DAS WATERSCHIP.

[Sidenote: II 238]

Man kennt seit langem ein Schiff genannt «Waterschip» das zum Schleppen

der «Zeekameele» (Art schwimmende Docks) über den Pampus dient. Das

«Waterschip» ist ursprünglich ein einfacher «Botter» aus Marken. Wie

schon gesagt, stammen die «Zeekameele» aus dem Jahre 1691. Man baute

sie später mit festerem Vorder- und Hintersteven und einer Kajüte

hinter dem Mast. Das «Waterschip» unterscheidet sich so mehr von den

alten «Botters».

Während das Schleppen der Schiffe zuerst zwei privaten Gesellschaften

(der Grossen und der Kleinen Kompagnie) oblag, wurde es nach 1741

durch Vertrag der grösseren Gesellschaft übertragen, die ihren

«Waterscheepjes» eine Tafel aus Weissblech am Vordersteven als

Unterscheidungszeichen anheftete. Diese Massnahme genügte jedoch nicht,

um die Nebenbuhler fernzuhalten. I. J. 1783 wird angeordnet, dass das

Admiralswappen auf die Segel der genehmigten Schiffe gemalt würde,

wie heut die Segel der Fischereifahrzeuge mit Buchstaben und Ziffern

versehen sind.

Als während der französischen Herrschaft die Schiffahrt stillgelegt

ist, leiden die «Waterscheepen» derart, dass i. J. 1824 von den 18

vorhandenen 6 zerstört werden. I. J. 1827 wird der Rest infolge der

Eröffnung des Nordholländischen Kanals verkauft. (~Le Comte~, S. 38.)

Man darf diese «Waterschepen» nicht mit denen der Salzsiedereien

verwechseln, die zur Beförderung von Seewasser dienen, von denen einige

Abbildungen in unserem Atlas wiedergegeben sind. Mit einer einzigen

Ausnahme gehören diese Schiffe zur Gruppe der «Smakken» (Schmacken).

[Illustration: 6.]

Die _Annales des Travaux publics de Belgique_ (August 1901) enthalten

eine eingehende Untersuchung über das Material der Binnenschiffahrt

in Belgien. Diese Arbeit rührt her von dem Oberingenieur der Brücken

und Wege ~Dehem~. Sie enthält eine Beschreibung der Schiffstypen,

die auf den belgischen und französischen Kanälen Verwendung finden.

Diese für die Kanäle eigens gebauten Schiffstype haben keinen Wert vom

geschichtlichen Standpunkt. Da sie indessen viel die Zuid-Willemsvaart

(Kanal von Maastricht nach Bois-le-Duc) benutzen, so dürfte eine kurze

Beschreibung dieser hier gewöhnlich «Ballanten» genannten Schiffe am

Platze sein.

Im allgemeinen kann man sie folgendermassen einteilen:

_a_) Die Prahme von Charleroi

_b_) Die wallonischen Schiffe oder Kanalschiffe

[Sidenote: II 257]

[Sidenote: II 265]

Das Schiff der Gruppe _a_ führt auf flämisch den Namen «Bak» und hat

eine parallelepipedische Gestalt. Es misst 19,50 m in der Länge,

2,60-2,85 m in der Breite; die Tauchtiefe, wenn das Schiff leer ist,

schwankt von 0,35 bis 0,40 m und sie erreicht bei voller Belastung 1,80

m. Seine Tragfähigkeit schwankt bei dieser Tauchtiefe von 67 bis 72

t. Dieser Schiffstyp ist eigens für die Schiffahrt auf dem Kanal von

Charleroi in Brüssel geschaffen worden, dessen Schleusen mit kleinem

Querschnitt nur 19 m Nutzlänge und 2,70 m Öffnung haben. Die festen

Brücken haben eine freie Höhe von 2,65 bis 3 m.

Der Preis dieser Schiffe schwankt von 4500 bis 7500 Frcs.

