[Sidenote: III 112]
Seit den ältesten Zeiten hat sich der Mensch mit dem Fischfang
beschäftigt, allerdings in ziemlich einfachen Formen. Man wird also
auch von den ältesten Zeiten ab Fischereifahrzeuge finden. Da der
Mensch überdies zuerst an seinen eigenen Unterhalt denkt, bevor er
darauf verfällt, Handel zu treiben, so werden die Fischereifahrzeuge
älter sein als die Handelsschiffe, und es ist ein ganz natürlicher
Schluss, dass die letzteren aus den ersteren entstanden sind. So ist
das «Koggeschip» nichts anderes als eine Umbildung der späteren sog.
«Egmonder Pink» oder besser einer «Pink» von grossen Abmessungen.
Da man anfangs die Fische nur für die örtlichen Bedürfnisse fängt,
so ist es klar, dass die Fischereifahrzeuge nur klein sein werden.
Man unternimmt keine weiten Fahrten, da die Konservierung des Fisches
überdies zu jener Zeit nicht möglich ist; einige alte Schriftsteller
behaupten sogar, dass erst im 12. Jahrhundert der Heringsfischfang in
Zierikzee beginnt. (i. J. 1163 nach ~Witsen~, S. 431).
Man könnte also sagen, dass die Anfänge unserer Seefischerei in jene
Zeit fallen. Die grosse Umwälzung erfolgt im Jahre 1384, als Willem
Beukelszon von Biervliet das Heringseinsalzen erfindet (Haringkaken).
Diese Erfindung wirbelt soviel Staub auf, dass 100 Jahre nach dem Tode
von Willem Beukelszon der Kaiser Karl V. sein Grab in Biervliet besucht
(1556).
Von diesem Augenblick an werden die weiten Fahrten möglich, weil
der Hering konserviert werden kann. Im Jahre 1416 verfertigt man in
Hoorn das erste grosse Heringsnetz, und in Zierikzee, dem Mittelpunkt
der Heringsfischerei, tauchen die Schiffe mit glatter Beplankung
auf. Sicherlich besteht eine Beziehung zwischen diesen verschiedenen
Ereignissen. Das Einsalzen des Herings gibt dem Fischfang einen solchen
Aufschwung, dass daraus ein neuer Handel entsteht, der selbst wiederum
immer mehr Ansprüche nach einem vervollkommneten Material hervorruft.