18. ~Pikrofuchsin-Färbung~ (van Gieson).

Die mit Hansens Hämatoxylin ~über~färbten (30 Minuten) Schnitte kommen

aus dem destill. Wasser

a) in 5 ccm Pikrofuchsin (Nr. 54, S. 9) 1-3 Minuten,

b) in 5 ccm destilliertes Wasser 10-30 Sekunden,

c) in 5 ccm Alkohol 90% 1 Minute,

dann Einschluß in Xylolbalsam nach § 10,3 (S. 45).

Der beim Einschluß nach § 10,3 nötige Aufenthalt in absol.

Alkohol darf hier höchstens 2 Minuten dauern.

Resultat: Bindegewebe leuchtend rot, elastisches Gewebe, Muskelfasern

gelb, Epithel und Kerne braun.

Die Methode ist nur bei ~feinen~ Schnitten anzuwenden und gelingt am

besten nach Alkohol- oder Sublimatfixation, weniger, aber auch noch

genügend, nach Fixierung in Lösungen, die Chromsäure bzw. ihre Salze

enthalten. Auch ist die Haltbarkeit der Färbung eine beschränkte.

Letzterem Mißstande kann man durch Ansäuerung (Einlegen der Schnitte

vor a) und nach b) in 5 ccm salzsaurem Alkohol [S. 9, 42] auf je eine

Minute) entgegenwirken.

19. »~Dreifachfärbung~«. Die Schnitte werden in Delafield-Hämatoxylin

gefärbt (5 S. 35), kommen aus dem Wasser

a) in Saffranin (S. 9) 5 Minuten,

dann b) in Alkohol abs. 5 "

dann c) in neuen Alkohol absol. 5 "

dann d) in neuen Alkohol absol. 5 "

dann e) in den verdünnten Pikrinalkohol (17a S. 42) 1 Minute,

dann f) in reinen Alkohol absol. 1/2 "

dann Einschluß nach § 10,3 (S. 45).

Resultat: Schleim blau, Kerne rot, Protoplasma, Fasern gelb. Besonders

schön nach Fixierung mit Chrom-Osmium-Essigsäure.

§ 9. Injizieren.

Das Füllen der Blut- und Lymphgefäße mit farbigen Massen ist eine

besondere Kunst, die nur durch sehr viel Übung erworben werden kann.

Die Kenntnis der vielen kleinen, hier zur Anwendung gelangenden

Kunstgriffe läßt sich kaum durch die Lektüre selbst in aller Breite

gegebener Anweisungen aneignen. Hier ist der praktische Unterricht

unerläßlich. Dementsprechend glaube ich in dem für Anfänger bestimmten

Buche auf die Angabe einer ausführlichen Injektionstechnik verzichten

zu müssen.

Wer sich im Injizieren versuchen will, muß eine gut schließende,

mit leicht beweglichem Stempel versehene Spritze und Kanülen von

verschiedener Dicke haben. Als Injektionsmasse empfehle ich:

Berlinerblau von ~Hollborn~ (Adr. S. 3) 3 g in 600 ccm destilliertem

Wasser gelöst.

(Siehe auch ~Tandler~, Zeitschrift für wissenschaftl. Mikroskopie

Bd. XVIII. 1901. S. 22.)

Man beginne mit der Injektion einzelner Organe, z. B. der Leber, welche

den Vorzug hat, daß selbst eine unvollkommene Füllung ihrer Gefäße noch

brauchbare Resultate ergibt. Das injizierte Objekt fixiere man 2-4

Wochen in Müllerscher Flüssigkeit (S. 15) und härte es in allmählich

verstärktem Alkohol (S. 17). Die Schnitte dürfen nicht zu dünn sein.

Für Lymphgefäß-Injektion ist chinesische Tusche (siehe ~Lendorf~,

Anatom. Hefte Bd. 17, S. 370) und die Methode von ~Polano~ (Deutsche

med. Wochenschrift 1902, Nr. 27) zu empfehlen.

§ 10. Einschließen und Konservieren der Präparate.

