1. Die Speiseröhre.

Die Speiseröhre ist nur locker mit der Umgebung verbunden; die

Schleimhaut vermag sich der wechselnden Weite des Lumens dadurch

anzupassen, daß sie sich in Längsfalten legt. Entsprechend kommt es

hier zur Bildung einer locker gebauten, äußeren Faserhaut und zu einer

deutlichen Sonderung der Mukosa von der ebenfalls aus sehr lockerem

Bindegewebe bestehenden Submukosa.

Die ~Schleimhaut~ besitzt geschichtetes Pflasterepithel (Fig. 228);

die papillentragende Tunica propria wird von einer Schichte längs

verlaufender glatter Muskelfasern, der Muscularis mucosae, basalwärts

abgeschlossen; unter dieser ist die aus lockeren Bindegewebsbündeln

gewebte Submukosa gelegen, welche kleine Schleimdrüsen vom Bau der

Zungenschleimdrüsen enthält.

Ihr meist schräg kardiawärts verlaufender Ausführungsgang ist vor

dem Durchtritt durch die Muscularis mukosae oft ampullenartig

erweitert; ihm angelagert ist im Bereich der Tunica propria oft

ein Lymphknötchen. Die Zahl dieser Drüsen schwankt individuell

sehr; in der oberen Ösophagushälfte sind sie in der Regel in

größerer Menge vorhanden. Auch diese Drüsen zeigen nicht selten

Erscheinungen des Untergangs (S. 301).

Außer diesen in der Submukosa gelegenen Drüsen finden sich in

der Tunica propria des untersten Endes der Speiseröhre, in einer

1-4 mm breiten Zone, verästelte tubulöse Einzeldrüsen mit oft

ampullenförmig erweitertem Ausführungsgang, der im Gegensatz

zu demjenigen der submukösen Drüsen stets von der Spitze einer

Papille ins Epithel tritt. Diese »~Kardiadrüsen~«, welche auch

im anstoßenden Bereich der Magenschleimhaut vorkommen, gleichen

in ihrem feineren Bau meist den Pylorusdrüsen (S. 324) und

unterscheiden sich von diesen nur durch ihre reichlichere

Verästelung; dazwischen finden sich auch Magensaftdrüsen (S.

324). Gruppen ebensolcher Drüsen liegen seitlich im Anfangsteil

der Speiseröhre in der Höhe zwischen Ringknorpelplatte und

fünftem Trachealring, zuweilen auch weiter unten; ihre Menge ist

wie diejenige der Kardiadrüsen großen individuellen Schwankungen

unterworfen, in etwa 30% der untersuchten Fälle fehlen sie

gänzlich.

Solche Gruppen können bei Betrachtung mit unbewaffnetem Auge wie

Erosionen aussehen, dann nämlich, wenn an solchen Stellen das

Oberflächenepithel kein geschichtetes Pflasterepithel, sondern

Magenepithel (S. 322) ist. Möglicherweise geben die Ampullen

Veranlassung zur Entstehung von Zysten.

[Illustration: Fig. 228.

Querschnitt der menschlichen Speiseröhre oberhalb der Mitte. 5mal

vergrößert. Technik Nr. 110, S. 289.]

Die ~Muskelhaut~ besteht im Halsteile der Speiseröhre aus

quergestreiften Muskelfasern, an deren Stelle weiter unten glatte

Muskelfasern treten. Sie sind hier in zwei Lagen, einer inneren, nicht

überall genau quer verlaufenden Ring- und einer dickeren äußeren,

nicht kontinuierlichen Längsfaserlage geordnet. Die ~Faserhaut~

(Tunica adventitia) besteht aus derbem, mit zahlreichen elastischen

Elementen untermischtem Bindegewebe. Die Blutgefäße verhalten

sich wie die des Pharynx. Die aus der tieferen Schleimhautschicht

entspringenden Lymphgefäße stehen mit den Lymphgefäßen der Muskelhaut

nicht in direkter Verbindung. Die Nervenstämmchen, denen kleine

Gruppen von Ganglienzellen beigegeben sind, bilden zwischen Ring- und

Längsmuskellage ein netzförmiges Geflecht (s. Plexus myentericus

S. 339).

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 138 / 286 题