DIE BAGGER- ODER MODDERMOLEN.

[Sidenote: II 274]

[Sidenote: II 277]

Die alte Moddermolen (die Schlammmühle) oder das _Moddermolenschip_

findet man schon in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts; es ist

der Vorläufer der Baggermolen (Eimerbagger). Während der Bagger

ursprünglich von Menschenhänden getrieben wird, verwendet man im 17.

Jahrhundert hierzu Pferde. (~Le Comte~, S. 6, und ~Witsen~.) Ein

Laufplatz für das Pferd und ein Stall sind auf Deck erbaut. Im 18.

Jahrhundert, sagt ~Le Comte~, ist das alte Moddermolenschip schon so

verbessert, dass man sich dieser Zeit schon einbildet, es wäre nichts

mehr daran zu vervollkommnen.

Die Schiffahrt erfordert indessen immer grössere Tiefen, und so erbauen

die Brüder Kater, Baggerbauer in Monnikendam, im Jahre 1829 ein Schiff,

das bis zur Tiefe von 7 m baggert; entsprechend der Tiefe und der Menge

des Baggergutes braucht man 3-6 Pferde.

Die genannten Baggerbauer, sagt ~Le Comte~, sind die Erfinder der

«Klepschouwen», für die sie am 1. Mai 1830 um Genehmigung nachsuchen.

~Le Comte~ gibt uns eine Abbildung von diesen Baggern auf Tafel 12

seines Werkes.

In der Zeitschrift _Eigen Haard_ (1906) erzählt uns J. C. ~Kerkmeijer~,

in einem Artikel betitelt «De Diep- of Baggermolen, een merkwaardige

Ontdekking», dass er das älteste Modell eines Baggers wieder

aufgefunden hat, der vom Erfinder im Jahre 1632 erbaut worden ist;

dies Modell wird erwähnt von C. A. ~Abbing~ in seiner Fortsetzung zur

Chronik von Hoorn von ~Velius~ (1841, S. 12); dort heisst es:

«Zu dieser Zeit (1632) hat Jan Jantz Nieng, Bürgermeister und Einwohner

dieser Stadt (Hoorn), die Diepmolen erfunden. Das erste von ihm

hergestellte Modell hat 2 Fuss 6½ Zoll Länge, 9 Zoll Breite und 6½ Zoll

Höhe (Fuss von Hoorn), das Ganze ausserhalb gemessen.» Dieses Modell

fand sich noch vor einigen Jahren auf der städtischen Werft. Das von

Herrn Kerkmeijer aufgefundene Modell wurde sorgfältig von ihm wieder

hergestellt und wird gegenwärtig im Rathaus der Stadt Hoorn aufbewahrt.

Dank seiner freundlichen Hilfe können wir noch einige Einzelheiten über

die Moddermolen von Middelbourg mitteilen (genannt Dieplust), die er

von dem Schiffswerftleiter Koole in Middelbourg erhalten hat.

Der Dieplust-Bagger schöpfte den Schlamm in einen rinnenartigen Trog,

der gerade Seitenteile von geringer Höhe hatte. Dieser Schlammtrog war

am unteren Teil mit Eisen beschlagen. Wenn man das Schiff mit Hilfe

eines verankerten Kabels verschob, so schöpfte dieser Trog den Schlamm

aus grösstmöglicher Tiefe. Die Leiter des Baggers war in diesem Trog

aufgehängt, und auf der Kette ohne Ende waren Schaufeln befestigt,

die etwa die gleiche Grösse hatten wie der Schlammtrog. Wenn sie sich

um die achteckige oder sechseckige untere Trommel (Turas) drehten, so

tauchten sie in den Schlamm und zogen einen Teil durch eine Öffnung

nach dem oberen Teil.

Es ist damals noch nicht die Rede von Eimern oder Kübeln, um das

Baggergut zu heben. Die Eimerbagger tauchten erst mit den Dampfbaggern

auf.

Der rinnenartige Trog mit der Schaufelleiter konnte mittels eines

Bratspills gesenkt oder gehoben werden; er ging durch eine Öffnung,

die nicht mit der Achse des Fahrzeugs zusammenfiel. In dem breiteren

Teil befand sich die Welle, von der aus durch Zahngetriebe die von den

Pferden erzeugte Bewegung auf die Schaufelleiter übertragen wurde. Das

Triebwerk war aus Holz, dem ähnlich, das in den alten Windmühlen zur

Anwendung kam. Auf dem Deck war ein Laufplatz sowie ein Stall für die

Pferde eingerichtet.

Das Genter Journal _Het Volksbelang_ gibt diesen Artikel von _Eigen

Haard_ in seiner Nummer vom 9. Juni 1906 wieder. Man äussert dort

indessen Zweifel, dass die Erfindung aus dem Jahre 1632 stammen soll,

weil man folgende Anmerkung in dem «Resolutie Boek van de Staten van

Vlaanderen» von 1628-1630, Bl. 16, findet. (Archive des Staaten in

Gent, No. 553.)

«Actum den XXII. May 1628 wierd den Ingeniaris Adam Clippens, ghemaackt

hebbende den slijekmeulen, gelicentiert en de gheordonneert hem te

geven ordonnantie van betalijnghe den dach van merghen mitsghaders

hondert guldenen voor eene verreeringhe zoo ghedaen is geweest»[28].

Aus dieser Anführung würde hervorgehen, dass in Flandern ein

mechanischer Bagger im Jahre 1628 betriebsfertig war; entweder gibt,

so sagt man, ~Abbing~ ein falsches Datum an; oder die gleiche Maschine

ist an zwei verschiedenen Orten erfunden worden, zur gleichen Zeit. Die

Frage ist noch nicht gelöst, aber wie dem auch sei, man muss zugeben,

dass der erste mechanische Bagger im 17. Jahrhundert im Betrieb gewesen

ist.

Der Schiffbau seit seiner Entstehung, Band 1 · 第 80 / 142 题