Die fertigen Schnitte usw. werden nun zur mikroskopischen Untersuchung

auf einen Objektträger übertragen und mit einem Deckglase bedeckt.

Die Medien, in welchen sich die Schnitte befinden, sind entweder 1.

~Wasser~, oder, wenn man die Schnitte ~aufhellen~ und ~konservieren~

will, 2. ~Glyzerin~ oder 3. ~Xylolbalsam~.

Das ~Übertragen~ auf den ~Objektträger~ geschieht so, daß man in der

Regel zuerst einen kleinen Tropfen der betreffenden Flüssigkeit auf

die Mitte des Objektträgers bringt; dann fängt man mit dem Spatel den

Schnitt auf und zieht ihn von da mit der Nadel auf den Objektträger.

Sehr feine Schnitte werden besser mit der Spitze eines Glasstabes

aufgefangen und durch Rollen desselben auf den Objektträger gebracht.

Liegt der Schnitt glatt auf, so bedeckt man ihn mit einem Deckglase.

Untersuchungen mit ~schwachen~ Vergrößerungen ~ohne~ Deckglas

sind nur zu alleroberflächlichster Orientierung, ob z. B. ein

Objekt hinreichend zerzupft ist, zulässig. In allen anderen

Fällen ist das Deckglas ~unentbehrlich~. Um sich davon zu

überzeugen, betrachte man einen unbedeckten Schnitt, decke

ihn dann mit dem Deckglase zu und betrachte wieder. Manches

gute Präparat, das man zu bedecken versäumt hat, erscheint

unbrauchbar. Untersuchungen mit starken Objektiven (Nr. 7) ohne

Deckglas sind im allgemeinen unzulässig; sie sollen nur bei

einzelnen Methoden, z. B. der Golgischen, vorgenommen werden.

Das Deckglas muß an den Kanten, ~nicht an den Flächen angefaßt

werden~; beim Bedecken wird das Deckglas mit der linken Hand auf den

Objektträger aufgesetzt und nun langsam auf das Präparat gesenkt, indem

man die Deckglasunterfläche mit einer in der rechten Hand gehaltenen

Nadel stützt. Einfacher ist es noch, an die Unterfläche des Deckglases

einen Tropfen der betreffenden Flüssigkeit anzuhängen und dann das

Deckglas sanft auf das Präparat fallen zu lassen. Die Flüssigkeit,

in welcher sich der Schnitt usw. befindet, muß genau den ~ganzen~

Raum zwischen Deckglas und Objektträger ausfüllen. Ist nicht genug

Flüssigkeit da (das ist an großen, unter dem Deckglas befindlichen

Luftblasen kenntlich), so setze man mit der Spitze eines Glasstabes

noch einen Tropfen der Flüssigkeit ~an den Rand~ des Deckglases.

Ist zuviel Flüssigkeit da -- und darin pflegt der Anfänger ganz

Besonderes zu leisten --, so ~muß~ man die über den Rand des Deckglases

hinausgetretene Flüssigkeit mit Filtrierpapier aufsaugen. ~Die

Oberfläche des Deckglases muß stets trocken sein.~ Kleine Luftblasen

unter dem Deckglase entferne man durch öfteres vorsichtiges Heben und

Senken desselben mit der Nadel (s. ferner S. 47).

1. Man versäume nie, ungefärbte wie gefärbte Schnitte in

Wasser oder Kochsalzlösung (S. 3) zu betrachten, da hier viele

Struktureigentümlichkeiten, z. B. Bindegewebsformationen scharf

hervortreten, während dieselben unter dem aufhellenden Einflusse des

Glyzerins oder des Xylolbalsams sich der Beobachtung fast gänzlich

entziehen. In Wasser (oder auch in Kochsalzlösung) eingelegte Objekte

lassen sich nicht aufheben.

