In Stavoren hat man noch die «Stavorensche Jol», ein kleines, kurzes
und rundes Schiff mit Kiel, von grosser Stabilität auf dem Wasser. Man
begegnet ihm jetzt auch in Enghuizen und in «Medemblik». Es ist ein
Schiff mit übereinander greifenden Planken (manchmal jetzt auch glatt),
das man wegen seiner runden Formen oft mit einem Huf vergleicht. Diese
Schiffe haben einen Fischkasten, sind aber mit Rücksicht auf den
Kiel nicht mit Schwertern ausgestattet. Sie haben eine Takelung mit
Spriet (Spriettuig); ihre Ladefähigkeit beträgt 4 bis 6 t. In Helder,
Enkhuizen und Medemblik verwendet man viele Fletten, deren Länge bis
zu 10 m geht. Das Hinterteil hat einen Spiegel; das ziemlich lange
Vorderteil geht unter schwacher Neigung kräftig in die Höhe. Die
Planken greifen übereinander; die Schiffe besitzen zwei Kimmungskiele
und einen Hilfskiel am hinteren Ende; sie können im allgemeinen 2 bis 5
t laden.
Im allgemeinen schwankt die Tragfähigkeit der «Botter» und «Schocker»
von 20 bis 30 t. Die kleineren Type in Huizen können 16 bis 20 t, in
Hardarwijk und in Elburg 13 bis 18 t laden.
Die Unterschiede in den Hauptgruppen können der verschiedenen
Auffassung der Schiffbauer zugeschrieben werden, ganz wie es
Unterschiede in den Kostümen dieses und jenes Landes gibt.
Der Unterschied zwischen den Typen einer und derselben Gruppe ist
dagegen das Ergebnis der Verwendung des Schiffs, d. h. also der
verwendeten Fischereigeräte, abgesehen von einigen Unterschieden
geringerer Bedeutung.
Zum leichteren Verständnis lassen wir hier eine kurze Beschreibung
der auf der Zuiderzee gebräuchlichen Fischereigeräte folgen, die dem
Bericht über die Fischerei auf der Zuiderzee, veröffentlicht durch
die Zuiderzeevereeniging (1905, Seite 35 und folgende), sowie den
Jahresberichten über die Seefischerei entnommen ist.
Die Fischereigeräte können eingeteilt werden in bewegliche und feste;
die letzteren sind für unseren Zweck von geringerer Bedeutung.
Zu den ersteren gehören:
_a._ Der «Wonderkuil» (französisch: «Poche miraculeuse», deutsch
«Wundertasche»), die wie der «Kwakkuil» und der «Dwarskuil» aus
einem Netz, in Form einer Tasche besteht, deren Oeffnung durch ein
hölzernes Quadrat offen gehalten wird (vier Stücke Holz, genannt
«Juffers-Oorstokken»). Man zieht das Netz vorwärts, indem man den
Rahmen vertikal hält, während der ganze Apparat den Boden berührt. Die
Fische dringen in die Oeffnung und werden so in dem spitz zulaufenden
Sack gefangen. Die Bewegung im Wasser entwickelt das Netz. Der
«Wonderkuil» hängt zwischen zwei Bottern, die mit möglichst grosser
Geschwindigkeit vorrücken, um die schnell schwimmenden Fische wie die
Heringe fangen zu können. Die grossen, schon genannten Botter, die gute
Segler sind, eignen sich sehr gut hierzu. Der «Wonderkuil» berührt den
Grund fast nicht, wegen der grossen Schnelligkeit, aber jeder Fisch,
der sich vor der Oeffnung zeigt, wird sicher gefangen. Die durch die
grosse Geschwindigkeit veranlasste Zusammenziehung der Maschen lässt
nichts hindurch.
_b._ Der bei den Fischern von Vollendam gebräuchliche «Kwakkuil»
ist ein kleiner «Wonderkuil», der durch ein Schiff, meist einen
«Vollendamer Kwak» geschleppt wird. Die Tasche ist dann an zwei Stangen
befestigt, die am Hinterteil des Schiffes angebracht sind, wo sie
sich kreuzen. Da die Geschwindigkeit geringer ist als die mit dem
«Wonderkuil» erreichte, so schleppt das Netz auf dem Grund, so dass
Aale, Schollen und Seezungen gefangen werden können.
_c._ Der «Dwarskuil» (Quertasche), kleiner als der «Kwakkuil» aber von
derselben Form, ist an der Seite des Schiffs durch Seile befestigt, die
selbst am Vorder- und Hinterteil festgemacht sind. Das Fahrzeug muss
beim Fischen also quer vorrücken, was natürlich nicht schnell geht.
Das Fahrzeug darf keinen flachen Boden haben, und während des Fischens
müssen die Schwerter hochgezogen sein.
Man verwendet den «Wonderkuil» in tiefem Wasser und auf hartem,
sandigem Grund; in weniger tiefem Wasser und auf weichem Grund benutzt
man den «Kwakkuil» und an den flachen Stellen von Utrecht und Geldern
bedient man sich der «Dwarskuilen».
Die zahlreichen Klagen über die Vernichtung der Fische durch den
«Wonderkuil» stammen nicht von gestern; denn schon im Jahre 1559 setzt
eine Verordnung die Grösse der Maschen der «Astkens of Steerten» (der
Netzenden) fest.
Unter dem beweglichen Fanggerät sind natürlich die Schleppnetze zu
nennen, zum Fang der Heringe, der Anchovis, der Seezungen und der
Stinte. Man benutzt sie in allen grossen Fischereihäfen der Zuiderzee.
Man schleppt diese Netze zwischen zwei Schiffen irgend welcher Form.
Längs der friesischen Küste fischt man besonders mit festen Geräten,
hauptsächlich im Norden von Makkum. Diese Art Fischerei erfordert nur
kleine Schiffe (24 bis 30 Reusen auf das Schiff). Man benutzt hierzu
Aal- und Heringsreusen; es ist auch wahrscheinlich, dass das alte
«Kubboot» seinen Namen dem Fischereigerät verdankt, das «Kub» heisst;
es ist dies ein trichterförmiger Weidenkorb, der an seinem unteren Ende
geschlossen ist, so dass noch eine kleine Öffnung bleibt; auf diese
Öffnung folgt ein kleines seidenes Netz, dessen Öffnung den Aalen den
Durchgang gestattet, die sich nun in dem hinteren Teile, dem «Kub»,
sammeln.
Der Fischfang auf der Zuiderzee ist besonders geartet, weil eine grosse
Zahl von Fischern der Zuiderzee die Nordsee besuchen, während andere
in den Flüssen fischen und der Rest das ganze Jahr auf der Zuiderzee
selbst bleibt. Die ersteren benutzen die grossen «Blazer», «Schocker»
und «Botter»; die letzteren verwenden die «Kwakken», «Kubboote» und
die «Haringschuiten» (Heringsschuten). Endlich bedienen sich die an
zweiter Stelle genannten der «Gondeln», «Lemmeraken», «Punters»,
u. s. w.
Ausser diesen gibt es jedoch eine ganze Reihe Gelegenheitsfischer, die
alle Sorten von Fahrzeugen benutzen. Daraus folgt, dass es sehr schwer
ist, die genaue Zahl der in Gebrauch befindlichen Fahrzeuge anzugeben,
und dass die in den obigen Tabellen genannten Ziffern nur ungefähr
stimmen, soweit sie sich auf die Fischerei in der Zuiderzee beziehen.