Die äußere Haut (Integumentum commune, Cutis) besteht in ihrer
Hauptmasse aus Bindegewebe, welches jedoch nirgends frei zutage liegt,
sondern mit einem zusammenhängenden epithelialen Überzuge versehen
ist. Neben ihrer Aufgabe, einen mechanischen Schutz zu gewährleisten,
der durch den derben Aufbau des bindegewebigen Anteils (~Lederhaut~,
~Corium~[116], Derma) und durch die Verhornung im Epithel (~Oberhaut~
Epidermis) zustande kommt, besitzt die Haut besondere Einrichtungen,
die sie zu einem vielseitig beanspruchten Organ des Körpers gestalten.
Alle Spezialeinrichtungen sind durch besondere Entwicklungsformen
der Epidermis gekennzeichnet; die ~Nägel~, extrem verhornte Platten,
die ~Haare~, bei Tieren fast über den ganzen Körper als Wärmeschutz
verbreitet sind solche oberflächlich liegende Epidermisprodukte. In die
Lederhaut versenkt, dienen mannigfache ~Drüsen~ teils der Regulation
der Wasserverdunstung (Schweißdrüsen), teils besonderen Aufgaben
(Talgdrüsen, Milchdrüsen).
Die äußere Haut.
~Lederhaut.~ Die Oberfläche der Lederhaut ist von vielen feinen
Furchen durchzogen, welche entweder, sich kreuzend, rautenförmige
Felder abgrenzen oder, auf längere Strecken parallel laufend, schmale
Leistchen zwischen sich fassen. Die rautenförmigen Felder sind am
größten Teile der Körperoberfläche zu sehen, während die Leistchen
auf die Beugeseite der Hand und des Fußes beschränkt sind. Auf den
Feldern und Leistchen stehen zahlreiche, meist kegelförmige Wärzchen,
die ~Papillen~, deren Zahl und Größe an den verschiedenen Stellen
des Körpers bedeutenden Schwankungen unterworfen ist. Die meisten
und größten (bis zu 0,2 mm hohen), oft mehrfach geteilten Papillen
finden sich an der Hohlhand und an der Fußsohle, auf deren Leistchen
sie ziemlich regelmäßig in zwei Reihen stehen (Fig. 328); sehr gering
entwickelt sind sie in der Haut des Gesichts; in höherem Alter können
Papillen gänzlich verschwinden.
[Illustration: Fig. 328.
Senkrechter Schnitt durch die Fußsohlenhaut des erwachsenen Menschen,
genau quer durch die Leistchen. Vier Leistchen sind zu sehen; ihr
Coriumteil ist nicht so deutlich von Nachbarleistchen abzugrenzen, wie
der epidermoidale. Zu jedem Leistchen gehören zwei Papillen. Zwischen
jenen des Leistchens B sieht man den Ausführungsgang einer Knäueldrüse.
25mal vergrößert. Technik Nr. 166, S. 450.]
Die Lederhaut besteht vorzugsweise aus netzartig sich durchflechtenden
Bindegewebsbündeln, welchen elastische Fasern, Zellen und glatte
Muskelfasern beigemengt sind. Die ~Bindegewebsbündel~ sind in den
oberflächlicheren Schichten der Lederhaut fein und zu einem dichten
Flechtwerke vereinigt, in den tieferen Schichten dagegen gröber; hier
bilden sie, indem sie sich unter spitzen Winkeln überkreuzen, ein
grobmaschiges Netzwerk. Man unterscheidet deshalb an der Lederhaut
zwei Schichten: eine oberflächliche papillentragende, von einer
feinen Basalmembran überzogene Schicht, ~Stratum papillare~, und
eine tiefe Schicht, ~Stratum reticulare~. Beide Schichten sind nicht
scharf voneinander getrennt, sondern gehen ganz allmählich ineinander
über (Fig. 329). Das Stratum reticulare hängt in der Tiefe mit einem
Netze lockerer Bindegewebsbündel zusammen, in dessen weiten Maschen
Fetträubchen gelegen sind. Diese Schicht heißt ~Stratum subcutaneum~;
massenhafte Fettablagerung in den Maschen dieser Schicht führt zur
Bildung des ~Panniculus adiposus~. Die Bündel des Stratum subcutaneum
endlich hängen fester oder lockerer mit den bindegewebigen Umhüllungen
der Muskeln (den Faszien) oder der Knochen (dem Periost) zusammen.