Das Schiff der Gruppe _b_ führt flämisch den Namen «Waal»; es ist

ebenfalls ein parallelepipedischer Kasten mit flachem Boden und fast

glatten Seitenwänden. Nach den verschiedenen Formen der Vorder- und

Hinterseiten nehmen diese Schiffe folgende Namen an: 1) Schiff von

Tournai, 2) Zille, 3) Binnenländer, 4) Spitzschiff.

Es ist jedoch zu bemerken, dass die beiden letzteren Benennungen mehr

für ältere Type genommen werden, und dass die beiden ersteren für

die grossen Kanalschiffe (_Péniches_) vorbehalten bleiben, die man

heutzutage gewöhnlich baut.

Bei dem ersten Typ, dem Schiff von Tournai, sind die Vorder- und

Hinterflächen abgerundet; die Kurve ist in der vertikalen Ebene

ziemlich deutlich, so dass das Schiff einen gekrümmten Vordersteven

hat, der Nase heisst. Die Vorderseite hat ein Bergholz, das Bart heisst

und von einer Holzsente gekrönt ist, die als Auflage für das Schlepptau

dient, das über den Bolzen hinter der Nase geschlungen ist.

Bei der _Zille_ (Chaland oder Ballant) sind Vorder- und Hinterteil

fast glatt; die Nase und der Bart treten nur schwach hervor, und der

Schlepptaubolzen liegt an der äussersten Spitze des Schiffs.

Im allgemeinen sind diese Schiffe ziemlich fest gebaut, und ihre

Beplankung hat sehr gelitten durch die starken Krümmungen des Vorder-

und des Hinterteiles. Ihre Form ist so gewählt, dass die Schiffe genau

die Schleusen füllen und eine möglichst grosse Ladefähigkeit haben,

obwohl es völlig unverständlich ist, dass man, um einige Tonnen mehr

zu laden, ganz die Leichtigkeit des Schleppens vernachlässigt. Was man

also auf der einen Seite gewinnt, verliert man doppelt auf der anderen

durch die höheren Schleppgebühren.

Die einzige Erklärung, die man für diese Bauart geben kann, ist, dass

die meisten Schiffer ihre eigenen Pferde zum Treideln haben (für die

sich ein Stall in der Mitte des Fahrzeugs befindet), so dass sie nicht

die Mehrkosten für das Treideln merken.

Die Grössen bei den Gruppen 1 und 2 sind dieselben; die Länge der

Schiffe schwankt von 3,50 m bis 3,90 m (ohne Steuer) und ihre Breite

von 5 m bis 5,05 m; ihre Tauchtiefe leer beträgt durchschnittlich 0,28

m; beladen tauchen sie 1,80 bis 2,30 m ein, und ihr Fassungsvermögen

beträgt 300 bis 370 t.

Vergleicht man die Type 3 und 4 mit den Typen 1 und 2, so sieht

man, dass die ersteren weniger laden können, wegen ihres spitzen

Vorderteils, von welchem sie den Namen «Spitzschiffe» (flämisch

_Spits_) haben.

Der Binnenländer heisst flämisch _Bijlander_, französisch _Bélandre_.

Der Hauptunterschied zwischen dem Binnenländer und dem Spitzschiff

besteht darin, dass der Boden des ersteren sich an die Vorderfläche

mittels einer gekrümmten Fläche anschliesst, während der Boden des

zweiten bis zur Nase hin eben bleibt. Sonst sind die beiden Type

wenig von einander verschieden. Man baut sie jetzt nicht mehr viel.

Man findet zwar jetzt noch Spitzschiffe; diese müssen aber eher als

eine Art Kanalschiff betrachtet werden. Wir sehen also auch hier eine

Verschmelzung der verschiedenen Formen, die mit der Zunahme der Grösse

Hand in Hand geht.

Die «Bijlander» haben eine Länge von 28 bis 34 m, eine Breite von 4,60

bis 5 m und eine Tauchtiefe von 0,30 bis 0,40 m leer, die bei Belastung

2 m erreicht.

