Unter diesen verdient

der Goldfasan,

oder

der chinesische gehaubte dreyfärbige Fasan,

mit allem Recht die erste Stelle. +Albin+, +Klein+ und +Halle+ nennen

diesen Vogel den rothen Fasan: allein man hätte ihn fast eben so gut

den blauen nennen können; aber diese beyde Benennungen wären eben

so unvollkommen gewesen, als der Name Goldfasan, weil alle drey nur

eine von den drey prächtigen Farben, die auf seinem Gefieder glänzen,

anzeigen und die übrigen auszuschließen scheinen. +Büffon+ hat ihn

deswegen den chinesischen gehaubten dreyfärbigen Fasan genannt. Bey

+Linne+ heißt er der gemalte und bey +Müllern+ der bunte Fasan.

Man kann diesen Fasan als eine Spielart von dem gemeinen annehmen, die

sich unter einem bessern Himmel verschönert hat. Es sind zween Zweige

Einer Familie, die sich seit langer Zeit getrennet und sogar zwey

verschiedene Raçen gemacht haben, die aber einander doch noch erkennen:

denn sie thun sich zusammen, paaren sich und zeugen mit einander; doch

muß man bekennen, daß die Frucht, die aus ihrer Vermischung entsteht,

etwas von der Unfruchtbarkeit der Maulthiere hat.

Die Schönheit dieses Vogels hat gemacht, daß man ihn in unsern

Fasanerien gezogen und vermehrt hat, wo man ihn nun oft antrifft. Er

hat keine rothe Haut um die Augen, wie unser Fasan. Der Augenring, der

Schnabel, die Füße und Krallen sind gelb, so, wie der Busch von langen

und schönen Federn, die er erheben kann, wann er will. +Halle+

beschreibt ihn anders, als ihn die +Büffonschen+ gemalten Figuren

angeben. Er sagt, er sey scharlachroth mit schwarzen parallelen

Schuppen quer durchschnitten, der Federbusch entstehe von den Ohren

her, lagere sich auf der Seite des Halses, liege wie Fischohren an

und lasse sich erheben. Bey dem unsrigen hingegen entstehen diese

hellgelbe Federfasern schon bey dem Ursprunge des Schnabels, bedecken

die ganze Scheitel und die längsten fallen den Nacken hinab. Um die

Augen ist auch noch alles bis an die Backen lichtgelb; gegen die Kehle

zu bekommt diese Farbe eine röthliche Schattirung; der ganze untere

Theil des Körpers ist scharlachroth, und von eben dieser Farbe gehen

über den Schwanzfedern andere lange und schmale Federn heraus, deren

Kiel gelb ist. Der obere Theil des Halses fällt aus dem Orangefarbigen

ins Rothbraune und hat schwarze Schuppen; oben an dem Rücken ist ein

breiter grüner Streif; der übrige ganze Rücken und Deckfedern des

Steißes sind schön gelb. Die längsten zugespitzten Schwanzfedern haben

auf einem dunkeln Grund eine Menge bräunlichgelber rundlicher kleiner

Flecken, andere aber dunklere Streifen. Der obere Theil des Flügels und

die grösten Federn desselben sind braun, die äussersten davon etwas

schwarz und haben einige weiße Flecken, das übrige ist schön blau;

die Schenkel sind hellbraun. Dieser Fasan ist etwas kleiner, als der

unsrige.

Das Weibchen des Goldfasans ist ein wenig kleiner, als das Männchen,

und sein Schwanz ist kürzer. Man sieht an ihm die langen Federn des

Busches nicht, sondern blos hinten am Kopf einige kleine Federn

etwas hervorragen. Es hat von allen den schönen Farben des Männchens

nichts, sondern die Farben seines Gefieders sind sehr gemein und noch

schlechter, als an der gewöhnlichen Fasanhenne; mit der Zeit aber wird

es manchmal so schön, als das Männchen. Man hat in England bey der

Milady +Essex+ eines gesehen, welches innerhalb sechs Jahren

aus seiner unedeln Schnepfenfarbe in die schöne Farbe des Männchens

stuffenweise übergegangen war, von dem man es blos an den Augen und

dem kürzern Schwanze unterscheiden konnte. Leute, welche Gelegenheit

gehabt haben, auf diese Vögel genau zu merken, haben den Herrn +von

Büffon+ versichert, daß diese Veränderung der Farbe bey den meisten

Weibchen Statt fände und anfienge, wenn sie 4 Jahre alt wären; daß um

diese Zeit die Männchen einen Widerwillen gegen sie bekämen und sie

mißhandelten; daß ihnen alsdann die langen schmalen Federn wüchsen, die

bey dem Männchen die Schwanzfedern begleiten; mit einem Worte, daß sie

dem Männchen immer ähnlicher würden, jemehr sie an Alter zunähmen.

+Edwards+ versichert, man habe bey dem Herzog +von Leeds+

eine gemeine Fasanhenne gesehen, die das Gefieder des Hahns angenommen,

und setzt hinzu, daß eine solche Veränderung nur bey Vögeln, die in

der Hausthierschaft leben, Statt finde.

Die Eyer der Goldfasanhenne gleichen denen vom Perlhuhne viel und sind

verhältnißmäßig kleiner, als die von der Haußhenne, und röthlicher, als

unsere Fasaneyer.

+Hans Sloane+ hat ein Männchen gegen fünfzehn Jahr erhalten. Es

scheinet, daß dieser Vogel dauerhaft seyn muß, weil er so lang ausser

seinem Vaterlande lebt. Er gewöhnt sich gut an das unsrige und vermehrt

sich leicht, sogar mit unserer europäischen Fasanhenne. +Le Roi+

hat eine solche chinesische Henne mit einem französischen Fasanhahn

zusammen geworfen, und die zween Jungen, die davon entstunden, glichen

den unsrigen sehr, doch war das Gefieder schlecht gefärbt und auf dem

Kopf hatten sie nur einige gelbe Federn, wie der chinesische Fasan. Als

man diesen beeden jungen Blendlingshahnen europäische Fasanhennen gab,

so befruchtete einer davon die seinige im zweyten Jahr und es kam eine

Fasanhenne heraus, die nie wieder konnte befruchtet werden. Die zwey

Blendlingshahnen haben bis ins vierte Jahr weiter nichts gezeugt, in

welchem Jahre sie Gelegenheit fanden, zu entwischen.

Vermuthlich ist dieses der schöne Fasan, von dem man sagt, das die

Federn in China mehr gälten, als der Vogel, und einerley mit dem, den

+Markus Paolo+ in seinen +chinesischen Reisen+ bewunderte,

und dessen Schwanz drey Schuh lang war.

Naturgeschichte des Fasans · 第 7 / 12 题