[Illustration: Fig. 329.
Senkrechter Schnitt durch die Haut der Fußsohle eines erwachsenen
Menschen. 25mal vergrößert. Technik Nr. 166, S. 450.]
Die ~elastischen~ Fasern, welche im Stratum papillare feiner,
im Stratum reticulare dicker sind, bilden gleichmäßig im Korium
verteilte Netze. Das subkutane Gewebe leicht verschiebbarer
Haut ist verhältnismäßig arm an elastischen Fasern; besonders
reich an solchen ist die Haut im Gesicht und in der Umgebung der
Gelenke. Die ~Zellen~ sind teils platte, teils spindelförmige
Bindegewebszellen, teils weiße Blutzellen, teils Fettzellen.
Die Anzahl der zelligen Elemente ist eine sehr wechselnde. Die
~Muskelfasern~ gehören fast durchweg der glatten Muskulatur
an, sie sind meist an die Haarbälge gebunden (S. 433), nur an
wenigen Körperstellen finden sie sich als häutige Ausbreitung
(Tunica dartos, wo diese stark von elastischen Fasern durchsetzt
ist, Brustwarze). Quergestreifte Muskelfasern finden sich als
Ausstrahlung der mimischen Muskeln in der Haut des Gesichts.
[Illustration: Fig. 330.
Abgelöste Epidermis des menschlichen Fußrückens von der Unterfläche
her gesehen. Das Präparat ist gewissermaßen der Abguß, während die mit
Papillen besetzte Koriumoberfläche die Matrize darstellt; was am Korium
erhaben ist, scheint hier vertieft und umgekehrt. 120mal vergrößert.
Technik Nr. 167, S. 451.]
~Oberhaut~ (Epidermis). Die Oberhaut besteht aus geschichtetem
Plattenepithel, welches mindestens zwei scharf voneinander getrennte
Lagen unterscheiden läßt; eine tiefe, die Keimschicht, Stratum
germinativum (Malpighi), welche die zwischen den Koriumpapillen
befindlichen Vertiefungen ausfüllt, und eine oberflächliche, festere,
die Hornschicht, Stratum corneum. Beide Schichten bestehen durchaus aus
Epithelzellen, welche in den einzelnen Lagen ein verschiedenes Aussehen
zeigen. Die Zellen der tiefsten Lage der ~Keimschicht~ sind membranlos,
zylindrisch mit länglichem Kerne; darauf folgen mehrere Lagen
rundlicher Zellen, zwischen denen die Interzellularspalten besonders
weit sind, die Interzellularbrücken deshalb wie Stacheln zwischen den
Zellen angeordnet sind (Stachelzellen). Durch die Interzellularbrücken
setzen sich an dickeren Epidermisstücken faserige Zellstrukturen in
benachbarte Zellen fort. In der Tiefe, meist in der untersten Lage der
Keimschicht, findet eine fortwährende Neubildung zelliger Elemente
durch indirekte Kernteilung statt. Die ~Hornschicht~ ist nicht überall
gleich gebaut, man kann vielmehr zweierlei Typen unterscheiden:
1. An Stellen mit ~dicker Epidermis~ (Beugefläche der Hand und des
Fußes) ist die der Keimschicht zunächst gelegene Zellenschicht durch
stark glänzende Körnchen (Keratohyalinkörnchen) ausgezeichnet. Diese
Schicht heißt ~Stratum granulosum~ (Fig. 331). In der nächsten
Schicht findet sich eine die Zellen diffus durchtränkende Masse, das
~Eleidin~ (~Stratum lucidum~). Ganz oberflächlich liegt das breite,
eigentliche ~Stratum corneum~. Hier ist das Eleidin fester geworden
(Pareleidin)[117], die peripheren Teile der Zellen bilden sich zu
verhornten Membranen um, das im Innern der Zellen gelegene Zytoplasma
vertrocknet zu einem feinen Maschenwerk; die Interzellularbrücken sind
nicht mehr Verbindungsfäden, sondern nur kurze Zähnchen. Der Kern
vertrocknet; die Höhle, in welcher er gelegen war, erhält sich aber
noch lange. Die so teilweise verhornten, teilweise ausgetrockneten
Zellen sind wenig abgeplattet. 2. An Stellen mit ~dünner Epidermis~
(übrige Hautoberfläche) ist das Stratum granulosum dünn und von Lücken
unterbrochen. Ein Stratum lucidum fehlt vollkommen. Die mit einer
Hornmembran umgebenen Zellen des Stratum corneum sind stark abgeplattet
und verbinden sich zu Lamellen. Vom Kern geht auch die letzte Spur
verloren.