Das Spitzschiff hat eine Länge von 20 bis 30 m und eine Breite von

3,50 m (die niemals 5 m erreicht); die Tauchtiefe beträgt leer

durchschnittlich 0,35 m, bei Beladung 1,80 m; es kann 100 bis 200 t

laden. Die grössten von ihnen, 32 m lang und 4,90 m breit, können bei

2,15 m Tauchtiefe höchstens 250 t laden.

Man baut jetzt die vorgenannten Type viel aus Eisen.

Wir erwähnen noch den «Prij», ein Spitzschiff, das aus zwei getrennten

Teilen besteht, die jeder für sich beladen werden können.

[Illustration]

[Illustration: 7.]

In Europa hat sich sonach die Schiffbaukunst um zwei Mittelpunkte

entwickelt, deren Einflusskreise etwa im Jahre 1300 zusammentrafen. Die

Verschmelzung der beiden Mittelpunkte hat sich erst zwischen 1450 und

1500 vollzogen.

Der nördliche Mittelpunkt, die Ostsee, dessen Ursprung in Schweden und

Norwegen liegt, hat die volle Entwickelung erst zur Zeit der Wikinger

erreicht. Die Schiffstype der an den Nordmeeren Europas wohnenden

Völker zeigen unverkennbare Aehnlichkeiten sowohl in den Formen wie in

der Bauart.

Wenn man weiter in das Festland dringt, so machen sich dieselben

auffallenden Eigentümlichkeiten noch weiter bemerkbar, so dass die

Aehnlichkeit der Formen in der Richtung Ost-West noch deutlicher wird.

Die Karte Nʳ 1 gibt durch eine grüne Farbe den Nordmittelpunkt an,

während die Richtung der wahrscheinlichen Verschiebung der runden

friesischen Type durch eine volle Linie angezeigt wird; die Richtung

der spitzen Type wird durch eine punktierte und die der Type des

Niederrheins durch eine gemischte Linie angegeben.

Der im Mittelmeer gelegene Südmittelpunkt, der von Phönizien herstammt,

ist in Rot dargestellt. Die Schiffsbaukunst hat sich dort ebenfalls in

der Richtung Ost-West entwickelt. Obwohl ich in nautischer Beziehung

mit den zu meiner Verfügung stehenden Angaben nicht versichern kann,

dass das Südzentrum sich unter dem Einfluss Asiens befunden hat,

so kann doch festgestellt werden, dass eine Anzahl von Formen und

Bauarten, die man auf den alten Zeichnungen findet, sich auch bei den

arabischen, indischen und chinesischen Schiffen wiederholt.

Daraus ergibt sich, dass es um so notwendiger ist, unsere

Untersuchungen nach dieser Seite hin fortzusetzen, als in Asien mehr

als in Europa die alten Arten der Fortbewegung und des Steuerns der

Schiffe sich noch ziemlich gut erhalten haben.

Es steht ausser Zweifel, dass man dort unten Beziehungen zwischen dem

Südzentrum und einem Teil Asiens finden wird.

Die Schiffbaukunst, die zu uns von der Ostsee gekommen ist, ist zuerst

für die Fischerei benutzt worden, die zweifellos die Wiege jedes

grossen Seevolkes ist. -- Die allmähliche Entwickelung der Fischerei

erweiterte das Feld der Tätigkeit und begünstigte den Verkehr in

Nachahmung dessen, was in Flandern geschah. Wir werden uns also nicht

wundern, dass in Holland die ältesten Erinnerungen bezüglich der

Schiffbaukunst sich auf die Heringsfischerei beziehen.

Aus dem Aufschwung dieses Fischfanges erklärt sich die Entstehung

der «Kogge» und die Beziehung, die zwischen der «Kogge», der

«Egmonder Pink» und dem «Bom» besteht, der aus ihr hervorgeht; und

wir übertreiben nicht, wenn wir sagen, dass der «Bom», der bald

verschwunden sein wird, die letzte Spur der Kogge darstellt.

Die Entwickelung des Schiffs beruht übrigens auf der Überlieferung;

diese bestand nicht nur in der sklavischen Nachahmung alles dessen,

was die Vorfahren hervorgebracht haben, sondern passte sich den neuen

Forderungen an, die die Sonderverhältnisse der Zeit nach sich zogen.

