7. Mit ~Methylenblau~.

Die Objekte, Zupfpräparate, Häute usw. werden möglichst frisch

auf einen Objektträger gebracht und mit ein paar Tropfen einer

1/8prozentigen Methylenblaulösung (4 ccm der 1% Lösung (S. 9, 51) + 24

ccm 0,65%iger Kochsalzlösung) bedeckt und in zugedeckter Glasschale

gestellt

a) in einen auf 36-37 °C geheizten Wärmeschrank. 1-1-1/2 Stunden

Alle 10-15 Minuten müssen die Präparate unter dem Mikroskop

kontrolliert werden, um den Verlauf der Färbung zu verfolgen,

denn das Erfassen des richtigen Momentes der maximalen Färbung

der Präparate und deren rechtzeitige Fixierung ist für das

Gelingen sehr wesentlich. Bei der Kontrolle müssen neue Tropfen

der Methylenblaulösung zugesetzt werden, sobald die Oberfläche

der Präparate nicht genügend feucht erscheint.

dann wird der Objektträger mit dem Präparat

zur Fixierung gelegt in b) große Mengen

(40 ccm) 7%iges molybdänsaures Ammonium

(S. 9, 52) 18-20 Stunden

hier lösen sich die Objekte vom Objektträger ab,

dann c) in Aq. destill. 3-6 "

von hier aus werden die Objekte auf den Objektträger gebracht,

wo Falten und dergl. mit der Nadel ausgeglichen werden und auf

dem Objektträger (nach § 10,3, S. 45) in Xylolbalsam eingeschlossen.

8. ~Golgis schwarze Reaktion~ (färbt außer Nervenelementen auch die

Sekretwege).

Die Methode vereinigt Fixieren und Färben. Die Objekte müssen

möglichst frisch sein, ihr Durchmesser soll im allgemeinen 4 mm nicht

überschreiten. Es ist aber nicht leicht, frische Gehirnstückchen u. a.

von dieser Größe zu schneiden, ohne das zarte Gewebe zu quetschen,

man lege deshalb zuerst größere (1-2 cm große) Stückchen in ein

Schälchen mit frisch zubereiteter Golgischer Mischung (S. 5), welches

zugedeckt und im Dunkeln (im Winter in einem auf ca. 25° C geheizten

Wärmeschrank) aufgehoben wird. Nach 1-2 Stunden lassen sich die

Stückchen leicht in Scheiben von ca. 4 mm Durchmesser zerschneiden.

Die Menge der Golgischen Flüssigkeit richtet sich nach der Zahl der

Scheiben, jede Scheibe beansprucht etwa 10 ccm der Mischung. Nach 2-6,

seltener bis 15 Tagen (siehe darüber die speziellen Vorschriften)

werden die Scheiben herausgenommen, rasch ein paar Sekunden mit

destilliertem Wasser abgespült, leicht auf Filtrierpapier abgetrocknet

und in 0,75%ige Silberlösung (30 ccm der 1%igen Lösung [24, S. 6] + 10

ccm destilliertes Wasser, für jedes Stückchen ca. 10 ccm der Mischung)

gelegt. Die gebrauchte Golgimischung gieße man weg. Metallinstrumente

sind bei der Silberlösung zu vermeiden. Sofort bildet sich um

die Stückchen ein brauner Niederschlag. Für den Aufenthalt in der

Silberlösung, die nicht im Dunkeln zu stehen braucht und ~nicht~ in

den Wärmeschrank gestellt werden darf, genügen 2 Tage, die Stückchen

können aber auch ohne Schaden bis zu 6 Tagen darin verweilen; ist die

Schwärzung gelungen, was durch Probeschnitte festgestellt werden kann,

kommen die Stückchen in Alkohol, werden dann in Hollundermark (oder in

Zelloidin) eingebettet und in dicke Schnitte zerlegt (S. 19 ff.).

Jeder Schnitt wird sofort ~ohne~ Deckglas mit schwacher Vergrößerung

auf seine Brauchbarkeit geprüft und, wenn tauglich, in ein Uhrschälchen

mit Alkoh. abs. 1-2 Minuten, von da einige Minuten in Karbol-Xylol

und dann auf einen Objektträger gebracht. Durch leichtes Aufdrücken

von reinem Filtrierpapier auf den Schnitt entferne man das Xylol und

füge einige Tropfen von Xylolbalsam zu dem Präparat. Ein Deckglas darf

~nicht~ aufgelegt werden, weil dadurch die im Präparat befindliche

Feuchtigkeit nicht verdunsten kann und diese die Golgischen Präparate

zerstört. Nicht selten -- besonders wenn das Xylol nicht genügend

entfernt worden war -- zieht sich allmählich der Xylolbalsam von den

Präparaten zurück; dieselben scheinen dadurch verdorben, lassen sich

aber durch Aufsetzen eines neuen Tropfens Xylolbalsam wieder völlig

herstellen. Man betrachte zuerst mit schwacher Vergrößerung; wenn

der Balsam trocken geworden ist, kann man auch starke Vergrößerungen

anwenden.