[Illustration: Fig. 331.
Aus einem Schnitt durch die Haut der Fußsohle eines erwachsenen
Menschen. 360mal vergrößert. Technik Nr. 166, S. 450.]
Die Oberfläche der Hornschicht unterliegt einer beständigen
Abschilferung; der hierdurch entstehende Verlust wird durch
Nachrücken der Elemente der Keimschicht ausgeglichen.
Die Färbung der Haut hat ihren Grund in der Einlagerung feiner
Pigmentkörnchen zwischen und in den Zellen der tieferen Lagen der
Epidermis; auch in dem benachbarten Korium finden sich ganz geringe
Mengen kleiner Pigmentkörnchen; sie fehlen gänzlich an Vola und Planta,
stärker pigmentierte Bindegewebszellen kommen nur an einzelnen Stellen
in beträchtlicher Zahl, z. B. in der Umgebung des Anus, vor.
Über die Herkunft des Epidermispigments bestehen zweierlei
Meinungen, von denen die eine die Entstehung des Pigments
in das Bindegewebe, die andere in das Epithel verlegt. Nach
der ersteren Meinung -- der sogenannten Übertragungstheorie
-- wird den Epidermiszellen das Pigment durch pigmentierte
Bindegewebszellen zugeführt, die aus dem Korium in die Epidermis
wandern und sich dort auflösen sollen. Man findet nun wirklich,
z. B. in der menschlichen Haarzwiebel, sehr verschieden
gestaltete Pigmentfiguren zwischen den Epithelzellen des Haares;
ein Teil dieser Figuren sind Zellen, ob es Bindegewebszellen
sind, ist nicht mit Sicherheit erwiesen; ein anderer Teil
sind keine Zellen, sondern Füllungen der interzellulären
Spalten mit Pigment. Zugunsten der zweiten Meinung spricht die
Entwicklungsgeschichte, welche lehrt, daß das Pigment zuerst
im Epithel der Haare, ohne Vermittlung von Bindegewebszellen
entsteht; auch das Pigment der Netzhaut ist sicher rein
epithelialer Abkunft.
Das Hautpigment ist ein Schutz gegen die Folgen intensiver
Belichtung und gegen die schädlichen Wirkungen verdunstender
Feuchtigkeit.
Die Nägel.
Die Nägel sind Hornplatten, welche auf einer besonderen Modifikation
der Haut, dem ~Nagelbette~, aufliegen. Das Nagelbett wird seitlich
von ein paar sich nach vorn abflachenden Wülsten, den ~Nagelwällen~,
begrenzt. Nagelbett und Nagelwall umfassen eine Rinne, den ~Nagelfalz~,
in welchen der Seitenrand des Nagels eingefügt ist (Fig. 332). Der
hintere Rand des Nagels, die ~Nagelwurzel~, steckt in einer ähnlichen,
nur noch tieferen Rinne; hier findet das hauptsächlichste Wachstum des
Nagels statt; diese Stelle heißt ~Matrix~. Der vordere, freie Nagelrand
überragt den ~Nagelsaum~, einen schmalen, saumartigen Vorsprung am
Vorderende des Nagelbettes.
Das ~Nagelbett~ besteht aus Korium und aus Epithel. Die viele
elastische Fasern enthaltenden Bindegewebsbündel des Korium verlaufen
teils parallel der Längsachse des Fingers, teils senkrecht vom Periost
der Phalange zur Oberfläche. Die Oberfläche des Korium besitzt keine
Papillen, sondern feine, longitudinal ziehende Leistchen. Dieselben
beginnen niedrig an der Matrix, nehmen nach vorn an Höhe zu und enden
plötzlich an der Stelle, wo der Nagel sich von seiner Unterlage
abhebt. Das Epithel (~Stratum germinativum~ des Nagels) ist ein
mehrschichtiges Pflasterepithel, von gleichem Baue wie die Keimschicht
der Epidermis. Es bedeckt die Leistchen, füllt die zwischen denselben
befindlichen Furchen aus und ist gegen das Stratum corneum des
Nagels scharf abgesetzt. Die ~Matrix~ besteht ebenfalls aus Korium
und Epithel; das Korium ist durch hohe Papillen ausgezeichnet; das
mehrschichtige Pflasterepithel ist sehr dick und ist hier vom Stratum
corneum nicht scharf abgesetzt, sondern geht allmählich in dieses über.