Die Entwickelung des Schiffs wie seiner Grössenverhältnisse ist also

eine allmähliche gewesen. So sind die Schiffe des Altertums nicht

grösser gewesen als die des Mittelalters, die ihrerseits kleiner waren

als die der Neuzeit.

Weder der Kompass, noch die Anwendung des Steuers, noch auch die

Erfindung des Schiesspulvers haben plötzliche Veränderungen in der

Schiffbaukunst herbeiführen können. Nur allmählich werden, dank den

Vervollkommnungen der Artillerie, die Schiffe schwerer, so dass man

im Anfang unseres Unabhängigkeitskrieges die Kriegsschiffe von den

Handelsschiffen unterschied, mit anderen Worten, die letzteren sind

bis dahin ebenfalls für militärische Zwecke benutzt worden.

Nach der Entdeckung Amerikas und des Seewegs nach Ostindien, die die

beiden wichtigsten Ereignisse in der Entwickelung der europäischen

Völker waren, hat sich der Weltverkehr vom Mittelmeer nach der

Nordsee verschoben. Erst damals erwachte unser Land und übertraf

bald alle anderen Länder im Schiffbau. Umgekehrt führen heute die

Niederlande den Schiffbau nach der Ostsee. Auch Frankreich hat von uns

die Schiffbaukunst gelernt. Holland hat somit an der Spitze dieser

Industrie von 1500 bis 1700 gestanden, um dann Frankreich Platz zu

machen, wo die Schiffbaukunst sich um die Mitte des 18. Jahrhunderts

völlig von Holland trennt.

Es ist der Scharfsinn der Franzosen, der alle Länder bei der

mathematischen Berechnung der Schiffe geleitet hat.

Das immer praktische England hat sich zu jeder Zeit bemüht, sich auf

der Höhe des Landes zu halten, das die grössten Schiffe baute. Das

Werk von ~Holmes~ zeigt dies Bestreben deutlich. Nach 1800 überholt

England seinen Nebenbuhler und gibt den Ton im Schiffbau an. Zahlreiche

Vervollkommnungen haben sich unter dem Einfluss Englands vollzogen.

Die Kontinentalsperre gibt unserer Schiffbaukunst den Gnadenstoss.

Erst dank dem Eingreifen und der energischen Unterstützung des Königs

Wilhelm I. hat sich der Schiffbau in der ersten Hälfte des 19.

Jahrhunderts wieder belebt, um in der zweiten Hälfte eine neue Zeit

der Grösse zu erreichen. Die ersten neuzeitlichen Kriegsschiffe Japans

wurden in Holland erbaut.

Das Auftreten des Eisens öffnete unserer Schiffbaukunst eine neue Aera,

und unsere tüchtigen Schiffbauer haben den Überlieferungen unseres

Volkes Ehre zu machen verstanden, indem sie sich wie ehemals als

sparsame Konstrukteure erwiesen, die es verstanden, einen festen Bau

untadelig und mit einem angenehmen Aeusseren auszuführen.

Die Verteilung der Gruppen der Schiffstype ist auf Karte 3 dargestellt,

während die Karte 4 für unser Land die Unterabteilung jener Gruppen

zeigt.

Die friesischen Type sind auf den beiden Karten durch grüne Farbe

dargestellt, die Type des Niederrheins, die in den Nordwesten von

Nordbrabant und das Herz von Südholland eingedrungen sind, haben braune

Färbung; die Type des Oberrheins sind mit violetter Farbe, die der

unteren Seine in Rot und die der oberen Maas in Grün dargestellt. Die

spitzeren Type von Overijssel, umgeben von denen Frieslands und des

Niederrheins, die sich übrigens auch auf der Ems, der Weser, der Elbe,

der Havel, der Oder und der Spree finden, sind durch eine blassere

Farbe gekennzeichnet.

