»Guck, Guck, der hat sich aus dem Staub gemacht, der Lump,« lachte
Tante Zänglein. Sie war längst wieder dabei, sich zu vergnügen. Die
Hausfrau aber schien mehr Mühe als andre Sterbliche zu gebrauchen, ihre
fünf Sinne in einem solchen Fall wieder beisammen zu bekommen. Sie war
ganz auseinander und es arbeitete in ihrem Gesicht, als wollte ein
Thränenstrom hervorbrechen.
Was war denn aber das? Ein sonderbares Zischen und Wüten, ganz am Ende
des Korridors, das man in der Aufregung erst jetzt bemerkte. Alle
spitzten die Ohren.
Mitten zwischen diesen Geräuschen, die mit dem Lärm, den ausströmender
Dampf zu machen pflegt, eine große Ähnlichkeit hatten, rief jetzt Emils
Stimme: »Erwin, du Esel! Erwin!« Das klang wütend und angstvoll und wie
in höchster Gefahr.
»Allmächtiger, mein Bad!« schrie Erwin. »Das hab' ich vergessen!«
Jetzt stürzte er durch den engen Korridor und alle ihm nach an die
zweite Unglücksstelle. Die sah auch nicht übel aus. Der Badeofen, zum
Zerplatzen überheizt, daß der Dampf wütend aus den Ventilen zischte.
Und der Krahn fürs kalte Wasser offen, das mit Vehemenz in eine
Badewanne stürzte, die ihren Überschwall über die Diele laufen ließ.
»Erwin, der Krahn geht nicht zu!« jammerte Emil mit wütender,
weinerlicher Stimme.
»Wo ist denn die Zange, ohne die Zange geht's ja nicht mehr!« rief
Erwin.
»Ja, wo hast's denn?« gab Emil zurück. »Wegen der ist ja schon der
Rauchfang herunter. Wer zum Teufel hat sie denn wieder verschleppt!«
Erwin stand ratlos und unbeweglich.
Emil arbeitete immer noch mit seinen kleinen festen Fäusten daran,
den Krahn umzudrehen, und war in heißen Dampf eingehüllt wie ein
Posaunenengel in Wolken. Da schob endlich der Kraftmensch die
verzweifelte Gesellschaft auseinander und würgte in den Dampfwolken
herum und wie es schien, mit Erfolg, denn das Hineinschießen des
Wassers in die überrinnende Badewanne hörte auf. Er brachte dann
die Geschichte soweit in Ordnung, daß wenigstens einer weiteren
Überschwemmung und einer Dampfkesselexplosion vorgebeugt war.
»Herr, mein Gott! Dieser unselige Roman!« rief Frau Kovalski. Sie
war nun von dem drohenden Weinkrampf, der sich bei dem Anblick der
Küchenverwüstung angekündigt hatte, wirklich gepackt und suchte an
Erwin Halt, der selber fassungslos dastand.
»Ein Unglück bringt zehn andre mit sich,« schluchzte sie.
Tante Zänglein amüsierte sich schon wieder. »Das kommt wirklich alles
vom Roman,« sagte sie eifrig zu Gastelmeier und zwinkerte pfiffig mit
den Äuglein. »Ich kenn' das schon. Nach so einem Mißerfolg sind sie
gedankenlos wie die Hühner ...«
Gastelmeier ging heute ganz überwältigt zu Bette und mit dem festen
Entschluß, so bald als thunlich sich aus dem Staub zu machen. Da war
ihm sein veritabler Rangierbahnhof mit der guten Verpflegung doch
lieber als dieser, der auf geistigem Gebiet verzehnfachten Spektakel
machte. Da war gar kein Zweifel, von hier mußte und wollte er fort.