2. Die in ~Glyzerin~ eingelegten Präparate lassen sich konservieren;

um die leichte Verschiebung des Deckglases zu verhindern, fixiere

man dasselbe mit Deckglaskitt (34, S. 7). Vorbedingung: Der Rand

des Deckglases muß ~vollkommen trocken sein~; denn nur an trockener

Glasfläche haftet der Kitt. Das ~Trocknen~ geschieht in der Weise, daß

man zuerst mit Filtrierpapier das über den Deckglasrand heraustretende

Glyzerin absaugt und dann mit einem mit 90%igem Alkohol befeuchteten

Tuche, das man sich über die Fingerspitze stülpt, sorgfältig den

Objektträger rings um das Deckglas abwischt, ohne letzteres zu

berühren. Nun erhitze man einen Glasstab und tauche ihn in den harten

Kitt.

Die Glasstäbe springen dabei sehr leicht, doch sind sie

Metallstäben vorzuziehen, da letztere sich zu rasch abkühlen. Man

kann dem Springen etwas vorbeugen, indem man die Glasstäbe unter

fortwährendem Drehen lange Zeit, bis zum Rotglühen, erhitzt; nur

kurz erhitzte Glasstäbe springen sofort bei dem Eintauchen in den

Kitt.

Man bringe zunächst vier Tropfen an die Ecken des Deckglases und ziehe

dann einen vollständigen Rahmen, der so beschaffen sein muß, daß er

einerseits das Deckglas, andererseits den Objektträger in einer Breite

von 1-3 mm deckt. Schließlich glätte man mit dem nochmals erhitzten

Stabe die Oberfläche des Rahmens.

In Glyzerin konservierte Präparate werden oft erst am zweiten oder

dritten Tage schön durchsichtig. Hämatoxylin und viele Anilinfarbstoffe

verblassen darin nach kurzer Zeit; Karmine sind dagegen haltbar.

3. Das Einschließen der Objekte in ~Xylolbalsam~ ist die beliebteste

Konservierungsmethode. Balsam hat dem Glyzerin gegenüber den Vorteil,

daß er die Farben erhält, ein Nachteil besteht aber darin, daß er viel

stärker aufhellt, als das verdünnte Glyzerin, und mancherlei feine

Strukturen dadurch vollkommen verschwinden macht.

Die in Wasser oder Alkohol befindlichen Schnitte können nicht ohne

weiteres in Balsam eingelegt werden, ~sie müssen vorher wasserfrei

gemacht werden~. Zu dem Zwecke werden die Schnitte mit der Nadel (sehr

feine Schnitte mit Spatel und Nadel) in ein bedecktes Uhrschälchen mit

5 ccm absolutem Alkohol gebracht. Dabei soll den Schnitten möglichst

wenig Wasser anhaften; benützt man einen Spatel, so sauge man von

diesem das Wasser mit Filtrierpapier ab; überträgt man den Schnitt

mit einer Nadel, so kann man gleichfalls durch leichtes Berühren

des Schnittes mit Filtrierpapier das Wasser entfernen. Im absoluten

Alkohol verweilen sie 2 Minuten (dünne Schnitte) -- 10 Minuten

(dickere Schnitte) oder beliebig länger. Dann übertrage man die von

Alkohol gleichfalls möglichst befreiten Schnitte zum ~Aufhellen~

in ein Uhrschälchen mit ca. 3 ccm Karbolxylol bzw. Xylol. Stellt

man das Schälchen auf schwarzes Papier, so kann man das allmähliche

Transparentwerden der Schnitte beobachten. Man vermeide in das

Uhrschälchen zu hauchen, eine sofortige Trübung des Xylols ist die

Folge. Werden einzelne Stellen der Schnitte nach 2-3 Minuten nicht

durchsichtig (solche Stellen erscheinen alsdann bei auffallendem Lichte

trübweiß, bei durchfallendem Lichte schwarzbraun), so ist der Schnitt

nicht wasserfrei gewesen und muß noch einmal in den absoluten Alkohol

zurückgebracht werden. Nach vollzogener Aufhellung wird der Schnitt auf

den trockenen Objektträger übertragen, das überflüssige Xylol durch

sanftes Aufdrücken eines Streifens glatten Filtrierpapiers entfernt und

rasch ein Deckglas aufgelegt, an dessen Unterfläche ein Tropfen Balsam

angehängt worden ist.