Die Karte Nʳ 4 gibt die Fischereifahrzeuge an, die die Nordsee

befahren. Sie gehören zum friesischen Typ mit Ausnahme des «Loggers»

und der «Schaluppe». Es ist interessant, diese Grenzgebiete mit den

Karten 5, 6 und 7 zu vergleichen, welche das Ergebnis der mühseligen

Untersuchungen des verstorbenen Professors Dr. Gallée enthalten, der

durch seine umfassende Gelehrsamkeit und nicht weniger durch sein

grosses Wohlwollen berühmt ist, das ihn vor einiger Zeit veranlasst

hat, diese Karte uns freundlichst zur Verfügung zu stellen.

Ein einziger Blick schon zeigt, dass die Grenzen der Frachten sich

in sehr starkem Masse geändert haben; hinsichtlich der Verteilung

der Sprachen und der Art der Wohnungen macht sich eine auffallende

Ähnlichkeit bemerkbar. Die friesischen und sächsischen Einflüsse fallen

auf allen Karten zusammen, während die Type der oberen Maas sich da

finden, wo der Bau der römischen Landhäuser sich erhalten hat. Es ist

also nicht wunderbar, dass diese Type der Maas jenen gleichen, die man

im Tal des Po und auf dem Adriatischen Meer trifft.

Diese Feststellungen stimmen mit den geschichtlichen Untersuchungen

überein, die festgestellt haben, dass die Länder an der Nordsee von

den Kelten bewohnt waren, die vom Orient nach Mittel- und Westeuropa

mehrere Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung gekommen waren. Sie

vertrieben die mongolische Bevölkerung, die sich dort schon angesiedelt

hatte, aber ihrerseits wurden die Kelten aus dem Westen durch die

Germanen vertrieben. So erzählten die Römer, dass nördlich vom Rhein

die Kelten schon überall von den Germanen verjagt wären. Der Rhein

bildete damals die allgemeine Scheidewand zwischen den beiden Völkern.

Im Süden dieses Flusses gab es nur einige germanische Vorposten, wie

die Eburonen in Maastricht und in Roermond; die Kondrusen in der

Umgegend von Lüttich. Längs der Maas verschmelzen die Germanen und

die Kelten miteinander. In Nordbrabant waren die Kelten schon stark

germanisiert, während die Menapier, die Moriner und die Nervier aus

Flandern und Seeland ebenfalls stark unter dem Einfluss der Germanen

standen. Alle diese germanisierten Kelten wurden von den Römern Gallier

genannt. Zu wiederholten Malen drangen die Germanen in Gallien ein und

kamen dort sogar bis in das Land der Menapier im Scheldetal; aber im

Jahre 55 vor Christi Geburt warf sie Cäsar zurück. Nach den Eroberungen

dieses letzteren römischen Feldherrn bildete der Rhein die Grenze der

römischen Herrschaft und blieb es bis etwa ins 4. Jahrhundert. Die

Gallier latinisierten sich schnell. Nördlich vom Rhein machte sich

der römische Einfluss auf die Bataver, die Kaninefaten und Friesen

fühlbar. Dieser Einfluss war jedoch wenig deutlich, besonders bei

den letzteren. In dem Augenblick, wo die Macht Roms geringer wurde,

erschienen die Germanen wieder, und besonders traten die Franken

hervor. Diese Franken, die die Gegend der Lippe, der Ruhr und der

Ems bewohnten, wurden wahrscheinlich zu jener Zeit schon von den

Sachsen zurückgetrieben. Unter dem Kaiser Probus wurden die Franken

noch einmal im Jahre 280 über den Rhein zurückgeworfen, aber nach dem

Tode Konstantins des Grossen (337) rückten sie von neuem nach Süden

vor. Cöln fiel in ihre Hände, und sie erschienen vor Trier. Julian

verhinderte sie indessen in Taxandrien, das heutige Nordbrabant,

einzudringen.

