die Ausdehnung der

Matrix ist durch die mit unbewaffnetem Auge sichtbare ~Lunula~, ein

weißes, nach vorn konvexes Feld, gekennzeichnet; sie wird bedingt

durch die dicke gleichmäßig ausgebreitete Keimschicht. Der ~Nagelwall~

zeigt den gewöhnlichen Bau der äußeren Haut. Das Stratum germinativum

desselben geht allmählich in dieselbe Schicht des Nagelbettes über. Die

Hornschicht des Nagelwalles reicht bis in den Nagelfalz und überzieht

als »Eponychium« noch einen kleinen Teil des Nagelrandes, hört aber

bald sich verdünnend auf (Fig. 332).

[Illustration: Fig. 332.

Dorsale Hälfte eines Querschnittes des dritten Fingergliedes eines

Kindes. 15mal vergrößert. Die Leistchen des Nagelbettes sehen im

Querschnitte wie Papillen aus. Technik Nr. 168, S. 451.]

[Illustration: Fig. 333.

Elemente des menschlichen Nagels. 240mal vergrößert. Technik Nr. 169,

S. 451.]

Der ~Nagel~ selbst besteht aus verhornten Epidermisschüppchen, die sehr

fest miteinander verbunden sind und sich von den Schüppchen des Stratum

corneum der Epidermis dadurch unterscheiden, daß ihr Kern erkennbar

bleibt (Fig. 333).

Haare und Haarbälge.

Die Haare sind biegsame, elastische Hornfäden, welche fast über

die ganze Körperoberfläche verbreitet und im Bereich der Kopfhaut

zu kleinen Gruppen vereint sind. Man nennt den frei über die Haut

hervorragenden Teil des Haares ~Schaft~, ~Scapus~; der in die

Haut schräg eingesenkte Teil wird ~Haarwurzel~, ~Radix pili~,

genannt; diese ist an ihrem unteren Ende zu einem hohlen Knopf,

der ~Haarzwiebel~, ~Bulbus pili~, aufgetrieben, welcher von einer

Koriumbildung, der ~Haarpapille~, ausgefüllt wird (Fig. 334).

[Illustration: Fig. 334.

Aus einem dicken Durchschnitte der menschlichen Kopfhaut. 20mal

vergrößert. Technik Nr. 171, S. 451.]

Jede Haarwurzel steckt in einer Modifikation der Haut, dem ~Haarbalge~,

an dessen Aufbau sich Korium und Epidermis beteiligen; die von

letzterer gelieferten Teile werden ~Wurzelscheiden~ genannt; was vom

Korium abstammt, heißt ~bindegewebiger Haarbalg~. In den Haarbalg

münden seitlich oben zwei bis fünf Drüsen, die ~Haarbalgdrüsen~,

~Glandulae sebaceae~. Schräg von der Koriumoberfläche herabziehende,

mit elastischen Ursprungssehnen versehene Bündel glatter Muskelfasern,

~M. arrector pili~, setzen sich unterhalb einer Haarbalgdrüse an den

bindegewebigen Haarbalg; die Insertionsstelle dieser Fasern findet

sich stets an der gegen die Tiefe des Korium gekehrten Seite (Fig.

334); ihre Kontraktion wird also eine Aufrichtung von Haarbalg und Haar

zur Folge haben. Der M. arrector fehlt den Wollhaaren der Nase, Wangen,

Lippen, ferner den Zilien und den Vibrissae.

Das Haar besteht ganz aus Epithelzellen, welche in drei scharf

unterscheidbare Schichten geordnet sind:

1. das ~Oberhäutchen des Haares~, Haarkutikula, welches die Oberfläche

des Haares überzieht,

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 159 / 286 题