Die mit dieser Methode erzielten Resultate sind, wenn sie gelungen,

ganz vorzügliche; einzelne (nie alle) Elemente des Nervensystems,

aber auch zuweilen Blut- und Lymphgefäße, Fasern bindegewebiger

Abkunft, Sekrete, Muskelfasern, Epithelzellen treten in voller Schärfe

schwarz auf hellem Untergrunde hervor. Aber die Methode ist auch mit

verschiedenen Mißständen verknüpft. So sind fast regelmäßig selbst

die besten Schnitte durch schwarze Niederschläge verunstaltet; diese

befinden sich vorzugsweise an den Rändern des Präparates; man hat, um

sie zu vermeiden, vorgeschlagen, auf die frischen Objekte eine Schicht

geronnenen Blutes zu streichen. Sehr häufig versagt die Reaktion

überhaupt (besonders wenn die Golgische Mischung zu lange eingewirkt

hat); dann führt die sogenannte »doppelte Methode« zum Ziel, d. h.

die Objekte werden, wenn die aus der Silberlösung genommenen Stücke

an den ersten Schnitten nichts zeigen, abermals auf 26-36 Stunden in

die Golgische Mischung und ebensolang in die Silberlösung gebracht.

Bei abermaligem Mißerfolg ist zuweilen eine zweite Wiederholung der

Prozedur von Erfolg gekrönt. Übung und Geduld sind bei der Anwendung

der Golgischen Methode wichtige Faktoren.

Statt der kostspieligen Golgimischung ist für Nervenelemente und für

Sekretwege zu verwenden auch Kalibichromatformol (S. 5) 50 ccm;

dahin kommen Stücke von ca. 2 cm Seite (nicht in den

Wärmeschrank) 24 Stunden,

dann in reine 3-1/2%ige Kalibichromatlösung 3-6 Tage.

Von da ab Silberbehandlung wie nach Einwirkung der Golgimischung. Auch

an 48 Stunden altem Material gelingt hier noch die Imprägnation.

Auf beiderlei Weise geschwärzte Präparate lassen sich noch weiter

fixieren und mit anderen Farbstoffen färben. Zu diesem Zwecke werden

die Schnitte aus dem Alkohol in eine Mischung von 100 ccm 0,65%iger

Kochsalzlösung (S. 3) + 200 ccm 96%igem Alkohol (diese großen Mengen

sind unumgänglich nötig) auf 10-15 Minuten eingelegt und während dieser

Zeit häufig mit einem Glasstabe umgerührt; dann kommen die Schnitte

in eine mit ca. 20 ccm 80%igem Alkohol gefüllte Glasschale, die auf

weißem Untergrunde im hellen Zimmer (nicht im Sonnenlicht) einen halben

Tag stehen bleibt. Dadurch werden die schwarzen Niederschläge, die

beim Einlegen in die Kochsalz-Alkoholmischung sehr schnell blaßgelb

geworden waren, wieder dunkel. Nun färbe man mit Parakarmin (S. 34, 1/2

Minute) oder ~Delafields~ Hämatoxylin (S. 35). So fixierte und gefärbte

Präparate können auch mit einem Deckglas bedeckt und nach § 10, 3 in

Xylolbalsam konserviert werden.

9. ~Ramon y Cajals Modifikation zur Darstellung der Nervenfibrillen.~

Kleine (ca. 1 cm) Stückchen ganz frischen Rückenmarks neugeborener

Tiere kommen

a) in einem auf 25-30° C geheizten Wärmeofen in

1-3% wässerige Lösung von Argentum nitr. 4-7 Tage,

dann b) zum Abspülen in destilliertes Wasser 1/2 Minute,

dann c) in 100 ccm Aq. dest. + 5-15 ccm Formol

(S. 8) + 1 g Pyrogallussäure 24 Stunden,

dann d) in dest. Wasser 2-3 Minuten,

dann e) zur Schnellhärtung in Alkohol 40% 1 Stunde,

dann f) in Alkohol 50%, 60%, 70%, 90%, 96% je 1 "

Die Pyrogallussäure ist in Apotheken käuflich; verursacht eine

starke Gelbfärbung der Präparate; nimmt man anstatt dieser Säure

das gleiche Quantum Hydrochinon, so wird der Grundton grau.

Dann bette man die Stückchen in weiches Paraffin oder Zelloidin (siehe

Anhang) ein und fertige mit dem Mikrotom möglichst dünne Schnitte an.

Statt des Rückenmarks kann man auch Gehirn nehmen. Junge Tiere sind

älteren vorzuziehen; nicht ganz frische Stücke (z. B. beim Menschen)

fixiere man statt mit 3%iger mit 6%iger Silberlösung.

Gute Resultate habe ich auch mit der von ~London~ (Arch. f.

mikr. Anat. Bd. LXVI) angegebenen Methode erzielt. Vgl. ferner

~Bielschowsky~ (Journ. f. Psychologie Bd. III und ~Müller-Dahl~

(Deutsch. Arch. f. klin. Med. Bd. XCIX. S. 57).

Lehrbuch der Histologie und der mikroskopischen Anatomie des Menschen, mit Einschluss der mikroskopischen Technik · 第 50 / 286 题