Die Salier, die mächtigsten der Franken, blieben im Lande der Bataver,

während die Chamaven, ein anderer Volksstamm, sich im Norden des

Rheins festsetzten. Die Salier und die Bataver verschmolzen bald zu

einem einzigen Stamm; als sich im Jahre 402, während der Regierung

des Kaisers Honorius, die Römer zurückzogen, nahmen die Franken ihren

Marsch nach dem Süden wieder auf und fielen in Nordbrabant ein. Die

Sachsen, die, wie schon gesagt, wahrscheinlich die Franken in Bewegung

gesetzt haben, bewohnten das Land zwischen der Ems und der Elbe, d. h.

also Norddeutschland. Sie setzten sich im Osten unseres Landes fest

und dehnten ihren Einfluss später nördlich aus.

Die Friesen, die man im allgemeinen neben den Sachsen nennt, haben

es verstanden, sich zu halten und wohnten von der Weser bis zum Zwin

(seeländisches Flandern). Ihr König Radbod erweiterte ihre Herrschaft

nach dem Süden des Rheins und drang sogar bis Cöln vor, wo ihm indessen

Karl Martell eine Niederlage beibrachte.

Wenn Holland im Mittelalter Friesland nur bis zur Mündung der Maas

heisst, so sagt man andererseits, dass der heilige Amand das Evangelium

bei den Friesen von Seeland predigte.

Diese Ueberlieferung wird von Professor Fockema Andrae bestätigt, der

nachgewiesen hat, dass das Friesische Gesetz von 800 von der Weser bis

zum Zwin, und das fränkische Gesetz bis zum Eem angewendet wurde, d. h.

dass die Chamaven die Veluwe im Osten des Flusses bewohnt haben; somit

gehört Utrecht zu Friesland.

Man erzählt auch gelegentlich des Kampfes der Friesen gegen die

Franken, dass Utrecht auf der Grenze Frieslands liegt.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass die Niederlande ursprünglich

von den Kelten bewohnt wurden, die von den Germanen nach Süden gedrängt

sind. Sie haben sich später mit Hilfe der Römer südlich der grossen

Flüsse gehalten. Die ersten Germanen unseres Landes waren die Friesen.

Sie bewohnten die Küste von der Weser bis zum Zwin und haben sich an

einigen Orten unter den Kelten angesiedelt.

So finden wir die friesischen Type von Dänemark bis Flandern; sie

dringen bis Utrecht und längs der Flüsse mit Ebbe und Flut vor.

Die Chamaven, die ersten Franken, hielten wahrscheinlich die Veluwe und

die Betuwe bis zur Linge und zum Eem besetzt. Die Franken bevölkerten

später Nordbrabant und drangen bis nach Seeland, Utrecht und Südholland

vor. Tatsächlich haben wir uns schon gewundert, in unserem Lande

die Type des Niederrheins nicht nur längs des Rheins und seiner

Nebenflüsse, sondern auch im Herzen Südhollands und im Nordwesten von

Nordbrabant zu treffen.

Die zuletzt gekommenen Sachsen setzten sich im Osten unserer Heimat

fest und dehnten sich allmählich nach Groningen und Friesland aus. Dort

finden wir die spitzen Type von Overijsel oder die sächsischen Type.

Die Schiffstype haben, wie die Art der Wohnungen, die Sprachen und die

Trachten Beziehungen zu den Ureinwohnern der Gegenden. Dies erklärt,

weshalb man an demselben Fluss, in demselben Lande verschiedene

Schiffstype findet.

So haben sich die alten Formen und die alten Sitten durch die Zeitalter

erhalten, und unser Vaterland besitzt nicht allein eine ruhmreiche

Vergangenheit, sondern hat es auch verstanden, einen beneideten Platz

auf dem Gebiete der Schiffbaukunst festzuhalten, so dass man auf

unsere tüchtigen Schiffbauer anwenden kann, was ~Witsen~ im Jahre 1671

schreibt:

«In ’t overleg van een zuinig meeste

bestaat al ’t geheim van

goedkoop bouwen.»

(Das ganze Geheimnis eines wirtschaftlichen Schiffbaues besteht in

der Überlegung eines sparsamen Baumeisters.)

[Illustration]

Übersetzer: ~Hugo MÜLLER~, Dahlem.

[Illustration: KAART Nᵒ 1

Der Schiffbau seit seiner Entstehung, Band 1 · 第 115 / 142 题