DIE GALIOT.

Wenn man liest, dass im Jahre 1587 der König von Dänemark mehr als

600 holländische Schiffe im Sund anhält, die alle an einem Tag den

Vlie verlassen hatten (beschrieben von Hendrik Rantzon, ~Witsen~, S.

36) so darf man sich nicht einbilden, dass dies alles grosse Schiffe

sind. Es ist im Gegenteil sehr wahrscheinlich, dass die meisten nicht

grösser waren als unsere Kuffen und Tjalken von heute. Wir können uns

leicht den charakteristischen Anblick der Zuiderzee zu dieser Zeit

vorstellen, wo neben all diesen Schiffen die grosse Zahl der damals

üblichen Fischereifahrzeuge herumwimmelt. So nennt man also mit Recht

die Zuiderzee die Wiege unseres Schiffbaues. Die kleinen Küstenstädte

an der Zuiderzee mit ihrer ruhmreichen Vergangenheit sind davon Zeugen.

Wir werden also nicht erstaunt sein, dass im Laufe der zahlreichen

Kriege, die Holland gegen Friesland und Geldern geführt hat, unzählige

Seeschlachten auf der Zuiderzee geliefert worden sind. So wurde z. B.

im Jahre 1504 eine Seeschlacht zwischen Holland und Geldern geliefert,

die von Wilhelm Hermszoon, einem Augustinermönch beschrieben wird.

(~Witsen~, Anhang S. 19.) Er erzählt uns hierbei, dass die Einwohner

von Geldern mit einer grossen Zahl von _Kochevers_ das «Zwarte Water»

herabkamen, um die Holländer zu überraschen, die sieben bewaffnete

Schiffe hatten. Die Holländer verstanden sich besser auf den Krieg als

die Leute von Geldern, denn diese bedienten sich nur des Bogens, der

Armbrust und der Schleuder. Schliesslich scheitert das grösste der

holländischen Schiffe, aber die Holländer erschrecken durch Abfeuern

ihrer Standbüchsen die Leute von Geldern derartig, dass diese den Kampf

aufgeben.

An einer anderen Stelle erzählt derselbe Verfasser, dass auf Anraten

spanischer Kaufleute, die Einwohner von Amsterdam ein «Galeoot»

genanntes Schiff auf Stapel legen lassen, dessen Bau ein Jahr dauert.

Dies Schiff kann segeln oder gerudert werden, wobei 32 Ruderer in

Tätigkeit sind. Man nennt es «den Schrecken der Zuiderzee.»

[Sidenote: II 241]

[Sidenote: III 58]

Die Erzählungen sind insofern interessant, als bei der Erzählung der

Schlacht auf der Zuiderzee von einem «Kochever» gesprochen wird, woraus

sich ergibt, dass «Koch» oder «Kogge» und «Ever» enge Beziehungen

zueinander haben. Aus der zweiten Erzählung geht hervor, dass die

Galiot zu uns aus dem Auslande gekommen ist. Die Galiot wie der Ever

finden sich noch heute; nur wird die Galiot nicht mehr gerudert.

Unsere Schiffe aus dem 16. Jahrhundert sind auch viel kleiner als

die der Südstaaten, weil unsere Schiffahrt nach der Ostsee fast

ausschliesslich Küstenschiffahrt ist, zu der nur kleinere Schiffe nötig

sind.

[Sidenote: II 225]

[Sidenote: II 226]

[Sidenote: III 20]

Die Galiot aus dem 16. Jahrhundert wird später noch viel gebaut, und

man erwähnt sie überdies zu jeder Zeit. Wahrscheinlich jedoch hat

man später Galiots gebaut, die gewölbter waren, wie übrigens alle

unsere Schiffe. Immer kann man feststellen, dass die «Galiot» des

18. Jahrhunderts viel Ähnlichkeit mit einem gewöhnlichen «Koftjalk»

(Kufftjalk) hat.

Die Galiot hat einen gradlinigeren Bord und einen höheren Aufbau.

(~Le Comte~, S. 18.) Sie hat 85 Fuss Länge, 21 Fuss Breite und 11

Fuss Tiefe. Der Vorder- und der Hintersteven sind runder als die des

Bujers. (~Witsen~, S. 165.) Sie stellt also einen Typ dar, der nicht

zu den holländischen gerechnet werden kann. Der grosse Mast befindet

sich bei den Galiots mit einem und zwei Masten auf ein Drittel der

Länge des Schiffs, gerechnet vom Vordersteven. Das Schiff ist ein

«Draai-over-Boord». Manchmal hat die Galiot das Hinterteil einer

Flüte und heisst dann _Bootschip_ oder ganz einfach «Boot». Ein

andermal baut man das Oberteil als Pinasse, aber umgekehrt, um die

Ladefähigkeit zu vermehren. Wir können wiederum nachweisen, wie die

meisten Schiffe auf einen Grundtyp zurückzuführen sind. So spricht man

oft in der Geschichte von «Advies (Melde)-Jachten». Dieser Name war

nur ein Gattungsname, denn alle Arten von Schiffen wurden zu diesem

Zweck gebraucht, besonders die Galiot. (~Witsen~, S. 165.) Man gibt

ihnen damals schmalere Formen und eine umfangreichere Takelung, um

schneller vorwärts zu kommen. Die Galiots haben gewöhnlich zwei Masten

und ausnahmsweise drei. Sie besitzen kein Galionsdeck. Ursprünglich

haben sie Schwerter und sind mit einem grossen und einem kleinen Mast

versehen. Ihre Ladefähigkeit schwankt von 160 bis 300 t. Augenblicklich

sind nur noch einige vorhanden, die nach der Ostsee fahren, aber

sie sind kleiner; ihre durchschnittliche Länge beträgt 19 Meter,

ihre Breite 4,5 m und ihre Tiefe 2,20 m. Auch diese werden bald

verschwinden, um den eisernen Kofs und den Tjalken Platz zu machen.

(~Le Comte~, S. 22.) Der Name «Galiot» ist wahrscheinlich italienischen

Ursprungs. (~Koenen~, S. 140.)

Der Schiffbau seit seiner Entstehung, Band 1 · 第 42 / 142 题