Hier ist die Stelle, wo durch fortwährende Teilung der Epithelzellen
das Material zum Wachstume des Nagels geliefert wird. Deswegen heißt
das Epithel hier auch ~Keimschicht~ des Nagels. Die Ausdehnung der
Matrix ist durch die mit unbewaffnetem Auge sichtbare ~Lunula~, ein
weißes, nach vorn konvexes Feld, gekennzeichnet; sie wird bedingt
durch die dicke gleichmäßig ausgebreitete Keimschicht. Der ~Nagelwall~
zeigt den gewöhnlichen Bau der äußeren Haut. Das Stratum germinativum
desselben geht allmählich in dieselbe Schicht des Nagelbettes über. Die
Hornschicht des Nagelwalles reicht bis in den Nagelfalz und überzieht
als »Eponychium« noch einen kleinen Teil des Nagelrandes, hört aber
bald sich verdünnend auf (Fig. 332).
[Illustration: Fig. 332.
Dorsale Hälfte eines Querschnittes des dritten Fingergliedes eines
Kindes. 15mal vergrößert. Die Leistchen des Nagelbettes sehen im
Querschnitte wie Papillen aus. Technik Nr. 168, S. 451.]
[Illustration: Fig. 333.
Elemente des menschlichen Nagels. 240mal vergrößert. Technik Nr. 169,
S. 451.]
Der ~Nagel~ selbst besteht aus verhornten Epidermisschüppchen, die sehr
fest miteinander verbunden sind und sich von den Schüppchen des Stratum
corneum der Epidermis dadurch unterscheiden, daß ihr Kern erkennbar
bleibt (Fig. 333).
Haare und Haarbälge.
Die Haare sind biegsame, elastische Hornfäden, welche fast über
die ganze Körperoberfläche verbreitet und im Bereich der Kopfhaut
zu kleinen Gruppen vereint sind. Man nennt den frei über die Haut
hervorragenden Teil des Haares ~Schaft~, ~Scapus~; der in die
Haut schräg eingesenkte Teil wird ~Haarwurzel~, ~Radix pili~,
genannt; diese ist an ihrem unteren Ende zu einem hohlen Knopf,
der ~Haarzwiebel~, ~Bulbus pili~, aufgetrieben, welcher von einer
Koriumbildung, der ~Haarpapille~, ausgefüllt wird (Fig. 334).
[Illustration: Fig. 334.
Aus einem dicken Durchschnitte der menschlichen Kopfhaut. 20mal
vergrößert. Technik Nr. 171, S. 451.]
Jede Haarwurzel steckt in einer Modifikation der Haut, dem ~Haarbalge~,
an dessen Aufbau sich Korium und Epidermis beteiligen; die von
letzterer gelieferten Teile werden ~Wurzelscheiden~ genannt; was vom
Korium abstammt, heißt ~bindegewebiger Haarbalg~. In den Haarbalg
münden seitlich oben zwei bis fünf Drüsen, die ~Haarbalgdrüsen~,
~Glandulae sebaceae~. Schräg von der Koriumoberfläche herabziehende,
mit elastischen Ursprungssehnen versehene Bündel glatter Muskelfasern,
~M. arrector pili~, setzen sich unterhalb einer Haarbalgdrüse an den
bindegewebigen Haarbalg; die Insertionsstelle dieser Fasern findet
sich stets an der gegen die Tiefe des Korium gekehrten Seite (Fig.
334); ihre Kontraktion wird also eine Aufrichtung von Haarbalg und Haar
zur Folge haben. Der M. arrector fehlt den Wollhaaren der Nase, Wangen,
Lippen, ferner den Zilien und den Vibrissae.
Das Haar besteht ganz aus Epithelzellen, welche in drei scharf
unterscheidbare Schichten geordnet sind:
1. das ~Oberhäutchen des Haares~, Haarkutikula, welches die Oberfläche
des Haares überzieht,