DAS FLIBÔT

[Sidenote: II 148]

[Sidenote: II 19]

Das Vlieboot (Flibôt) findet man schon im Jahre 1600; es ist stark

gewölbt und hat ein schmales Deck. Von diesem Typ stammt nach 1600

die «Fluit» (Flüte), die noch gewölbter ist wegen der Art der

Schiffsvermessung in Dänemark.

Eine gewöhnliche Flüte hat 130 Fuss Länge, 26½ Fuss Breite und 13

Fuss 5 Zoll Tiefe. Die Flüte hat vorn kein Galion. Später baut man

indessen grössere mit Galion, in Nachahmung der «Spiegelschepen»

(Spiegelschiffe).

Man verwendet sie zu verschiedenen Zwecken und sie erfahren aus diesem

Grunde einige Umänderungen. So ist die «Fluit von Indien» fester gebaut

als die, die den Verkehr mit den Ostseehäfen besorgt. Wir wollen unter

anderem bemerken, dass die Drahtseile der Rusten verdoppelt werden, um

die Takelage zu verstärken, während hinten ihre Ausladungen grösser

sind, um geräumigere Kabinen zu erhalten. Mit Rücksicht auf diese

Vergrösserung verstärkt man sie im Innern durch Rippen und Eisenbänder.

(~Witsen~, S. 159.)

Am Anfang des 17. Jahrhunderts, bis zum Jahre 1640 werden diese Schiffe

und im allgemeinen alle indischen Schiffe vorn offen gebaut ohne

Wohnräume. Die Hängematten und Betten der Schiffsmannschaft werden bald

hier bald dort an der Bordwand angebracht.

Die «Fluiten» sind als gute Segler bekannt. Infolge ihres schmalen

Baues geben sie dem Wind wenig Angriffsfläche. Es sind Dreimaster mit

der wohlbekannten Takelung des 17. Jahrhunderts.

Die «Fluiten», welche die Ostsee besuchen, um dort Getreide zu holen,

sind etwas kleiner als die vorigen; man nennt sie «Oostvaerder oder

Oostervaerder». Ihre Abmessungen sind die folgenden: Länge 125 Fuss;

Breite 25 Fuss; Tiefe 12 Fuss oder auch 115,23 ½ und 11,5 Fuss oder

auch 100,22 und 11 Fuss; sie können laden 200, 150, 100 Last (eine Last

gleich 2 Tonnen). Die Mehrzahl hat ein Galionsdeck. Wir können uns

einen Begriff von dem Umfang unseres Verkehrs zur Ostsee machen, wenn

wir erwähnen, dass im Jahre 1604 400 «Oostvaerders» sich gleichzeitig

vor Amsterdam befanden. Innerhalb zwei Wochen werden sie entladen,

beladen und sind wieder bereit, in See zu stechen. (~Witsen~, S. 448.)

Die «Noordvaerders» oder «Noortsvaerders» sind auch Flüten, die

zwei Fuss mehr an Tiefe haben als die Oostvaerders, weil sie mehr

Fassungskraft haben müssen, um Holz zu laden, das sie aus Norwegen

holen. (~Witsen~, S. 160.) Ihre Breite beträgt im allgemeinen ⅕ der

Länge. Sie sind ganz wie die Oostvaerders massiv und solid. (~Witsen~,

S. 53.) Sie haben kein Galionsdeck. Im allgemeinen haben wegen der

häufigen Kriege die Schiffe, die die Ostsee besuchen, weniger starke

Mannschaften als die, die den Verkehr mit dem Westen besorgen.

(~Witsen~, S. 160.)

DAS KATZENSCHIFF (Katschip).

[Sidenote: II 217]

Das «Katschip» besteht aus einem Bujer und einer Flüte. Daraus ergibt

sich schon, dass es ein Schiff mit starken Krümmungen ist, da man es

oft in flachem Wasser verwendet, so hat es einen sehr flachen Boden

und ist überdies eckig gebaut. Es ist als sehr mittelmässiger Segler

bekannt, aber es kann viel laden. Die Langsamkeit müsste ihm eher den

Namen Esel eintragen als den Namen Katze, sagt ~Witsen~. (S. 163.)

Es hat kein Galionsdeck; dagegen hat es ein offenes Oberdeck vorn

und eine Kabine. Die Stange des Steuerruders, die unter der Kabine

durchgeht, wird ohne Ruderpinne gehandhabt. Meistens baut man das

Katzenschiff aus Pitch-Pine.

Alle oben erwähnten Type haben das Hinterteil einer Flüte, das heisst

ohne Spiegel, was den alten holländischen Schiffsbau kennzeichnet.

Der Schiffbau seit seiner Entstehung, Band 1 · 第 35 / 142 题