Der doppelt gefaltete Streifen wird mit der linken Hand am linken

Ende des Objektträgers festgehalten, der flach aufgesetzte

Zeigefinger der rechten Hand streicht unter sanftem Drucke den

auf dem Präparat liegenden Streifen in der Richtung von links

nach rechts.

Sollen mehrere Schnitte unter ~ein~ Deckglas gebracht werden, so ordne

man zuerst die Schnitte mit der Nadel nahe zusammen, breite dann den

Balsam auf der Deckglasunterfläche mit einem Glasstabe in gleichmäßig

dünner Schicht aus und lege dann das Deckglas auf. Große Luftblasen

werden durch Anfügen eines kleinen Tropfen Balsams an den Deckglasrand

vertrieben; am nächsten Tage sieht man, daß die Luftblase unter dem

Deckglase hervorgetreten ist. Kleine Luftblasen verschwinden von

selbst, können also unbeachtet bleiben.

Die Handhabung mit Xylol ist wegen seiner größeren

Empfindlichkeit gegen Wasser, und weil es leicht verdunstet,

schwieriger. Manches gute Präparat verdirbt noch im letzten

Augenblicke, weil man das Xylol verdunsten ließ.

Das zum Aufhellen benutzte Karbolxylol in der Uhrschale kann

wieder in die Flasche zurückgegossen werden.

Anfängern begegnet es nicht selten, daß der Balsam sich trübt und

schließlich das ganze Präparat oder Teile desselben undurchsichtig

macht. Der Grund liegt darin, daß der Schnitt nicht vollkommen

wasserfrei war. Bei geringer Trübung, die unter dem Mikroskop als

aus kleinsten Wassertröpfchen bestehend sich erweist, genügt oft ein

leichtes Erwärmen des Objektträgers; bei stärkeren Trübungen lege

man den ganzen Objektträger in Karbolxylol, hebe das Deckglas nach

einer halben Stunde vorsichtig ab, lege den Schnitt zwei Minuten

in Karbolxylol, um den anhaftenden Balsam zu lösen, und dann zur

vollkommenen Wasserentziehung in 4 ccm absoluten Alkohol, der nach 5

Minuten zu wechseln ist. Dann Karbolxylol und Balsam.

Der Balsam trocknet sehr langsam, die Objektträger dürfen deshalb nicht

auf die Kante gestellt werden.

Heißt es also in den allgemeinen oder speziellen Vorschriften

»Einschließen in Xylolbalsam nach § 10, 3 S. 45«, so kommen die

fertiggefärbten Schnitte (Häute usw.)

a) in 5 ccm Alkohol absolut. 5 (dicke Schnitte) 10 Minuten lang,

b) in 5 ccm Karbolxylol (oder Xylol) 2 " "

c) in Xylolbalsam.

Obenstehende Quantitäten sind für 3-6 Schnitte berechnet; bei

mehr Schnitten ist besonders die Menge des absoluten Alkohols zu

vergrößern.

§ 11. Untersuchung frischer Objekte.

Ich habe dieselbe an das Ende sämtlicher Methoden gestellt, weil

sie das Schwerste von allem ist und ein schon etwas geübtes Auge

voraussetzt. Diese Übung läßt sich am leichtesten durch vorhergehende

Untersuchung schon ~präparierter~ (gehärteter und gefärbter usw.)

Objekte aneignen; hat man einmal Struktureigentümlichkeiten deutlich

gesehen und studiert, so ist es nicht zu schwer, dieselben auch an

frischen Objekten wieder aufzufinden, obwohl die meisten Einzelheiten

an Deutlichkeit manches zu wünschen übrig lassen. Zu beachten ist hier

folgendes:

Objektträger und Deckglas dürfen nicht fett sein. Man reinige sie mit

Alkohol und trockne sie mit einem ganz reinen Tuche.

Zur Reinigung neuer Deckgläser von Fett empfiehlt es sich, die

Gläser auf einem Stück Schwarzblech 5 Minuten über der vollen

Flamme eines Bunsenbrenners zu erhitzen. Objektträger legt man

1/2 Stunde oder beliebig länger (Monate!) in Seifenwasser und

spült sie vor dem Gebrauch mit reinem Wasser ab. Unbrauchbare mit

Xylolbalsam und Deckglas bedeckte Objektträger werfe man in ein

großes Glas mit (90-96%igem) Alkohol. Nach einigen Tagen lassen

sich die Deckgläser leicht abheben. Dann Putzen mit Alkohol, dann

Seifenwasser.

Dann bringe man einen Tropfen Ringer- oder Kochsalzlösung (S. 3) auf

den Objektträger, lege dann ein ~kleines~ Stück des zu untersuchenden

Gegenstandes hinein und bedecke dasselbe mit dem Deckglase. Dabei muß

jeder Druck sorgfältig vermieden werden; bei sehr zarten Objekten

(s. spezielle Technik) bringe man an die Seiten derselben zwei feine

Papierstreifchen, auf denen dann das Deckglas ruht, ohne das Objekt

selbst zu drücken. Bedarf das Objekt keiner weiteren Behandlung, so

umrahme man, um Verdunstung zu verhindern, das Deckglas mit Paraffin.

Man schmelze auf einem alten Skalpell oder dgl. ein etwa linsengroßes

Stückchen Paraffin und lasse es, nicht von der Spitze, sondern von

der Schneide des Skalpells, an den Deckglasrand fließen; etwaige

Lücken kann man mit nochmals erhitztem Skalpell verstreichen. In den

meisten Fällen prüft man aber bei frischen Objekten die Einwirkung

gewisser Reagenzien (Essigsäure, Kalilauge, Farbstoffe) direkt unter

dem Mikroskop. Es handelt sich also darum, einen Teil des Medium, in

dem das Objekt sich augenblicklich befindet (also in unserem Falle

die Kochsalzlösung), zu entfernen und durch eine andere Flüssigkeit,

z. B. Pikrokarmin, zu ersetzen, also zu ~färben unter dem Deckglase~.

Zu diesem Zwecke bringe man zuerst an den rechten Deckglasrand mit

einem Glasstabe einen Tropfen. Reicht der Tropfen nicht ganz bis an

den Deckglasrand, so neige man nicht etwa den Objektträger, sondern

man führe mit einer Nadel den Tropfen bis zum Rande des Deckglases.

Man sieht nun, daß ein wenig der Farbe sich mit der Kochsalzlösung

mischt, aber ein ordentliches Fließen der Farbflüssigkeit unter das

Deckglas findet nicht statt. Um das zu ermöglichen, setze man an den

linken Rand des Deckglases etwas Filtrierpapier, und alsbald sieht man

das Pikrokarmin die ganze Unterfläche des Glases einnehmen. Wenn der

erste Tropfen eingedrungen ist, setze man je nach Belieben 2-3 Tropfen

an den rechten Deckglasrand. Nun schiebe man das Filtrierpapier zur

Seite und lasse die Farbe wirken; ist die Färbung vollendet -- das

läßt sich ja stets unter dem Mikroskop kontrollieren --, so bringe

man jetzt an den rechten Deckglasrand einen Tropfen z. B. verdünntes

Glyzerin, dem man bei Pikrokarminfärbungen soviel Essigsäure zusetzt,

als von einer einmal eingetauchten Stahlnadel abtropft (also einen ganz

kleinen Tropfen), während links wieder das Filtrierpapier angesetzt

wird. Auf diese Weise kann man eine ganze Reihe von Flüssigkeiten

unter dem Deckglase ~durchleiten~ und so ihre Wirkungen auf die Gewebe

erproben. Einzelne der Flüssigkeiten, z. B. Pikrokarmin, besonders nach

vorhergegangener Osmiumfixierung, färben sehr langsam und müssen sehr

lange mit den Objekten in Berührung bleiben. Man verhindert alsdann die

Verdunstung, indem man das Präparat in die ~feuchte Kammer~ verbringt.

Zur Herstellung der feuchten Kammer braucht man einen Porzellanteller

und einen kleinen Glassturz von mindestens 9 cm Durchmesser. Ein

Topf, ein größeres Präparatenglas usw. tut dieselben Dienste. In den

Teller gieße man Wasser ca. 2 cm hoch, dann stelle man in die Mitte

ein Glasnäpfchen oder eine auf vier Holzfüßen stehende Korkplatte; auf

diese wird der Objektträger mit dem Präparat gelegt und das Ganze mit

dem Glassturze bedeckt, dessen freier Rand überall in das Wasser taucht.

§ 12. Vitale Färbung.

Im Gegensatz zu der Strukturfärbung fixierter Objekte lassen sich in

lebenden Zellen mit bestimmten Farbstoffen Effekte erzielen, die auf

der Lebenstätigkeit der Zellen beruhen. Aus diesem Grunde ist jede

»Vitalfärbung« ein hochkomplizierter biologischer Vorgang.

Manche ~basische Farbstoffe~ färben in vielen lebenden Zellen gewisse

tropfige Zelleinschlüsse, ohne das übrige Zytoplasma und die Zellkerne

mitzufärben. Man kann diese Färbung auch an frischen, dem Körper

entnommenen Geweben ausführen, indem man sie in einem Uhrschälchen

in eine Ringerlösung überführt, der 1/100-2/100 Gewichtsprozente

~Neutralrot~ beigemischt sind, so daß also 1/10000-2/10000

Neutralrotlösung verwandt wird. Nach 15-30 Minuten sieht man eine

langsam zunehmende Färbung der tropfigen Zelleinschlüsse. In vielen

Fällen erleichtert diese Färbung die Beobachtung nicht unwesentlich.

Durch zu starke Farbstoffkonzentrationen sterben die Zellen unter

intensiver diffuser Farbstoffaufnahme in Kern und Zytoplasma ab.

Viele ~saure Farbstoffe~, unter ihnen an erster Stelle ~Trypanblau~ und

~Lithionkarmin~, werden vom lebenden Organismus in vielen Zellen in

Vakuolenform abgelagert. Da hierbei eine konstante Auswahl von Zellen

an der Speicherung teilnimmt, ist diese Art der vitalen Färbung für

die Untersuchung normaler wie pathologischer Vorgänge im Organismus

besonders wichtig. Man verwendet Trypanblau 1,0 auf 100,0 Aq. dest.

und spritzt Mäusen davon subkutan je 1,0 ccm 6-8mal in Abständen von

4-5 Tagen ein, wodurch eine dauerhafte Speicherung erzielt wird. Nach

Tötung konserviert man die ganze Maus (nach breiter Eröffnung der

Körperhöhlen) in Formalin 10%ig (s. Nr. 2, S. 14) und verarbeitet das

Material entweder mit der Gefrierschnittmethode (s. S. 21) oder nach

Einbettung in Zelloidin.

Auf einzelne besondere Anwendungsweisen der vitalen Färbung wird im

Speziellen Teil hingewiesen.

§ 13. Aufbewahren der Dauerpräparate.

Die fertigen Präparate müssen sofort etikettiert werden. Man nehme

entweder gummierte Papieretiketten, oder solche aus ca. 1,2 mm dicker

Pappe, welche man mit Fischleim (»Syndetikon«) aufklebt. Dadurch

werden besondere Schutzleisten überflüssig; die Objektträger können

aufeinandergelegt werden, ohne daß die Präparate gedrückt werden. Die

Etiketten sollen möglichst groß (von ca. 2 cm Seite bei Objektträgern

englischen Formates) und mit dem Namen des Tieres, des Organs und

womöglich mit kurzer Andeutung der Methode versehen sein. Zum

Aufbewahren verwende man Kästen, in denen die Objektträger liegen, oder

solche, in denen sie auf der Kante stehen.

Die besten und billigsten Kästen erhält man bei ~Th. Schroeter,

Leipzig-Connewitz~.

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 58 / 286 题